Infektionskrankheiten

Enzephalitozoonose

Geborgenheit durch Gesellschaft

Bild von Sabrina Bier

Enzephalitozoonose, landläufig als EC oder E. cuniculi bekannt, gehört zu den bekanntesten Kaninchenkrankheiten: Regionsabhängig sind 39-45 % aller Hauskaninchen in Deutschland mit dem Erreger infiziert ("Trägertiere"). Die Krankheit kann akut ausbrechen (oft mit Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen oder Kopfschiefhaltung), aber auch ohne deutliche Symptome Organe schädigen (v.a. Niere, Leber und Lungen). Die Ansteckung erfolgt über den Urin von Partnertieren. Kaninchen, die sich einmal infiziert haben, tragen den Erreger lebenslang in sich.

Bei vielen scheinbar gesunden Trägertieren "wütet" der Erreger im Körper, schädigt fortschreitend Organe, beeinträchtigt das Immunsystem und vermindert die Wirksamkeit von Impfungen. Dies äußert sich z.B. in Form von Impfdurchbrüchen oder multiplen Organschädigungen in den Pathologie-Berichten verstorbener Tiere (s.u. "Diagnostische Maßnahmen" => Pathologiebefunde).

Eine Therapie ist nur eingeschränkt möglich; viele Tiere behalten Folgeschäden zurück.

Da eine Infektion ein Kaninchen lebenslang gefährdet und tendenziell lebensverkürzend ist, müssen EC-negative Tiere vor einer Ansteckung geschützt werden!

Daher gehört es zur Verantwortung eines jeden Kaninchenbesitzers, vor einer Vergesellschaftung eine Blutuntersuchung beider Tiere einzuleiten und keinesfalls ein EC-positives mit einem EC-negativen Tier zu vergesellschaften.

"Blinde" Zusammenführungen ohne eine vorherige Blutuntersuchung sind immer leichtfertig und setzen die Gesundheit und das Leben der Tiere aufs Spiel.

Erreger

Erreger: Protozoon

Bei der Enzephalitozoonose, verursacht durch den Einzeller Encephalitozoon cuniculi, handelt es sich um eine weit verbreitete Infektionskrankheit der Kaninchen mit einer enorm vielfältigen Symptomatik.

Abhängig von der Region sind verschieden große Anteile der Kaninchenpopulation in Deutschland - zum Großteil latent (=verborgen) - mit E. cuniculi infiziert und stellen somit eine Ansteckungsquelle für andere Kaninchen dar.

Die Enzephalitozoonose ist vermutlich auf nahezu alle Säugetiere übertragbar, die Wahrscheinlichkeit eines Erkrankungsausbruchs variiert aber je nach Art: So sind Menschen nach heutigem Kenntnisstand der Wissenschaft nur bei starker Immunsuppression, wie z.B. durch Chemotherapie, AIDS oder nach einer Organtransplantation, gefährdet, während beim Kaninchen oft bereits vergleichsweise geringe Stresssituationen ausreichen, um einen Erkrankungsausbruch auszulösen.

Nachdem der Erreger oral in den Körper gelangt ist, vermehrt er sich zunächst lokal in den Darmzellen und zerstört diese. Nach einer gewissen Zeit gelangt er in die Blutbahn und wird im ganzen Körper verteilt. Dabei erreicht er als erstes die Nieren, die Leber und die Lungen als stark durchblutete Organe. Erst nach etwa 9-10 Wochen (!) erreicht der Erreger das Gehirn und löst dort Symptome aus.

Infektion

Übertragung:

Ursachen akuter Ausbrüche:

Die Infektion kann bereits über die Plazenta im Mutterleib oder nach der Geburt in der Säugephase erfolgen. Verantwortungslose Züchter und Privatvermehrer, die EC-positive Häsinnen decken lassen (entweder aus Unwissenheit, Ignoranz oder um sich die Kosten für eine Blutuntersuchung des Muttertiers zu sparen), tragen dadurch erheblich zur Ausbreitung der Erkrankung bei, da die Kaninchenjungen bereits infiziert auf die Welt kommen und lebenslang ansteckend für Artgenossen sind.

Bei Kaninchen, die von einer EC-negativen Mutter geboren wurden, findet die Ansteckung hingegen erst später durch Vergesellschaftungen ohne vorherige Titerbestimmung im Blut statt: Indem gedankenlos EC-positive mit EC-negativen Kaninchen zusammengeführt werden, sind gegenseitige Ansteckungen und somit die Ausbreitung der Krankheit sogar in Tierschutzkreisen traurige Realität.

Während es mittlerweile zum Standard gehört, vor einer Zusammenführung zweier Kaninchen den Kot des neuen Tieres untersuchen zu lassen und dadurch einer eventuellen Ansteckung mit Parasiten wie Kokzidien vorzubeugen, wird der weitaus größeren Gefahr durch E. cuniculi noch mit sehr viel Ignoranz begegnet.

Die über den Urin freigesetzten Sporen halten sich bis zu 2 Jahre in der Umgebung. Mit Urin verschmutzte Gegenstände stellen demnach eine Gefahrenquelle dar und müssen desinfiziert werden, ehe ein anderes Kaninchen damit in Kontakt kommt.

Symptomatik

Je nachdem, welche Organe betroffen sind, können sehr viele verschiedene Symptome auftreten; einzeln oder kombiniert. Die folgenden Symptome sind durch EC möglich:

Zentrales Nervensystem:

Augen & Nase:

Magen-Darm-Trakt:

Harntrakt:

Selbst bei einigen Tierärzten hält sich noch immer das Gerücht, ein EC-Ausbruch würde sich immer in Form einer Kopfschiefhaltung oder Gleichgewichtsstörung äußern. Dies ist bei weitem nicht der Fall.

Umgekehrt gehen viele Tierärzte bei jeder Kopfschiefhaltung oder Bewegungsstörung ohne jegliche Diagnostik sofort davon aus, dass eine Enzephalitozoonose dahinter stecken müsse. Insbesondere bei Widdern ist dies mit einem unvorstellbaren Leid verbunden, da Kopfschiefhaltungen bei ihnen meistens nicht durch EC, sondern durch Mittel- oder Innenohrentzündungen ausgelöst werden; die unbehandelt bleiben, indem die Symptomatik blindlings auf EC geschoben wird.

Laut wissenschaftlicher Untersuchungen liegt bei rund 70% der Kaninchen mit "EC-typischen Symptomen" eine andere Ursache vor!

Daher dürfen Symptome, egal welcher Art, nie ohne weitere Abklärung blindlings einer Enzephalitozoonose zugeschrieben werden.

Der akute Krankheitsverlauf geht meist mit schweren neurologischen (=das Nervensystem betreffenden) Ausfallerscheinungen einher:

Kopfschiefhaltung: Häufig kommt es zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten, in schweren Fällen fast 180° betragenden Kopfschiefhaltung, die mitunter dazu führt, dass das Kaninchen sich nicht mehr koordiniert fortbewegen kann.

Ataxien (=Gleichgewichtsstörungen): Koordinationsstörungen stellen das zweithäufigste Symptom dar: Das Kaninchen bewegt sich torkelnd oder “krabbelnd” fort, rollt sich über den Boden, läuft nur noch im Kreis, dreht sich beim Laufen pausenlos um die eigene Achse und / oder fällt beim Hoppeln um; in weniger schweren Fällen verliert es “nur” beim Putzen und Männchenmachen das Gleichgewicht, stolpert gelegentlich über Hindernisse und macht insgesamt einen “tollpatschigen” Eindruck.

Der Nystagmus bezeichnet schnelle, zwanghafte Hin- und Herbewegungen der Pupillen ("Augenflackern"), bei EC meist vertikal von oben nach unten und zurück. Achtung: Im Gegensatz dazu deuten horizontale Augenbewegungen meistens auf eine Mittel- / Innenohrentzündung hin!

Gleichgewichtsprobleme, Nystagmus und ganz besonders Kopfschiefhaltungen werden vor allem bei Widdern und chronischen Schnupfern häufig auch durch Ohrentzündungen verursacht!

Daher muss bei einem Kaninchen mit derartigen Symptomen immer weitere Diagnostik erfolgen. "Ein Blick in die Ohren" genügt nicht: Alles, was sich hinter dem Trommelfell abspielt, ist dabei nicht zu sehen. Ein bloßes Ins-Ohr-Schauen kann (bei vorgewölbtem Trommelfell), muss aber keine Auffälligkeiten zeigen.

Schädelröntgen, noch besser eine Computertomographie bringen pathologische Veränderungen der inneren Gehörgänge ans Licht.

Gleichzeitig sollte eine Blutuntersuchung eingeleitet werden, anhand derer festgestellt werden kann, ob das Kaninchen (zusätzlich) an einem akuten EC-Schub leidet. Da Ohrenentzündungen aufgrund der Schwächung des Immunsystems häufig zu einem EC-Ausbruch führen, treten oft beide Krankheitsbilder kombiniert auf. Daher muss immer in beide Richtungen Diagnostik betrieben werden!

Ohrentzündungen kommen besonders häufig bei Widdern, chronischen Zahn- und Schnupfenpatienten vor. Sie sind für ein Tier ebenso wie für einen Menschen massiv schmerzhaft und müssen unbedingt zügig behandelt werden. "Erst mal auf EC behandeln und abwarten" ist daher keine akzeptable Entscheidung!

Epilepsie: Ein weiteres Symptom sind mehr oder weniger häufig auftretende epileptische Anfälle, während derer das Kaninchen plötzlich spastisch zu krampfen beginnt, wobei es sich unwillkürlich auf dem Boden wälzt und weder ansprechbar ist noch beruhigt werden kann.

Opisthotonus: Bei manchen Kaninchen kommt es zu starren Krämpfen der Nacken- und Rückenmuskulatur, was sich in einem Aufreißen des Mäulchens, einem Biegen des Kopfes in den Nacken und einer bewegungslosen Körperhaltung äußert.

Achtung: Eine hochgradige Atemnot kann sich sehr ähnlich äußern!

Lähmungen: Befällt E. cuniculi das Rückenmark, kommt es dort zu Entzündungen und in der Folge zu Lähmungen. Besonders häufig sind Lähmungen der Hintergliedmaßen zu beobachten. Das Kaninchen verdreht dann häufig beim Sitzen seinen Hinterleib, sodass beide Beine auf derselben Seite zu liegen kommen, und schleift die Beine beim Laufen hinter sich her. Dieses Symptom kann sich auch schleichend entwickeln. Als Differentialdiagnose kommen vor allem Wirbelsäulenerkrankungen und -verletzungen in Betracht.

Zentrale Blind- und Taubheit: Das Kaninchen kann plötzlich weder hören noch sehen und verhält sich in der Folge entweder ungewohnt teilnahmslos und apathisch oder aber stark verunsichert, orientierungslos und schreckhaft: Auch plötzliche Panikattacken sind möglich.

Anfälle: Das Kaninchen rennt ohne ersichtlichen Grund panisch umher, springt gegen Wände, Gitter und Gegenstände, ist nicht ansprechbar und nicht zu beruhigen.

"Scannen": Chronische Enzephalitozoonose-Patienten sowie Kaninchen kurz vor oder unmittelbar während eines Schubes führen manchmal ganz spezifische Kopfbewegungen aus, die harmlos aussehen, aber einen deutlichen Hinweis auf EC liefern: Der Kopf wird hierbei langsam, ohne ersichtlichen Grund immer wieder nach rechts oder links bewegt, ehe das Kaninchen die Position zügig wieder "korrigiert".

"Trance"-Zustände: Einige erkrankte Kaninchen verfallen regelmäßig in „Trance“-Zustände, in welchen sie reglos und offenbar völlig in sich gekehrt verharren. Durch Berührungen oder akustische Reize können sie i.d.R. "wachgerüttelt" werden.

Bei einem chronischen Krankheitsverlauf betreffen die Symptome mitunter weniger das Gehirn als vielmehr die Nieren, die Augen, die Leber oder die Lungen. Neurologische Auffälligkeiten sind hierbei also keineswegs zwingend.

Die folgenden Symptome können durch eine chronische Verlaufsform von EC auftreten. Dies gilt selbstverständlich nur für EC-positive Kaninchen. Bei Tieren, die laut Blutergebnis EC-negativ sind, liegt die Ursache woanders!

Harninkontinenz: Kaninchen, die chronisch "einnässen", sind immer als potenzielle E.cuniculi-Patienten zu betrachten. Insbesondere, wenn Röntgen-, Ultraschall-, Urin- und Blutuntersuchungen keinen Hinweis auf eine anderweitige Ursache (z.B. Blasenentzündung, Harngrieß, Wirbelsäulenerkrankung, Gebärmuttertumor) liefern, ist eine EC-bedingte Inkontinenz sehr wahrscheinlich.

Diese Kaninchen können ihren Harnabsatz nicht steuern und leiden oftmals an permanent durchnässtem Fell an Hinterteil, Bauch- und Genitalbereich. Auch die Hinterläufe sind z.T. betroffen. Die Langzeitfolgen sind schmerzhafte chronische Hautentzündungen, bei Tieren in Außenhaltung auch Verkühlungen und Blasenentzündungen. Es besteht ein erhöhtes Risiko auf Fliegenmadenbefall!

Nierenschädigungen: Neben Augen und Gehirn am häufigsten betroffen von E. cuniculi sind die Nieren. Der Krankheitsverlauf erfolgt im Falle einer chronischen Niereninsuffizienz, oft durch Kalziumeinlagerungen, i.d.R. schleichend; in vielen Fällen sind die Nieren mit Auftreten der ersten neurologischen Auffälligkeiten bereits stark und irreparabel geschädigt.

Das diesbezügliche Dilemma besteht darin, dass Symptome und selbst Veränderungen der Blutwerte erst erkennbar sind, wenn die Nieren bereits mindestens 70% ihrer Funktionstüchtigkeit eingebüßt haben. In diesem Fall kommt es zunächst zur Gewichtsabnahme, struppigem, glanzlosem Fell und schließlich einem gering- bis hochgradig gestörten Allgemeinbefinden. Vermehrter Urinabsatz und in der Folge Durst können, müssen jedoch nicht auffallen.

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz wird das Nierengewebe irreparabel geschädigt: Es kommt zu unzähligen kleinen Entzündungsherden mit einer anschließenden Vernarbung. Die Nierenzellen sterben dabei ab und es entstehen darüber hinaus Engstellen, die die Anlagerung von Kalziumkristallen begünstigen.

Im Falle einer akuten Nierenentzündung kann es innerhalb kürzester Zeit zu starker Abmagerung kommen. Wird das betroffene Kaninchen rechtzeitig gegen E. cuniculi und mittels einer Infusionstherapie behandelt, besteht die Chance, dass keine dauerhaften Schädigungen zurückbleiben.

Linsentrübung (Grauer Star): Die Linsentrübung gehört zu den häufigsten durch Enzephalitozoonose verursachten Organschäden, kann beim chronischen Krankheitsverlauf unabhängig von neurologischen Ausfällen auftreten und sollte daher auch bei älteren, scheinbar gesunden Tieren grundsätzlich als Alarmsignal aufgefasst werden.

Beim Grauen Star verliert die Pupille mit der Zeit sichtlich an Glanz und nimmt zunehmend eine grau-blaue, trübe Färbung ein. Da dies meist über einen gewissen Zeitraum hinweg geschieht, stellen sich die Kaninchen gut auf die zunehmende Blindheit ein und können sich in vertrauter Umgebung problemlos orientieren. Einzig Sprünge werden im fortgeschrittenen Stadium zusehens vermieden, da das Kaninchen den Zielort nicht mehr anpeilen kann.

Anderweitige Verhaltensauffälligkeiten sind oft erst zu beobachten, wenn plötzlich etwas umgestellt, in den Weg gelegt oder auf sonstige Weise verändert wird.

Augenentzündungen: Chronische Augenentzündungen, die medikamentös nicht in den Griff bekommen werden, können ebenfalls auf einen Befall mit E. cuniculi hindeuten. Eine Titerbestimmung kann auch hier Aufschluss geben.

Phakoklastische Uveitis: Eine Besiedelung der Augenlinse durch E. cuniculi erfolgt bereits im Mutterleib. Sie kann zu einem Einriss der Linse führen; es kommt zum Austritt von Eiweiß, der anhand von weißen Flecken oder Fäden im sichtbaren Bereich des Auges erkennbar ist.

Schnupfen: Schnupfen ist kein direktes Symptom von EC. Allerdings kommt es vor, dass EC das Immunsystem so stark schwächt, dass Schnupfenerreger in der Folge leichtes Spiel haben. Ein durch Viren oder Bakterien verursachter Schnupfen kommt häufig nur deswegen nicht zur Ruhe, weil zeitgleich EC im Körper des Tieres "wütet". EC-positive Kaninchen mit Schnupfen sollten daher immer (auch) mit Panacur behandelt werden.

Da sämtliche Organe - auch unabhängig voneinander - von E. cuniculi befallen werden können, sollten EC-positive Kaninchen mit Krankheitssymptomen ungeklärter Ursache immer auch mittels Fenbendazol auf Enzephalitozoonose behandelt werden.

Medikamentöse Nebenwirkungen sind auch über einen längeren Zeitraum hinweg nicht zu erwarten.

Diagnostische Maßnahmen

Besteht der Verdacht auf einen akuten E. cuniculi-Ausbruch, muss umgehend mit der Fenbendazol-Behandlung (s.u.)begonnen werden, sofern das Kaninchen nicht bekanntermaßen EC-negativ ist.

Wird bei Kaninchen mit einem unbekannten EC-Status erst das Blutergebnis abgewartet, verschlechtert kann sich die Prognose erheblich verschlechtern!

Blutuntersuchung auf IgG und IgM

Der Nachweis einer Infektion mit E. cuniculi erfolgt über eine Blutuntersuchung. Der Nachweis von Antikörpern bestätigt, dass das Kaninchen sich mit dem Erreger infiziert hat.

Grundsätzlich sollte jeder Kaninchenhalter wissen, ob seine Kaninchen positiv oder negativ auf EC sind. Hierfür muss Blut eingeschickt und auf Antikörper getestet werden. Besonders wichtig ist dies vor Vermittlungen und geplanten Vergesellschaftungen (s.o.).

Mittlerweile unterscheiden einige Labors zwischen zwei Typen von Antikörpern: IgG ("Langzeit-Antikörper") und IgM ("Akut-Antikörper"). Dies hat zu einer erheblichen Verbesserung hinsichtlich einer korrekten Diagnosestellung bei symptomatischen Tieren geführt: Denn mit Hilfe dieser Unterscheidung lässt sich feststellen, ob ein Kaninchen lediglich "Träger", also EC-positiv ist, oder es sich aktuell in einem Schub befindet.

Um herauszufinden, ob Ihr Kaninchen momentan an einem Schub leidet, bestehen Sie beim Tierarzt unbedingt darauf, dass im Labor die IgG UND die IgM untersucht werden!

Anderenfalls lassen sich Trägertiere nicht von akut erkrankten Tieren unterscheiden. Im Zweifelsfall muss der Tierarzt Rücksprache mit dem Labor halten, ehe er das Blut einsendet und womöglich ein unbrauchbares Ergebnis erhält. Labors, die auf IgG und IgM testen, sind beispielsweise Synlab und Laboklin.

Befinden sich IgG und IgM unter dem Referenzwert, ist das Kaninchen mit mindestens 96%iger Sicherheit EC-negativ, seine Symptome haben also eine andere Ursache.

Ein hoher IgG-Titer bei zugleich niedrigem IgM-Titer bedeutet, dass das Kaninchen zwar mit EC infiziert ist, den Erreger aber momentan im Griff hat. Eine Therapie ist in diesem Fall nicht zwingend notwendig, kann aber sinnvoll sein, um zu vermeiden, dass noch ein akuter Schub folgt (wie es bei bereits angeschlagenen Kaninchen häufig der Fall ist).

Ein erhöhter IgM-Titer ist ein eindeutiger Hinweis auf ein akutes Krankheitsgeschehen, d.h. die Enzephalitozoonose muss umgehend therapiert werden. Achtung: Es ist dennoch nicht unwahrscheinlich, dass zusätzlich eine andere Problematik vorliegt! Oft tritt eine Grunderkrankung auf (z.B. Mittelohrentzündung, v.a. bei Widdern!) und infolge des geschwächten Immunsystems kommt es sekundär zusätzlich zu einem akuten E. cuniculi-Schub! Das bedeutet: Die Enzephalitozoonose muss zwar behandelt werden, zugleich muss aber auch Diagnostik hinsichtlich möglicher weiterer Erkrankungen betrieben werden.

Komplettes Blutprofil

Nicht nur die Antikörper gegen EC sollten im Blut bestimmt werden, sondern es ist ein komplettes Profil ("Kaninchenprofil", "Heimtier-Screening") angezeigt. Dadurch werden viele mögliche Organschädigungen und eventuelle anderweitige Ursachen sichtbar. Einige Beispiele:

Ausschluss anderer Ursachen

Ein akuter Ausbruch kennzeichnet sich normalerweise durch eine plötzlich auftretende Symptomatik des Zentralnervensystems (Gleichgewichtsstörungen, Kopfschiefhaltung, Lähmungen, Nystagmus - s.o.). Hier muss in jedem Fall unverzüglich eine Behandlung erfolgen.

Im Falle von Gleichgewichtsproblemen, Nystagmus oder Kopfschiefhaltungen muss unbedingt zusätzlich der Schädel geröngt werden und eine Ohrenuntersuchung erfolgen, um eine Ohrentzündung auszuschließen. Diese tritt vor allem bei Widdern auf und muss vollkommen anders, nämlich mit Antibiose und Schmerzmitteln, behandelt werden.

Bei Lähmungserscheinungen muss unbedingt die Wirbelsäule geröngt werden, um dortige Erkrankungen und Verletzungen auszuschließen.

Beim Verdacht auf einen akuten Ausbruch wird sofort mit der Therapie begonnen, um keine wertvolle Zeit zu verlieren, bis das Blutergebnis da ist. Im Falle eines positiven Ergebnisses wird die Behandlung fortgesetzt, ansonsten abgebrochen.

Treten hingegen leichte, chronische Symptome auf, i.B. wenn sie sich auf nur ein Organsystem beschränken, empfiehlt sich bereits vor einer Therapie auf Verdacht zunächst eine umfangreiche Diagnostik. So können chronische Verdauungsprobleme zwar EC-bedingt sein, sind meistens aber auf Darmparasiten (Sammelkotprobe!) oder Ernährungsfehler (ggf. optimieren) zurückzuführen; (scheinbare) Inkontinenzen können neben EC auch durch Blasengrieß oder -steine oder ein Wirbelsäulenproblem auftreten; Lebererkrankungen z.B. durch Leberkokzidien.

Antikörper gegen E. cuniculi können durch eine spezielle Blutuntersuchung eindeutig nachgewiesen werden.

Pathologie-Berichte verstorbener Tiere

Die pathologische Untersuchung gehört zwar nicht zur Diagnostik am lebenden Tier, soll hier aber ebenfalls Erwähnung finden.

Insbesondere Besitzer, deren Kaninchen aus unbekannten Gründen versterben, lassen ihre Tiere häufig pathologisch untersuchen. Nicht selten wird erst im Pathologiebericht das verheerende Ausmaß der Enzephalitozoonose deutlich. Vielen Besitzern war zuvor nicht einmal bewusst, dass ihr Kaninchen den Erreger in sich getragen hat; oder sie wussten zwar von der EC-Infektion, nicht aber von den gravierenden Organschäden, die dadurch entstanden sind.

Oft haben die Kaninchen vor ihrem Tod keine oder kaum Symptome gezeigt - oder erst kurz zuvor. In vielen Fällen beschreiben die Pathologieberichte zwar die organischen Veränderungen, es bleibt aber unklar, wodurch diese ausgelöst wurden. Dadurch ist diversen Kaninchenfreunden noch immer nicht bewusst, was im Körper vieler EC-positiver Kaninchen eigentlich geschieht.

Hinzu kommt, dass ein Großteil der verstorbenen Hauskaninchen leider gar nicht erst pathologisch untersucht wird. Es ist daher von einer entsprechend hohen Dunkelziffer der Kaninchen auszugehen, die an EC-bedingten Organschädigungen versterben oder bei denen diese gemeinsam mit einer anderen Erkrankung zum Tod geführt haben.

Insbesondere alte Kaninchen oder Tiere, die außerdem an einer anderen Grunderkrankung gelitten haben, werden meist nicht pathologisch untersucht. Die Todesursache wird dann dem Alter oder der anderen Erkrankung zugeschrieben; und der Halter erfährt letztendlich nie, dass die EC-Infektion für das Versterben (mit)verantwortlich war.

Beispiele für typische durch EC verursachte Organschädigungen, die so auch in Pathologieberichten auftauchen, sind:

Angesichts von Pathologiebefunden, die ein (Multi-)Organversagen beschreiben, wird vielen Besitzern schlagartig das Ausmaß klar, in dem der Körper ihres Tieres unbemerkt von innen zerstört wurde. Nur wird EC oftmals nicht als Ursache dafür erkannt.

Therapie

Akut an E. cuniculi erkrankte Kaninchen sind immer ein Notfall und gehören auch nachts oder feiertags unverzüglich in tierärztliche Behandlung! Das Risiko irreparabler, oft tödlicher Folgeschäden erhöht sich mit jeder Stunde, die abgewartet wird.

Standard-Therapie

Fenbendazol: Wichtigster Bestandteil einer erfolgsversprechenden Therapie ist die Verabreichung eines Medikamentes mit dem Wirkstoff Fenbendazol, da dieser den Erreger abtötet. Zwar wird seine Wirkung gelegentlich in Frage gestellt, da der Wirkstoff nicht gehirngängig sei. Allerdings führt ein Erkrankungsausbruch der Enzephalitozoonose zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, d.h. selbst Medikamente, die hier im Normalfall ihre Grenze erreicht hätten, können ihre Wirkung entfalten.

Darüber hinaus sprechen die bahnbrechenden Erfolge, welche Fenbendazol seit vielen Jahren mit sich bringt, Bände: Insbesondere Tiere, die seit längerer Zeit an Symptomen ungeklärter Ursache leiden (z.B. Durchfall, Schnupfen, Inkontinenz, ...) und bei denen sich von Beginn der Fenbendazol-Behandlung an Besserungen zeigen, haben sicherlich nicht vom Placebo-Effekt profitiert.

Infusionen: Besteht der Verdacht auf einen akuten Ausbruch oder werden erhöhte IgM im Blut festgestellt, sollten bereits prophylaktisch über einige Tage hinweg subkutane Infusionen verabreicht werden, um die Manifestierung des Erregers in den Nieren einzuschränken.

Sind im Blutprofil oder Ultraschall bereits Nierenschädigungen erkennbar, muss die tägliche Infusionstherapie fortgesetzt werden, bis sich die Blutwerte wieder im Normbereich befinden. Anschließend können die Intervalle zwischen den Infusionen allmählich vergrößert werden. Sie sollten jedoch unbedingt die Blutwerte im Auge behalten; steigen die Nierenwerte erneut an, sind wieder häufigere Infusionen nötig.

Antibiotikum: Auch Antibiotika haben einen gewissen Effekt auf E. cuniculi. Darüber hinaus verhindern sie Sekundärinfektionen (weitere Infektionen infolge des angeschlagenen Immunsystemes) durch Bakterien. Daher gehört ein Antibiotikum im Falle eines akuten Krankheitsausbruches zur Standard-Therapie.

Pre-/Präbiotikum: Ein Pro- und Präbiotikum ist im Falle einer Antibiotikagabe anzuraten, um die gutartige Darmflora zu unterstützen.

Cortison? Von einer Behandlung mit Cortison ist dringend abzuraten, da hierdurch eine zusätzliche Immunsuppression erfolgt, welche dem Erreger wiederum die Vermehrung erleichtert, und da Kaninchen auf bereits kleine Cortisonmengen oft mit schweren Leberschäden reagieren. Die entzündungshemmende Wirkung des Cortisons kann zwar zunächst zu einer Besserung führen; dies hilft dem Tier aber wenig, wenn im Anschluss seine Leberfunktion oder sein Immunsystem komplett zusammenbricht. Die Risiken überwiegen hier leider gegenüber den möglichen Vorteilen.

Weitere Therapiemaßnahmen je nach Beschwerden

Je nach individuellem Krankheitsbild kann für eine erfolgreiche Therapie eine Reihe weiterer Maßnahmen notwendig oder zumindest hilfreich sein.

Vitamin-B-Komplex: Bei neurologischen Ausfällen jeglicher Art ist die Verabreichung eines Vitamin-B-Komplexes zur Unterstützung des Nervensystems unbedingt anzuraten.

Neytroph-Tropfen: Ein Heilmittel aus der Alternativmedizin, das den Krankheitsverlauf in Kombination mit den Standardmedikamenten positiv unterstützen kann.

Infusionen: Bei einer irreparablen Schädigung der Nieren ist eine hohe Flüssigkeitszufuhr von großer Bedeutung; das Kaninchen sollte daher infundiert werden, bis sich die Nierenwerte (Kreatinin und Harnstoff) wieder im Referenzbereich befinden.

Die Lebenserwartung kann entscheidend erhöht werden, indem das Kaninchen auch nach einer Normalisierung der Nierenwerte weiterhin regelmäßig, d.h. alle 1-3 Tage, subkutan (= unter die Haut) infundiert wird. Um sich und dem Tier Stress zu ersparen, können Sie sich diese Maßnahme vom Tierarzt zeigen lassen und fortan selbstständig zu Hause durchführen. Sie nimmt nur wenige Minuten in Anspruch, wird von den Kaninchen sehr gut toleriert und verbessert ihre Prognose erheblich. Info

Generell sind Infusionen bei jedem akuten Ausbruch anzuraten, da die Nierenwerte erst im weit fortgeschrittenen Stadium der Niereninsuffizienz im Blut erhöht sind und insbesondere während eines akuten Schubes das Risiko besteht, dass sich der Erreger im Nierengewebe manifestiert.

Mariendistel: Bei einem Leberschaden werden Mariendistelpräparate eingesetzt, um weitere Schädigungen zu vermeiden und die Regenerationsprozesse zu fördern. Derartige Präparate erhalten Sie beim Tierarzt zum Eingeben oder im Drogeriemarkt als Kapseln. Letztere müssen aufgebrochen werden, ehe dem Patienten der Inhalt verabreicht wird.

Fütterung: Bei Kaninchen, die nicht selbstständig fressen können oder wollen, ist die Zwangsfütterung von überlebenswichtiger Bedeutung. Info

Zufüttern: Auch Kaninchen, die selbstständig fressen, benötigen teilweise kalorienreiches Futter wie Wurzel- und Knollengemüse. Dies ist allerdings nur dann der Fall, wenn sie infolge der Erkrankung – z.B. infolge einer Niereninsuffizienz oder chronischen Verdauungsbeschwerden – untergewichtig sind.

Physiotherapie: Um zurückbleibene Schäden von Ataxien (= Bewegungsstörungen) so gering wie möglich zu halten, ist eine schnellstmögliche Physiotherapie anzuraten - nach Möglichkeit mehrmals über den Tag verteilt. Auch Patienten mit zurückbleibenden Schäden können von einer dauerhaften regelmäßigen Physiotherapie profitieren.

Hierzu gehören z.B. das Bewegen der Gelenke, Gleichgewichtsübungen (z.B. durch Animation zum Männchenmachen) sowie das Provozieren von Reflexen und Bewegungen (z.B. vorsichtiges Ziehen an einzelnen Gliedmaßen, "Kitzeln" der Fußsohle, ...). Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt oder einem Tierphysiotherapeuten beraten, was Sie leicht und ohne größeren Stress zu Hause "trainieren" können.

Lagerung und Umlagerung: Kaninchen, die sich nicht mehr fortbewegen können, müssen weich gelagert und mehrmals täglich gewendet werden, bis sie wieder selbstständig dazu in der Lage sind. Achten Sie darauf, dass das Tier aufgrund seiner Bewegungsunfähigkeit nicht unterkühlt! Ein mit Decken oder Kissen gepolstertes Körbchen, in das bei Bedarf auch eine Wärmeflasche o.ä. gelegt werden kann, leistet hier gute Dienste. Um Verunreinigungen in Grenzen zu halten, fragen Sie beim Tierarzt nach speziellen Krankenunterlagen.

Musiktherapie: Was erst einmal ungewöhnlich klingen mag, kann Enzephalitozoonose-Patienten mit Trance-Symptomatik durchaus helfen: Über einen längeren Zeitraum hinweg können die oben beschriebenen Trance-Zustände durchaus problematisch werden, da die Tiere währenddessen z.B. keine Nahrung aufnehmen. Allerdings reagieren die Kaninchen meist auf sensorische und akustische Reize.

Das Abspielen leiser, harmonischer Musik, eines Hörbuches o.ä. kann verhindern, dass das Kaninchen in einen Trance-Zustand verfällt. Wichtig ist, Lautstärke, Tonhöhe und Tonlage sorgfältig anzupassen, um die Tiere nicht unter Stress zu setzen.

Gesellschaft: Erkrankte Kaninchen sollten wenn irgend möglich nicht von ihren Artgenossen - zumindest nicht von allen - getrennt werden! Dies würde zusätzlichen Stress für das Tier bedeuten und sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Je nach Schweregrad der Erkrankung lassen Sie das Kaninchen entweder in seiner gewohnten Umgebung oder gesellen ihm damindest den Artgenossen dazu, mit dem es die innigste Freundschaft pflegt.

Die Trennung aus Angst vor einer Ansteckung ist unbegründet, da Kaninchen derselben Gruppe mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin alle EC-positiv sind. Insbesondere, wenn ein Kaninchen neurologische Symptome zeigt, bedeutet dies, dass es bereits vor mindestens 9-10 Wochen infiziert wurde. Allein in dieser Zeitspanne ist davon auszugehen, dass die Partnertiere bereits mit seinem Urin und somit den Sporen in Kontakt gekommen sind.

Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion oder eines Erkrankungsausbruch bei den Artgenossen wird somit nicht reduziert, indem man das akut erkrankte Kaninchen nachträglich isoliert.

Prognose

Die Prognose ist v.a. im akuten Krankheitsfall als sehr vorsichtig zu bewerten; denn selbst, wenn das Kaninchen nicht an der Erkrankung verstirbt, behält es mitunter so schwere Folgeschäden zurück, dass es euthanasiert werden muss.

Dazu gehören Kaninchen, deren Hinterbeine gelähmt bleiben, die aufgrund ihrer Kopfschiefhaltung unfähig sind zu fressen, die sich wegen ihrer Ataxien kaum noch fortbewegen oder nur noch im Kreis laufen können.

Aber: Solange Besserungen erkennbar nicht - auch wenn sie nur langsam fortschreiten - ist eine Genesung möglich und das Kaninchen sollte die Chance bekommen! Dies gilt auch für schwerste neurologische Symptome wie Rollen und Festliegen. Oft vergeht eine Woche oder mehr, bis sich eine positive Tendenz zeigt. Eine gute, möglichst objektive Beobachtung durch den Besitzer ist hier essentiell.

Besonders bei Lähmungserscheinungen kann sich die anschließende Genesung lange hinziehen, ist aber mit der richtigen Medikation und physiotherapeutischen Maßnahmen durchaus möglich!

Eine dauerhafte Lähmung hingegen ist für ein Kaninchen keine Option.

Akuter Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf akut erkrankter Kaninchen ist abhängig von Art und Schweregrad der Symptome sowie der bis zur Erstmedikation verstrichenen Zeit.

Einige Kaninchen sprechen bereits nach einem Tag gut auf die verabreichten Medikamente an, bei besonders stark betroffenen Tieren kann die Stabilisierung hingegen bis zu einer Woche auf sich warten lassen; d.h., währenddessen ist sogar eine weitere Verschlechterung der Symptomatik durchaus möglich. Sie sollten Ihrem Kaninchen daher auch dann, wenn es ihm aktuell sehr schlecht geht, mindestens eine Woche lang eine Chance auf Besserung geben.

Ob und innerhalb welchen Zeitraumes die vollständige Genesung erfolgt, ist nicht vorhersagbar: Manche Kaninchen wirken bereits nach wenigen Tagen wieder kerngesund, andere benötigen Monate, bis die neurologischen Symptome ganz abgeklungen sind – oder behalten ein Leben lang Koordinationsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes zurück.

Chronischer Krankheitsverlauf

Die Ausheilung der Enzephalitozoonose ist nicht möglich. Infolgedessen bleiben Kaninchen ein Leben lang chronisch infiziert. In vielen Fällen kommt es nie wieder zum akuten Erkrankungsausbruch; andere Kaninchen leiden immer wieder an Rückfällen. Oftmals behält das Tier auch leichte Symptome zurück, die sich entweder nie verändern oder aber im Laufe der Monate und Jahre schleichend verschlechtern.

Im Falle häufiger Rückfälle oder einer permanenten Verschlechterung der Symptome sollte eine Dauermedikation mit Fenbendazol erwogen werden. Da eine Resistenzbildung in diesem Fall jedoch nicht auszuschließen ist, sollten Sie in Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt sorgsam die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Grundsätzlich ist eine Dauermedikation anzuraten, wenn das Kaninchen anderenfalls sichtlich unter der Erkrankung leidet – z.B. da es sich zunehmend schlechter fortbewegen kann oder immer wieder von Krampfanfällen geplagt wird.

Ein Mittelweg besteht darin, im Wechsel über vier Wochen Fenbendazol zu verabreichen und vier- bis achtwöchige Pausen einzulegen. Ob dies zur Linderung der Symptomatik ausreicht, ist individuell unterschiedlich und erfordert daher eine Probe.

Schlägt Fenbendazol bei Ihrem Kaninchen nicht länger an, kann eine Umstellung auf Albendazol sinnvoll sein. Dieser Wirkstoff tötet den Erreger ebenfalls ab, greift in einigen Fällen jedoch die Leber an. Daher sind bei einer Albendazol-Therapie regelmäßige Blutkontrollen notwendig, um eine Erhöhung der Leberwerte frühzeitig zu erkennen.

Kaninchen mit chronischen Niereninsuffizienzen kommen mitunter noch jahrelang gut zurecht, ehe es binnen kürzester Zeit zu einer rapiden Verschlechterung mit der Folge eines hochgradig gestörten Allgemeinbefindens kommt.

Prophylaxe

Kaninchen mit intaktem Immunsystem erleiden im Normalfall keinen akuten Erkrankungsausbruch.

Artgerechte Haltung & Fütterung, Stressvermeidung

Die wirksamste Vorbeugung gegen Enzephalitozoonose besteht daher in einer stressarmen Haltung durch tiergerechte Unterbringung, naturnahe Fütterung, eine vertrauensvolle Mensch-Tier-Beziehung und die generelle Vermeidung von Stresssituationen (ständig neue Partnertiere, Lärm, häufige Umgebungswechsel, ...).

Antikörper-Tests vor Vergesellschaftungen

Ehe Sie Kaninchen miteinander vergesellschaften, sollten Sie unbedingt Blutproben entnehmen lassen, um sie auf E. cuniculi zu testen.

Diese wirksame Prophylaxemaßnahme wird leider sogar in den meisten Tierschutzorganisationen bislang noch sehr vernachlässigt, was eine Ausbreitung der Erkrankung zur Folge hat. Anders als oftmals behauptet, sind längst nicht "die meisten Kaninchen sowieso infiziert", sondern Studien zufolge zwischen 41 und 45 % (Abweichungen je nach Region, in Bayern z.B. nur 39%) - d.h. mehr als die Hälfte aller Hauskaninchen ist bezogen auf EC gesund und muss vor einer Infektion geschützt werden!

Selbstverständlich ist nicht gesagt, dass ein infiziertes Kaninchen tatsächlich einmal Symptome entwickelt. Dennoch ist es aus Sicht des Tierschutzes nicht vertretbar, ein gesundes Tier grundlos zu infizieren und es den erheblichen Risiken auszusetzen, die die Erkrankung mit sich bringt.

Es ist dabei unerheblich, ob ein Kaninchen schon einmal EC-Symptome gezeigt hat oder nicht.

Entscheidend ist, ob der Antikörper-Titer positiv oder negativ ausfällt, denn auch ein klinisch absolut gesundes Kaninchen kann den Erreger zeitlebens in sich tragen und ansteckend für Artgenossen sein.

EC-positive Kaninchen dürfen daher grundsätzlich nur mit ebenfalls positiven Artgenossen vergesellschaftet werden und EC-negative Tiere nur mit EC-negativen Artgenossen.

Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden Sie hier:

Vermeidung (in)direkten Kontakes zu fremden Kaninchen

Um zu vermeiden, dass EC-negative Kaninchen sich im Laufe ihres Lebens infizieren, muss bedacht werden, dass der Erreger auch mit urinverschmutzten Gegenständen, Klamotten etc. eingeschleppt werden kann. Daher sollten Sie neben direktem auch jeden indirekten Kontakt zwischen Ihren und fremden Kaninchen vermeiden; z.B. indem neue Einrichtungsgegenstände, die zuvor von anderen Tieren genutzt wurden, gut desinfiziert werden, Sie sich nach dem Streicheln fremder Kaninchen die Hände waschen und ggf. (falls sie mit Urin in Kontakt kamen) die Klamotten wechseln, im Falle einer Urlaubsbetreuung eine Pension auswählen, die ein gutes Hygienemanagement betreibt usw.

Grünfutter von draußen ist grundsätzlich unproblematisch, da E. cuniculi in Wildkaninchenpopulationen nach aktuellem Kenntnisstand der Wissenschaft nicht auftritt.

Regelmäßige Fenbendazol-Kuren?

Die prophylaktische regelmäßige Medikation mit Fenbendazol bei EC-positiven Kaninchen wird kontrovers diskutiert. Gegenargumente sind die nicht nachgewiesene Sinnhaftigkeit und die Befürchtung, eine Resistenzbildung von Seiten des Erregers zu provozieren und ihn im Ernstfall nicht mehr bekämpfen zu können.

Allerdings gibt es bisher keine Nachweise für eine Resistenzbildung. Experten vermuten, dass eine solche zwar theoretisch möglich, aber in der Praxis nicht zu befürchten ist, wenn das Kaninchen Fenbendazol nicht häufiger als alle 3 Monate und dann für mindestens 7 Tage erhält. Auch hierfür liegen allerdings noch keine Studien vor.

Ein weiteres Pro-Argument besteht in der möglichen Vorbeugung eines chronisch-progressiven Krankheitsverlaufs; dieser bezieht sich auf Kaninchen, in denen sich der Erreger unbemerkt in einem Organ ansiedelt und dort über Wochen und Monate hinweg immer größere Schäden verursacht, die erst im fortgeschrittenen Stadium zu Symptomen führen (v.a. chronische Niereninsuffizienzen).

Mitunter werden langsam voranschreitende organische Erkrankungen also erst sehr spät erkannt, was die Prognose erheblich verschlechtert. Regelmäßige Wurmkuren würden in einem solchen Fall die Erregerdichte immer wieder reduzieren und dadurch verhindern, dass ein Organ langfristig zerstört wird.

Insbesondere bei Kaninchen, die aufgrund von Alter oder anderweitigen Erkrankungen nicht (mehr) so widerstandsfähig sind wie junge und gesunde Artgenossen, ist damit zu rechnen, dass E. cuniculi langsam, aber stetig einzelne Gewebe schädigt und dies nicht rechtzeitig bemerkt wird.

Insbesondere bei solchen Tieren sind regelmäßige Kuren daher durchaus eine Überlegung wert. Gerade bei alten Tieren überwiegt vermutlich ihr Nutzen, da eine über Jahre erfolgende Resistenzbildung aufgrund des fortgeschrittenen Alters schlichtweg nicht mehr möglich ist.

Fenbendazol bei Stress

Mit Sicherheit sinnvoll ist eine “Wurmkur” mit Fenbendazol, wenn ein EC-positives Kaninchen aktuell aufgrund einer anderweitigen Krankheit "schwächelt" oder wenn eine Stresssituation unmittelbar bevorsteht (z.B. Vergesellschaftung, Umzug, Urlaubsbetreuung, Tierarztbesuch). Auf diese Weise verhindern Sie, dass der Erreger sich infolge des geschwächten Immunsystems vermehren kann.

Spätestens am Tag der zu erwartenden Stresssituation bzw. bei Ausbruch der anderen Erkrankung sollte mit der Kur begonnen werden; je nachdem, wie lange die Stress-/ Krankheitssituation anhält, wird das Fenbendazol über 7-10 Tage gegeben, bei sehr empfindlichen bzw. geschwächten Kaninchen bis zu 4 Wochen. Dies muss im Einzelfall und ggf. (insbesondere, wenn das Kaninchen noch andere Medikamente erhält!) gemeinsam mit dem Tierarzt entschieden werden.

Fenbendazol vor Impfungen

Unbedingt erfolgen sollten Fenbendazol-Behandlungen vor einer geplanten Impfung EC-positiver Kaninchen. Spätestens am Vortag sollten die Tiere Fenbendazol erhalten; anschließend sollte die Behandlung über mehrere Tage fortgeführt werden. Dadurch wird die Erregerdichte im Körper eingedämmt, sodass das Immunsystem sich optimal auf die Impfung "konzentrieren" kann.

Bei einem Kaninchen, dessen Immunsystem aktuell massiv mit einer anderweitigen Erkrankung beschäftigt ist, erfolgt mitunter nur eine schwache Immunantwort auf die Impfung. In der Folge wird kein optimaler Impfschutz aufgebaut. Dies gilt für Kaninchen mit EC ebenso wie z.B. für Kaninchen mit Kokzidien.

Paradoxerweise wird oft vehement darauf hingewiesen, dass vor jeder Impfung eine Kotprobe auf Kokzidien untersucht werden muss, um diese ggf. vorab zu behandeln und eine optimale Immunantwort zu ermöglichen; die ebenso große Gefahr durch EC wird dagegen noch immer weitestgehend ignoriert. Dadurch kommt es zu tragischen Todesfällen, in denen Kaninchen beispielsweise an RHD versterben, obwohl sie formal korrekt geimpft wurden.

Umgekehrt ist ein Tierarztbesuch mit Stress verbunden und kann somit einen EC-Ausbruch begünstigen. Auch aus diesem Grund sollten Kaninchen vor einer Impfung ebenso wie vor jedem anderen Tierarztbesuch Fenbendazol bekommen.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema Impfungen finden Sie hier: