Sonstige Erkrankungen

Abszesse

Geborgenheit durch Gesellschaft

Bild von Fellnasenbetreuung Wegener

Ursache

Abszesse sind Eiterkapseln, die meist infolge von bakteriellen Wundinfektionen entstehen.

Die Abszessmembran besteht aus Granulationsgewebe und ist für Antibiotika nicht durchlässig genug, um allein damit einen Therapieerfolg zu erzielen.

Gefährlich wird ein Abszess vor allem, wenn er sich nach "innen" öffnet und der enthaltene Eiter sich in die umliegende Körperhöhle, das angrenzende Organ oder gar in die Blutbahn ergießt; schwere Entzündungen bzw. Blutvergiftungen sind die Folge. So kann es im Falle eines Backenzahnabszesses zum Erguss in die Augenhöhle und damit zu schweren Augenentzündungen kommen, die bis zum Verlust des Auges führen können.

Ursachen für Hautabszesse

Sie entstehen durch Verletzungen der Haut, in die Bakterien eindringen und eine Entzündung hervorrufen. Ursache kann z.B. eine Injektion mit einer verunreinigten Spritze, eine Kratz-, Biss- oder Risswunde oder eine durch kontaminiertes Besteck verunreinigte Operationswunde sein.

Ursachen für Abszesse in inneren Organen

Die Ursache ist hier fast immer ein chronischer, nicht antibiotisch behandelter Entzündungsherd, aus dem die Eitererreger nach einer gewissen Zeit in die Blutbahn übergetreten sind und in den übrigen Körper gestreut haben.

Häufig handelt es sich um langwierige, eitrige Kieferknochen- oder Schnupfeninfektionen. Letztere können vor allem Lungenabszesse und Herzbeutelentzündungen nach sich ziehen. Weiterhin möglich sind z.B. Abszesse im Darm, in der Leber oder in den Nieren.

Ursachen für Pododermatitis

Eine Pododermatitis (= Entzündung der Fußsohle) ist eine schwer und langwierig zu therapierende, multifaktorielle Erkrankung. Mögliche Ursachen, von denen meist mehrere miteinander kombiniert vorliegen, sind:

Zur eitrigen Entzündung kommt es erst, wenn die Pododermatitis längere Zeit unbemerkt / unbehandelt bleibt. Die Hautreizungen führen dann mit der Zeit zu offenen Wunden, in die sekundär Bakterien eindringen und zur Eiterbildung führen. Die Therapie ist dann erheblich schwieriger und langwieriger als im Anfangsstadium!

Ursachen für Zahnwurzelabszesse

Kaninchen leiden sehr häufig unter Zahnwurzelabszessen, die meistens durch längerfristige Fütterungsfehler zustande kommen.

Jedes Futtermittel, das nicht durch (seitlich) mahlende, sondern (senkrecht) quetschende Kaubewegungen zerkleinert wird, ist mit einer unphysiologischen Druckbelastung der Zähne verbunden. Je härter das Futtermittel dabei ist, desto schädlicher ist sein Einfluss auf die Zähne.

Zu derart "zahnbelastenden" Futtermitteln gehören:

Die Zähne werden durch die senkrechten Quetschbewegungen quasi in den Kieferknochen gedrückt; die dauerhafte Belastung führt zur Druckatrophie des Gewebes, Entzündungsherden im Zahnfach und retrogradem ("rückwärts") Wachstum der Zahnwurzeln. Dies führt zu einer zunehmenden Auflösung des Knochengewebes und Instabilität des Kieferknochens. Sekundär dringend Bakterien aus der Maul- in die Wundhöhle ein. Die (meist eitrigen) Entzündungen verursachen dem Kaninchen höllische Schmerzen.

Ursachen für Ohrgrundabszesse

Sie lassen sich oft gut fühlen, indem der Ohrgrund mit mehreren Fingern umfasst wird und vorsichtig abgetastet wird. Die häufigsten Ursachen sind:

Ohrgrundabszesse können durch eine primäre Otitis externa (Außenohrentzündung) oder eine aufsteigende Ohrenentzündung entstehen.

Symptomatik

Symptomatik: Hautabszesse

Oberflächlich gelegene Abszesse stellen sich als gerötete, prall gefüllte, meist schmerzhafte Schwellungen dar, die sich beim Streichen über die Haut gut ertasten lassen und bei ausreichender Größe oder dem Scheiteln der darüber befindlichen Haare auch zu sehen sind. Bereits aufgekratzte Abszesse sind typischerweise z.T. mit schwarzem Wundschorf überzogen.

Symptomatik: Abszesse der inneren Organe

Hier ist eine gezielte Diagnostik notwendig, um sie ausfindig zu machen. Anlass zu einer solchen können mehr oder weniger spezifische Symptome bieten:

Symptomatik: Pododermatitis

Zum wöchentlichen Gesundheitscheck gehört es auch, die Fußsohlen seiner Kaninchen genau unter die Lupe zu nehmen. Nur so lassen sich Pododermatiden bereits im Anfangsstadium, wenn die Kaninchen noch keine (deutlichen) Symptome zeigen, feststellen. Setzen Sie das Tier so auf Ihren Schoß, dass es nur auf seinem Hinterteil sitzt und sein Rücken an Ihrem Körper lehnt. Einfacher klappt es zu zweit. Scheiteln Sie vorsichtig das Fell an den Fußsohlen und begutachten Sie die Haut. Verfilzte Haare sollten vorsichtig mit den Fingern auseinandergezogen werden, anschließend wird das Fell "aufgebauscht", sodass es wieder ein weiches, angenehmes Hautpolster ergibt.

Symptome einer Pododermatitis sind:

Mögliche Auffälligkeiten im Verhalten, die immer (auch) Anlass zu einer sofortigen Begutachtung der Fußsohlen bieten, sind:

Symptomatik: Zahnwurzelabszesse

Artikel speziell zu diesem Thema:

Symptomatik: Ohrgrundabszesse

Mögliche Symptome, die einzeln oder in Kombination auftreten können, sind:

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Diagnostik

Diagnostik: Hautabszesse

Hat ein Abszess sich bereits nach außen hin geöffnet, tritt der enthaltene Eiter deutlich erkennbar aus. Anderenfalls kann eine Punktion, d.h. eine Probenentnahme des Inhaltes durch Einstechen, durchgeführt werden.

Diagnostik: Abszesse der inneren Organe
Diagnostik: Pododermatitis
Diagnostik: Zahnwurzelabszesse

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Diagnostik: Ohrgrundabszesse

Bei einem oder mehreren für Zahn- sowie Ohrgrundabszesse typischen Symptomen ist Röntgendiagnostik (in mindestens zwei Ebenen) oder eine Computertomographie (CT) Pflicht - auch, wenn beim "Reinschauen" ins Maul bzw. Ohr alles in Ordnung erscheint! Nur 20% der Zahnwurzelerkrankungen führen (frühzeitig) zu Auffälligkeiten in der Maulhöhle, und Ohrenentzündungen können nur dann mittels Otoskop festgestellt werden, wenn auch das Außenohr betroffen ist.

Durch Röntgen und CT können die Struktur, Länge und Position der Zähne bzw. die knöchernen Strukturen und die Belüftung des Mittelohrs exakt beurteilt werden. Außerdem wird im Falle eines Abszesses deutlich, welche Zähne bzw. Strukturen des Ohrs genau daran beteiligt sind. Eine Zahnwurzelentzündung / ein Abszess lässt sich - wie auch beim Menschen - niemals allein mit einem Antibiotikum heilen!

Therapie

und

oder

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Zusätzlich zur Abszessspaltung oder -entfernung wird das Kaninchen antibiotisch und pro-/ präbiotisch abgedeckt, um Sekundärinfektionen bzw. Verdauungsproblemen vorzubeugen, meist benötigt es auch ein Schmerzmittel.

Therapie: Hautabszesse

Ein äußerlicher Abszess wird vom Tierarzt meist gespalten (d.h. mit einem kleinen Schnitt geöffnet, hierfür ist i.d.R. keine Betäubung notwendig) und zunächst durch vorsichtiges Ausdrücken grob entleert. Es folgt eine sorgfältige Spülung mithilfe einer sogenannten Knopfkanüle, die dank ihres runden Kopfes gefahrlos in die Abszessöffnung geschoben werden und anschließend mit einer Wunddesinfektionslösung durchgespült werden kann. Um eine Abheilung “von innen heraus” zu gewährleisten, müssen neuerliche Eiteransammlungen vermieden werden, indem der Abszess während der nachfolgenden Wochen regelmäßig geöffnet und durch Spülungen vom eitrigen Inhalt befreit wird.

Kratzt oder schleckt das Kaninchen an der Wunde und besteht demzufolge die Gefahr von Sekundärinfektionen (= Zweitinfektionen), benötigt es einen Body.

Bleibt der konservative Therapieversuch erfolglos, ist eine operative Entfernung der vollständigen Abszesskapsel notwendig.

Therapie: Abszesse der inneren Organe

Je nach Lage kann die Therapie hier schwierig bis unmöglich sein. Da diese Abszesse "tickende Zeitbomben" sind, die sich jederzeit eröffnen und zum Tod des Tieres führen können, sollte wann immer möglich eine Operation erfolgen, bei der die komplette Abszesskapsel entfernt wird.

Umso wichtiger ist eine sorgfältige Prophylaxe, die vor allem darin besteht, bakterielle Infektionen nicht zu "verschleppen", sondern immer umgehend mit einem Antibiotikum zu behandeln. Oft sind Resistenztests ratsam, um bei mangelnder Wirksamkeit rechtzeitig auf ein anderes Antibiotikum wechseln zu können, ehe die Bakterien sich im Körper verteilen können.

Therapie: Pododermatiden

Sie sind besonders schwer therapierbar, da durch das eigene Körpergewicht des Kaninchens eine ständige Belastung der Wunden erfolgt.

Neben der Wundpflege sind angepasste Haltungsbedingungen absolut unumgänglich, damit die Pfoten eine Chance haben, zu verheilen. Der Boden muss einerseits so weich und elastisch, andererseits so hygienisch und trocken wie möglich sein! So sind Holzpellets zwar ideal, um Urin zu binden, sodass die Wunden nicht damit in Kontakt kommen - aber viel zu hart; Decken, flauschige Teppiche o.ä. hingegen sind zwar wunderbar elastisch, jedoch völlig ungeeignet bei Kaninchen, die sie als Toilette "fehlinterpretieren", da Nässe und insbesondere Kontakt mit Urin sind absolut kontraproduktiv für offenen Wunden sind!

Bei (auf weichem Untergrund) nicht-stubenreinen Kaninchen muss die komplette Fläche mit dicker, weicher und saugfähiger Einstreu gepolstert werden. Über die saugfähige Einstreu wird optimalerweise eine Schicht weiches, zartes Heu oder Stroh gegeben, da sich die Kaninchen darauf wohler fühlen und es nicht dazu neigt, an den Wunden "kleben" zu bleiben.

Bei Außenhaltung ist eine komplette Überdachung des Geheges oder Balkons notwendig, alternativ müssen nicht-überdachte Bereiche unzugänglich gemacht werden. Das Hoppeln auf regennassem Boden oder im Schnee ist für wunde Fußsohlen ein No-Go! Ein trockener Naturboden (Erde, Rasen oder Wiese) ist hingegen ideal geeignet, da er gleichzeitig schön weich ist und der Urin problemlos abfließt.

Sofern die Kaninchen nicht bereits rund um die Uhr mehrere Quadratmeter Fläche zur Verfügung haben, muss dies spätestens jetzt dringend nachgeholt werden - denn Pododermatiden sind im Prinzip "Sitzschwielen"; während beim Sitzen ein großer Teil des Körpergewichts auf den hinteren Fußsohlen lastet, kommen beim Hoppeln lediglich die Zehen mit dem Boden in Kontakt. Hoppeln ist daher die optimale Schonung für wunde Füße! Eine möglichst vielseitige Einrichtung und möglichst täglich kleine Veränderungen animieren die Kaninchen zur Bewegung und verkürzen die Zeit, die sie sitzend verbringen. Letztlich lässt sich hiermit auch eine Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Tieren erzielen, und jedes Gramm Körpergewicht weniger kommt den Fußsohlen zugute.

Hingegen müssen massiv untergewichtige Kaninchen mit kalorienhaltiger Kost (Wurzelgemüse, Saaten, Getreideflocken, ...) zugefüttert werden.

Neben der regelmäßigen Wundversorgung durch den Tierarzt können Fußbäder notwendig sein, um den Eiter zu verflüssigen und somit sein Abfließen zu erleichtern. Nach tierärztlicher Anleitung können Sie diese auch zu Hause durchführen. Nach dem Fußbad sollten die Fußsohlen behutsam mit weichen Tüchern "trockengedrückt" werden, ehe der Patient wieder einen eingestreuten Bereich betritt.

Sind die Abszesse soweit ausgeheilt, dass kein Eiter mehr nachkommt, können für die Wundpflege anstelle der Fußbäder desinfizierende Tücher oder Sprays (z.B. Chlorhexidin) verwendet werden. Zuvor ist es wichtig, Schmutz mit einem feuchten Tuch vorsichtig zu entfernen, sodass das Desinfektionsmittel auch wirklich unmittelbar auf die Wunden gelangt.

Salben können desinfizierend wirken und die Wundheilung fördern. Fetthaltige Salben sollten nur dann aufgetragen werden, wenn im Anschluss ein Pfotenverband angelegt wird. Anderenfalls bleiben Streupartikel an den Fußsohlen kleben und können die Entzündung noch verschlimmern.

Pfotenverbände werden von Kaninchen schlecht toleriert, weswegen sie nur zum Einsatz kommen sollten, wenn dei Wunden tatsächlich offen sind und somit die Gefahr besteht, dass (zusätzliche) Keime eindringen. Meist werden die Verbände binnen kürzester Zeit heruntergebastelt. Dann ist es notwendig, verschiedene Varianten auszutesten - bis man eine Möglichkeit gefunden hat, die der Patient akzeptiert. Babysöckchen oder einzelne Handschuhfinger können wie Söckchen über die Pfote gezogen und mit Tape am Bein fixiert werden. Stoffhandschuhe sind ein schönes Polster und stören die Kaninchen weniger als dicke, wasserfeste Materialien. Wenn möglich, sollten letztere dennoch bevorzugt werden, da sie die Füße wunderbar trocken halten.

Im Falle von Pfotenverbänden lassen Sie sich genau erklären, wie sie anzulegen sind - hier müssen a) eine gute Schutzfunktion und Befestigung, b) eine Vermeidung weiterer Hautreizungen (z.B. durch fehlende Polsterung oder zu feste Verbände) und c) eine weiterhin problemlose Fortbewegung des Kaninchens gewährleistet sein.

Blasenpflaster können je nach Ausmaß und Schweregrad hilfreich sein, evtl. auch als Alternative zum Pfotenverband, wenn das Kaninchen ihn gar nicht toleriert.

Achten Sie unbedingt auch auf eine gute "Polsterung" der Fußsohlen. Das Fell sollte mehrmals täglich "aufgeflauscht" und bei Bedarf gekämmt werden, Verfilzungen müssen umgehend vorsichtig mit den Fingern gelöst werden. Keinesfalls dürfen grundlos Haare entfernt werden! Damit ginge die allgemein, ganz besonders aber bei bereits vorhandenen Hautproblemen wichtige Polsterfunktion verloren und das Kaninchen säße mit den "nackten" Wunden auf dem Boden.

Therapie: Zahnwurzelabszesse

Es ist zwingend notwendig, entzündete Zähne operativ zu entfernen.

Anders ist keine langfristige Abheilung möglich, da die beschädigten Zähne einen permanenten Entzündungsherd darstellen und immer wieder zur Eiterbildung führen. Zudem breitet sich die Entzündung mit der Zeit auch auf die benachbarten Zähne aus.

Oberkieferabszesse hinter dem Augapfel lassen sich in vielen Fällen nicht beseitigen, ohne dabei auch das Auge zu entfernen, da die Operation nicht aus der Maulhöhle heraus, sondern von außen erfolgt. Einige Chirurgen haben jedoch Erfahrung darin, diese sogenannten retrobulbären Abszesse "am Auge vorbei" zu entfernen, sodass es erhalten werden kann - abhängig davon, ob und wie stark es bereits geschädigt wurde. Diese OP-Technik ist natürlich wann immer möglich zu bevorzugen, sodass es sich lohnt, explizit danach zu fragen!

Auch Unterkieferabszesse, die im Kinnbereich eine sichtbare "Beule" bilden, werden meist von außen eröffnet und der Zahn auch von dort entfernt.

Müssen Zähne aufgrund von Entzündungsherden an ihren Zahnwurzeln entfernt werden, ohne dass sich nach außen bereits ein Abszess gebildet hat, erfolgt die Operation normalerweise über die Maulhöhle. Wunden im Unterkiefer heilen grundsätzlich schlechter ab, da sich dort gemäß der Schwerkraft permanent Futterpartikel sammeln. Sorgfältige Nachkontrollen mit Spülungen der Wundhöhle sind hier besonders wichtig.

Therapie: Ohrgrundabszess

Ohrgrundabszesse sind nur operativ in den Griff zu bekommen. Zuvor muss mittels Röntgendiagnostik oder besser Computertomographie das Ausmaß der Entzündung inklusive der beteiligten Ohrabschnitte beurteilt werden, um die geeignete Operatonsmethode zu wählen.