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Fliegenmaden: Madenbefall beim Kaninchen

Ein Befall mit Fliegenmaden ist vor allem im Sommer das Todesurteil vieler Kaninchen:  Aus den Eiern der Schmeißfliegen können innerhalb weniger Stunden Maden schlüpfen, die das Kaninchen regelrecht bei lebendigem Leibe auffressen. 


Ursachen für Fliegenmadenbefall

  • Wunde Hautareale
  • Verletzungen
  • (urin)durchnässtes Fell
  • kotverklebtes Fell
  • Schwäche, hohes Alter
  • Hygienemangel
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Grundsätzlich sind gesunde Kaninchen nicht gefährdet, von Fliegenmaden befallen zu werden. Es gibt jedoch Ausnahmen: Halten die Tiere sich beispielsweise in stark kotverschmutzten Bereichen auf, können die meist in Massen angelockten Fliegen sie durchaus als Ort für ihre Eiablage wählen.

Auch sehr alte oder krankheitsbedingt geschwächte Kaninchen sind gefährdet, da sie die Fliegen mitunter nicht mehr richtig wahrnehmen oder sich nicht gegen sie zur Wehr setzen. Dann genügt ein Köttel im Analbereich als "Einladung".

Typischerweise sind jedoch Kaninchen mit Hautveränderungen und Fellverschmutzungen betroffen. Insbesondere bei Durchfall oder im Fell klebenden Blinddarmkot sind Fliegenmaden nahezu vorprogrammiert. Sehr gefährlich sind außerdem Wunden, zum Beispiel Bissverletzungen oder chirurgisch eröffnete Abszesse. Auch Hautreizungen, beispielsweise durch Einspeicheln, Schnupfen, verfilztes Fell, Kotkrusten oder Inkontinenz, stellen ein Risiko dar. 


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Symptome bei Fliegenmadenbefall

  • Apathie, Rückzug, Futterverweigerung
  • gekrümmte Körperhaltung, Unruhe
  • Schmerzmimik
  • sichtbare Eier, Maden und Fleischwunden
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Sobald die Maden geschlüpft sind, zeigen die betroffenen Kaninchen ein akutes hochgradiges Schmerzverhalten: Sie ziehen sich zurück, sind apathisch, fressen nicht, zeigen eine Schmerzmimik und nehmen eine gekrümmte Körperhaltung ein; mitunter sind sie unruhig und wechseln ihre Körperposition permanent.

Beobachten Sie derartige Symptome bei einem Ihrer Kaninchen - insbesondere bei Außenhaltung im Sommer - , untersuchen Sie es umgehend auf Fliegenmaden! Nehmen Sie es dafür so hoch, dass Sie seinen Bauch und seine Anogenitalregion sehen können. Meist sind die kleinen, weißen, sich kriechend fortbewegenden Larven sofort zu sehen. Es liegt dann ein absoluter Notfall vor! Schauen Sie besonders gründlich hin, wenn bereits ein wundes, haarloses Hautareal entstanden ist: Denn dies ist häufig das "Werk" der Maden. Bei länger bestehendem Befall sind bereits großflächige Fleischwunden und tiefe Fraßlöcher zu erkennen.

Sind die Maden noch nicht geschlüpft, finden Sie bei genauem Hinsehen die Eier. Insbesondere Risikokandidaten sollten während der warmen Jahreszeit zweimal täglich unter die Lupe genommen werden - denn wenn Sie die Eier rechtzeitig entdecken, können Sie sie direkt entfernen und das Kaninchen nimmt keinen Schaden. Sollten Sie beobachten, dass eines Ihrer Tiere immer wieder von Schmeißfliegen umschwirrt wird, ist dies bereits ein absolutes Alarmsignal!

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Therapie bei Fliegenmadenbefall

  • Waschen /  Baden
  • Föhnen
  • Antiparasitikum
  • Schmerzmittel
  • Antibiose
  • Kreislaufstabilisierung
  • evtl. chirurgische Rekonstruktion
  • ggf. Euthanasie
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Erste Hilfe zu Hause

Haben Sie Fliegenmaden auf Ihrem Kaninchen entdeckt, können sofortige Erste-Hilfe-Maßnahmen lebensrettend sein:

  1. Waschen Sie so viele Maden wie möglich vom Körper des Kaninchens. Fixieren Sie das Kaninchen dafür mit einer Hand um den Brustkorb herum und halten Sie es mit dem Po unter den laufenden, möglichst körperwarmen Wasserstrahl, während Sie mit der zweiten Hand die Larven herunterreiben. Zur Not (beispielsweise bei sehr großen oder wehrhaften Kaninchen) ist auch ein Sitzbad in einer Wanne möglich.
  2. Sind alle sichtbaren Maden entfernt, föhnen Sie das Kaninchen für einige Minuten. Dies veranlasst Maden, die sich in tieferliegenden Gewebeschichten aufhalten, herauszukommen.
  3. Falls Sie ein geeignetes Antiparasitikum zu Hause haben, verabreichen Sie es dem Kaninchen umgehend (s.u.).
  4. Falls Sie ein Schmerzmittel zu Hause haben, verabreichen Sie es dem Kaninchen ebenfalls umgehend (s.u.). 
  5. Messen Sie die Temperatur des Kaninchens. Bei Untertemperatur (je nach individuellem Tier < 38,0 - 38,5° C) setzen Sie es mit einer Wärmequelle in eine Transportbox.
  6. Suchen Sie umgehend einen Tierarzt auf.


Therapiemaßnahmen beim Tierarzt

Falls noch nicht geschehen, wird der Tierarzt die o. g. Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten. Häufig sind bei der Ankunft bereits neue Maden auf dem Kaninchen zu finden. Diese müssen erneut abgewaschen oder abgesammelt werden.

Geeignete Schmerzmittel bei Fliegenmadenbefall sind Meloxicam (1 mg pro kg, nach 24 Std 0,5 mg pro kg 2x tgl.), Metamizol (50 mg pro kg 4-6x tgl.) und Tramadol (20 mg pro kg 2x tgl.). Idealerweise geben Sie Meloxicam in Kombination mit Metamizol oder Tramadol; zur Not ist ein Schmerzmittel aber schon besser als gar keines!

Als Antiparasitikum, die die Maden abtöten, kommen verschiedene Wirkstoffe infrage:

  • Nitenpyram (1 mg pro kg oral oder rektal - Tabletten vorab in Wasser auflösen), z.B. Capstar®
  • Ivermectin (0,4 mg / kg oral oder subkutan), z. B. Ivomec®
  • Doramectin (0,2 mg pro kg subkutan), z.  B. Dectomax®
  • Selamectin (15 mg pro Kaninchen bis 2,5 kg; 30 mg pro Kaninchen ab 2,5 kg als Spot-on), z. B. Stronghold®

Achtung: Der Wirkstoff Fipronil (z. B. Frontline®) ist für Kaninchen hochgiftig! Er darf daher keinesfalls eingesetzt werden!

Weiterhin benötigt das Kaninchen ein Antibiotikum, damit die Wunden nicht sekundär von Bakterien besiedelt werden. In der Regel wird Enrofloxacin verwendet (10 mg / kg 2x tgl.), z. B. Baytril® oder Orniflox®.

Eine Kreislaufstabilisierung ist immer dann notwendig, wenn der Kreislauf des Kaninchens bereits schwach ist. Dies ist aufgrund der oft großflächigen Verletzungen und massiven Schmerzen sehr schnell der Fall. Die wichtigsten Komponenten der Kreislaufstabilisierung sind intravenöse (!) Infusionen, Wärmezufuhr und Ruhe. Frisst das Kaninchen nicht von selber, muss es außerdem gefüttert werden.

Ein chirurgischer Eingriff kann erforderlich sein, wenn bereits sehr großflächige oder tiefe Wunden entstanden sind. Zuvor muss der Kreislauf des Kaninchens stabil sein!

In schweren Fällen kann leider auch eine Euthanasie notwendig sein: Sind die Maden bereits in Körperhöhlen vorgedrungen und haben dem Kaninchen schwerste Verletzungen zugefügt, sind Therapieversuche mitunter aussichtslos und das Tier sollte erlöst werden.

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Prognose bei Fliegenmadenbefall

Die Prognose ist davon abhängig, wie schnell der Madenbefall erkannt und behandelt wird und in welchem Allgemeinzustand sich das Kaninchen befindet. Ist das Tier gesund und sind die Maden gerade erst geschlüpft, können sie noch vergleichsweise einfach behandelt werden.

Haben die Maden dem Kaninchen bereits tiefe Verletzungen zugefügt oder liegt dem Madenbefall eine schwere Grunderkrankung zugrunde, besteht absolute Lebensgefahr. In manchen Fällen müssen betroffene Kaninchen leider sogar eingeschläfert werden.



Prophylaxe gegen Madenbefall

  • tägliche "Popo-Kontrolle"
  • Fliegengitter
  • regelmäßiges Entfernen etwaiger Filzknoten und Kotverschmutzungen im Anogenitalbereich
  • bei Einnässen sofortiges Waschen des Fells und gute Überwachung bis zur Trocknung
  • umgehende tierärztliche Abklärung und Behandlung von Verschmutzungen / feuchtem Fell im Anogenitalbereich
  • gute Hygiene, v. a. bei heißem Wetter
  • Ektoparasitenprophylaxe für Risikokandidaten
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Kontrolle des Anogenitalbereichs

Idealerweise werden Kaninchen im Sommer ein- bis zweimal täglich "umgedreht" und auf Madenbefall im Anogenitalbereich kontrolliert. Ist dies mit viel Stress oder erheblichem Zeitaufwand (scheue Kaninchen, sehr große Gehege, große Gruppen, ...) verbunden, sollen Sie abwägen, wie hoch das Risiko der einzelnen Tiere ist.


Risikofaktoren sind:

  • heißes, trockenes Wetter
  • Außenhaltung
  • große Mengen Kot im Gehege / Toilettenbereich 
  • sichtbare Schmeißfliegen in der Nähe der Tiere
  • hohes Alter
  • chronische Erkrankung
  • Durchfall
  • Klebenbleiben von Blinddarmkot
  • Einnässen
  • verfilztes Fell im Anogenital- und Bauchbereich
  • Verletzungen, Wunden

Eine sofortige Kontrolle ist erforderlich, wenn ein Kaninchen die o. g. Symptome zeigt oder Sie beobachten, dass Schmeißfliegen seine Nähe suchen.



Fliegengitter

Ohne Fliegengitter machen Sie sich bei Innenhaltung im Sommer das Leben schwer. Auch Toiletten, die täglich gereinigt werden, ziehen Fliegen an wie ein Magnet. Das ist nicht nur lästig und unhygienisch, sondern hinsichtlich eines möglichen Madenbefalls auch gefährlich.

Ein positiver Nebeneffekt des Fliegengitters besteht darin, dass die Gefahr einer Übertragung von Infektionskrankheiten (Myxomatose, RHD-1 und RHD2) deutlich reduziert wird. Aber Achtung: Die wichtigste Prophylaxemaßnahme ist und bleibt die Impfung.

Nicht nur bei Innen-, sondern auch bei Außenhaltung kann Fliegengitter nützlich sein: nicht nur zwecks Infektionsprophylaxe, sondern auch, wenn sich z. B. trotz guter Hygiene eine Fliegenplage bei den Kaninchen entwickelt oder wenn eines der Tiere einer Risikogruppe angehört. Die Sicherung von Außengehegen und Balkonen mit Fliegengitter ist meist relativ zeit- und kostenaufwändig, lohnt sich auf Dauer jedoch.


Fellpflege

Filzknoten, Kotverschmutzungen und urinverschmutztes Fell führen zu Hautreizungen und sind somit eine "Eintrittspforte" für Fliegeneier. Aber auch im Fell hängender Kot an sich lockt Fliegen an. Insbesondere die Anogenitaleregion sollte daher im Sommer penibel saubergehalten werden. Entfernen Sie Filzklumpen und Verkrustungen mit einem Flohkamm, einer Schermaschine oder einer Schere (Achtung! Abstand von der Haut halten und langsam "vorarbeiten"!).

Durchfall- oder urinverschmutztes Fell muss ausgewaschen werden. Anschließend sollten sie das Kaninchen im Blick behalten, bis sein Fell vollständig getrocknet ist.


Behandlung von Verdauungs- und Harnwegserkrankungen

Zeigt Ihr Kaninchen Verdauungsprobleme oder Symptome einer Harnwegserkrankung (z. B. Inkontinenz), sollte die Ursache in jedem Fall zügig abgeklärt werden: nicht nur, um die zugrundeliegende Erkrankung behandeln zu können, sondern auch, um Hautentzündungen und Madenbefall vorzubeugen.

Im Falle von Durchfall sollte die Fütterung überprüft und eine Sammelkotprobe angeschaut werden. Auch Zahn- und Gebärmuttererkrankungen können ursächlich sein. Kaninchen, die sich einnässen, sollten insbesondere auf Blasenentzündungen, Blasengrieß, Nierenerkrankungen, Arthrose und Enzephalitozoonose (E. cuniculi) untersucht werden.


Hygiene

Je höher die Außentemperaturen, je anfälliger die Kaninchen und je mehr Fliegen sich in der Nähe der Tiere aufhalten, desto wichtiger ist die Hygiene! 

Insbesondere bei Außenhaltung sollten Kot und urinverschmutzte Streu täglich entfernt werden. Mit einem wirkungsvollen Fliegengitterschutz sind meist etwas größere Abstände möglich. Aber: spätestens, wenn es riecht oder matscht, muss umgehend gesäubert werden.

Verwelktes / altes Frischfutter sollte mindestens zweimal täglich entfernt werden. Anderenfalls wird es schnell matschig und das feucht-warme Mileu bietet Fliegen einen willkommenen Platz für die Eiablage. Zudem ist erwärmtes / verwelktes Frischfutter für die Kaninchen nicht mehr genießbar, da es zu gären beginnt und einen idealen Nährboden für Bakterien bildet.


Ektoparasitenprophylaxe

Beim Tierarzt erhalten Sie verschiedene Spot-ons, die für Insekten, Spinnentiere und co. tödlich sind. Sie können für "Risikokaninchen" äußerst sinnvoll sein, da potenzielle Maden absterben, ehe sie größeren Schaden anrichten können. Gut geeignet ist die Kombination aus Permethrin und Imidacloprid (z. B. Advantix®) in einer Dosierung von 10-30 mg pro kg Körpergewicht. Ein Kaninchen, das zwischen 1,3 und 4 kg wiegt, darf somit ein handelsübliches 40-mg-Spot-on erhalten; ein schwereres Tier entsprechend mehr.

Anwendung: Um das Spot-on aufzutragen, scheiteln Sie sanft die Nackenhaare des Kaninchens und tropfen den Inhalt der Tube auf die nackte Haut. Um Hautirritationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Flüssigkeit auf mehrere Stellen zu verteilen. Sie sollten sich jedoch alle im Nacken- und vorderen Rückenbereich befinden, damit das Kaninchen sie nicht mit der Schnauze erreichen und wegschlecken kann. Nach dem Auftragen sollte das Kaninchen für etwa 2 Stunden nicht im Nackenbereich gestreichelt oder geputzt werden. Gegebenenfalls muss es so lange von dem oder den Artgenossen separiert werden.

Achtung: Der Wirkstoff Fipronil (z. B. Frontlin® ) ist für Kaninchen hochgiftig! Er darf daher keinesfalls eingesetzt werden!

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