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Krankenpflege:  Umgang mit kranken Kaninchen

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Stress wirkt sich immer negativ auf das Immunsystem von Mensch und Tier aus, während Zufriedenheit und Optimismus den Körper positiv beeinflussen und die Heilungschancen verbessern.

Ein Tier kann zwar nicht darüber nachdenken, ob und wann es ihm besser geht; allerdings können wir auf vergleichbare Weise positiven Einfluss auf seinen Heilungsprozess ausüben – nämlich in Form von psychischem Wohlbefinden, d.h. indem wir dem Patienten einen so zufriedenen Alltag wie möglich bereiten und auf die besonderen Bedürfnisse eines kranken, verletzten oder geschwächten Tieres eingehen.

Gesellschaft

Kranke Kaninchen sollten grundsätzlich keinesfalls von ihren Artgenossen getrennt werden. Plötzliche Isolation von Artgenossen und Einsamkeit stellen eine große psychische Belastung für ein Rudeltier dar.

Mindestens der “Lieblingsartgenosse” muss dabei bleiben – sofern sich alle Kaninchen liebevoll gegenüber dem kranken verhalten, bleibt die Gruppe so, wie sie ist.

Viele Besitzer trennen ihre Tiere aus Angst vor einer Ansteckung, doch in den meisten Fällen zieht diese vermeintliche "Vorsichtsmaßnahme" lediglich Nachteile mit sich.

Bereits während der Inkubationszeit - d.h. der Zeit zwischen Infektion und Erkrankungsausbruch - kommen die Artgenossen mit infektiösen Ausscheidungen, Speichel, Atem und dem betroffenen Tier selbst in Kontakt, sodass eine Trennung nach Erkrankungsausbruch ohnehin zu spät erfolgt, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Andersherum heißt dies nicht zwangsläufig, dass die ganze Gruppe erkranken wird, im Gegenteil: Bei gesunden, artgerecht gehaltenen und gesund ernährten Kaninchen mit einem lückenlosen Impfschutz kommen nur wenige Krankheiten tatsächlich zum Ausbruch – und zwar dann, wenn das Immunsystem der Tiere angeschlagen ist. Dies wiederum betrifft selten alle Tiere gleichzeitig (außer bei massiven Haltungsfehlern, Hygienemängeln oder Fehlernährung).

Ansonsten kann eine Immunschwäche z.B. die Folge leichter, meist symptomlos verlaufender Infekte sein, wie sie auch der Mensch ständig unbewusst durchmacht.

Da diese Infekte aber nie alle Gruppentiere in gleichem Maße betreffen und ihre Immunsysteme dementsprechend immer in unterschiedlichem Maße belastet sind, kommen die Symptome einer Sekundärinfektion (=Zweiterkrankung) auch nicht bei allen Kaninchen und nicht gleichermaßen intensiv zum Vorschein.


Ruhe

Stören Sie das kranke Kaninchen so wenig wie möglich in Form von Lärm, Hektik und Neuerungen. Richten Sie sich ganz nach seinen "Wünschen":

Verschmuste Tiere genießen Streicheleinheiten momentan vielleicht ganz besonders – eventuell möchten sie aber auch gerade jetzt lieber in Ruhe gelassen werden. Streicheln Sie das Kaninchen immer am Boden, dann werden Sie selbst bemerken, ob es sich entspannt oder zurückzieht. Vermeiden Sie alle Situationen, von denen Sie wissen, dass Ihr Tier sensibel darauf reagiert.


Ernährung

Allgemeine Fütterungstipps bei kranken Kaninchen

Die Ernährung spielt bei kranken Kaninchen eine noch größere Rolle als bei gesunden: Auf der einen Seite haben kranke Tiere oft weniger oder keinen Appetit, was beim Kaninchen aufgrund seiner besonderen Verdauungsphysiologie schnell lebensgefährlich wird. Auf der anderen Seite muss die Ernährung bei kranken Tieren besonders schonend und hochwertig sein, um den Organismus nicht noch zusätzlich zu belasten.

Die Nahrung muss also besonders attraktiv und gleichzeitig ausgesprochen gut verträglich sein.

Es nützt dem Patienten wenig, wenn er bestimmte Leckerchen zwar weiterhin von selber frisst, davon aber Bauchschmerzen bekommt.

Das optimale Grundfutter für alle Kaninchen sind Wiesengrün (im Winter Küchenkräuter und Blattgemüse) und Zweige, zusätzlich sollte auch immer Heu zur Verfügung stehen. Diese Futtermittel sind auch für kranke Kaninchen unproblematisch, werden von ihnen aber mitunter nicht gut angenommen.


Bei Inappetenz

Ebenso verträglich wie Wiesengrün und Zweige, nährstoffreich und zugleich sehr beliebt sind frische Küchenkräuter wie Petersilie, Dill und Basilikum. Da sie im Duft und Geschmack sehr intensiv sind, werden sie auch von Tieren mit vermindertem Appetit oft noch sehr gut gefressen. Manchmal müssen sie allerdings zum ersten Bisschen "animiert" werden, um Appetit zu entwickeln:

Hierzu halten Sie dem Patienten einen Stängel oder ein Blättchen direkt unter seine Nase, damit es den Duft wahrnimmt. Ist dies nicht ausreichend, streichen Sie es sanft über sein Mäulchen. Einige Kaninchen beißen daraufhin auch aus "Ärger" hinein und kommen dabei auf den Geschmack.

Natürlich sollten Sie den Patienten nicht übermäßig "ärgern". Wendet er mehrmals den Kopf ab und versucht sich der Situation zu entziehen, belassen Sie es dabei.

Plan B stellen getrocknete Blätter, Blüten und notfalls auch Kräuter dar. Grundsätzlich sollten letztere aufgrund ihrer extrem hohen Kalziumkonzentration nur in kleinen Mengen gereicht werden; im Ausnahmefall, also z.B. bei einem krankheitsbedingt inappetenten Kaninchen, können sie aber durchaus einige Tage in größeren Mengen gefüttert werden, wenn sie als einziges (darmschonendes) Futter freiwillig gefressen werden.

Völlig kontraproduktiv im Krankheitsfall wäre eine Ernährung mit Obst(brei), Fertigmischfutter, Getreide, Leckerlis usw. Diese werden zwar vielleicht noch gefressen, führen aber binnen kürzester Zeit zu weiteren Gesundheitsproblemen - insbesondere, wenn zusätzlich nichts anderes (rohfaserhaltiges) gefressen wird!

Selbstverständlich hat es oberste Priorität, die Ursache der Inappetenz herauszufinden und zu behandeln. Ein schlechtes Allgemeinbefinden mit Kreislaufschwäche, Fieber, Übelkeit oder Schmerzen kann dazu führen, dass ein Kaninchen keine Nahrung aufnehmen mag. Erhält es - meist infolge einer OP - bereits Schmerzmedikamente, muss der Tierarzt evtl. deren Dosierung anpassen.

Eine Zwangsfütterung ist immer mit Stress verbunden, also nur eine Notlösung, falls das Tier wirklich gar nicht zum Selber-Fressen rohfaserhaltiger Kost zu bewegen ist.


Bei Schmerzen im Maulbereich

Kann das Kaninchen nicht gut oder nur unter Schmerzen kauen - z.B. durch einen Kieferabszess, eine Schleimhautverletzung im Mäulchen, eine Kiefergelenkserkrankung oder nach einer Zahn-OP - , muss ihm ein geeigneter Päppelbrei angeboten werden. Dieser wird meist von selber gefressen. Wichtig ist, dass er Rohfaser und keine schädlichen Inhaltsstoffe enthält, um keine Darmsymptome zu provozieren. Hier finden Sie viele hilfreiche Informationen zum Thema Breinahrung:


Medikamenten-Eingabe

In vielen Fällen bekommen Sie vom Tierarzt Medikamente mit, die einmal oder mehrmals täglich mit einer Spritze ins Mäulchen verabreicht werden sollen. Kaninchen sind hier individuell sehr unterschiedlich "kooperativ". Medikamente können entweder zwangsweise eingegeben werden oder - was für das Tier stressfrei und somit mehr zu empfehlen ist - Sie bringen den Patienten mit einem Trick dazu, das Medikament freiwillig zu sich zu nehmen.

Eingabe ohne Zwang

Wenn möglich, sollten Medikamente ohne Zwang verabreicht werden, um das bereits kranke Tier nicht zusätzlich zu stressen. Hier muss natürlich sehr gut darauf geachtet werden, dass der Patient sie auch wirklich vollständig zu sich nimmt. Es gibt verschiedene Methoden, dem Kaninchen seine Medikamente "unterzumogeln":

  • Aus der Spritze anbieten: Manche Kaninchen schlabbern (bestimmte) Medikamente freiwillig aus der Spritze, wenn man sie ihnen vor die Nase hält. Die Spritze wird in diesem Fall schräg nach oben gehalten und der Kolben langsam hinuntergedrückt, sodass das Kaninchen das Medikament tropfenweise von der Spitze wegschlabbern kann.

  • Beim Abbeißen ins Mäulchen spritzenBieten Sie dem Kaninchen etwas Wurzelgemüse aus der Hand an. Während es abbeißt, schieben Sie das Ende der Spritze rasch in den Oberlippenspalt oder unmittelbar davor und spritzen das Medikament etappenweise dazu.

  • Verstecken in BreifutterViele Kaninchen lieben Banane oder Babybrei. Die meisten Medikamente werden problemlos mitgefressen, wenn Sie sie in ein Stück Banane oder einen Löffel Karottenbrei (ohne Zusätze!) mischen. Alternativ können Sie das Lieblingsgemüse selber im Küchenmixer zu einem Brei zerkleinern. Probieren Sie aus, ob das Kaninchen den Brei mag, ehe Sie das Medikament beimischen! Die Menge des Futtermittels sollte grundsätzlich so gering wie möglich ausfallen, damit das Kaninchen auch wirklich alles sofort zu sich nimmt (und ferner auch, um den Darm nicht zu belasten). Anderenfalls muss der Rest - evtl. mit Wasser verdünnt - mit einer Spritze aufgezogen und zwangsweise eingegeben werden.

  • Der Patient muss das Medikament in jedem Fall umgehend vollständig zu sich nehmen! Lassen Sie mit einem Medikament angereichertes Futter keinesfalls einfach stehen, sondern beobachten Sie genau, ob das Kaninchen sofort alles zu sich nimmt und achten Sie gut darauf, dass kein Partnertier "stibitzen" kommt.

  • Auf einer Gemüsescheibe: Bieten Sie dem Kaninchen aus der Hand eine flache Scheibe Kohlrabi, Sellerie oder sonstiges Wurzelgemüse, das es gerne frisst, an. Bei aktuellen Verdauungsproblemen verwenden Sie stattdessen ein großes Blatt. Darauf geben Sie vor jedem Bissen einen Teil des Medikamentes. Halten Sie das Futter gut fest, damit das Kaninchen es Ihnen nicht "abnimmt" und auf den Boden legt, denn dadurch könnte ein Teil des Medikamentes auf dem Boden landen.
    Geben Sie das Medikament immer "häppchenweise" auf die Gemüsescheibe bzw. das Blatt, nie von vornherein die komplette Menge - denn falls das Kaninchen nicht alles auffressen sollte, wissen Sie nicht, welche Dosis es nun bereits zu sich genommen hat und wie viel noch fehlt. Der Trick funktioniert eher mit dickflüssigen Medikamenten; wässrige Substanzen laufen leicht hinunter und sollten daher anderweitig verabreicht werden.

  • Sind aktuell Verdauungsprobleme vorhanden, wäre es natürlich kontraproduktiv, die Medikamente mit Banane (stärkereich, stopfend), kohlenhydratreichen (Obst, Gemüsebrei) oder potentiell blähenden (Kohlgemüse) Futtermitteln zu verabreichen. Versuchen Sie es in diesem Fall mit explizit darmschonenden, rohfaserreichen Futtermitteln. So kann das Medikament mit ins Mäulchen gespritzt werden, während das Kaninchen z.B. von einem Bündel Petersilie, Basilikum oder Wiesenkräutern abbeißt, welches Sie ihm aus der Hand reichen. Dickflüssige Medikamente können auch portionsweise auf ein Blatt gegeben werden wie weiter oben beschrieben.

Zwangseingabe

Frisst das Kaninchen das Futter mit dem Medikament nicht oder hat es generell keinen Appetit, ist eine "Zwangseingabe" notwendig. Eine solche kann auch standardmäßig durchgeführt werden, wenn das Kaninchen sich nicht dagegen wehrt, das Einführen der Spritze gut toleriert und das Medikament bereitwillig abschluckt. 

Für Kaninchen hingegen, die sich massiv gegen die Zwangseingabe sträuben, ist sie mit erheblichem Stress verbunden, was für das Tier nicht nur unangenehm ist, sondern auch den Heilungsverlauf verzögern kann. Hier ist sie nur als Notlösung zu betrachten, wenn das Kaninchen seine Medikamente nicht freiwillig frisst.

Zur Eingabe setzen Sie das Kaninchen mit dem Po in Ihre Richtung auf einen Tisch oder auf den Schoß, um ein Ausweichen nach hinten zu vermeiden. Die Spritze mit dem aufgezogenen Medikament sollte schon bereit liegen.

Umfassen Sie mit der linken Hand den Kopf des Tieres, sodass Daumen und Zeigefinger an seinen Wangen zu liegen kommen, und schieben Sie ihm die Spritze hinter den Schneidezähnen seitlich ins Maul.

Wehrhafte Kaninchen wickeln Sie vorzugsweise in ein Handtuch, sodass nur das Köpfchen herausschaut. Auf diese Weise schränken Sie nicht nur seine Abwehrbewegungen ein, sondern die Tiere sind eingewickelt in aller Regel auch weniger gestresst, als wenn sie unmittelbar mit den Händen festgehalten werden.

Verabreichen Sie das Medikament in 0,5- bis 1-ml-Schlucken, damit das Kaninchen auch wirklich alles abschluckt und nicht ein Teil wieder herausläuft.

Ruckartige Kopfbewegungen nach oben können Sie vermeiden, indem Sie ihr Kinn auf den Kopf des Kaninchens legen und es dadurch indirekt fixieren. Bei sehr wehrhaften Tieren kann dies durchaus notwendig sein.

Direkt nach der Eingabe sollte der Patient in jedem Fall direkt wieder auf den Boden gesetzt und ausgiebig gelobt werden, einen Leckerbissen und sonstiges Lieblingsfutter erhalten, um den Stresspegel sofort wieder zu senken und die unangenehme Situation positiv abzuschließen. Falls das Kaninchen Streicheleinheiten mag, sollten natürlich auch diese erfolgen, sobald es sich wieder am Boden befindet.

Temperaturschwankungen

Temperaturschwankungen können schwer kranke Kaninchen durchaus belasten. Im Freien lebende Tiere sollten daher (zusammen mit mindestens einem Artgenossen) in einem nicht übermäßig geheizten Raum untergebracht werden, wo Tag und Nacht in etwa die gleiche Temperatur herrscht.

Ein kleines Zimmergehege ist schnell aufgebaut und mit einer Höhle ausgestattet; Teppichboden kann vorübergehend durch ein Stück PVC oder eine Plastikfolie, die wiederum mit waschbaren Teppichen oder Decken abgedeckt wird, geschützt werden.

Nutzen Sie diese Gelegenheit, um Ihrem erkrankten Tier ein gleich warmes Umfeld zu ermöglichen und es gut im Auge behalten zu können.

”Schwierige” Artgenossen

Einem kranken Tier können Umstände, die für ein gesundes Tier keinerlei Probleme darstellen, massiven Stress verursachen und zur starken psychischen Belastung werden:

Ein aufdringlicher oder launischer Artgenosse, vor dem normalerweise einfach geflüchtet wird, verhindert jetzt, dass das Tier sich in Ruhe auskurieren kann. Schwache Kaninchen verausgaben sich rasch, wenn der gesunde Artgenosse ihnen auf den Fersen ist.

Daher müssen “Problemtiere” voerst von dem erkrankten isoliert werden. Achten Sie von Anfang an gut darauf, wie sich die Kaninchen gegenüber dem kranken Rudelmitglied verhalten, und handeln Sie entsprechend Ihrer Beobachtungen.

Versuchen Sie jedoch in jedem Fall, mindestens einen Artgenossen mit dem kranken Kaninchen zusammen zu lassen! Dies ist in der Regel nicht schwierig, da zwischen einem Duo selten Spannungen entstehen.