Sonstige Erkrankungen

Zahnerkrankungen

Kaninchen aus "liebevoller Hobbyzucht" mit fehlenden Schneidezähnen infolge von Inzucht - Bild von Sandra Petry

Die Zähne des Kaninchens wachsen ein Leben lang. Bei einer artgerechten, rohfaserreichen Ernährung – d.h. rund um die Uhr frische Gräser, Kräuter, Blätter und Zweige, außerdem Heu - erfolgt ein ausgiebiger, mahlender Kauvorgang, durch den sich die Zähne des Oberkiefers und die des Unterkiefers gegenseitig abschleifen.

Dieses Gleichgewicht wird durch erblich oder ernährungsbedingte Fehlstellungen gestört. In der Folge kann es zu diversen Gebisserkrankungen kommen, die u.a. zu Verletzungen der Maulschleimhaut, Kieferabszessen und einer Zerstörung des Augapfels führen können. Oft werden sie erst im späten Stadium erkannt und dem Kaninchen kann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr geholfen werden. Daher sollte jeder Kaninchenbesitzer wissen, wie er Zahnprobleme bestmöglich vermeiden und gegebenenfalls frühzeitig erkennen kann.

Ursache

Zahnerkrankungen können auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein:

Angeborene Zahnfehlstellungen

Insbesondere bei Zwergkaninchen, in deren Maulhöhle aufgrund des kurzgezüchteten Kopfes sehr wenig Platz vorhanden ist, sind häufig angeborene Zahnfehlstellungen festzustellen. Diese können sich entweder bereits im jungen oder erst mit zunehmendem Alter äußern. Ein verkürzter Oberkiefer führt dazu, dass die oberen Schneidezähne hinter den unteren stehen. Durch die ausbleibende Berührung wachsen die Zahnpaare aneinander vorbei, anstatt sich gegenseitig abzuschleifen. Diese Fehlentwicklung ist bereits bei Jungtieren sichtbar.

Fehlstellungen der Backenzähne führen oft erst nach längerer Zeit zu Beschwerden. Die Zähne sind dabei nicht optimal gegeneinander ausgerichtet, wobei das Ausmaß erheblich variiert. Dadurch schleifen sich die Zähne des Oberkiefers beim Kauvorgang nicht mehr optimal an denen des Unterkiefers ab. Mit der Zeit entstehen dadurch z.B. Zahnspitzen, ein Stufengebiss, eine abfallende Kaufläche oder insgesamt zu lange Zahnkronen.

Angeborene Zahnfehlstellungen bedürfen einer regelmäßigen tierärztlichen Korrektur; allerdings kann eine artgerechte Fütterung die Intervalle, in welchen diese Prozedur notwendig ist, maßgeblich verlängern.

Der Bildervergleich macht den Unterschied zwischen der Kopfform des Wildkaninchens (links) und des Zwergkaninchens (rechts) deutlich.

Ungeeignete Futtermittel im Wachstum

In den ersten Lebenswochen sind Kaninchen besonders empfindlich gegenüber fehlerhaften Druckbelastungen ihrer Zähne. Ein seriöser Züchter füttert seine Kaninchen naturnah, d.h. mit reichlich Grünfutter und ohne Trockenfutter. Die Jungtiere sollten gleich, wenn sie das Nest verlassen, am Grünfutter ihrer Mutter mitfressen können - wie in der Natur. Auf die Weise entwickeln sie ein gesundes Gebiss, eine robuste Darmflora und ein starkes Immunsystem.

Leider sieht die Realität anders aus: Aus Unwissenheit, Bequemlichkeit oder Kostengründen füttern Züchter und sonstige Vermehrer ihre Kaninchen oft ausschließlich oder überwiegend mit Heu und Trockenfutter. Hartes, verholztes Heu, Körner, Gemüsechips, Saaten usw. führen dazu, dass das Gebiss der Jungtiere von kleinauf fehlbelastet wird: Sie zerquetschen ihre viel zu harte Nahrung mit den Backenzähnen, anstatt sie zu zermahlen.

Eine im Jungtieralter erworbene Zahnfehlstellung bleibt ein Leben lang bestehen. Ist sie nur geringfügig ausgeprägt, entwickeln die Kaninchen oft erst im Erwachsenenalter Symptome. Ein gesundes Gebiss im jungen Alter ist daher keine Garantie dafür, dass es später - auch bei optimaler Fütterung - nicht zu Problemen kommen kann.

Zahnfehlstellungen durch Mangelerscheinungen

Eine mangelhafte Kalziumzufuhr führt bei Jungtieren sehr schnell zu Fehlentwicklungen des Skeletts und Gebisses; bei ausgewachsenen Tieren langfristig zu einer schlechten Struktur und Instabilität von Zähnen und Knochen. Eine gezielt "kalziumarme Ernährung", bei der diverse Grünfuttersorten vermieden werden (in der Annahme, sie würden Blasengrieß verursachen), ist daher nicht empfehlenswert! Absolut zu vermeiden ist sie bei trächtigen und säugenden Häsinnen sowie bei Jungtieren im Wachstum.

Ein weiterer Risikofaktor ist ein ungeeignetes Kalzium-Phosphor-Verhältnis von weniger als 1,5:1. Bei einer abwechslungsreichen Ernährung ist ein solches nicht zu erwarten. Kritisch ist hingegen eine extrem einseitige Fütterung mit stark phosphorhaltigen und gleichzeitig kalziumarmen Futtermitteln.

Eine übermäßige Zufuhr von Oxalsäure behindert die Kalzium- und Phosphorresorption aus dem Darm. Auch hierdurch ist langfristig ein Mangel möglich.

Infolge des Kalziummangels werden die Zähne nicht nur anfällig gegenüber mechanischen Einflüssen, sondern beginnen sich auch zu lockern, da ihre Verankerung im Kieferknochen nicht mehr gewährleistet ist. Im schlimmsten Fall kommt es dadurch zum Ausfall der Zähne; weniger schwere Folgen sind leichte Positionsveränderungen - z.B. durch Verdrehen oder Kippen - die jedoch bereits ausreichen, um keinen optimalen Abrieb mehr zu ermöglichen und regelmäßige tierärztliche Korrekturen notwendig zu machen.

Ein Vitamin-D-Mangel verhindert den Einbau von Kalzium in Knochen und Zähne und führt dadurch zu Osteoporose und einer beeinträchtigten Nachbildung von Zahnsubstanz. Er entsteht bei reinen Wohnungskaninchen, da im Körper befindliches Vitamin D nur durch direkte Sonneneinstrahlung in seine hormonell aktive Form umgewandelt wird. Kaninchen, die nur während der Wintermonate in Innenhaltung leben, sind hingegen nicht gefährdet, da der Körper das Vitamin über mehrere Monate speichern kann.

Zahnfehlstellungen, die durch Mangelerscheinungen verursacht wurden, sind meistens nicht reversibel, da verschobene / verkippte Zähne sich nicht mehr "korrigieren". Ein regelmäßiges Einschleifen durch einen spezialisierten Tierarzt ist dann unerlässlich.

Ungeeignete Futtermittel im Erwachsenenalter

Die Fütterung ungeeigneter Nahrungsmittel führt zum mangelhaften Zahnabrieb und dadurch zu übermäßigem Wachstum. Ursächlich können größere Mengen stark sättigender Futtermittel (Saaten, Nüsse, Erbsen- / Getreideflocken, ...) sein; sie sollten nur häppchenweise als Leckerli aus der Hand gereicht werden. Auch einige gänzlich ungeeignete Futtersorten wie z.B. Brot, Weizen, Knabberstangen usw. sind stark zahnbelastend. Dies hat zwei Gründe: Erstens werden die genannten Futtermittel nicht physiologisch zermahlen, sondern zwischen den Backenzähnen zerquetscht; wodurch anstelle eines Zahnabriebs eine Druckbelastung der Zahnwurzeln erfolgt. Zweitens nimmt das Kaninchen infolge der starken Sättigung im Anschluss zu wenig rohfaserhaltige Futtermittel auf.

Auch weniger nahrhafte Futtersorten, die kaum oder keine strukturierte Rohfaser erhalten und somit die Zähne nicht ausreichend fordern, sind im Übermaß problematisch. Dazu gehören v.a. Obst und wässriges Gemüse (Tomate, süße Salate, Gurke, ...); aber auch festes Wurzelgemüse (Karotten, Sellerie, Brokkoli, ...) erhält, verglichen mit seinem Kaloriengehalt, nur wenig Rohfaser. Auch dadurch ist das Kaninchen sozusagen satt, bevor es ausreichend gekaut hat.

Zahnfehlstellungen, die rein auf einem fehlerhaften / unzureichenden Kauvorgang beruhen, können durch Einschleifen und eine anschließende Fütterungsoptimierung dauerhaft behoben werden (sofern noch keine Folgeschäden wie retrogrades Zahnwachstum oder Zahnwurzelabszesse entstanden sind.)

Krankheitsbilder

Im Folgenden erhalten Sie eine Übersicht über die vielfältigen Krankheitsbilder im Bereich der Kaninchenzähne, die Möglichkeiten, sie zu diagnostizieren, und die möglichen Auslöser.

Schlechte Zahnsubstanz

Ursache:

Chronische Zahnwurzelentzündungen führen mit der Zeit dazu, dass keine gute Zahnsubstanz mehr nachgebildet wird und die Zahnkronen sich optisch von denen gesunder Zähne unterscheiden. Dies lässt sich sehr gut auf Röntgenbildern darstellen, aber auch mit bloßem Auge erkennen: Gesunde Zahnkronen besitzen physiologische Längsrillen. Sind diese nicht mehr erkennbar, ist die Zahnwurzel krank.

Falls Sie beim wöchentlichen Gesundheitscheck Ihres Kaninchens feststellen, dass die Längsrinnen eines Schneidezahns nicht mehr gut ausgeprägt sind, sollten Sie zügig einen Termin zum Schädelröntgen vereinbaren. Eine veränderte Backenzahnsubstanz kann der Tierarzt nur erkennen, wenn er mit einem Otoskop ins Mäulchen schaut oder das Kaninchen sediert und das Mäulchen anschließend mit einem Maulspreizer öffnet.

Zahnwurzeln können sich durch Druckbelastung beim Fressen (Zerbeißen harter Futterbrocken!, verlängerte Zahnkronen) oder eine mechanische Schädigung des Zahnes entzünden. Eine mechanische Schädigung kann die Folge eines physischen Traumas sein, z.B. ein Sturz oder das Anstoßen an einem Gegenstand. Auch die Anwendung eines Maulspreizers am nicht-sedierten Tier kann zur Folge haben, dass die Zähne durch Abwehrbewegungen oder verzweifelte Versuche, das Mäulchen zu schließen, geschädigt werden.

Letztendlich gibt es erschreckenderweise noch immer Tierärzte, die zu lange Schneidezähne mit einer Zange abknipsen, anstatt sie abzuschleifen. Dieses Vorgehen ist in höchstem Maße tierschutzwidrig, da die Zähne dabei fast immer splittern (vergleichbar mit dem Durchknipsen eines Glasrohrs)! Oft ist dies nicht sofort sichtbar, doch die entstehenden Mikrorisse im Zahnschmelz führen zum Eindringen von Bakterien. Dies hat zur Folge, dass die Zähne dem Kaninchen mit der Zeit regelrecht wegfaulen - von den Schmerzen ganz zu schweigen!

Ein längerfristiger Mangel an Kalzium oder Vitamin D (siehe oben) führt zu Osteoporose. In der Folge werden auch die Zähne brüchig und anfällig. Die nachgebildete Zahnsubstanz ist dementsprechend schlecht.

Überwuchs der Zahnkronen

Ursache:

Die Schneidezahnkronen des Oberkiefers sind beim Kaninchen in etwa so lang wie die des Unterkiefers. Von der Seite betrachtet, sollten die Schneidezähne des Oberkiefers in etwa bis auf die Höhe des Gaumens wachsen. Wenn Sie die Zähne Ihrer Kaninchen regelmäßig kontrollieren, werden Ihnen eventuelle Abweichungen auffallen. Im Zweifelsfall können Sie Fotos anfertigen, um einen Vergleich zu haben. Gerade für Anfänger in der Kaninchenhaltung ist dies sehr praktisch.

Sind alle Schneidezähne auffällig lang oder ist das obere Paar deutlich länger oder kürzer als das untere, ist eine weitere Abklärung und Korrektur notwendig. Möglicherweise stehen die Schneidezähne nicht optimal aufeinander oder die Backenzahnkronen sind zu lang: In beiden Fällen ist der Abrieb der Schneidezähne beeinträchtigt.

Deutlich zu lange Backenzahnkronen kann ein kaninchenerfahrener Tierarzt mit bloßem Auge erkennen, wenn er mit einem Otoskop ins Mäulchen schaut oder das Kaninchen sediert und das Mäulchen anschließend mit einem Maulspreizer öffnet. Eine optimale, objektive Beurteilung ist jedoch nur mittels Schädelröntgen möglich: Auf den Röntgenbildern werden sogenannte Referenzlinien eingezeichnet, über die die Zahnkronen eines gesunden Kaninchens nicht hinausreichen.

Stufengebiss (Treppengebiss), abfallende Kaufläche, Schiefstellung der Zähne

Ursache:

Bei einem Stufengebiss liegen die Backenzahnkronen nicht in einer Linie hintereinander, sondern wachsen unterschiedlich hoch. Bei einer abfallenden Kaufläche überragen die vorderen Backenzähne die hinteren. Weiterhin ist eine asymmetrische Abnutzung möglich, bei der die Zähne nur auf einer Seite zu lang sind. Dies führt in der Folge meist auch zu schief abgeriebenen Schneidezähnen.

Derartige Fehlstellungen kommen oft dadurch zustande, dass die Zähne sich aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Fehlstellung nicht gleichmäßig abreiben. Es ist aber auch möglich, dass das Kaninchen "gezielt" einseitig / verändert kaut, da es z.B. in einem bestimmen Bereich Schmerzen hat.

Hierfür können z.B. eine Zahnwurzelentzündung, eine Verletzung der Maulschleimhaut oder eine Mittelohrentzündung (sehr oft bei Widdern!) verantwortlich sein. Mittelohrentzündungen können auch zu einer Kontraktur des Gesichtsnervs (Nervus facialis) führen. In diesem Fall ist der Mundwinkel auf der betroffenen Seite hochgezogen. Das Kaninchen hat in der Folge meist Schwierigkeiten, auf dieser Seite zu kauen.

Ein kaninchenaffiner Tierarzt erkennt die beschriebenen Backenzahnprobleme mit bloßem Auge, wenn er mit einem Otoskop ins Mäulchen schaut oder das Kaninchen sediert und das Mäulchen anschließend mit einem Maulspreizer öffnet. Zahnwurzel- und Mittelohrentzündungen hingegen sind nur via Schädelröntgen oder CT feststellbar.

Bildung von Zahnspitzen

Ursache:

Zahnspitzen entstehen immer dann, wenn die Zähne des Oberkiefers und die des Unterkiefers nicht ideal zueinander positioniert sind. In diesem Fall werden bestimmte Bereiche einzelner Zähne nicht (ausreichend) abgerieben und wachsen in die Länge. Dadurch können Spitzen entstehen, die zu schmerzhaften Verletzungen der Zunge oder Wangenschleimhaut führen.

Neben angeborenen Fehlstellungen sind Fütterungsfehler im Wachstum häufige Auslöser. Auch Mangelerscheinungen können dazu führen, dass sich die Zähne geringgradig lockern und in ihrer Position verändern. Auch bei einer anschließend optimalen Ernährung ist es nicht möglich, die ideale Position wiederherzustellen. Die Intervalle, in denen die Spitzen vom Tierarzt abgeschliffen werden müssen, können aber durch eine artgerechte Ernährung mitunter erheblich vergrößert werden.

Ein kaninchenaffiner Tierarzt erkennt Zahnspitzen mit bloßem Auge, wenn er mit einem Otoskop ins Mäulchen schaut oder das Kaninchen sediert und das Mäulchen anschließend mit einem Maulspreizer öffnet. Achtung: Nicht-spezialisierte Tierärzte verwechseln krankhafte Zahnspitzen evtl. mit den physiologischen, scharfen Kanten, die alle Kaninchenzähne aufweisen, um Pflanzenteile während des mahlenden Kauvorgangs zu zerschneiden. Diese Kanten sollten keinesfalls glattgeschliffen werden, da sie dem Kaninchen (jedenfalls bis sie nachgewachsen sind) das Kauen erschweren und dadurch "echte" Zahnprobleme auslösen können!

Zahnspitzen sind immer ein Anlass, den Schädel zu röntgen, da die Wurzeln sehr häufig ebenfalls - und oft noch erheblich stärker - verändert sind.

Retrogrades Zahnwachstum, Zahnwurzelabszesse

Ursache:

Beim sogenannten retrograden Wachstum wachsen die Zahnwurzeln "rückwärts" in den Kieferknochen. Durch die Verdrängung des Knochengewebes können sie massive Entzündungsprozesse auslösen, die sich häufig zu Abszessen entwickeln. Das retrograde Wachstum kommt immer dadurch zustande, dass die Zähne über längere Zeit in Richtung Knochen "gedrückt" werden: Entweder, weil die Zahnkronen zu lang sind und beim Kauen ein erhöhter Druck entsteht; oder weil die Kaninchen regelmäßig auf harten Futterbrocken (Nüsse, Saaten, Pellets, Gemüsechips, ...) herumbeißen, die sie nicht zermahlen können, sondern zerquetschen müssen.

Retrogrades Zahnwachstum ist nur via Röntgen oder Computertomographie (CT) feststellbar. Im Unterkiefer zeigen sich dabei mögliche Ausbuchtungen im Knochen; im Oberkiefer ist die Zahnwurzellänge mit Hilfe eingezeichneter Referenzlinien beurteilbar.

Auffällige Zahnkronen sind immer ein Anlass, den Schädel zu röntgen, da die Wurzeln sehr häufig - und oft noch erheblich stärker - ebenfalls verändert sind.

Augen- und Nasenausfluss

Ursache:

Sehr vielen Kaninchenhaltern und nicht-spezialisierten Tierärzten ist nicht bewusst, dass vermeintlicher "Schnupfen" beim Kaninchen oft durch retrograd wachsende Zahnwurzeln verursacht wird: Die Zahnwurzeln engen den Tränen-Nasen-Kanal ein oder brechen in ihn durch.

In der Folge kann die Tränenflüssigkeit nicht mehr abfließen und das Auge beginnt zu tränen. Nach einer gewissen Zeit siedeln sich sekundär Bakterien im verlegten Tränen-Nasen-Kanal an, wodurch der zunächst klare Ausfluss eitrig wird. Sind die Zahnwurzeln bereits eitrig entzündet, kann die Entzündung auch direkt in den Tränen-Nasen-Kanal übertreten. In beiden Fällen kommt es meist auch zum eitrigen Nasenausfluss. Kanincheneiter ist sehr aggressiv, wodurch sekundär Bindehautentzündungen auftreten.

Häufig treten die Symptome (zunächst) nur auf einer Seite auf. "Echter" Schnupfen hingegen betrifft in aller Regel beide Nasenlöcher und beide Augen. Daher sind bei einseitigem Ausfluss unbedingt Röntgenbilder oder eine CT vom Schädel notwendig. Gelegentlich sind auch Augenverletzungen oder Fremdkörper im Tränen-Nasen-Kanal die Ursache; es müssen aber in jedem Fall auch die Zahnwurzeln abgeklärt werden!

Exophthalmus (hervorstehender Augapfel)

Ursache:

Zahnwurzelabszesse im Oberkiefer können zunehmend gegen den Augapfel drücken, sodass er vorgelagert wird. Dies wird v.a. sichtbar, wenn man das betroffene Kaninchen gerade von vorne betrachtet. Auch ein einseitiges Hervortreten der Nickhaut oder Skleren (das "Weiße" im Auge) ist verdächtig. Die sogenannten retrobulbären Abszesse können binnen Stunden bis Tagen massiv an Volumen zunehmen. Steht der Augapfel zu weit heraus, funktioniert der Lidschluss nicht mehr. In der Folge trocknet das Auge ein. Dies ist mit hochgradigen Schmerzen und dem Verlust des Sehsinns auf dem betroffenen Auge verbunden.

In seltenen Fällen wird ein Exophthalmus durch einen retrobulbären Tumor verursacht. Ein solcher wächst aber deutlich langsamer; das Symptom tritt nicht akut auf. Auch ein erhöhter Augeninnendruck ist eine mögliche Ursache.

Stellen Sie fest, dass ein Augapfel Ihres Kaninchens plötzlich weiter hervorsteht als der andere, muss das Tier schnellstmöglich einem Spezialisten vorgestellt werden! Mit Hilfe von Schädelröntgenbildern oder einer CT stellt der Tierarzt fest, welche Zahnwurzeln am Abszessgeschehen beteiligt sind. Im Anschluss ist ein sofortiger chirurgischer Eingriff notwendig.

Ist der Exophthalmus so stark, dass das Kaninchen sein Auge nicht mehr schließen kann, gehört es umgehend in die (Notfall-)Sprechstunde - es hat erhebliche Schmerzen! Darüber hinaus droht der Verlust des Auges. Sollte keine sofortige Operation möglich sein, müssen Sie das Auge bis zum Eingriff engmaschig mit einer befeuchtenden Augensalbe pflegen.

Schräg abgeriebene Schneidezähne

Ursache:

Stehen die Schneidezähne schräg aufeinander, ist nahezu immer ein Backenzahnproblem ursächlich: Wachsen die Backenzahnkronen auf einer Seite zu lang, gerät der Kiefer in eine Schieflage, wodurch auch die Schneidezähne sich nicht mehr gerade abreiben können.

Daher ist es unbedingt notwendig, die Backenzähne zu untersuchen. Deutlich zu lange Backenzahnkronen kann ein kaninchenerfahrener Tierarzt mit bloßem Auge erkennen, wenn er mit einem Otoskop ins Mäulchen schaut oder das Kaninchen sediert und das Mäulchen anschließend mit einem Maulspreizer öffnet. Zu lange oder stufige Zahnreihen müssen eingeschliffen werden.

Darüber hinaus muss zwingend die Grundursache für die Schieflage des Kiefers ermittelt werden! Dies können z.B. Zahnwurzelprobleme oder eine Mittelohrentzündung sein. Röntgenbilder oder eine CT sind für die weitere Diagnostik daher unerlässlich.

Schneidezahnfehlstellung

Ursache:

Insbesondere Zwergkaninchen leiden oft unter einer Missbildung des Oberkiefers, einer sogenannten Brachygnathia superior. Dabei ist der Oberkiefer kürzer als der Unterkiefer, die unteren Schneidezähne befinden sich also weiter vorn als die oberen. Ein gegenseitiger Abrieb ist in diesem Fall nicht möglich und die Zähne wachsen ungehindert aneinander vorbei. Auch mit einer gesunden Ernährung kann keine Besserung erzielt werden. Die Problematik ist mit bloßem Auge sichtbar.

Es sind jedoch auch leichtere Schneidezahnfehlstellungen möglich, bei denen sich die Zähne der gegenüberliegenden Kiefer zwar berühren, aber nicht ideal aufeinanderstehen. Auch eine solche Fehlstellung kann angeboren sein; aber auch durch längerfristige Backenzahnveränderungen entstehen, die eine allmähliche Verschiebung des Kiefers zur Folge haben.

Bei jeder Schneidezahnfehlstellung sollten Röntgenaufnahmen des Gebisses erfolgen, um zu überprüfen, ob und inwieweit die Backenzähne in das Geschehen involviert sind.

Symptomatik

Eine Zahnerkrankung kann sich durch mehr oder weniger offensichtliche Symptome äußern, die entweder einzeln oder in Kombination miteinander aufteten. Dazu gehören:

Zum wöchentlichen Gesundheitscheck gehört immer auch ein Blick auf die Schneidezähne von vorne und von der Seite. Gesunde Schneidezähne besitzen Längsrillen und sind gerade abgeschliffen, die oberen Zahnkronen enden ungefähr auf Gaumenhöhe und stehen sehr leicht vor den unteren. Die Länge der unteren Schneidezahnkronen entspricht der der oberen. Hinter dem großen Schneidezahnpaar im Oberkiefer befinden sich zwei sehr kleine sogenannte Stiftzähne, die nur von der Seite zu sehen sind.

Auch das Abtasten der Kieferknochen sollten Sie in den Routine-Check-Up integrieren. Auf die Weise fallen Ihnen Veränderungen frühzeitig auf. Achten Sie vor allem darauf, ob sich beide Kieferseiten gleich anfühlen oder es Asymmetrien gibt. Kleine, harte Beulen deuten z.B. auf retrogrades Zahnwachstum hin; große, voluminöse Umfangsvermehrungen auf Abszesse.

Speichelfluss deutet immer auf ein Problem in der Maulhöhle hin. Dies können Schmerzen an einer Zahnwurzel sein; aber auch Fehlstellungen, die das Kaninchen mechanisch behindern. Auch Verletzungen an der Zunge oder im Wangenbereich, oft durch Zahnspitzen, sind eine mögliche Ursache. Typischerweise fällt ein feuchtes Fell an den Mundwinkeln, im Kinn- und Brustbereich oder an den Vorderläufen auf. Speichelverklebtes Fell fällt relativ schnell aus, sodass betroffene Kaninchen häufig kahle Stellen in den genannten Arealen entwickeln.

Ein eitriger Maulgeruch ist ein eindeutiges Anzeichen für einen massiven Entzündungsherd in der Maulhöhle.

Das Selektieren von Futtermitteln, die sich leicht zerkauen lassen, ist in den meisten Fällen ebenfalls auf Zahnprobleme zurückzuführen; seltener auf Kiefergelenksschmerzen oder Mittelohrentzündungen. Betroffene Kaninchen versuchen dadurch, die durchs Kauen verursachten Schmerzen möglichst zu vermeiden; z.B. ziehen sie zartes Heu und weiche Blätter (z.B. Kopfsalat, Klee) einem verholzten Heu und festeren Blättern (z.B. Wirsing) vor. Zuvor beliebte Leckerlis harter Konsistenz werden mitunter gemieden oder erst aufgenommen und dann wieder fallengelassen. Ein Selektionsverhalten, das sich schleichend entwickelt, ist immer hochverdächtig.

Schmerzen an den Schneidezahnwurzeln äußern sich oft dadurch, dass betroffene Kaninchen Beschwerden beim Abbeißen und Nagen haben. Oft "versuchen" sie, entsprechende Futtermittel zu fressen, lassen sie aber relativ schnell liegen.

Langsames Fressverhalten deutet auf Beschwerden beim Kauen hin; entweder mechanisch oder schmerzbedingt. Eine gute Beobachtung durch den Besitzer ist hier essentiell: Denn betroffene Tiere haben meist einen großen Appetit und beginnen sofort zu fressen, wenn sie frisches Futter erhalten; sie brauchen dafür aber erheblich länger als ihre zahngesunden Partnertiere. Mitunter kauen sie auch eine Zeitlang auf einem Halm oder Blatt herum, um es anschließend wieder fallenzulassen.

Bei genauerem Hinsehen zeigen betroffene Kaninchen meist veränderte Kaubewegungen: Sie kauen langsamer, stockender oder "vertikaler" als gesunde Tiere. Wenn Sie Ihre Kaninchen regelmäßig gut beim Fressen beobachten und dabei insbesondere auf die Kaubewegungen achten, wird Ihnen der Unterschied auffallen.

Beschwerden beim Kauen führen meist zu einem schleichenden Gewichtsverlust. Wiegen Sie Ihre Kaninchen einmal wöchentlich, um das Gewicht jederzeit im Auge zu behalten. Kleine Schwankungen sind normal; es sollte aber keinesfalls jede Woche ein bisschen weniger sein als in der vorherigen. Schleichender Gewichtsverlust tritt nicht nur bei Zahnproblemen auf, sondern z.B. auch bei einer chronischen Niereninsuffizienz, einer Tumorerkrankung oder einem Parasitenbefall. Hier muss eine hochwertige Diagnostik betrieben werden, um die Ursache festzustellen.

Zähneklappern und -knirschen ist meistens bei Kaninchen zu beobachten, die sich an etwas in Ihrer Maulhöhle stören. Dieses Verhalten wird zunehmend häufiger gezeigt, je weiter das Problem voranschreitet. Gelegentliches, genüssliches Kiefermahlen (i.B. beim Streicheln oder gegenseitiger Fellpflege) ist hingegen normal.

Nasen- und Augenausfluss und anderweitige "Schnupfensymptome" (Niesen, Schnauben, "brodelnde" Atemgeräusche im Nasenbereich) sind typische Symptome einer Zahnwurzelerkrankung im Oberkiefer. In der Regel sind sie (zunächst) nur einseitig zu beobachten. Geben Sie sich in einem solchen Fall keinesfalls mit einer "Schnupfentherapie" zufrieden - es muss unbedingt eine Zahndiagnostik erfolgen! Der Ausfluss kann klar, schleimig oder eitrig sein. Möglicherweise stellen Sie zu Beginn lediglich verklebte Vorderläufe fest, da das Kaninchen sich den Ausfluss weggeputzt hat.

Ein Exophthalmus (vorstehender Augapfel) ist in den allermeisten Fällen auf einen Zahnwurzelabszess hinter dem Auge zurückzuführen. Der betroffene Augapfel steht weiter hervor als der andere, möglicherweise ist die Nickhaut oder Sklera zu sehen. Ein Exophthalmus ist immer ein Notfall - ganz besonders aber dann, wenn der Lidschluss nicht mehr funktionieren sollte! In diesem Fall gehört das Kaninchen auch nachts und feiertags umgehend in eine Tierklinik, da verhindert werden muss, dass das Auge eintrocknet.

Wiederkehrende Verdauungsbeschwerden wie Verstopfungen, Magenüberladung, Durchfall oder Aufgasungen kommen oft dadurch zustande, dass das Kaninchen sein Futter nicht ausreichend kaut. Insbesondere, wenn das betroffene Tier bereits optimal gehalten und ernährt wird und keine Parasiten in seinem Kot nachgewiesen werden, sollte eine umfassende Zahndiagnostik inklusive Schädelröntgen / CT erfolgen. Auch ein starker Hefebefall im Kot trotz optimaler Ernährung und Parasitenfreiheit kann auf Zahnprobleme hindeuten.

Letztendlich kann sich die Symptomatik auch auf allgemeine Schmerzsymptome beschränken. Dazu gehören ein vermehrtes Ruheverhalten, ein verminderter Appetit, eine gekrümmte Körperhaltung und ein "Schmerzgesicht" (trüber Blick, angespannte Gesichtsmuskulatur, zur Seite gerichtete Ohrmuscheln, ...). Kaninchen, die diese Symptome zeigen, sich insgesamt aber dennoch normal verhalten und fressen, leiden sehr häufig an chronischen Zahn- oder Ohrenschmerzen (Widder!). Röntgendiagnostik oder ein CT vom Schädel sollte daher ganz oben auf der To-Do-Liste stehen.

Diagnostik

Die Zahndiagnostik beim Kaninchen ist ein extrem komplexes Themengebiet, auf das nur die wenigsten Tierärzte spezialisiert sind. Die Diagnostik ist sowohl in ihrer Durchführung als auch ihrer Auswertung schwierig. Dies kann für den Patienten fatale Folgen haben, wenn z.B. notwendige Diagnostik unterlassen wird, Veränderungen übersehen werden oder eine nicht-adäquate Therapie erfolgt. Einzelne erkrankte Zähne oder ungeeignete therapeutische Maßnahmen können das komplette Gebiss aus dem Gleichgewicht bringen und zerstören.

Suchen Sie unbedingt einen Tierarzt auf, der auf Kaninchenzähne spezialisiert ist!

Adspektion der Schneidezähne

Das Betrachten der Schneidezähne ist der erste Schritt in der Zahndiagnostik. Der Tierarzt überprüft dabei ihre Länge, Symmetrie, Struktur, ihren Abschliff und ihre Stellung zueinander. Dazu wird die gespaltene Oberlippe des Patienten vorsichtig gespreizt und die Zähne werden sowohl von vorne als auch von der Seite begutachtet.

Adspektion der Maulhöhle

Die Untersuchung der Maulhöhle sollte zunächst mit einem Otoskop erfolgen. Dabei schiebt der Tierarzt einen Aufsatz mit ausreichendem Durchmesser seitlich an den Schneidezähnen vorbei ins Mäulchen. Für eine verbesserte Einsicht kann ein Wangenspreizer oder ein Spreizspekulum verwendet werden, um die Wangen vorsichtig zur Seite zu drücken. Der geübte Heimtierarzt erkennt viele Veränderungen bereits auf diese Weise: zum Beispiel zu lange Zahnkronen, ungleichmäßig abgenutzte Zahnreihen, schrägstehende Zähne, Zahnspitzen, eine veränderte Zahnstruktur und Verletzungen der Schleimhäute.

Für eine genauere Inspektion der Maulhöhle erhält das Kaninchen eine Sedation oder Kurznarkose, um das Mäulchen mit einem Maulspreizer zu öffnen. Auf diese Weise kann geprüft werden, ob alle Zähne fest sitzen, und die Maulhöhle kann von vorne bis hinten komplett begutachtet werden. Auch das Einschleifen der Backenzähne ist auf diese Weise möglich.

Vom Einsatz des Maulspreizers am unsedierten, wachen Tier wird dringend abgeraten, da ein hohes Verletzungsrisiko besteht und die Tiere einem enormen Stress ausgesetzt werden. Viele Kaninchen geraten in Panik, wenn ihnen das Mäulchen aufgehebelt wird und sie es nicht mehr schließen können. In der Folge versuchen sie kraftvoll zuzubeißen, was zu Schmerzen, Entzündungen oder im schlimmsten Fall einer Luxation (Auskugelung) des Kiefergelenks führen kann.

Werden die Schneidezähne in den Maulspreizer "eingefädelt", können sie sich durch Abwehrbewegungen lockern oder gewaltsam ins Zahnfach gedrückt werden. Wird der Maulspreizer stattdessen hinter den Zähnen eingeführt, sind Hämatome und Verletzungen am Zahnfleisch möglich. Da die Kaninchen aufgrund ihrer starken Gegenwehr massiv auf dem Behandlungstisch fixiert werden müssen, können sie sich im schlimmsten Fall die Wirbelsäule brechen.

Eine Sedation oder Kurznarkose beugt Panik und starker Gegenwehr vor. Darüber hinaus können vom Schädel des sedierten oder schlafenden Kaninchens qualitativ hochwertige Schädelröntgenbilder angefertigt werden, was am wachen Tier aufgrund der sehr speziellen Lagerung äußerst schwierig ist.

Röntgendiagnostik

Die Röntgendiagnostik ist zur Beurteilung der Zahnwurzeln und Länge der Zahnkronen von großer Bedeutung. Damit die Bilder auch wirklich auswertbar sind und keine Details übersehen werden, ist eine sehr gute Qualität erforderlich: Es genügt nicht, den Schädel "irgendwie" abzulichten - das Kaninchen muss optimal gelagert werden. Auch ist es nicht ausreichend, eine einzige Aufnahme anzufertigen, da erstens ein "räumliches Bild" entstehen muss und zweitens sich auf jeder Ebene ein Teil der Zähne überlagert. Durch Röntgenbilder in verschiedenen Ebenen (seitlich, beidseits schräg und von oben) können alle Zähne einwandfrei beurteilt werden und Veränderungen lassen sich präzise lokalisieren.

Für jede Ebene gibt es verschiedene Regeln zur korrekten Lagerung:

Röntgenbilder eines nicht ideal gelagerten Tieres erschweren die Auswertung erheblich und führen dazu, dass kleinere Veränderungen nicht gesehen werden. Nicht selten muss die Röntgendiagnostik von einem Spezialisten wiederholt werden, da die ersten Bilder nicht auswertbar sind. Dies ist nicht nur ärgerlich und kostspielig für Sie, sondern auch stressig für das Kaninchen, und es verstreicht mitunter unnötig viel Zeit bis zum Therapiebeginn. Tun Sie sich und Ihrem Tier daher einen Gefallen und suchen Sie von vornherein einen Experten auf.

Computertomographie (CT)

Tierärzte, die über einen Computertomographen verfügen, bevorzugen diese Form der Diagnostik meist gegenüber den Röntgenbildern: Im CT-Gerät entsteht ein bewegtes räumliches Bild, wodurch Veränderungen exakt lokalisiert und in ihrem Ausmaß sehr gut beurteilt werden können. Einige Praxen und Kliniken bieten Wach-CTs an, bei denen das Kaninchen in eine mit Decken ausgestopfte Box gesetzt wird, die keine größeren Bewegungen zulässt. Die Anfertigung der CT dauert nur wenige Sekunden, in denen die Kaninchen meist stillhalten. Die Alternative ist eine Kurznarkose.

Der Vorteil eines Wach-CTs besteht darin, dass der Patient keine Narkose benötigt und die Durchführung schnell und spontan möglich ist. Ein Nachteil ist die schlechtere Qualität gegenüber einer CT in Narkose, da kleinere Bewegungen bei einem wachen Tier nie komplett vermieden werden können und eine gewisse Unschärfe nicht ausbleibt. Idealerweise wird das Kaninchen direkt im Anschluss an die CT operiert: Da es in diesem Fall ohnehin eine Narkose benötigt, kann auch die CT direkt am schlafenden Tier durchgeführt werden.

Therapie

Je nach Krankheitsbild sind grundverschiedene Therapieansätze notwendig. Eine gesunde Ernährung sollte immer selbstverständlich sein: Auch, wenn bereits Zahnprobleme vorhanden sind, kann eine adäquate Fütterung weitere oder Folgeprobleme verhindern. Notwendige Zahnkorrekturen sind mitunter erheblich seltener notwendig, wenn die Ernährung stimmt.

Möglicherweise notwendige Therapiemaßnahmen sind:

Suchen Sie für die Therapie von Zahnerkrankungen, egal welcher Art, immer einen spezialisierten Tierarzt auf! Die meisten Tierärzte sind nicht auf Kaninchen(zähne) spezialisiert! Im Falle einer OP spielt außerdem die Narkosesicherheit eine bedeutende Rolle.

Entfernung von Zähnen

Im Röntgen / CT lässt sich gut darstellen, welche Zähne im Wurzelbereich entzündlich verändert sind und eine schlechte Zahnstruktur aufweisen. Diese Zähne werden in aller Regel entfernt. Dasselbe gilt für Zähne, die an einem Abszessgeschehen beteiligt sind.

Der Tierarzt muss mit sehr viel Gefühl und Sorgfalt vorgehen, damit die Zähne beim Ziehen nicht abbrechen oder zersplittern: In der Wundhöhle verbleibende Zahnreste können nicht nur Entzündungen verursachen, sondern mit der Zeit wieder unkontrolliert zu wachsen beginnen und dabei bizarre Formen und Wuchsrichtungen ennehmen. Dadurch sind schwerwiegende Komplikationen möglich, die eine erneute Operation erfordern. Ein gewisses Restrisiko, dass unbemerkt Zahnreste zurückbleiben, besteht leider auch bei einer optimal durchgeführten Operation.

Ist ein kompletter Kieferquadrant betroffen, nimmt der Tierarzt in der Regel eine Reihenextraktion vor, bei der die Zahnreihe in einer Sitzung entfernt wird. Häufig ist jedoch nicht nur ein Quadrant, sondern eine komplette Kieferseite krankhaft verändert. In diesem Fall sind in der Regel zwei Operationen notwendig, da die Belastung für das Kaninchen anderenfalls zu groß wäre. Sollte tatsächlich nur ein Quadrant betroffen sein, besteht die Möglichkeit, dass die als "Gegenspieler" fungierende Zahnreihe im Anschluss an die Operation ungebremst wächst und regelmäßig eingeschliffen werden muss. Interessanterweise stagnieren die Zähne aber häufig auch in ihrem Wachstum, nachdem ihre Gegenspieler entfernt wurden.

Sind auf beiden Kieferseiten Zähne betroffen, sind ebenfalls mehrere Eingriffe erforderlich, damit das Kaninchen auch unmittelbar nach der OP eine schmerzfreie Seite zum Kauen hat.

Wenn möglich, wird der Tierarzt die Backenzähne durch die Maulhöhle entfernen. Stark retrograd wachsende Zähne, sehr brüchige Zähne und solche, die bereits einen Abszess verursacht haben, müssen hingegen von extraoral (von außen) entfernt werden. Hierzu wird der Kieferknochen von außen eröffnet und die Zahnwurzel freigelegt, um den Zahn mit der Wurzel voran zu ziehen.

Übrigens: Auch, wenn alle vier Kieferquadranten krankhaft verändert sind, kann dem Kaninchen geholfen werden! Entgegen vieler Gerüchte können Kaninchen auch ohne Zähne leben und bei guter Lebensqualität alt werden. Hierfür müssen sie püriertes, rohfaserhaltiges Futter erhalten. Sollte ein Tierarzt Ihnen also von einer Therapie abraten, da sie darauf hinauslaufen würde, dass alle Zähne gezogen werden müssen: Lassen Sie sich nicht beirren! Mit einer geeigneten Breinahrung bekommen zahnlose Kaninchen weder Verdauungsprobleme noch "leiden" sie darunter, nicht mehr kauen zu können. Wichtig ist, dass ihnen das Futter schmeckt und sie es selbstständig aufnehmen können, dass sie davon satt werden und gesund bleiben. Dies ist mit einer geeigneten Breinahrung gut umsetzbar!

Im Falle hochgradiger Schneidezahnfehlstellungen, bei denen die Schneidezähne aneinander vorbei wachsen, werden in der Regel bereits im Jungtieralter alle Schneidezähne gezogen. Anderenfalls wäre es lebenslang notwendig, die Zähne alle ein bis zwei Wochen vom Tierarzt kürzen zu lassen - bei fraglichem Nutzen, da das Kaninchen derart fehlgestellte Zähne ohnehin nur sehr eingeschränkt nutzen kann.

Kaninchen kommen gut ohne ihre Schneidezähne zurecht, wenn sie artgerecht mit Grünfutter ernährt werden: Dieses muss nicht abgebissen, sondern lediglich "spaghettiartig" ins Mäulchen gezogen werden. Eine Ausnahme sind Zweige, von denen die Tiere logischerweise abbeißen müssten. Sehr große, breite Blätter müssen für Kaninchen ohne Schneidezähne evtl. in Streifen geschnitten werden.

Nach dem Ziehen von Zähnen ist eine sorgfältige Nachsorge für die komplikationslose Wundheilung sehr wichtig! Insbesondere, wenn Unterkieferzähne entfernt wurden, ein extraoraler Eingriff durchgeführt oder ein Abszess entfernt wurde, muss der Heilungsprozess sorgfältig kontrolliert und unterstützt werden. Häufig ist in der ersten Zeit eine regelmäßige Wundspülung nötig, um neugebildeten Eiter und eingedrungene Futterreste zu entfernen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Beispielsweise sind bei einem anhaltenden Austritt von Eiter möglicherweise Bakterien beteiligt, die gegen das angewandte Antibiotikum resistent sind.

Werden die Nachkontrollen vernachlässigt - v.a. nach Backenzahn-OPs! -, ist es möglich, dass sich ein Infektionsherd in der Wunde bildet und über Tage und Wochen hinweg unbemerkt ausbreitet. In der Folge sind schwere Komplikationen wie eine Fistelbildung in die Schädelhöhle, die erneute Bildung eines Abszesses oder eine Kieferknochenauflösung möglich.

Entfernung eines Auges

Auch retrobulbäre Abszesse werden meist von außen entfernt. Ist das Auge noch intakt, sollte natürlich unbedingt versucht werden, es zu erhalten! Hierfür muss der Eingriff "am Augapfel vorbei" erfolgen, um den Abszess und die verantwortlichen Zähne zu erreichen. Nicht alle Tierärzte bieten diese Technik an. Erkundigen Sie sich im Voraus! Ist das Auge bereits irreparabel geschädigt oder machen die Lokalisation und Ausbreitung des Abszesses es unmöglich, das Auge zu erhalten, muss es mitentfernt werden. Einäugige Kaninchen kommen grundsätzlich sehr gut zurecht.

Einschleifen von Zähnen und Zahnspitzen

Überlange Zähne und Zahnspitzen werden mit speziellen, rotierenden Gerätschaften abgeschliffen. Bei den Schneidezähnen erfolgt dies mittels einer elektrischen Trennscheibe, bei den Backenzähnen mit einem schmaleren Schleifgerät. Die Schneidezähne können am wachen Tier gekürzt werden, sofern es von einer kompetenten Hilfsperson sicher auf dem Arm fixiert wird. Die Backenzahnkürzung muss immer in einer Kurznarkose erfolgen!

Keinesfalls dürfen Zähne mit einer Zange abgeknipst werden! Die Folge einer solchen Behandlung sind Mikrorisse, die mit bloßem Auge meist nicht sichtbar sind, z.T. aber bis tief in den Zahnschmelz reichen und Bakterien eine Eintrittspforte bieten. Versuchen Sie einmal, ein Glasrohr mit einer Zange durchzuknipsen: Es wird Ihnen nicht gelingen, ohne dass das empfindliche Glas splittert. Sehr ähnlich verhält es sich mit den Zähnen eines Kaninchens.

Beschädigte, erkrankte oder abgestorbene Zähne verursachen nicht nur starke Schmerzen und behindern das Tier beim Fressen, sondern infizieren mit der Zeit auch die benachbarten Zähne und den Kieferknochen. Um Tierärzte, die Zähne abknipsen, sollten Sie in jedem Fall einen großen Bogen machen!

Denken Sie daran, dass im Falle veränderter Zahnkronen immer auch die Zahnwurzeln kontrolliert werden müssen. Das Einschleifen mag zu einem optisch ansehnlichen Ergebnis führen und vorübergehend die Beschwerden des Tieres lindern; eventuelle Zahnwurzelprobleme müssen aber ebenfalls erkannt und adäquat therapiert werden. Röntgen- oder CT-Diagnostik sind dafür unerlässlich!

Antibiose und entzündungshemmende Schmerzmittel

Nach einer Zahn-OP ist eine gute Schmerzabdeckung von großer Bedeutung: Nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch, damit das Kaninchen möglichst schnell wieder selbstständig frisst. Sehr gut geeignet sind entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAID (z.B. Meloxicam). Sie können hervorragend mit dem zentral wirksamen Metamizol kombiniert werden. Auf die Weise ist der Patient sehr gut abgedeckt. Viele Kaninchen nehmen noch am selben Tag wieder selbstständig Futter auf.

Auch kleine Entzündungsherde an den Zahnwurzeln lassen sich mitunter durch die Gabe von einem Antibiotikum und einem NSAID therapieren. Voraussetzung ist eine gute Zahnstruktur, darüber hinaus darf kein Abszess vorhanden sein und es muss eine Druckentlastung der Zähne (sorgfältiges Einschleifen, keine Fütterung harter Futterbrocken) erfolgen. Je nach Grundursache müssen die Backenzähne evtl. in bestimmten Intervallen erneut eingeschliffen werden, damit es nicht zu einer neuerlichen Druckbelastung der Zahnwurzeln kommt.

Prognose

Je nach Ursache, Symptomatik und Schweregrad der Erkrankung variiert die Prognose enorm: So treten ernährungsbedingt ausgelöste Zahnfehlstellungen nach einmaligem Kürzen möglicherweise nie wieder auf, sofern Fütterungfehler künftig vermieden werden; und auch Tiere mit genetisch bedingten Fehlstellungen besitzen in vielen Fällen eine uneingeschränkte Lebenserwartung, solange ihr Gebiss regelmäßig und auf die richtige Art und Weise (Schleifen - nicht Knipsen!) korrigiert wird.

Geringgradige Zahnwurzelentzündungen können in vielen Fällen unter einer antibiotischen und entzündungshemmenden Therapie ausheilen, wenn gleichzeitig durch Einschleifen und ggf. eine Fütterungsanpassung (kein hartes Futter!) eine Druckentlastung erfolgt. Dasselbe gilt für retrogrades Zahnwachstum. Voraussetzung ist ein rechtzeitiger Therapiebeginn, ehe die Zahnstruktur irreparabel geschädigt ist. Regelmäßige Kontrollen, die eine Beurteilung der Zahnkronen und -wurzeln einschließen, sollten selbstverständlich sein: Auf die Weise können die Zähne ggf. erneut eingeschliffen oder anderweitig therapiert werden.

Eitrig entzündete Zahnwurzeln und Kieferabszesse erfordern immer eine chirurgische Behandlung! Abszesse müssen mit ihrer Kapsel und allen beteiligten Zähnen entfernt werden. Anderenfalls bleibt ein Entzündungsherd zurück, der binnen kurzer Zeit zu neuerlichen Problemen führt. Abszesse können nicht durch Antibiotika und / oder entzündungshemmende Medikamente therapiert werden!

Die Prognose für eitrige Zahnwurzelentzündungen ist umso schlechter, je später der chirurgische Eingriff erfolgt: Eiter schädigt das Knochengewebe und breitet sich mit der Zeit auf die Nachbarzähne aus; Abszesse nehmen immer mehr an Größe zu, wodurch der Eingriff immer schwerwiegender und komplizierter wird.

Leider kommt es regelmäßig vor, dass schwere Zahnerkrankungen sehr lange nicht festgestellt oder nicht vernünftig behandelt werden. Ab einem bestimmten Punkt kann dem Kaninchen nicht mehr geholfen werden: Beispielsweise, wenn sich die Kieferknochen bereits in Auflösung befinden, die Entzündungsherde bis in die Kiefergelenke ziehen oder ein Abszess die Atemwege des Kaninchens verlegt. In diesen Fällen hat das retrograde Zahnwachstum bereits zu so gravierenden Schäden geführt, dass diese nicht mehr behoben werden können. Dann ist allenfalls noch eine palliative Therapie möglich, aber auf kurz oder lang eine Euthanasie notwendig.

Zahnlose Kaninchen benötigen lebenslang eine geeignete Breinahrung. Ein hoher Gehalt grober Rohfaserpartikel ist unerlässlich, um ihre Verdauung gesundzuerhalten. Damit die Partnertiere nicht mitfressen, empfiehlt es sich, das zahnlose Kaninchen vom Tierarzt chippen zu lassen und ihm mit einer elektronischen Katzenklappe einen Bereich zum Fressen abzutrennen: Nur das Tier, dessen Mikrochip in der Katzenklappe eingespeichert wird, kann hindurch. Alternativ gibt es chipgesteuerte Futterautomaten; allerdings gelingt es intelligenten Partnertieren oftmals, "mitzufressen".

Prophylaxe

Achten Sie gut auf etwaige Symptome einer Zahnproblematik. Bei Unsicherheiten schafft eine tierärztliche Untersuchung Klarheit über den Zustand des Gebisses und hilft, Probleme bereits im Anfangsstadium zu entdecken, sodass eine erfolgsversprechende Therapie möglich ist.

Genetisch bedingte Zahnfehlstellungen

Das Risiko, Kaninchen mit einer angeborenen Zahnfehlstellung aufzunehmen, ist am geringsten, wenn Sie ausgewachsene Tiere von einer seriösen Notstation oder einem Kaninchenschutzverein adoptieren. Hier sind eventuelle Gesundheitsprobleme bereits bekannt und werden Ihnen von vornherein mitgeteilt.

Auch, wenn Sie sich junge Kaninchen anschaffen möchten, sollten Sie sich an o.g. Organisationen oder das Tierheim wenden. Allerdings werden Zahnprobleme häufig erst zum Ende der Wachstumsphase oder noch später ersichtlich, sodass ein gewisses Restrisiko bleibt. Besondere Vorsicht ist bei sehr kleinwüchsigen, kurzköpfigen Kaninchen geboten sowie bei Tieren, bei deren Mutter oder Vater eine Zahnfehlstellung bekannt ist.

Kaufen Sie grundsätzlich keine Kaninchen von Züchtern, sonstigen Vermehrern, in Zooläden oder Baumärkten.

Damit unterstützen Sie in aller Regel tierquälerische Haltungsbedingungen - beim Züchter / Vermehrer dienen den Kaninchen meist winzige Boxen als "Lebensraum", die Einzelhaltung von Rammlern und häufig auch eine zu frühe Abgabe der Tiere (vor der 12. Lebenswoche) sowie eine ungesunde Ernährung (Pellets, weizenhaltige Futtermischungen, kein oder kaum Grünfutter).

Tiere, die in Zooläden oder Baumärkten verkauft werden, stammen häufig aus Tierfabriken, die an die klassische Massentierhaltung erinnern: Von den katastrophalen hygienischen Bedingungen ganz zu schweigen, leben die Kaninchen, Nagetiere, Vögel usw. hier auf engsten Raum zusammengepfercht; in der Folge kommt es zu gegenseitigen Bissverletzungen, die nicht behandelt werden und zum qualvollen Tod einzelner Tiere führen. Den überlebenden Tieren wird ein oft langwieriger Transport zum "Empfänger" zugemutet, wiederum auf engstem Raum und häufig ohne ausreichend Futter und Wasser. Nachdem diese schockierenden Zustände im Jahre 2015 ans Licht der Öffentlichkeit kamen, haben sich die meisten Baumarktketten bereits aus dem Verkauf lebender Tiere zurückgezogen.

Generell ist es moralisch äußerst fragwürdig, gezielte Tiervermehrung durch einen Kauf zu unterstützen, solange die Tierheime und Notstationen deutschlandweit aus allen Nähten platzen - jedes gezielt in die Welt gesetzte Tier nimmt einem bereits vorhandenen die Chance auf ein neues Zuhause.

Letztlich werden Ihnen eventuelle Vorerkrankungen eines Tieres von Zoohändlern sowie Züchtern und anderen Vermehrern häufig verschwiegen, da für diese Personen der finanzielle Gewinn durch den Verkauf im Vordergrund steht und nicht - wie bei Tierschutzorganisationen - ein schönes Zuhause bei einem gut informierten Besitzer. Wer eine große Anzahl Tiere zum Verkauf anbietet, übersieht darüber hinaus schnell, wenn eines davon Krankheitssymptome zeigt. Bei Tierschutzorganisationen steht hingegen das Wohl jedes einzelnen Tieres im Vordergrund.

Ernährungsbedingte & erworbene Zahnfehlstellungen

Generell ist eine gesunde Ernährung das A und O, um Zahnerkrankungen vorzubeugen oder – im Falle genetischer Ursachen – in Schach zu halten. Vielfältiges Grünfutter (= Blätter, Gräser, Kräuter, Zweige) rund um die Uhr, Heu als jederzeit verfügbare Notnahrung und der Verzicht auf ungeeignete Futtermittel (Körner, Brot, Milchprodukte usw.; ferner auch Gemüsechips, Pellets und Saaten) sind die beste Voraussetzung für ein gesundes Gebiss.

Reine Wohnungskaninchen, die auch den Sommer über keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, müssen zudem Vitamin D über die Nahrung aufnehmen oder eine UVB-Lampe zur Verfügung haben; ein Vitamin-D-Mangel führt zu einem gestörten Kalziumstoffwechsel und kann dadurch Zahnerkrankungen verursachen.

Kaninchen, die nur während der Wintermonate in Innenhaltung leben, sind nicht gefährdet, da sie während der Sommermonate Vitamin D aufnehmen und dieses über mehrere Monate speichern können.