Sonstige Erkrankungen

Otitis (Ohrenentzündung)

Geborgenheit durch Gesellschaft

Die Otitis ist beim Kaninchen, ganz besonders beim Widder, eine sehr häufige Erkrankung, die bei vielen Patienten erst sehr spät oder gar nicht festgestellt wird. Meist wird die Fehldiagnose E. cuniculi (EC) gestellt, da die Symptome (z.B. Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsprobleme, Nystagmus (=Pupillenzittern), ...) zum Teil identisch sind und anstelle weiterführender Diagnostik (Schädelröntgen / CT sowie EC-Titer im Blut) einfach auf Verdacht gegen EC behandelt wird.

Bleiben die Symptome bestehen, da die Otitis als tatsächliche Ursache nicht festgestellt wurde, wird häufig damit argumentiert, dass EC nun einmal nicht heilbar sei und das Kaninchen es jetzt eben chronisch hätte.

Otitis oder EC?

Aufgrund der Fehldiagnose EC werden kommt es regelmäßig zu monate-, jahre- oder sogar lebenslangen Fehlbehandlungen, was für die Tiere mit massiven chronischen Schmerzen verbunden ist und meist dazu führt, dass sie früh versterben oder aufgrund einer Verschlechterung der "EC"-Symptome eingeschläfert werden.

Teilweise wird ein positiver EC-Titer (IgG-Antikörper) im Blut auch als "Beweis" dafür fehlinterpretiert, dass EC die Ursache für die Symptome ist, und die Ohren werden nicht weiter untersucht.

Handelt es sich bei dem hohen EC-Titer um sogenannte "IgG"-Antikörper, bedeutet dies jedoch lediglich, dass das Kaninchen den Erreger - wie knapp die Hälfte aller Hauskaninchen - in sich trägt; ob die Infektion momentan aktiv ist und Symptome auslöst, bleibt hingegen unklar.

Ein hoher "IgM"-Antikörperspiegel hingegen zeigt an, dass das Kaninchen momentan einen akuten Schub durchmacht, die Infektion also aktiv ist. Dies bedeutet zwar, dass es gegen EC behandelt werden muss - es schließt eine gleichzeitige Otitis aber nicht aus! Im Gegenteil leiden viele Widder zunächst unter chronischen Ohrenentzündungen, bis sie schließlich so weit fortgeschritten sind, dass das Immunsystem E. cuniculi nicht länger in Schach halten kann und die Krankheit sekundär ausbricht, also zur Otitis noch dazukommt.

Bei Kaninchen mit neurologischen Symptomen muss daher - ganz besonders bei Widdern! - umgehend ein Schädelröntgen oder idealerweise eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden!

Ursache

Schlecht belüftete Ohren

In einem natürlich aufrecht stehenden Kaninchenohr ist der äußere Gehörgang bis zum Trommelfell durchgehend gut belüftet. Beim Widder hingegen knickt er wie ein "Gartenschlauch" nach unten ab, sodass er hinter dem Knick - also in Richtung Trommelfell - luftdicht verschlossen ist. Darüber hinaus verhindert der Knick, dass dahinter gebildetes Sekret (Zerumen / Ohrenschmalz) physiologisch nach außen abfließen kann, weswegen Widderohren fast immer verstopft sind und das Trommelfell nicht einsehbar ist.

Aber auch der weiter außen befindliche Anteil des Gehörgangs ist nur bedingt belüftet, da die Ohrmuschel durch das Hinabhängen quasi dem Körper des Kaninchens anliegt. Eine gewisse Einschränkung in der Belüftung ist auch bei sehr kleinohrigen Löwenköpfchen festzustellen.

Das sauerstoffarme bzw. -freie, durch die Ansammlung von Ohrenschmalz darüber hinaus feuchte Milieu bietet diversen pathogenen (= krankmachende) Bakterien, Hefepilzen und anderen Keimen optimale Lebensbedingungen. Letztlich sind die Gehörgänge der Widder generell enger als bei stehohrigen Tieren, was die genannten Problematiken verstärkt.

Kommt es aufgrund der mangelnden Belüftung zu einer Entzündung, kann diese - sofern sie nicht frühzeitig behandelt wird - aufs Trommelfell übergreifen und von dort wiederum zum Mittel- und Innenohr vordringen.

Bei diesem Krankheitsverlauf ist also das Außenohr entzündet, was sich durch "Reinschauen" mit dem Otoskop sowie einen Abstrich aus der Ohrmuschel, der unter dem Mikroskop angesehen wird, feststellen lässt. Das Mittel- und Innenohr lässt sich hierdurch hingegen nicht beurteilen.

Schnupfen- und Zahnerkrankungen

Kaninchen, die an chronischem Schnupfen oder eitrigen Zahnentzündungen leiden, neigen verstärkt zu Ohrenentzündungen, da die beteiligten Bakterien durch die sogenannte Eustachische Röhre (welche das Mittelohr mit dem Rachen verbindet und für den Druckausgleich verantwortlich ist) ins Mittelohr vordringen und sich dort weiter vermehren.

Bei einer solchen sogenannten "aufsteigenden Infektion" sind das Mittel- und evtl. auch das Innenohr also bereits vor dem Außenohr betroffen.

Die inneren Strukturen können bereits schwer geschädigt sein, wenn beim "Reinschauen" in die Ohrmuschel noch alles in Ordnung aussieht. Erst, wenn die Entzündung so massiv ist, dass sich das Trommelfell nach außen vorwölbt oder einreißt, ergibt der Blick durchs Otoskop einen Befund.

Aus diesem Grund ist eine Otoskop-Untersuchung niemals ausreichend, um eine Mittel- oder Innenohrentzündung auszuschließen!

Symptome

Otitis externa (Außenohrentzündung)
Otitis media (Mittelohrentzündung)
Otitis interna (Innenohrentzündung)

Die Symptome unterscheiden sich je nach dem betroffenen Abschnitt des Ohres. Allen Formen gemeinsam ist, dass sie massiv schmerzhaft sein können und in vielen Fällen keine eindeutigen Symptome hervorrufen, sondern das erkrankte Tier z.B. lediglich ein vermehrtes Ruheverhalten oder verändertes Fressverhalten zeigt.

Die Otitis externa ist noch die harmloseste Form der Ohrenentzündungen, da sie sich in der Ohrmuschel abspielt und dort ohne chirurgischen Eingriff "erreichbar", d.h. - frühzeitig behandelt - medikamentell in den Griff zu bekommen ist. Bei widdertypisch verstopften Gehörgängen ist oft lediglich eine Schwerhörigkeit vorhanden. Erst, wenn der gesammelte Ohrenschmalz längerfristig nicht entfernt wird (durch spezielle Ohrenreiniger oder Spülungen), kommt es zu bakteriellen Infektionen und die Kaninchen zeigen typische Symptome wie Juckreiz und Schmerzhaftigkeit an den Ohren, vermehrtes Kopfschütteln oder eine schmerzbedingte Kopfschiefhaltung. Lässt sich am Ohrgrund eine Umfangsvermehrung ertasten, handelt es sich dabei in den meisten Fällen um Ohrgrundabszesse, welche nur noch chirurgisch in den Griff zu bekommen sind.

Die Otitis media betrifft das Mittelohr, d.h. die hinter dem Trommelfell befindliche Paukenhöhle mit der Paukenhöhlenblase (Bulla tympanica) sowie die davon abgehende Eustachische Röhre, welche die Verbindung zum Nasenrachen herstellt. In dieser Region befindet sich auch der sogenannte Facialisnerv, welcher die gleichseitige Gesichtshälfte innerviert. Greift die Entzündung auf diesen Nerv über, reagiert er mit einer Kontraktur. Ein solcher Facialisspasmus führt zum krampfartigen Hochziehen eines Mundwinkels, teilweise auch zu Problemen beim Lidschluss (und somit einseitiger Bindehautentzündung) und sekundär zu Zahn- und Zahnfleischproblemen, da das Kaninchen sich die Schleimhaut auf der betroffenen Seite aufbeißt. Auch bei der Mittelohrentzündung kann eine schmerzbedingte Kopfschiefhaltung auftreten.

Die Otitis interna stellt die schwerste Form der Ohrenentzündungen dar. Hier wird meist das benachbarte Gleichgewichtsorgan geschädigt, die Kaninchen erleiden neurologische Ausfallerscheinungen wie Kopfschiefhaltung, Nystagmus (=Pupillenzittern), Gleichgewichtsprobleme und Orientierungslosigkeit. Meist zeigen sie infolge der massiven Schmerzen auch ein schwer gestörtes Allgemeinbefinden.

Diagnostik

Otoskopische Untersuchung

Zu jeder allgemeinen Untersuchung gehört auch ein Blick in die Ohren mit dem Otoskop. Ganz besonders aufmerksam muss dies natürlich beim Verdacht auf eine Otitis erfolgen. Unter sanftem Zug am Ohr werden die äußeren Gehörgänge und das Trommelfell inspiziert. Dabei wird auf Schwellungen, Hautreizungen, Blut, Krusten, Milben und anderweitige Auffälligkeiten geachtet.

Da Milben lichtscheu sind, ist es wichtig, dass das Otoskop zunächst eingeführt und erst dann das Licht eingeschaltet wird. So kann der Tierarzt die Parasiten davonkrabbeln sehen. Wird das Otoskop mit bereits eingeschalteter Beleuchtung eingeführt, ziehen sich die Milben sofort zurück und sind nicht dann mehr zu sehen.

Bei Widdern ist das Trommelfell aufgrund der sehr engen Gehörgänge und der Ansammlung von Zerumen (Ohrenschmalz) meist nicht einsehbar.

Abstrich

Ein tiefer Abstrich mit einem Wattestäbchen dient der näheren Bestimmung von Ablagerungen im Ohr. Nach Färbung des Präparats untersucht der Tierarzt es unter dem Mikroskop auf Bakterien, Milben, Pilze und Entzündungszellen. So können auch Eiter und Entzündungssekrete von harmlosem Ohrenschmalz unterschieden werden.

Röntgendiagnostik

Röntgenaufnahmen des Schädels sind, sofern nicht auch die Möglichkeit eines Wach-CTs zur Verfügung steht, in folgenden Fällen unerlässlich:

Weiterhin sollte der Schädel, v.a. bei Widdern, in folgenden Fällen geröngt werden:

Am wichtigsten bei der Röntgenuntersuchung ist die dorsoventrale Aufnahme, d.h. das Kaninchen liegt gerade auf dem Bauch und der Schädel wird "von oben nach unten" geröngt. Auf die Weise können beide Mittel- und Innenohren nicht nur separat, sondern auch im Seitenvergleich beurteilt werden. Hierbei wird deutlich, ob die normalerweise gut belüfteten Bullae tympanicae (Paukenhöhlenblasen) mit Sekret gefüllt, ihre Wände entzündlich verdickt oder Knochenauflösungen vorhanden sind.

Die Röntgendiagnostik liefert einen ersten Anhaltspunkt dafür, ob eine Oittis media / interna vorliegt. Eine Narkose ist hierfür nicht nötig und v.a. bei bereits geschwächten Tieren nicht zu empfehlen.

Gerade im Anfangsstadium einer Infektion ist es allerdings möglich, dass Veränderungen auf Röntgenbildern noch nicht sichtbar sind.

Computertomographie (CT)

Optimal zur Feststellung von pathologischen Veränderungen bereits im Anfangsstadium, zur exakten Beurteilung der verschiedenen Ohrenabschnitte, des Ausmaßes und der Lokalisation der Entzündung ist die Computertomographie. Sie ist meist nur in Kliniken möglich, und leider bieten noch nicht alle die Möglichkeit eines "Wach-CTs" an, obwohl dieses gerade bei geschwächten Tieren einer Narkose unbedingt vorzuziehen ist.

Bei den meisten Kaninchen ist die Durchführung völlig unproblematisch; die Tiere werden dafür in eine kleine Kiste gesetzt, die anschließend mit Decken ausgepolstert wird, sodass keine größeren Bewegungen mehr möglich sind. Anschließend fahren sie in der Kiste durch das CT-Gerät, was nur wenige Sekunden dauert. Die meisten Kaninchen halten für diese kurze Zeitspanne völlig still, da die Dunkelheit ihnen ein "Höhlengefühl" und somit Sicherheit vermittelt.

Vor allem vor einer (möglicherweise) geplanten Operation lohnt es sich, eine Klinik ausfindig zu machen, die CTs am wachen Kaninchen anbietet, und ggf. auch eine etwas längere Anfahrt in Kauf zu nehmen.

Therapie & Nachsorge

Ein Antibiotikum ist unerlässlich, um Bakterienherde einzudämmen und ihren Übertritt in die Blutbahn zu verhindern. Jedoch ist die Antibiosa alleine bei eitrigen Infektionen in der Regel nicht ausreichend, da Kaninchen-Eiter eine extrem zähe und dickflüssige, nahezu pastöse Konsistenz aufweist und sich meist nur mechanisch entfernen lässt (in der Ohrmuschel durch Auswischen, Spülen und ggf. der (anteiligen) Entfernung des Gehörgangs; im Mittelohr durch Aufbohren, Spülen und Auskürretieren). Um sicherzustellen, dass das angewandte Antibiotikum erfolgsversprechend ist, sollte eine Tupferprobe entnommen und ein Resistenztest eingeleitet werden.

Zum Erhalt und zur Unterstützung der Darmflora sollte während der Antibiotikabehandlung auch ein Pro- und Präbiotikum gegeben werden.

Ein Schmerzmittel hat ebenfalls höchste Priorität, denn Ohrenentzündungen und -operationen sind für Mensch und Tier hochgradig schmerzhaft. Meist bietet sich ein sogenanntes NSAID (nicht-steroidales Antiphlogistikum) an, d.h. ein Schmerzmittel, welches entzündungshemmend und somit auch abschwellend wirkt.

Vorsicht geboten ist bei EC-positiven Kaninchen, da bei ihnen grundsätzlich von vorbelasteten Nieren ausgegangen werden muss und NSAIDs die Nierendurchblutung zusätzlich beeinträchtigen. Im Falle einer bereits diagnostizierten chronischen Niereninsuffizienz ist unbedingt sorgfältig abzuwägen, inwieweit die Vorteile eines NSAID gegenüber den Risiken überwiegen, und die Dosis sowie Behandlungsdauer anzupassen.

Auch sollten EC-positive sowie nierenkranke Kaninchen während des Behandlungszeitraums täglich Infusionen bekommen, um die Nierendurchblutung zu fördern. Eine Infusionstherapie ist weiterhin anzuraten, wenn das Kaninchen sich vor der OP allgemein in keinem guten Gesundheitszustand befunden hat (z.B. wenn die Otitis bereits weit fortgeschritten war), um den Kreislauf zu stabilisieren. Nach tierärztlicher Anleitung können Sie subkutane (= unter die Haut) Infusionen auch selbstständig zu Hause geben.

Bei Kaninchen mit einem empfindlichen / angeschlagenen Magen-Darm-Trakt sollten NSAIDs möglichst gering dosiert, kurzfristig und in Kombination mit Magenschutzpräparaten eingesetzt werden, um einer Magenschleimhautentzündung vorzubeugen.

Ergänzend oder alternativ zu NSAIDs kann z.B. Metamizol angewandt werden, das zwar nicht entzündungshemmend, aber sehr gut zentral schmerzlindernd ist. Ein noch stärkeres, nierenschonendes Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide ist Tramadol, welches Sie über ein tierärztliches Rezept in der Humanapotheke bekommen.

Eine Operation ist bei Abszessen sowie Eiter- und Flüssigkeitsansammlungen hinter dem Trommelfell notwendig, da es anders kaum möglich ist, dem Eiter Herr zu werden. Durch eine Eröffnung des Mittelohrs kann der Eiter durch Spülen und Ausschaben entfernt werden. Bei intaktem Trommelfell und äußeren Gehörgang wird meist die sogenannte ventrale Bullaosteotomie angewandt, bei einem bereits geschädigten Außenohr und Trommelfell die laterale Bullaosteotomie. Letztere wird, um die gründliche Reinigung des Außenohrs zu ermöglichen und eine Abflussrinne zu schaffen, mit einer lateralen oder totalen Gehörgangsablation kombiniert, d.h. einer teilweise bzw. komplett erfolgenden Entfernung der knorpeligen Wände des äußeren Gehörgangs.

Unterstützung beim Fressen bedeutet entweder Breifütterung mit der Spritze (wenn der Patient auch mehrere Stunden nach der Operation nicht oder kaum von selber frisst) oder das Angebot von Nahrung, die keinen (intensiven) Kauvorgang erfordert - denn das Kauen kann nach einer Ohren-OP enorm schmerzhaft sein. Geeignet ist jeder Futterbrei, der auch zur Spritzenfütterung geeignet ist. Zur Appetitanregung und Energiezufuhr können Sie auch gleiche Mengen (!) zerdrückte Banane anbieten.

Eine Euthanasie ist bei Kaninchen angezeigt, bei denen die Entzündung bereits so weit fortgeschritten ist, dass weder eine Operation noch eine medikamentöse Behandlung eine Ausheilung oder zumindest eine Schmerzfreiheit zur Folge hätte. Dies ist leider sehr häufig bei Innenohrentzündungen oder zu spät behandelten Mittelohrentzündungen, welche bereits mit einer Auflösung der knöchernen Strukturen einhergehen, der Fall.

Prognose

Grundsätzlich ist die Prognose umso günstiger, je früher die Problematik erkannt und behandelt wird. So ist eine reine Otitis externa im frühen Stadium in der Regel durch Spülungen und Medikamente heilbar. Auch Ohrgrundabszesse und Mittelohrentzündungen lassen sich in vielen Fällen erfolgreich therapieren, wenn sie frühzeitig chirurgisch behandelt werden. Gerade gefüllte Bullae tympanicae sind allerdings ein Problem, das auch nach einer erfolgreichen Operation immer wieder auftreten kann. Umso wichtiger ist die prophylaktische wöchentliche Ohrenpflege.

Ungünstiger sieht es aus, wenn die knöchernen Strukturen der Bulla tympanica bereits in Auflösung sind oder bereits eine Innenohrentzündung vorliegt. Weiterhin sind Kaninchen, die bereits seit längerer Zeit unter einer unbehandelten Otitis leiden, oft bereits in einem schlechten Allgemeinzustand, sodass die Operation eine erheblich höhere Belastung für sie darstellt.

Letztlich hängen die Erfolgsaussichten auch von der Fachkunde und Erfahrung des Chirurgen ab; so besteht z.B. das Risiko, dass während der OP der Facialisnerv verletzt wird und das Kaninchen vorübergehend oder dauerhaft eine halbseitige Gesichtslähmung, die zu Problemen mit dem Lidschluss und beim Kauen führt, davonträgt. Auch kann die Verletzung von Gefäßen zu Durchblutungsstörungen mit Nekrosen an der Ohrmuschel führen, die mitunter eine weitere OP erfordern.

Prophylaxe

Wöchentliche Ohrreinigungen sind eine sehr empfehlenswerte Vorsorgemaßnahme bei Widderkaninchen. Hierfür wird mit einer Hand die Ohrmuschel gestreckt, die andere gibt einige Tropfen einer speziellen Reinigungslösung (beim Tierarzt erhältlich) möglichst tief hinein. Anschließend wird der Ohrgrund mit mehreren Fingern von oben umfasst und kräftig massiert, sodass der Reiniger sich nach unten verteilen und einwirken kann. Im Anschluss schütteln die Kaninchen sich meist so kräftig von selber, dass der durch den Ohrreiniger gelöste Schmutz nach oben befördert und herausgeschleudert wird.

Durch Abtasten des Ohrgrundes, welches einen Teil des wöchentlichen Gesundheitschecks darstellen sollte, können Sie Umfangsvermehrungen (meist Abszesse) frühzeitig ertasten. Auch lässt sich dabei feststellen, ob das Kaninchen im Bereich des Ohransatzes druckempfindlich ist. Deutliche Anzeichen dafür sind ein Zucken oder Wegdrehen des Kopfes, eine reflexartige Kratzbewegung mit dem Hinterlauf derselben Seite oder allgemeine Abwehrbewegungen. Gesunden Kaninchen sind Berührungen und "Massagen" des Ohrgrundes hingegen nicht unangenehm.

Hinweisen auf Zahn- oder Schnupfenerkrankungen muss immer zügig auf den Grund gegangen werden. Dies gilt insbesondere, wenn bereits eitriger Ausfluss (aus Nase, Auge oder Mäulchen) auftritt. Bei ausbleibender antibiotischer Behandlung und - im Falle von Zahnwurzelabszessen - der chirurgischen Versorgung können die beteiligten Bakterien vom Maul- bzw. Nasenbereich ins Mittelohr aufsteigen. Soweit sollte man es keinesfalls kommen lassen.