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Notfallapotheke

Um einem Kaninchen im Notfall Erste Hilfe leisten zu können, sollten Sie sich eine kleine Notfallapotheke anlegen. Auf diese Weise haben Sie alles Nötige an einem Ort beisammen und können schnell und gezielt handeln. Bitte beachten Sie, dass die hier aufgeführten Utensilien keinen Tierarztbesuch ersetzen und im Zweifelsfall immer dessen Rat zu befolgen ist! Ziel der Ersten Hilfe ist es, das Kaninchen aus der akuten Gefahr zu befreien, ehe man den Weg zum Tierarzt antritt oder die Tierrettung eintrifft.


Eine gute Notfallapotheke enthält:


Fenbendazol (z. B. Panacur ®)

Als Erste-Hilfe-Maßnahme beim Verdacht auf einen akuten E. cuniculi-Ausbruch. Nur notwendig bei EC-positiven Kaninchen. Grundsätzlich sollte jeder Kaninchenhalter den EC-Status seiner Kaninchen kennen, d.h. ihr Blut einmalig auf EC-Antikörper testen lassen.

Bei plötzlich auftretenden neurologischen Symptomen (z.B. Kopfschiefhaltung, Lähmungserscheinungen, Krampfanfälle, unkoordinierte Fortbewegung, ...) besteht der Verdacht eines akuten Ausbruchs der Enzephalitozoonose. Ein solcher stellt immer eine Notfallsituation dar und muss umgehend behandelt werden, um irreparable Schäden zu vermeiden. Es empfiehlt sich, noch vor der Fahrt zum Tierarzt Fenbendazol zu verabreichen, um keine Zeit zu verlieren.

Die Dosierung beträgt 20 mg pro kg Körpergewicht einmal täglich; bei einer 10%igen Lösung wären das 0,2 ml Suspension pro kg Körpergewicht des Kaninchens. Für Fenbendazol sind keine Nebenwirkungen bekannt, daher ist eine Behandlung in jedem Fall bereits auf Verdacht anzuraten.


Metamizol (z. B. Novalgin ®, Novaminsulfon ®, Vetalgin ®)

Dieses rezeptpflichtige Schmerzmedikament wird von Kaninchen sehr gut vertragen und ist auch bei oraler Verabreichung schnell wirksam. Sollte Ihr Kaninchen nicht fressen, Anzeichen starker Schmerzen oder Koliken zeigen oder sich eine schmerzhafte Verletzung zuziehen, empfiehlt sich die Verabreichung von 50 mg / kg Metamizol, noch ehe Sie sich auf den Weg zum Tierarzt machen. Bei einem Saft mit 500 mg / ml verabreichen Sie also 0,1 ml je kg Körpergewicht des Kaninchens. Die Wirkung von Metamizol hält zwischen 4 und 6 Stunden an.

Die frühzeitige Eingabe von Metamizol ist nicht nur aus Tierschutzgründen ratsam, um möglichst schnell die Schmerzen zu lindern, sondern kann mitunter lebensrettend sein: Kaninchen mit hochgradigen Schmerzen produzieren riesige Mengen an Stresshormonen. Diese beeinträchtigen die Verdauungstätigkeit zusätzlich und können, v.a. in Kombination mit der Fahrt zum Tierarzt, zum akuten Herzversagen führen. 

Ein geeignetes, schnell wirksames Schmerzmittel trägt somit zur Stabilisierung des Kaninchens bei. Darüber hinaus nehmen Kaninchen nach dem Abklingen der Schmerzen eher wieder Futter auf, wodurch lebensbedrohlichen Entgleisungen der Darmflora vorgebeugt wird.

Metamizol wirkt besonders gut, wenn es gespritzt wird. Nach tierärztlicher Anleitung können Sie zu Hause selber subkutan (unter die Haut) spritzen. Hierzu benötigen Sie eine sterile Injektionslösung - Metamizol-Präparate für die orale Verabreichung dürfen nicht gespritzt werden!

Achtung: Mit anderen Schmerzmitteln ist ohne Rücksprache mit einem Tierarzt größte Vorsicht geboten! Insbesondere der Wirkstoff Meloxicam ist in der Kaninchenmedizin verbreitet, kann aber in bestimmten Situationen (Kreislaufschwäche, Nierenerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen) sehr gefährlich sein. Darüber hinaus kann dieses entzündungshemmende Schmerzmittel nur dann helfen, wenn die Schmerzen tatsächlich entzündlich bedingt sind (z.B. bei einer Verletzung oder nach einer Operation). Bei Bauchschmerzen sind derartige Wirkstoffe nutzlos und mitunter gefährlich!


Metoclopramid (z. B. MCP ®, Emeprid ®)

Metoclopramid wirkt beim Kaninchen hervorragend gegen Bauchunwohlsein und Übelkeit. Darüber hinaus stimuliert es die Muskulatur im Verdauungstrakt. Metoclopramid kann, ebenso wie Metamizol, immer notfallmäßig gegeben werden, wenn ein Kaninchen nicht frisst. Dadurch gewinnen Sie mitunter wertvolle Zeit bis zur Ankunft beim  Tierarzt.

Metoclopramid wirkt besonders gut, wenn es gespritzt wird. Nach tierärztlicher Anleitung können Sie zu Hause selber subkutan (unter die Haut) spritzen. Hierzu benötigen Sie eine sterile Injektionslösung - Metoclopramid-Präparate für die orale Verabreichung dürfen nicht gespritzt werden!

Dosiert wird der Wirkstoff mit 0,5-1 mg pro kg Körpergewicht. Beispiel: Von oralen Lösungen mit 1 mg / ml werden 0,5-1 ml pro kg Körpergewicht gegeben; von Injektionslösungen mit 5 mg / ml werden 0,1-0,2 ml pro kg Körpergewicht gegeben - bei Bedarf alle 8 Stunden. 

Oft hilft es, die erste Gabe mit 5 mg pro kg Körpergewicht zu dosieren. Dies ist i. d.  R. nur bei hochkonzentrierten Präparaten mit 5 mg / ml realistisch, von denen Sie 1 ml / kg Körpergewicht bräuchten. Von Präparaten mit nur 1 mg / ml dagegen bräuchten  Sie 5 ml / kg Körpergewicht.



Pro- und Präbiotikum (z. B. ProPreBac ®, BeneBacPlus ®, OMNiBiOTiC ® )

Empfehlenswert bei allen Arten von Verdauungsstörungen. Leichte Darmverstimmungen lassen sich häufig allein mit einem Präbiotikum therapieren, das 2-3 mal täglich verabreicht wird. Bei starken Durchfällen, ausbleibender Besserung, Untertemperatur oder einem schlechten Allgemeinzustand muss jedoch unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden, da Verdauungsprobleme für Kaninchen schnell lebensbedrohlich werden.

Pro-/ Präbiotika sind auch prophylaktisch für Kaninchen geeignet, die nicht selbstständig fressen, um Magen-Darm-Problemen vorzubeugen. Probiotika - d.h. Medikamente, welche anstelle der Bakteriennahrung die Bakterien selbst enthalten, die sich im Darm ansiedeln sollen - , sollten vor der Verabreichung auf ihre Zusammensetzung überprüft werden - denn viele Bakterien überleben die Magensäure nicht und kommen somit auch nicht (lebend) im Darm an. Andere (wie Laktobazillen) gehören nicht nur physiologischen Darmflora, ihr Nutzen ist daher fraglich. 

Gut geeignet sind Probiotika, die z.B. Enterococcus faecium enthalten. Dabei handelt es sich um ein physiologisches und säureresistentes Darmbakterium der Kaninchen. Prüfen Sie vor dem Kauf die Zusammensetzung des Produkts, um sicherzugehen, dass das Bakterium wirklich darin enthalten ist - auch die Rezepturen der aufgeführten Präparate können sich ändern!



Antitympanikum (z.  B. Simeticon, Dimeticon,  Sab Simlex)

Hilfreich für Kaninchen, die nicht selbstständig fressen oder an Infektionen des Magen-Darm-Trakts leiden. Wirkt vorbeugend und therapeutisch gegen schaumige Gärungen. Indem es im Verdauungstrakt vorhandene Gasblasen verkleinert, kann das Gas besser abtransportiert werden. 


Laktulose

Verstopfungen / Darmverschlüsse gehören zu den häufigsten Todesursachen beim Kaninchen. Besonders häufig treten sie durch Fütterungsfehler oder verschluckte Haare (Fellwechsel!) auf. Ein harter Bauch, Futterverweigerung und Apathie in Verbindung mit ausbleibendem Kotabsatz ist immer verdächtig! Hier sollte bereits auf Verdacht ein abführendes Medikament gegeben werden, vorzugsweise Laktulose pur oder mit eingeweichten Flohsamenschalen. Letztere sind in Drogeriemärkten erhältlich. Als Erste-Hilfe-Maßnahme kann auch Speiseöl verwendet werden; es kann jedoch nur im oberen Magen-Darm-Trakt wirken, da es im Dünndarm resorbiert wird.

Dosiert wird Laktulose mit 1 ml pro kg Körpergewicht. Es kann während des Fellwechsels zwei- bis dreimal täglich verabreicht werden; bei Verstopfung deutlich häufiger - schlimmstenfalls bekommt das Kaninchen davon kurzzeitig Durchfall.

Antiparasitikum

Im Sommer, vor allem bei Außenhaltung und kranken Tieren oder Tieren mit wunden Hautarealen, kann ein Antiparasitikum lebensrettend sein, da Fliegen hier gerne ihre Eier ablegen. Es schlüpfen - oft binnen Stunden - Maden, die das Kaninchen regelrecht von innen auffressen.

Sollten Sie Maden an Ihrem Kaninchen entdecken, kann die sofortige Verabreichung eines Medikamentes, welches die Maden abtötet, lebensrettend sein! Selbstverständlich sollten Sie unmittelbar danach den Tierarzt (auch im Notdienst) aufsuchen, um weitere Maßnahmen einzuleiten (Bäder, Wundversorgung, Antibiotikum, ...) und das Kaninchen zu retten.

Es eignet sich z.B. das Spot-on-Präparat Stronghold®, (Wirkstoff:  Selamectin; 15 mg / kg Körpergewicht), welches auf die Nackenhaut des Tieres geträufelt wird, oder Capstar®-Tabletten (Wirkstoff: Nitenpyram; 1 mg / kg Körpergewicht), die zermörsert und dann in Wasser aufgelöst mit der Spritze ins Mäulchen gegeben werden.

Verschiedenes Verbandmaterial

Stark blutende Wunden müssen zunächst notversorgt werden, ehe umgehend ein Tierarzt aufgesucht wird. Hierzu decken Sie die Wunde als erstes mit einer sterilen Kompresse ab. Anschließend wird der betroffene Körperteil mit einer Mullbinde (Watte) gepolstert, ehe der "richtige" Verband folgt. Hierdurch vermeiden Sie ein Aufscheuern der Haut.

Fixiert wird der Verband mit einigen Streifen Verbandtape. Bei Blutungen, die sich nicht stillen lassen, ist ein Druckverband notwendig. Im Falle einer Sickerblutung erfolgt dieser direkt auf der Wunde. Pulsierenden Blutungen liegt eine Arterienverletzung zugrunde - hier muss die betroffene Gliedmaße oberhalb der Blutung abgebunden werden. Mehrstündige Druckverbände können lebensbedrohliche Durchblutungsstörungen zur Folge haben - ein umgehender Tierarztbesuch nach der Erstversorgung hat daher oberste Priorität!


Utensilien zur Wunddesinfektion

Wunden sollten zunächst mit einem Wunddesinfektionsspray behandelt werden, ehe sie ggfs. verbunden werden. Verschmutzungen werden vor der Desinfektion mit klarem Wasser entfernt. Nach der Erstbehandlung sollte schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden.


Verbandschere

Praktisch zum Zurechtschneiden von Verbandmaterial oder zum Wegschneiden verschmutzter / verfilzter Haare.


Spritzen in verschiedenen Größen

Notwendig zur Eingabe von Medikamenten, Flüssigkeit oder Futterbrei. Am besten eignen sich 1-ml-Spritzen, deren Spitze abgeschnitten wird. Auch, wenn größere Mengen als 1 ml eingegeben werden, haben sich (mehrere) 1-ml-Spritzen bewährt, da sie besonders schlank sind und sich dadurch besser ins Mäulchen schieben lassen als 3- oder 5-ml-Spritzen. Auch Futterbrei lässt sich besonders gut mit "gestutzten" 1-ml-Spritzen verabreichen.


Gummihandschuhe

Nützlich zur Pflege eines Kaninchens mit verschmutztem Hinterteil, z.B. während des Wegschneidens verschmutzter Haare oder während des Auswaschens der Verschmutzungen unter dem Wasserstrahl. Die Ursache ist unbedingt schnellstmöglich aufzuklären!


Tablettenteiler

Dient der möglichst präzisen Zerteilung (und somit Dosierung) oder der Zerkleinerung von Tabletten. In der Regel werden für Kaninchen allerdings Medikamente in flüssiger Form verwendet.

Fieberthermometer plus Vaseline

Die Körpertemperatur wird beim Kaninchen rektal gemessen. Die in Vaseline oder Handseife getränkte Thermometerspitze sollte mindestens 2-3 cm in den After eingeführt werden, um Messfehler zu vermeiden.

Die Einführung muss stets sachte erfolgen - stoßen Sie auf einen Widerstand, ändern Sie vorsichtig die Richtung oder ziehen Sie das Thermometer noch einmal einige Milimeter zurück, um es anschließend in einem leicht veränderten Winkel wieder vorzuschieben. Die Normaltemperatur liegt beim Kaninchen zwischen 38,0° und 39,5° C. In Angst- und Stresssituationen kann sie, v.a. im Hochsommer, im Extremfall auf bis zu 40 ° ansteigen.

Wichtig: Die individuelle Körpertemperatur kann von Tier zu Tier sehr stark schwanken! Einige Kaninchen haben standardmäßig eine Temperatur von lediglich 38° C, andere befinden sich hier bereits im Kreislaufschock. Messen Sie die Körpertemperatur Ihrer Tiere von Zeit zu Zeit, z. B. immer während des Krallenschneidens, und lassen Sie sie bei jedem Tierarztbesuch messen. Notieren Sie sie anschließend, um Abweichungen im Notfall zu erkennen (sowohl in Ruhe zu Hause als auch unter Stress beim Tierarzt).