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Thymom und Lymphom beim Kaninchen (präkardiale Masse)

Tumore im Brustkorb, meist Thymome, seltener Lymphome, gehören zu den wohl am meisten gefürchteten Erkrankungen des Kaninchens. Dies hat mehrere Gründe:

  • Unabhängig von Rasse, Geschlecht, Fütterung, Haltung und allgemeinem Gesundheitszustand kann jedes Tier betroffen sein, meist im mittleren bis hohen Alter.
  • Es gibt keinerlei Möglichkeiten einer Prophylaxe.
  • In der Regel ist keine (endgültige) Heilung möglich.
  • Während einer Palliativtherapie (Cortison oder Bestrahlung) kann es – entweder durch die Medikamente oder den Tumor selbst – zu so schweren Symptomen kommen (Zerstörung des Immunsystems, Herzerkrankungen, Leberversagen, kompletter Haarverlust, chronische Hautentzündungen, …), dass die Tiere massiv darunter leiden, daran versterben oder euthanasiert werden müssen.
  • In manchen Fällen ist eine operative Tumorentfernung sinnvoll - allerdings ist damit zu rechnen, dass Tumorzellen zurückbleiben und nachwachsen. Die OP ist risikoreich, mit hohen Kosten und evtl. einer mehrstündigen Anfahrt zu einem entsprechend spezialisierten Chirurgen verbunden.   
  • Meist wird der Tumor erst in weit fortgeschrittenem Stadium entdeckt, sodass dem Tier auch mit einer Palliativtherapie oft nicht mehr viel Zeit geschenkt werden kann und eine OP mitunter nicht mehr möglich ist.
  • Im Falle einer palliativen Therapie muss der richtige Zeitpunkt für die Euthanasie gefunden werden, um dem Tier schwere Atemnot und einen schlimmen Tod zu ersparen.

Ursachen von Thymom und Lymphom

  • tumoröse Entartung des Thymus oder Lymphgewebes
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Ein Thymom bezeichnet die Entartung von Thymus-Zellen. Der Thymus ist ein Organ des Immunsystems, welches nur in der Kindheit von Bedeutung ist und sich anschließend zurückbildet. Beim Kaninchen erfolgt diese Rückbildung allerdings nur unvollständig.

Die Überbleibsel können entarten und zur Tumorbildung führen. Die Tumore sind in der Regel gutartig, es handelt sich also nicht um Krebs. Das Problematische ist vor allem ihr Wachstum, da sie hierdurch immer mehr Lungenvolumen einnehmen, zunehmend auf Herz und Luftröhre drücken und somit früher oder später zu Symptomen und zum Tod führen.

Knapp 10 % aller Kaninchen ab sechs Jahren leiden an einem Thymom!

Das bösartige Thymuskarzinom kommt nur selten vor.  

Beim Lymphom handelt es sich um einen entarteten Lymphknoten. Es kann sowohl gutartig als auch bösartig sein und überall dort auftreten, wo sich Lymphknoten im Körper befinden. Tritt es im Brustkorb auf, führt es zum selben Krankheitsbild wie das Thymom. Lymphome sind häufig bösartig und betreffen in diesem Fall den gesamten Organismus.

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Symptome bei Thymom und Lymphom

  • Nickhautvorfall
  • sichtbare Skleren
  • beidseitig hervortretende Augäpfel (beidseitiger Exophthalmus)
  • Beschwerden beim Ausatmen; pumpende / inverse Atembewegungen
  • Blähen der Nasenflügel
  • Im Endstadium Symptome hochgradiger Atemnot (Emporstrecken des Kopfes, Maulatmung, blaue Schleimhäute, ...)
  • geringe Belastbarkeit
  • Haarverlust mit Schuppenbildung
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Überraschenderweise führen Tumore im Brustkorb oft als erstes zu Symptomen an den Augen. Dies liegt daran, dass sie Druck auf die beidseits vom Kopfbereich zum Herzen verlaufenden Vene (Vena cava cranialis) ausüben. In der Folge staut sich das Blut in den hinter dem Augapfel befindlichen Venenplexus zurück. Dadurch kann es zu einem Vorfall des 3. Augenlides, zum Sichtbarwerden der Skleren („des Weißen im Auge") oder zu beidseitig vorstehenden Augäpfeln (sogenanntem Exophlthalmus; von vorne mehr oder weniger gut sichtbar) kommen. 

Diese für den Laien oft harmlos wirkenden Symptome sollten immer als Alarmsignal aufgefasst werden, dessen Ursache es zügig abzuklären gilt. Nur auf die Weise ist eine frühzeitige Behandlung möglich.

Durch Druck auf Lungen und Luftröhre führt das Thymom / Lymphom in fortgeschrittenem Stadium meist zu Atembeschwerden. Diese äußern sich anfangs oft lediglich in einer verminderten Aktivität des Tieres und veränderten Atembewegungen. Dabei wirkt die Atmung "pumpend"; die Phase des Ausatmens ist verlängert, da das Kaninchen Mühe hat, die eingeatmete Luft wieder aus seinen Lungen zu "pressen". Die Nasenflügel werden mit jedem Atemzug sichtbar gebläht.

Auch reagieren betroffene Tiere mitunter empfindlicher als sonst auf Stress und Hitze. Verschlimmern sich die Beschwerden, werden die Symptome deutlich sichtbar, die Tiere stehen vorne breitbeinig, atmen deutlich angestrengt mit geblähten Nasenflügeln, mitunter hochgestrecktem Kopf und – bei akut lebensbedrohlicher Luftnot – Maulatmung.

All diese Symptome sind allerdings auch typisch für Herzerkrankungen. Herzprobleme treten entweder isoliert auf oder sind die Folge eines Tumors in unmittelbarer Herznähe.

Haut- und Fellsymptome können in Form einer sogenannten exfoliativen Dermatitis auftreten (auch als paraneoplastisches Syndrom bezeichnet) auftreten. Dabei kommt es zu Haarausfall und Schuppenbildung. Ein Juckreiz ist im Normalfall nicht zu beobachten. Insbesondere, wenn bei einem Kaninchen mit derartigen Symptomen keine Parasiten oder Pilzerkrankungen nachgewiesen werden können, sollte ein Thymom oder Lymphom als Ursache in Betracht gezogen werden.

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Diagnose von Thymom und Lymphom

  • Röntgen
  • Ultraschall
  • Biopsie
  • (Blutuntersuchung)
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Ein Kaninchen mit Atembeschwerden oder den beschriebenen Augenveränderungen sollte zunächst geröngt werden. Hierdurch lassen sich Verschattungen im Brustkorb schnell und einfach erkennen und es muss anschließend nur noch ermittelt werden, ob es sich dabei um einen Tumor oder eine (reine) Herzerkrankung handelt. Letztere kann zu einem vergrößerten Herzen oder einem Erguss führen, was per Röntgendiagnostik nicht immer von einem Tumor zu unterscheiden ist.

Besteht eine entsprechende Verschattung, ist ein Herzultraschall angezeigt. Dabei können das Gewebe und die Herzfunktion eindeutig beurteilt werden. Dies ist auch deshalb von Bedeutung, da die Herzfunktion durch einen benachbarten Tumor beeinträchtigt werden kann. In diesem Fall muss das sekundäre Herzproblem in die Tumortherapie mit einbezogen werden.

Steht fest, dass es sich um einen Tumor handelt, ist als weitere Diagnostikmaßnahme das Entnehmen einer Gewebeprobe (Biopsie) möglich. Dies erfolgt in einer kurzen Narkose unter Ultraschallkontrolle. Auf die Weise kann bestimmt werden, um welche Tumorart es sich handelt, was je nach Therapie von Bedeutung sein kann.

Im Falle von Haut- und Fellsymptomen muss in jedem Fall ein Therapieversuch gegen Parasiten erfolgen. Bei ausbleibendem Erfolg ist ein PCR-Test auf Dermatophyten (Hautpilz) möglich, diese kommen beim Kaninchen jedoch nur selten vor.

Thymome und Lymphome können einerseits direkt für die Fellsymptome verantwortlich sein (sogenannte exfoliative Dermatitis), doch auch Milben (insbesondere Raubmilben) und Hautpilzerkrankungen sind mögliche Ursachen. Da sie fast ausschließlich bei immungeschwächten Kaninchen auftreten, sind sie eine mögliche Sekundärerkrankung von Thymom- sowie Lymphompatienten. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass ein Kaninchen sowohl an einer präkardialen Masse als auch an einem Parasitenbefall leidet.

Auch eine Blutuntersuchung kann einen Hinweis auf ein Thymom oder Lymphom geben: Ein erhöhter Prozentsatz an Lymphozyten (ab ca. 80% und einer erhöhten Gesamt-Leukozytenzahl) ist grundsätzlich tumorverdächtig; je höher, desto verdächtiger. Bei einem entsprechend auffälligen Blutbild ist es daher immer sinnvoll, den Brustkorb des Kaninchens zu röntgen.  

Umgekehrt verursacht nicht jeder Tumor eine Erhöhung an Lymphozyten. Eine Blutuntersuchung alleine ist daher in keinem Fall ausreichend.

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Therapieoptionen bei Thymom und Lymphom

  • Cortison
  • Bestrahlung
  • Operation
  • pflanzliche Medikamente
  • Bronchodilatatoren
  • evtl. Herzmedikamente
  • Euthanasie

Steht die Diagnose eines Tumors, sind die Therapiemöglichkeiten oft begrenzt und führen meist zu keiner (dauerhaften) Ausheilung.

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Cortison

Eine medikamentöse Therapie erfolgt vor allem mit Cortison (i. d. R. Prenisolon, 2x tgl. 0,5-2 mg / kg s. c. oder p. o.). Meist wird mit einer hohen Dosis begonnen, die anschließend reduziert wird. Cortison kann das Tumorwachstum deutlich hemmen und sich positiv auf einen eventuellen Herzerguss auswirken. 


Allerdings kann Cortison beim Kaninchen auch fatale Folgen haben. Als sogenannte Corticosteroid-sensitive Tierart vertragen sie es allgemein so schlecht, dass sogar lokale Anwendungen (z. B. am Auge oder Ohr) gravierende Nebenwirkungen haben können. Grundsätzlich darf Cortison beim Kaninchen nur eingesetzt werden, wenn es keine andere Chance mehr gibt, dem Tier noch Lebensqualität zu verschaffen oder Lebenszeit zu schenken.

Erstaunlicherweise vertragen gerade Thymom-/Lymphom-Patienten Cortison oftmals über Monate oder sogar Jahre hinweg sehr gut. Einige Tiere reagieren jedoch früher oder später mit Leberversagen oder einem kompletten Kollaps des Immunsystems. Regelmäßige Blutuntersuchungen (v. a. Leberwerte, Differenzialblutbild) sind gerade zu Beginn der Therapie unbedingt empfehlenswert!

Sollte der Tumor zufällig entdeckt werden, ehe er Symptome verursacht (z. B. während einer Röntgendiagnostik, die wegen einer anderen Problematik durchgeführt wird), stellt sich die Frage, ob man das Kaninchen direkt mit Cortison dagegen behandeln sollte – denn einerseits wird der Tumor dadurch bereits im Frühstadium gehemmt und die Lebenszeit des Kaninchens evtl. erheblich verlängert; andererseits besteht das Risiko, dass schwere Nebenwirkungen auftreten und man ihm im Gegenteil Lebensqualität und -zeit nimmt.

Bestrahlung

Die Bestrahlung ist eine relativ kostspielige Therapiemethode, der viele Besitzer auch aus ethischen Gründen skeptisch gegenüberstehen.

Fakt ist: Sie schlägt in den meisten Fällen gut an und führt zu einer deutlichen Verkleinerung des Thymoms, es kommt in aller Regel nicht zu den oftmals gefürchteten Hautverbrennungen und auch die notwendigen Narkosen werden mit einem guten Management meist problemlos vertragen, die meisten Kaninchen zeigen während des Therapiezeitraumes ein ungestörtes Allgemeinbefinden.

Allerdings führt auch die Bestrahlung weder zu einer Abheilung, noch ist sie frei von Risiken. Es ist nahezu unmöglich, alle Tumorzellen zu „treffen“, insbesondere wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zum Herzen und zu den Lungen. Aus demselben Grund können die genannten Organe Strahlenschäden davontragen.

Durch übrig gebliebene Tumorzellen wächst das Thymom / Lymphom i. d. R. binnen 1-2 Jahren wieder nach, falls das Kaninchen so lange überleben sollte. Es ist - wie beim Cortison - auch bei der Bestrahlung möglich, dass sich eine massive Immunschwäche entwickelt und das Kaninchen permanent krank ist, womöglich sogar an einer Sekundärerkrankung verstirbt.

Auch hier stellt sich also die Frage, ob man durch die Bestrahlung nicht mehr verliert, als man gewinnt. Dies sollte sorgfältig abgewogen werden. Unbedingt überprüft werden sollte zudem, ob das Herz bereits Schaden genommen hat, denn in diesem Fall hilft auch die Bestrahlung nicht mehr viel weiter – im Gegenteil können die mehrfachen Narkosen dann zu einer so schweren Mehrbelastung führen, dass die Lebenszeit sich eher verkürzt als verlängert.

Unterstützende Medikamente

Nicht verkehrt sind pflanzliche Medikamente, die das Zellwachstum des Tumors hemmen sollen, beispielsweise die sogenannte Misteltherapie. Die Wirksamkeit dieser Therapie ist allerdings nicht nachgewiesen.


Herzmedikamente sind notwendig, wenn das Herz bereits Schaden genommen hat oder dies in naher Zukunft zu erwarten ist. Besonders häufig kommen Diuretika (Mittel zur Entwässerung, z. B. Furosemid) und Blutdrucksenker (z. B. ACE-Hemmer) zum Einsatz.

Bronchodilatatoren sind Medikamente, die die Bronchien erweitern und dadurch die Atmung erleichtern. Sie können Atembeschwerden bis zu einem gewissen Grad kompensieren und sollten daher eingesetzt werden, sobald erste Symptome einer erschwerten Atmung erkennbar sind. Dazu sollte das Kaninchen täglich sorgfältig beobachtet werden. Geeignet sind Theophyllin (2-3x tgl. 4 mg / kg s. c. oder p. o., z. B. Afpred forte®) und Terbutalin (4-6x tgl. 0,01 mg / kg s. c. - z. B. Bricanyl®).

Operation

Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt vom Zustand des Patienten und den Eigenschaften des Tumors ab. Entscheidend sind vor allem:

  • Ist der Patient noch narkosefähig oder sind die Lungen- und Herzfunktion bereits zu stark eingeschränkt?
  • Hat der Patient unauffällige Leber- und Nierenwerte, sodass er die Narkosemedikamente problemlos verstoffwechseln kann?
  • Wie sieht die Gefäßversorgung des Tumors aus? Um diese Frage zu beantworten, muss ein sogenanntes Kontrast-CT (CT nach der Injektion von Kontrastmittel) durchgeführt werden.

Bei einer Thymom- oder Lymphom-OP handelt sich um einen schwerwiegenden Eingriff, bei dem der Brustkorb des Patienten eröffnet wird und der Tumor möglichst vollständig entfernt werden muss, ohne dabei das benachbarte Herz zu schädigen. Die OP wird nur von wenigen Chirurgen angeboten. Ein Spezialist, der regelmäßig auch Patienten aus Deutschland operiert, ist Dr. Florent Modesto in Brüssel. 

Sofern davon auszugehen ist, dass das Kaninchen den Eingriff übersteht und der Tumor sich vollständig entfernen lässt, ist die OP zwar die kostspieligste, aber vermutlich auch die Option mit der besten Prognose

Leider ist trotz allem damit zu rechnen, dass Zellreste des Tumors zurückbleiben und nach einiger Zeit nachwachsen. Je nach Tumor-Art ist dies allerdings mitunter erst nach 3-5 Jahren der Fall - womit das Kaninchen sehr viel Lebenszeit gewonnen hat; hinzu kommt die verbesserte Lebensqualität, nachdem die Masse aus dem Brustkorb entfernt wurde und langfristig auch keine Medikamente gegeben werden müssen.

Nach der chirurgischen Entfernung des Tumors bleibt der Patient stationär am Schmerzmittel-Dauertropf, bis er stabil bei gutem Allgemeinbefinden ist. 

Um eine komplikationslose Heilung der Nähte und des Brustbeins zu gewährleisten, muss das Kaninchen in den ersten 4 Wochen nach der OP in einem kleinen Krankenbereich (Zimmerkäfig oder kleines Gehege) untergebracht werden, da es keinesfalls rennen, springen oder übermäßig hoppeln darf.

Euthanasie

Eine Euthanasie ist angezeigt, wenn das Kaninchen eine deutlich erschwerte Atmung zeigt, die sich nicht mehr therapieren lässt. In diesem Fall muss es umgehend erlöst werden, um es vor einem qualvollen Erstickungstod zu bewahren.

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Prognose bei Thymom und Lymphom

Bei medikamentöser Therapie sowie bei Bestrahlung ist die Prognose infaust, d.h. die Erkrankung führt in jedem Fall zum Tode. In vielen Fällen ist es aber möglich, dem Patienten durch die Palliativtherapie noch einige Monate oder sogar Jahre Lebenszeit und -qualität zu schenken.

Eine Operation, sofern möglich, bringt oftmals die beste Prognose mit sich - zwar wachsen die Tumore in der Regel nach, mitunter aber erst nach vielen Jahren, wenn das Kaninchen bereits ein hohes Alter erreicht hat oder bereits eines natürlichen Todes gestorben ist.


Prophylaxe bei Thymom und Lymphom

Eine Prophylaxe ist nicht möglich.