Der EC-Status: Kaninchen auf E. cuniculi testen
Hat dieses Kaninchen EC? Ohne Bluttest können Sie das nicht wissen.
Abschnitte auf dieser Seite:
- Was ist der EC-Status?
- Welche Probleme kann EC verursachen?
- Wieso sollte der EC-Status eines jeden Kaninchens bekannt sein?
- Wie läuft die Untersuchung ab?
- Woher bekomme ich auf EC getestete Kaninchen?
- Häufige Argumente gegen die Blutuntersuchung
- Wie können die Blutuntersuchungen etabliert werden?
Was ist der EC-Status?
Der EC-Status sagt aus, ob ein Kaninchen den Infektionserreger Encephalitozoon cuniculi (EC) in sich trägt. Dabei handelt es sich um einen Einzeller, der die Krankheit Enzephalitozoonose auslösen kann. In Deutschland sind je nach Region zwischen 30 und 45 % der Hauskaninchen positiv auf EC (bei meinen eigenen Patienten im Raum Gütersloh & Umgebung sind es lediglich 30%), tragen den Erreger also lebenslang in sich und können sowohl selber einen Krankeitsausbruch erleiden als auch andere Kaninchen jederzeit über ihren Urin anstecken.
Der EC-Status ist einem Kaninchen nicht anzusehen, sondern ausschließlich per Blutuntersuchung festzustellen. Die ebenfalls angebotenen Urintests auf EC-Sporen sind nicht zuverlässig, da die Sporen nur unregelmäßig ausgeschieden werden, wodurch die Tests zu 60 % ein falsch-negatives Ergebnis anzeigen. Der Bluttest auf Antikörper hingegen ist zu mindestens 96 % korrekt.
Ausführliche Informationen zur Infektion, Symptomatik, Diagnostik, Therapie und Prognose von EC finden Sie hier:
- INFO: Enzephalitozoonose
Welche Probleme kann EC verursachen?
Der Erreger verbleibt lebenslang im Körper des Tieres, wo er sich in verschiedenen Organen manifestieren kann. Besonders häufig sind die Augen, das Gehirn und die Nieren betroffen. EC-positive Kaninchen können mit der Zeit erblinden, durch Nervenschädigungen neurologische Symptome entwickeln (Gleichgewichtsprobleme, Lähmungserscheinungen, Kopfschiefhaltung, Krampfanfälle, Harninkontinenz u.v.m.) und eine chronische, auf lange Sicht zum Tod führende Niereninsuffizienz erleiden. Auch Leber, Herz und Lungen können geschädigt werden.
Mehr… Weniger…Wieso sollte der EC-Status eines jeden Kaninchens bekannt sein?
Warum sollte jeder Kaninchenhalter wissen, ob seine Tiere EC in sich tragen oder nicht?
Von besonderer Bedeutung ist der EC-Status vor einer Vergesellschaftung. Dadurch lässt sich vermeiden, dass EC-positive mit EC-negativen Kaninchen zusammengeführt werden und es zu einer Ansteckung der gesunden Tiere kommt. Nur auf diese Weise lassen sich EC-negative Kaninchen schützen und die Ausbreitung der Krankheit eindämmen.
Auch von Kaninchen, die bereits zusammen adoptiert wurden, sollte der EC-Status getestet werden, da er in vielen Situationen von Bedeutung ist:
Mehr… Weniger…Wie läuft die Untersuchung auf EC ab?
Es handelt sich um einen einmaligen Bluttest, dessen Ergebnis entweder innerhalb von 30 Minuten (Schnelltest in der Praxis) oder 1-3 Tagen (Test im Fremdlabor) vorliegt.
Erfahrene Tierärzte nehmen beim Kaninchen heutzutage routinemäßig Blut ab. Für die Tiere bedeutet die Blutentnahme kaum mehr Stress als beispielsweise eine Impfung. Es handelt sich also um einen kurzen, unkomplizierten Tierarztbesuch ohne Vor- oder Nachsorge.
Woher bekomme ich auf EC getestete Kaninchen?
Glücklicherweise steigt die Anzahl der Besitzer, die sich über EC informieren und getestete Kaninchen adoptieren möchten, immer weiter an. Leider haben gerade diese gut informierten und verantwortungsvollen Besitzer oft erhebliche Schwierigkeiten, ein Kaninchen zu finden, da viele Vermittlungsstellen ihre Kaninchen noch immer nicht routinemäßig auf EC testen.
Obwohl ein Schnelltest nur etwa 10 € in der Anschaffung kostet und insbesondere Tierheime durch ihre Tierärzte besondere Konditionen erhalten, werden die Kosten oft als Argument gegen den Test genannt.
Auch Tierschutzvereine und Tierheime, die ansonsten auf eine verantwortungsvolle Vermittlung achten, lehnen die aus Tierschutzsicht dringend notwendige Blutuntersuchung oftmals aus Kostengründen ab (s.u.); oder das Problembewusstsein über die Krankheit und deren Verbreitung ist (noch) nicht vorhanden. Oft wird sie dem Interessenten gegenüber verharmlost oder er erhält fehlerhafte Informationen.
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Häufige Argumente gegen die Blutuntersuchung
"Es sind ohnehin die meisten Kaninchen infiziert."
Dieses Gerücht hält sich sowohl unter Besitzern als auch unter Tierärzten und Vermittlungsstellen hartnäckig. Oft werden Prozentzahlen von 80-90 % angegeben. Woher diese Angaben ursprünglich stammen, ist unklar; jedenfalls sind sie schlichtweg falsch.
Abhängig von der Region sind lediglich 30 bis 45 % der Hauskaninchen EC-positiv.
Unabhängig davon sollte man sich überlegen, inwiefern die angeblich hohe Prozentzahl ein Argument gegen den Test darstellen sollte: Selbst, wenn nur 20, 10 oder 1 % der Kaninchen EC-negativ wären, wäre eine Ansteckung für diese Tiere nicht weniger risikoreich und daher auch nicht zu rechtfertigen.
"EC-positive Kaninchen können völlig gesund sein, oft bricht die Krankheit ihr Leben lang nicht aus."
Diese Aussage ist nur zur Hälfte richtig: Es ist zwar durchaus möglich, dass ein EC-positives Kaninchen sein ganzes Leben lang keinen akuten Ausbruch erleidet. Dies bedeutet aber keinesfalls, dass es "völlig gesund" ist!
Mehr… Weniger…"Als Vermittlungsstelle können wir uns keine Blutuntersuchung leisten."
Weshalb scheuen Vermittlungsstellen die Kosten? Die Aufnahme und Weitervermittlung von Tieren ist immer mit hohen Kosten verbunden, die durch die Schutzgebühr, die der neue Besitzer bei der Adoption bezahlt, in der Regel nur anteilig abgedeckt werden. Weitere Kosten sind daher für die meisten Vermittlungsstellen nicht vorstellbar.
Zu Unrecht wird oftmals angenommen, dass man mit einer leichten Anhebung der Schutzgebühr keine Tiere mehr vermitteln könnte. Gerade Besitzer, die gezielt nach einem getesteten Kaninchen suchen, investieren dafür gerne auch deutlich höhere Kosten!
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"Mein Kaninchen ist ein EC-Kontakttier, man braucht es nicht zu testen."
Immer wieder liest man in Vermittlungsanzeigen für "EC-Kontakttieren". Damit sind Kaninchen gemeint, bei deren (ehemaligen) Partnertieren EC nachgewiesen wurde. Infolgedessen geht der Besitzer davon aus, dass das Partnertier ebenfalls infiziert ist und als "positiv" vermittelt werden muss. Das lässt sich aber pauschal nicht sagen.
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Wie können die Blutuntersuchungen etabliert werden?
Was kann ich als Vermittlungsstelle tun?
Vermittlungsstellen müssen möglichst einstimmig Farbe bekennen, die Besitzer über die Problematik aufklären und ihre Kaninchen zu (geringfügig) höheren Preisen vermitteln (ein EC-Schnelltest kostet in der Anschaffung lediglich ca. 10 €!) Dies mag anfangs einen Teil der Interessenten abschrecken, wird sich aber mit der Zeit als die Norm etablieren und von verantwortungsvollen Interessenten auch erwartet werden.
Mehr… Weniger…Was kann ich als Tierbesitzer tun?
Die Nachfrage bestimmt das Angebot und etabliert schließlich die Norm: Fragen Sie aktiv nach einer Blutuntersuchung auf EC, wenn Sie Kaninchen adoptieren möchten oder das erste Mal mit bislang nicht getesteten Tieren beim Tierarzt sind. Stellen Sie klar, dass Sie kein gesundes Tier anstecken möchten und kein Risiko eingehen werden.
Mehr… Weniger…Was kann ich als Tierarzt tun?
Auch Tierärzte sind hier gefragt: Besitzer müssen ehrlich über die Bedeutung der Blutuntersuchungen und Titer-passenden Vergesellschaftungen aufgeklärt werden. Es sollte immer das Tierwohl im Vordergrund und nicht eine möglichst bequeme Variante für den Menschen.
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