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Narkosen und Operationen bei Kaninchen

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Tierarztwahl

Leider verfügt ein Großteil der Tierärzte nicht einmal über ein minimales Basiswissen über Kaninchen als Patienten.

Da Kleinsäuger (Kaninchen, Nagetiere, Frettchen, ...) im Tiermedizinstudium nur ein absolutes Randthema darstellen, aber anschließend von jedem Tierarzt behandelt werden dürfen - unabhängig davon, ob er über eine entsprechende Spezialisierung oder auch nur ansatzweise Fachwissen verfügt - , sind schwere, oft tödliche Kunstfehler keine Ausnahme, sondern die traurige Regel.

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Nur Tierärzte, die sich abseits vom Studium selbstständig fortbilden und spezialisieren, verfügen über ausreichende Kenntnisse im Bereich Kleinsäuger!

Die Wahl des richtigen Tierarztes für eine geplante Narkose ist das A und O, um das Kaninchen nicht zu gefährden. Das Narkosemanagement bei Hunden und Katzen kann nicht einfach auf Kaninchen und Nagetiere übertragen werden! Der Tierarzt sollte unbedingt fortgebildet und erfahren auf dem Gebiet der Kaninchennarkosen sein, anderenfalls besteht ein erhebliches Narkoserisiko!

Sie sollten den Tierarzt daher zuvor nach seinen Erfahrungen in diesem Bereich fragen. Ein Tierarzt, der generell pessimistisch oder gar desinteressiert und belächelnd gegenüber Kleinsäuger-Narkosen eingestellt ist, da er das Risiko für extrem hoch und Todesfälle für die Regel hält oder Kleinsäuger als Haustiere zweiter Klasse betrachtet, ist weder auf dem neuesten medizinischen Stand noch zu einer adäquaten Patientenversorgung motiviert!

Weiterhin sollten Sie Tierärzte meiden, an deren Äußerungen Sie erkennen, dass sie eine möglichst billige Narkose für erstrebenswert halten. Leider kommt es nicht selten vor, dass Tierärzte davon ausgehen, der Tierbesitzer sei nicht dazu bereit, höhere Kosten für sein Tier zu investieren. Insbesondere bei Besitzern von Kaninchen und Nagern sind Unterstellungen dieser Art leider weit verbreitet.

Einen Tierarzt, der den Besitzer offensichtlich lieber durch geringe Kosten erfreuen möchte, als den Patienten optimal zu versorgen, sollten Sie Ihr Tier keinesfalls operieren lassen; denn vermutlich wird er auf wichtige (und entsprechend kostspielige) Sicherheitsmaßnahmen vor, während und nach der OP verzichten. 

Auch ist die sorgfältige Überwachung des Patienten während und nach dem Eingriff zweifelhaft, wenn der Tierarzt ihn offensichtlich als Patienten nicht ernstnimmt.

Wählen Sie unbedingt einen Tierarzt, der positiv von seinen Erfahrungen berichtet, für den Kaninchen-OPs sowie hohe Sicherheitsstandards selbstverständlich sind und für den das Wohl seines Patienten an erster Stelle steht - und nicht ein "Sparmodus" für den Besitzer.

Ein guter Tierarzt erklärt Ihnen genau, wie die Narkose und der Eingriff ablaufen, was er zur Sicherheit des Patienten tut, was vorher und nachher zu beachten ist. Er erläutert die voraussichtlichen Kosten objektiv, ohne davon auszugehen, dass sie Ihnen Ihr Tier nicht wert wären. Im nachfolgenden Abschnitt erfahren Sie, was für eine sichere Narkose von Bedeutung ist, was Sie also unbedingt im Voraus beim Tierarzt erfragen und mit ihm abklären sollten.

Zögern Sie nicht, sich im Zweifelsfall eine zweite Meinung einzuholen. Nicht die Zusage an den erstbesten Tierarzt steht im Vordergrund, sondern das Leben und die optimale Versorgung Ihres Tieres.

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Sichere Narkosen

Art der Narkose

Eine vor einer Operation verabreichte Narkose beinhaltet vor allem 3 Arten von Medikamenten: Ein Sedativum, welches den Patienten beruhigt, ein Hypnotikum, welches zur Bewusstlosigkeit führt, und ein starkes Analgetikum (Schmerzmittel).

Immer wieder hört oder liest man, Injektionsnarkosen seien "schlecht steuerbar", daher solle der Besitzer "darauf achten, dass eine Gasnarkose angewandt wird", damit die Narkose sicher sei. Dies lässt sich so nicht pauschalisieren.

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Richtig ist, dass eine "klassische" intramuskulär (also in den Muskel) injizierte Narkose nicht steuerbar ist, da das einmal verabreichte Medikament auch im Körper des Tieres verbleibt und je nach Dosis kürzer oder länger wirkt. Die gängige Kombination für eine solche Narkose sind Medetomidin und Ketamin (früher Xylazin und Ketamin). Bei einem gesunden, fitten Tier und einer vorhersehbaren Narkosedauer ist eine solche Narkose mitunter vertretbar.

Allerdings gibt es neben den klassischen Narkosemitteln inzwischen eine weitaus sicherere Methode, nämlich die sogenannte vollantagonisierbare Triple-Narkose.

"Triple"-Narkose bedeutet, dass sich das verabreichte Narkosemittel aus 3 verschiedenen Medikamenten zusammensetzt.

Dadurch wird das Phänomen ausgenutzt, dass sich bestimmte Substanzen gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken und dadurch insgesamt eine geringere Dosis verwendet werden kann, wodurch auch eventuelle Nebenwirkungen geringer ausfallen. In der Regel verwendet werden das Benzodiazepin Midazolam (als Sedativum), das Hypnotikum Medetomidin (zum Bewusstseinsverlust) und das Opiat Fentanyl (als Schmerzmittel und zur Wirkungsverstärkung des Hypnotikums). Anstelle von Fentanyl bevorzugen manche Tierärzte Butorphanol, welches weniger atemdepressiv ist. Bei sehr schmerzhaften Eingriffen muss Butorphanol allerdings mit einem weiteren, stärkeren Schmerzmittel kombiniert werden, beispielsweise Ketamin.

"Vollantagonisierbar" bedeutet, dass es Gegenmittel zu den verwendeten Wirkstoffen gibt.

Werden diese intravenös verabreicht, wird die Wirkung der Narkosemittel binnen Sekunden aufgehoben und der Patient wacht auf. Dadurch kann erstens die Narkose sofort beendet werden, falls sich der Zustand des Patienten verschlechtern sollte; zweitens kann das Kaninchen nach Beendigung des Eingriffs direkt "geweckt" werden, wodurch es nahezu sofort wieder fit ist, selbstständig stehen, laufen und fressen kann und sein Kreislauf relativ stabil ist. Somit entfallen gefährlich lange Nachschlaf- und Benommenheitsphasen, die mit einem instabilen Kreislauf und (infolge des Nichtfressens) oft auch Magen-Darm-Problemen verbunden wären.

Als Gegenmittel verwendet werden Flumazenil für das angewandte Benzodiazepin, Atipamezol für das Hypnotikum und Naloxonhydrochlorid für das Opiat. Alle drei sind sogenannte "kompetitive Antagonisten", d.h. sie konkurrieren mit den zuvor angewandten Wirkstoffen um bestimmte Rezeptor-Bindungsstellen im Körper und verdrängen sie somit, sofern sie in einer adäquaten Dosis verabreicht werden.

Um einen ständigen Zugang zum Blutkreislauf zu haben und Medikamente jederzeit mit sofortiger Wirkung verabreichen zu können, benötigt das Kaninchen einen Venenkatheter. Dieser wird meist in die Ohrrandvene gelegt.

Inhalationsnarkosen sind zwar theoretisch gut steuerbar, liefern aber bei weitem keine Garantie für eine sichere Narkose. Hierfür spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle.

Die gute Steuerbarkeit basiert darauf, dass dem Patienten keine einmalige (hohe) Dosis des Narkosemittels verabreicht wird; sondern das gasförmige Narkotikum permanent in einer Dosis zugeführt wird, die die Narkose zuverlässig aufrechterhält. Schwankungen im Wirkspiegel werden dadurch vermieden, die Narkose verläuft sehr gleichmäßig und belastet den Organismus nur wenig.

Durch die permanente Gaszufuhr kann die Narkose im Notfall auch spontan abgebrochen werden, indem der Patient einfach vom Gas entfernt wird. Doch die Steuerbarkeit ist eben nicht das Einzige, was die Narkosesicherheit ausmacht.

Eine Narkose sollte grundsätzlich nicht mit Gas eingeleitet, sondern lediglich aufrechterhalten werden. Die Einleitung erfolgt mittels Injektionsnarkose. Dafür wird meist entweder ein sogenanntes Kurznarkotikum (z.B. Propofol) oder die oben erwähnte vollantagonisierbare Triple-Narkose verwendet, um den Zeitraum zu überbrücken, bis der Patient ans Narkosegas angeschlossen ist.

Dies hat den Hintergrund, dass viele Kaninchen mit Stress oder sogar Todesangst auf den Geruch von Isofluran (also dem Narkosegas) reagieren. Dies ist nicht nur tierschutzrelevant, sondern bedeutet auch eine Erhöhung des Narkoserisikos, da die ausgeschütteten Stresshormone den Narkose-Wirkstoffen entgegenwirken. Es werden bei einem hohen Stresspegel also erheblich höhere Dosen des Narkotikums benötigt, um die Narkose einzuleiten und aufrechtzuerhalten! Die Folge sind eine entsprechend stärkere Kreislaufbelastung und ein erhöhtes Komplikationsrisiko. 

Letztlich eignen sich reine Isofluran-Narkosen aufgrund der fehlenden Schmerzausschaltung nicht für Operationen - sie müssen immer mit der Injektion eines opioiden Schmerzmittels kombiniert werden.

Auch eine Inhalationsnarkose ist nur dann prinzipiell sicher, wenn der Patient ein unauffälliges Blutprofil hat, möglichst stressfrei einschläft und einen Venenkatheter erhält. Für höchste Sicherheit bekommt das Kaninchen außerdem einen Trachealtubus / eine Larynxmaske, wird während der gesamten Narkose intravenös infundiert und technisch überwacht. Im Falle einer Operation benötigt es außerdem schon vor der Narkose eine ausreichende Schmerzabdeckung, damit der erforderliche Wirkspiegel zu Beginn des Eingriffs bereits erreicht ist.

Zwar ist ein narkotisiertes Tier bewusstlos und empfindet somit bewusst auch keine Schmerzen. Der Körper allerdings reagiert auf schmerzhafte Eingriffe ebenso, wie er es bei einem wachen Tier tun würde - nämlich u.a. mit der Ausschüttung von Stresshormonen, welche im Übermaß nicht nur zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen können, sondern auch Gegenspieler der Narkosemittel darstellen (siehe oben).

Für ein Tier, das während des Eingriffs unzureichend mit Schmerzmitteln abgedeckt ist, sind daher erheblich höhere Dosen des Narkosemittels notwendig, damit es nicht aufwacht - was den Organismus massiv belastet und beim Kaninchen relativ schnell zum Herzstillstand führt! Zudem ist es wahrscheinlich, dass der Körper ein sogenanntes "Schmerzgedächtnis" ausbildet - das Tier empfindet dann nach dem Erwachen viel stärkere Schmerzen und benötigt entsprechend höher dosierte Schmerzmittel - mit entsprechenden Nebenwirkungen.

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Erhalt der Vitalfunktionen

Um ein narkotisiertes Kaninchen stabil zu halten, sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  • Trachealtubus / Larynxmaske
  • Venenkatheter
  • intravenöse (!) infusion
  • Wärmezufuhr
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Eine der wichtigsten Maßnahmen für eine sichere Narkose ist das Legen eines Venenkatheters, um den Kreislauf des Patienten durch eine intravenöse Dauertropfinfusion zu stabilisieren und im Notfall umgehend Medikamente direkt in die Blutbahn verabreichen zu können. Dies ist umso wichtiger, je länger die Narkose dauert und je kritischer der Zustand des Patienten ist.

Ohne venösen Zugang besteht im Notfall - etwa bei einem Atem- oder Herzstillstand - keine Chance, schnell und adäquat mit Medikamenten einzugreifen, um den Patienten zu retten. Auch ersetzt eine subkutan (= unter die Haut) verabreichte Infusion unter keinen Umständen die Dauertropfinfusion direkt in die Vene, die Kreislaufstabilisierung ist erheblich weniger effizient und im Fälle eines Schocks sogar völlig unwirksam.

Weiterhin äußerst empfehlenswert ist das Legen eines Endotrachealtubus (also eines Tubus in die Luftröhre) oder zumindest einer Larynxmaske (wird bis kurz vor die Luftröhre geschoben), durch den der Patient sicher und effektiv beatmet werden kann.

Der Trachealtubus besitzt gegenüber der Larynxmaske den Vorteil, dass er die Atemwege offen hält. Der Vorteil der Larynxmaske ist, dass sie besonders einfach anzuwenden ist und somit auch bei schwer intubierbaren Tiere oder weniger geübten Tierärzten eine zügige und zuverlässige Beatmung des Patienten ermöglicht. Außerdem wird die Luftröhre geschont.

Sowohl der Tubus als auch die Larynxmaske verfügen über einen "Ballon", der in der Luftröhre bzw. dem Rachen des Patienten aufgeblasen wird und die Atemwege somit effektiv abdichtet, sodass erstens das komplette verabreichte Gas auch definitiv vom Tier aufgenommen wird und zweitens keine Flüssigkeiten (Speichel, Blut, Spüllösungen, ...) am Tubus vorbei in die Luftröhre gelangen können.

Da nicht jeder Tierarzt über Larynxmasken verfügt und das Legen eines Trachealtubus beim Kaninchen anatomisch bedingt etwas aufwändiger ist als bei Hund und Katze, wird leider häufig darauf verzichtet und das Tier stattdessen über eine Gesichts- oder Nasenmaske beatmet. 

Da eine solche Maske weder bis in oder an die Luftröhre reicht noch effektiv gegenüber der Umgebung abgedichtet werden kann, ist bei dieser Form der Beatmung letztlich unklar, wie viel Sauerstoff und Narkosegas tatsächlich in das Tier gelangen. Weiterhin kann das Tier im Falle eines Atemstillstandes nicht effizient beatmet werden. Eine "Mund-zu-Mund-Beatmung" oder das Schwenken des Tieres sind längst nicht so zuverlässig wie die Larynx- oder Tubusbeatmung.

Einen Kompromiss stellt die Nasensonde dar. Sie ist bei Operationen in der Maulhöhle sogar das Mittel der Wahl, da Tuben und Larynxmasken hier oft hinderlich sind. Eine Nasensonde wird bis auf Höhe des lateralen Augenwinkels in eines der Nasenlöcher geschoben. Sauerstoff und Narkosegas gelangen auf die Weise direkt in die Atemwege. Eine Beatmung ist durch die Nasensonde nicht möglich.

Weiterhin wichtig, um den Kreislauf stabil zu halten, ist eine ausreichende Wärmezufuhr während der gesamten Narkose. Dies kann z.B. erfolgen, indem der Patient auf einem Wärmekissen gebettet, an Wärmeflaschen oder an mit warmem Wasser gefüllte Handschuhe gelehnt wird. Um die physiologische Körpertemperatur (38,3°-39,5° C) weder zu unter- noch zu überschreiten, muss die Temperatur engmaschig überwacht werden (s.u.).

Diese vier Punkte - Venenkatheter, intravenöse Infusion, Trachealtubus / Larynxmaske und Wärmezufuhr - können Sie im Vorfeld problemlos erfragen und besprechen.

Letztendlich gilt jedoch:

Die beste Narkose ist die, die der Tierarzt am besten beherrscht.

Auch unter Spezialisten gehen die Meinungen bezüglich der idealen Narkose und Sicherheitsvorkehrungen sehr stark auseinander. Wichtig ist ein ausführliches Vorgespräch, in dem der Tierarzt Ihnen seine Erfahrungen und Ansichten genau schildert und erklärt, weshalb er bestimmte Maßnahmen durchführt oder nicht. Hier spielt letztlich auch Ihr Bauchgefühl eine Rolle.

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Überwachung der Vitalfunktionen

Um den Zustand des Patienten während der Narkose gut im Auge zu behalten, sind folgende Maßnahmen ratsam:

  • Sauerstoff-/ Pulsoximeter
  • Kapnograph
  • Temperaturmessung
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Ein gutes "Monitoring" ist wichtig, um den Zustand des Patienten während der Narkose im Auge zu behalten und Notfälle rechtzeitig zu erkennen. Dazu gehört idealerweise die Anwendung eines Pulsoximeters, welches permanent die Herzfrequenz und den Sauerstoffgehalt des Blutes misst und auf einem Display anzeigt. Weiterhin empfehlenswert sind ein Kapnograph zur Messung des CO2-Gehaltes sowie eine Rektalsonde zur permanenten Überwachung der Körperinnentemperatur.

Alternativ werden Atmung, Puls und Körpertemperatur von einem erfahrenen Tierarzt(helfer) manuell überwacht. Definitiv nicht empfehlenswert sind Tierärzte, die ihre Operationen komplett alleine durchführen - denn es ist unmöglich, gleichzeitig (konzentriert) zu operieren und die Vitalparameter des Patienten zu überwachen!

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Auch die (technische) Überwachung während der Narkose lässt sich im Vorfeld gut erfragen.


Vorsorge

Durch folgende Maßnahmen bereiten Sie Ihr Kaninchen optimal auf die Narkose vor:

  • Blutuntersuchung
  • Fütterungsmanagement (Schonkost)
  • Stressreduktion
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Blutuntersuchung

Vor jeder Narkose empfiehlt sich ein kurzer Blutcheck, um die Leber- und Nierenfunktion sowie das Differentialblutbild zu überprüfen.

Dies gilt vor allem für Kaninchen im mittleren (ab ca. 4 Jahren) bis hohen Alter, mit bekannten Vorerkrankungen sowie positivem EC-Titer. Insbesondere chronische EC-bedingte Nierenerkrankungen sind beim Kaninchen weit verbreitet und bleiben oft lange Zeit unerkannt. In diesem Fall ist es potentiell lebensrettend, sie vor der Narkotisierung zu erkennen, da die im Rahmen einer Narkose sowie OP verabreichten Medikamente häufig über die Leber verstoffwechselt und dann über die Nieren ausgeschieden werden - was sich im Falle einer Funktionsstörung verzögert. 

Außerdem sind Leber- sowie Niereninsuffizienzen oft mit einem Proteinmangel im Blut verbunden, welche u.a. für den Medikamententransport zuständig sind. In beiden Fällen ist es notwendig, die Dosis der verabreichten Medikamente zu reduzieren.

Erhöhte Nierenblutwerte (Kreatinin und Harnstoff) sollten außerdem, sofern die OP kurzzeitig aufgeschoben werden kann, zunächst mittels Infusionen in den Normbereich gesenkt werden. Auch müssen das Infusionsmanagement während und nach der Narkose sowie die verabreichten Medikamente entsprechend angepasst werden. Dasselbe gilt für eine Leberfunktionsstörung.

Bei sehr jungen Tieren ist die Leber- und Nierenfunktion noch nicht voll ausgereift und bei älteren Tieren lässt sie oftmals nach. Auch dann wirken die Medikamente entsprechend stärker und müssen in niedrigerer Dosierung verabreicht werden.

Durch eine Überprüfung des Differentialblutbildes kann u.a. erkannt werden, ob das Tier momentan eine latente (= symptomlose) Infektion durchmacht - auch in diesem Fall sollte der Eingriff, wenn möglich, verschoben werden.

Besprechen Sie diese Maßnahmen bereits im Voraus mit dem Tierarzt, um sie zeitlich miteinplanen zu können. Falls die Praxis über kein eigenes Labor verfügt oder die Geräte Kaninchenblut nur eingeschränkt, auswerten können, ist ein separater Termin notwendig, um die Blutergebnisse rechtzeitig im Voraus zu erhalten.

Fütterungsmanagement

Im Gegensatz zu Hund und Katze dürfen Kaninchen (wie auch andere Tiere mit einem Stopfmagen) vor Operationen keinesfalls fasten!

Nicht nur ist der Grund des Nüchternbleibens vor einer Narkose - nämlich die Vermeidung eines Erbrechens - beim Kaninchen hinfällig, da sie aufgrund ihrer Magen-Darm-Anatomie ohnehin nicht erbrechen können; ein Futterentzug über mehrere Stunden wäre für sie sogar lebensgefährlich.

Die Verdauungsstörungen infolge eines Futterentzugs sind nicht nur an sich lebensbedrohlich, sondern würden auch das Narkoserisiko erheblich steigern. Aus demselben Grund dürfen und sollten Kaninchen nach der Narkose auch gleich wieder fressen, sobald sie wach genug sind, dass keine Aspirationsgefahr (= Einatmen des Futters) mehr besteht.

Da der Verdauungstrakt während der Narkose stillliegt und die Darmflora dementsprechend belastet wird, reichen Sie ab dem Vortag ausschließlich Schonkost. Hierzu gehören alle Futtermittel, die reich an strukturierter Rohfaser sind - d.h. frische Blätter, Gräser, Kräuter, Zweige und Heu.

Auf Leckerlis, Obst und Kohl sollte hingegen verzichtet werden.

Stresspegel vor der OP

Kaninchen sollten niemals in Narkose gelegt werden, während sie stark gestresst sind.

Das freigesetzte Adrenalin wirkt den Narkosemedikamenten entgegen, sodass mitunter eine erheblich höhere Dosis notwendig ist, damit der Patient einschläft. Dies wiederum kann eine gefährliche Mehrbelastung für den Kreislauf, das Herz und die Nieren darstellen.

Es empfiehlt sich daher, das Kaninchen zusammen mit einem Artgenossen bereits einige Stunden vor der geplanten Narkose beim Tierarzt abzugeben. Auch eine Abgabe am Vorabend ist in den meisten Praxen möglich. Die Kaninchen werden dann zunächst stationär untergebracht und können sich aklimatisieren. Die Stationsbox sollte über einen "Höhlenbereich" verfügen, z.B. einen seitlich offenen Karton oder indem ein Handtuch über eine Hälfte der frontalen Gittertür gelegt wird. 

Keinesfalls sollten sich natürliche Feinde wie Katzen oder Hunde in der Nähe befinden, da ihr Geruch einen massiven Stressfaktor darstellen würde.

Erst, wenn das Tier zur Ruhe gekommen ist, sollte es bei sanftem, ruhigem Handling in Narkose gelegt werden.

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Nachsorge

Folgende Punkte spielen bei der Nachsorge eine Rolle:

  • Überwachung der Körpertemperatur
  • Überwachung der Kreislauffunktionen
  • ggf. Body
  • ggf. Halskrause (aus Stoff)
  • Wundpflege
  • Schmerztherapie
  • Antibiose
  • Stressvermeidung
  • Fütterung
  • Gewichtskontrolle
  • Komplikationen erkennen
  • Kontrolltermine
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Körpertemperatur

Frisch operierte Kaninchen müssen engmaschig auf ihre Temperatur überprüft und warmgehalten werden: Eine Narkose bedeutet immer eine Kreislaufbelastung und beeinträchtigt die Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur zu regulieren. Dies führt häufig dazu, dass die Tiere erst auskühlen, bei Wärmezufuhr jedoch schnell überhitzen und nach Entfernung der Wärmequelle erneut unterkühlen; je länger die Narkose, je schwerer der Eingriff und je angeschlagener der Patient, desto instabiler ist sein Kreislauf nach dem Erwachen. Eine sorgfältige Überwachung ist daher von großer Bedeutung. 

Ein verantwortungsbewusster Tierarzt entlässt seinen Patienten erst, wenn seine Temperatur wieder stabil ist. Im Falle einer Gas- oder vollantagonisierbaren Triple-Narkose (s.o.) sind die Tiere in der Regel sehr schnell nach Verabreichung der Gegenmittel wieder wach und stabil.

Ein Kaninchen sollte immer in einer ruhigen, warmen, komfortablen Umgebung aus der Narkose erwachen. Während der Aufwachphase reagieren die Tiere besonders sensibel auf äußere Reize wie beispielsweise Geräusche. Angst und Stress während des Erwachens oder in den Stunden danach sind für den bereits geschwächten Organismus eine erhebliche Mehrbelastung und dementsprechend gefährlich. 

Der Aufwachraum sollte daher sehr ruhig sein, die Aufwachbox warm und gut gepolstert und sich nicht im selben Raum wie Hunde, Katzen oder andere natürliche Fressfeinde befinden. Neben ihrem Partnertier wachen Kaninchen übrigens deutlich entspannter auf. Diese Vorgehensweise ist aber oft nicht möglich, da das operierte Tier meist Wärme benötigt; die dem Partnertier hingegen unangenehm wäre.

Kreislauf

Grundsätzlich dürfen aus der Narkose erwachte Tiere erst dann den Heimweg antreten, wenn sie wieder von alleine schlucken, aufstehen, sitzen und sich fortbewegen können und ihr Kreislauf sowie die Körpertemperatur stabil sind.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist eine strenge tierärztliche Überwachung der Aufwachphase unbedingt notwendig, um beim Auftreten von Komplikationen sofort eingreifen zu können; dazu gehört neben der Unterkühlung auch ein generelles Kreislaufversagen.

Kaninchen, denen die Narkose oder der Eingriff stark zugesetzt hat, müssen auch über Nacht noch gut beobachtet werden und sollten intravenös infundiert, d.h. an den Tropf gehängt werden. Ist dies in der Praxis Ihrer Wahl nicht möglich, bleibt Ihnen lediglich, Temperatur und Futteraufnahme bei sich zu Hause mindestens alle zwei Stunden zu kontrollieren und warme, subkutane Infusionen zu verabreichen (d.h. Infusionen unter die Haut zu spritzen - der Tierarzt macht es Ihnen vor). Diese ersetzen aber keinesfalls die intravenösen Infusionen, da sie im Falle einer bereits vorhandenen Kreislaufschwäche nicht vom Körper resorbiert werden können.

"Offenlassen" der Narbe

Am komfortabelsten für den Patienten ist es, wenn die vernähte Wunde komplett "unbedeckt" bleibt, d.h. weder ein Pflaster, ein Body noch eine Halskrause zum Einsatz kommt.

Um diese Methode umzusetzen, ist es notwendig, dass der Tierarzt eine sogenannte Intrakutannaht anlegt - d.h. die Wunde wird so vernäht, dass die Fäden in ihrem Innern "versteckt" liegen und von außen nicht erreichbar sind. Anderenfalls stören sich die Tiere i.d.R. erheblich an dem "Fremdkörper" und ziehen sich die Fäden selber - wodurch die Gefahr besteht, dass die Wunde wieder eröffnet wird und sich infiziert.

Für Intrakutannähe wird resorbierbares Nahtmaterial verwendet, d.h. die Fäden müssen nicht nach einer bestimmten Zeit gezogen werden, sondern lösen sich von selber auf.

Bodys

Tiere, die sich die Wunde belecken, beknabbern oder versuchen, Fäden herauszuzupfen, sollten einen Body erhalten. Da dies bei den meisten Kaninchen der Fall ist, wird der Body in aller Regel schon vorsorglich angezogen, während das Tier noch schläft. 

Einen Body erhalten Sie beim Tierarzt, im Internet oder Sie basteln ihn selber, indem Sie z.B. eine große Socke unten mit vier kleinen Löchern für die Beine und hinten mit einem großen fünften Loch für den Hinterleib versehen. Letzteres muss groß genug sein, dass das Kaninchen problemlos Kot und Urin absetzen kann. Hier hilft es auch, die Socke im entsprechenden Bereich von hinten rund einzuschneiden.

Der Body sollte eng anliegen. Er muss so fest sitzen, dass das Kaninchen sich nicht daraus befreien kann. Selbstverständlich darf es jedoch nicht eingeschnürt werden. Sie sollten problemlos einen Finger zwischen Tier und Body schieben können.

Bodys sind bei Kaninchen keineswegs beliebt, aber in den oben genannten Fällen unerlässlich, um eine Eröffnung oder Infektion der frisch vernähten Wunde zu vermeiden.

Halskrausen?

Halskrausen werden von Kaninchen sehr schlecht toleriert und sollten nur im äußersten Notfall, d.h. wenn der Body zum Schutz nicht ausreichen sollte, Anwendung finden. Leider bieten die meisten Tierarztpraxen bisher nur die klassischen starren Plastik-Halskrausen an, die für Kaninchen eine Tortur sind. Meist stoßen die Tiere damit hoffnungslos an Wände und Gegenstände und kommen kaum zur Ruhe, oft wird sogar das Fressen eingestellt. 

Weit besser geeignet sind weiche, biegsame Halskrausen aus Stoff. Stößt das Kaninchen damit gegen ein Hindernis, werden sie einfach eingedrückt.

Bietet Ihr Tierarzt keine Halskrause aus Stoff an, können Sie sie im Internet bestellen - wenn möglich, rechtzeitig vor der OP! Zur Not können Sie mit einem Stück festem Teppich oder einer Fußmatte improvisieren, indem Sie ein rundes Stück herausschneiden, in der Mitte ein Loch für den Kopf ausschneiden und um dieses herum mehrere kleine Löcher ausstanzen, durch die Sie z.B. ein Halstuch oder einen weichen Verband fädeln. Dieser wird anschließend im Nacken des Kaninchens so fest zusammengeknotet, dass noch gut ein Finger zwischen Kaninchen und Band passt.

Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Kaninchen mit seiner Halskrause problemlos fressen und trinken kann. Gggf. muss sie entsprechend eingeschnitten werden. Alle Gegenstände, an denen das Tier potenziell mit der Halskrause hängen bleiben könnte, müssen vorübergehend entfernt werden!

Wundpflege

Während der ersten Tage muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Wunde trocken und sauber bleibt; sollte sie mit Feuchtigkeit, Nässe oder Hinterlassenschaften in Kontakt kommen, bestände die Gefahr einer Wundinfektion. 

Im Freien lebende Tiere sollten vorübergehend ins Haus "umgesiedelt” werden - auch wegen der Gefahr eines Fliegenmadenbefalls! Dies ist immer zusammen mit mindestens einem Partnertier, besser der ganzen Gruppe, erforderlich. Weiterhin sind besondere Hygienemaßnahmen unerlässlich, um zu verhindern, dass das Kaninchen sich z.B. auf urinverschmutzte Streu legt.


Schmerztherapie

Falls der Tierarzt nicht von sich aus ein Schmerzmittel sowie ggf. ein Antibiotikum verordnet, bitten Sie ihn explizit darum: Schmerzen belasten das Kaninchen nicht nur psychisch, sondern führen mitunter zur Futterverweigerung, was zusätzliche Komplikationen zur Folge hätte und den Heilungsverlauf verzögern würde. Falls Ihr Tier anfangs nicht von selbst fressen möchte, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als es vorübergehend zwangszufüttern.

Antibiose

Ein Antibiotikum ist bei OPs mit Infektionsgefahr und bei chronisch kranken / geschwächten Tieren notwendig. Sterile Routine-Eingriffe wie z.B. Kastrationen hingegen erfordern grundsätzlich keine antibiotische Behandlung.

Begleitend sollte ein Pro- und Präbiotikum gegeben werden, um die Darmflora stabil zu halten.


Stressvermeidung

Stress kann den Genesungsprozess erheblich verzögern. Gewisse Stresssituationen wie die Eingabe von Medikamenten, die Kontrolle der Wunde, Fiebermessen, Wiegen, Zwangsfüttern und tierärztliche Nachsorgetermine lassen sich leider oft nicht vermeiden. Versuchen Sie dennoch, das Kaninchen so stressarm wie möglich unterzubringen und zu versorgen: "Aufdringliche" Partnertiere sollten separiert werden, der "Lieblings-Artgenosse" hingegen sollte immer bei dem Patienten bleiben.

Müssen mehrere Medikamente verabreicht werden, sollten diese, soweit möglich, zeitgleich eingegeben werden. Auch sonstige Maßnahmen sollten möglichst mit der Medikamenteneingabe kombiniert werden, damit das Tier nicht mehrfach eingefangen werden muss.


Fütterung

Kaninchen, die nicht von selber fressen, müssen zwangsernährt werden. Die Fütterungen müssen mehrmals am Tag und auch in der Nacht zuverlässig erfolgen. Bei einer adäquaten Schmerzabdeckung fangen Kaninchen aber in aller Regel recht schnell wieder an zu fressen.

Nach Zahn-OPs haben Kaninchen oft Beschwerden beim Abbeißen und vor allem Kauen. Diesen Tieren sollte ein geeigneter, faserhaltiger Futterbrei angeboten werden, z. B. eingeweichte Pellets oder pürriertes Grünfutter. Je nach Eingriff genügt es oft auch, das Futter zu raspeln.


Gewichtskontrolle

Je nachdem, wie gut das Kaninchen nach dem Eingriff wieder von selber frisst, sollte es ein- bis zweimal täglich gewogen werden. Im Falle eines Gewichtsverlusts muss kalorienhaltige Kost angeboten oder zusätzlich zur eigenständige Futteraufnahme mit hochkalorischem Brei gepäppelt werden. 

Ein starker Gewichtsverlust binnen kurzer Zeit ist unbedingt zu vermeiden - vor allem bei übergewichtigen Tieren. Anderenfalls droht ein Leberversagen!


Komplikationen

Jede Operation kann mit Komplikationen einhergehen. Haben Sie den Eindruck, dass es Ihrem Kaninchen binnen ein bis zwei Tagen nicht besser oder gar schlechter geht, zögern Sie nicht, Ihren Tierarzt zurate zu ziehen.

Werfen Sie zweimal täglich einen vorsichtigen Blick auf den OP-Bereich, um etwaige Blutungen, Schwellungen und anderweitige Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen.

Es empfiehlt sich, während der ersten Tage auch die Temperatur des Tieres ein- bis zweimal täglich zu messen: Fieber ist ein Hinweis darauf, dass sich die Wunde entzündet hat, Untertemperatur deutet auf eine Kreislaufschwäche hin.

Auch deutliche Blutungen oder Wundschwellungen sind als Alarmzeichen zu betrachten! Hier sind in aller Regel eine umgehende Wundversorgung und evtl. eine erweiterte antibiotische Therapie notwendig.

Kontrolltermin

Verläuft alles wie beabsichtigt, ist - je nach Art des Eingriffs - spätestens zehn Tage nach der Operation ein Kontrolltermin angesagt, um eine komplikationslose Wundheilung sicherzustellen und ggf. die Fäden zu ziehen. Wird letzteres versäumt, wachsen die Fäden in die Haut ein und führen dort zu Entzündungen. Je nach Eingriff wird der Tierarzt seinen Patienten aber mitunter schon nach 1-2 Tagen und evtl. auch mehrmals nachkontrollieren wollen.

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