Erkrankungen der inneren Organe

Thymom & Lymphom

Tumore im Brustkorb, meist Thymome, seltener Lymphome, gehören zu den wohl gefürchtetsten Erkrankungen des Kaninchens. Dies hat mehrere Gründe:

Ursachen

Ein Thymom bezeichnet die Entartung von Thymus-Zellen. Der Thymus ist ein Organs des Immunsystems, welches nur in der Kindheit von Bedeutung ist und sich anschließend zurückbildet. Die Überbleibsel können entarten und zur Tumorbildung führen. Die Tumore sind in der Regel gutartig, es handelt sich also nicht um Krebs. Das Problematische ist vor allem ihr Wachstum, da sie hierdurch immer mehr Lungenvolumen einnehmen, zunehmend auf Herz und Luftröhre drücken und somit früher oder später zu Symptomen und zum Tod führen.

Beim Lymphom handelt es sich um einen entarteten Lymphknoten. Es kann sowohl gutartig als auch bösartig sein und überall dort auftreten, wo sich Lymphknoten im Körper befinden. Tritt es im Brustkorb auf, führt es zum selben Krankheitsbild wie das Thymom.

Symptome

Überraschenderweise führen Tumore im Brustkorb oft als erstes zu Symptomen an den Augen. Dies liegt daran, dass sie Druck auf die vom Kopf in Richtung Herz verlaufenden Venen ausüben. Das Blut staut sich und es kann zu einem Vorfall des 3. Augenlides, zum Sichtbarwerden „des Weißen im Auge“ oder zu beidseitig vorstehenden Augäpfeln (von vorne mehr oder weniger gut sichtbar) kommen. Diese für den Laien oft harmlos wirkenden Symptome sollten immer als Alarmsignal aufgefasst werden, dessen Ursache es zügig abzuklären gilt, um möglichst früh handeln zu können.

Durch Druck auf Lungen und Luftröhre führt das Thymom / Lymphom in fortgeschrittenem Stadium meist zu Atembeschwerden. Diese äußern sich anfangs oft lediglich in verändert aussehenden Atembewegungen und einer verminderten Aktivität des Tieres. Auch reagieren sie mitunter empfindlicher als sonst auf Stress und Hitze. Verschlimmern sich die Beschwerden, werden die Symptome deutlich sichtbar, die Tiere stehen vorne breitbeinig, atmen deutlich angestrengt mit geblähten Nasenflügeln, mitunter hochgestrecktem Kopf und – bei sehr schwerer Luftnot – Maulatmung.

All diese Symptome sind allerdings auch typisch für Herzerkrankungen. Herzprobleme treten entweder isoliert auf oder sind die Folge eines Tumors in unmittelbarer Herznähe.

Diagnose

Ein Kaninchen mit Atembeschwerden oder den beschriebenen Augenveränderungen sollte zunächst geröngt werden. Hierdurch lassen sich Verschattungen im Brustkorb schnell und einfach erkennen und es muss anschließend nur noch ermittelt werden, ob es sich dabei um einen Tumor oder eine reine Herzerkrankung handelt. Letztere kann zu einem vergrößerten Herzen oder einem Erguss führen, was per Röntgendiagnostik nicht immer von einem Tumor zu unterscheiden ist.

Besteht eine solche Verschattung, ist ein Herzultraschall oder eine Computertomographie angezeigt. Dabei kann das Gewebe eindeutig beurteilt werden.

Steht fest, dass es sich um einen Tumor handelt, ist als weitere Diagnostikmaßnahme das Entnehmen einer Gewebeprobe (Biopsie) möglich. Auf die Weise kann bestimmt werden, um welche Tumorart es sich handelt, was je nach Therapie von Bedeutung sein kann.

Therapieoptionen

Steht die Diagnose eines Tumors, sind die Therapiemöglichkeiten sehr begrenzt und führen unter keinen Umständen zu einer Ausheilung.

Am häufigsten wird Cortison angewandt. Dieses kann das Tumorwachstum oft eine ganze Zeitlang hemmen und sich positiv auf einen eventuellen Herzerguss auswirken. Allerdings kann Cortison beim Kaninchen auch fatale Folgen haben. Als sogenannte Corticosteroid-sensitive Tierart vertragen Kaninchen Cortison allgemein so schlecht, dass es grundsätzlich nie angewandt werden sollte – es sei denn, es gibt tatsächlich keine andere Chance mehr, um dem Tier noch Lebensqualität zu verschaffen oder Lebenszeit zu schenken.

Erstaunlicherweise vertragen gerade Thymom-/Lymphom-Patienten Cortison oftmals über Monate oder sogar Jahre hinweg sehr gut. Einige Tiere reagieren jedoch früher oder später mit Leberversagen oder einem kompletten Kollaps des Immunsystems.

Sollte der Tumor zufällig entdeckt werden, ehe er Symptome verursacht (z.B. bei einem Röntgen, das wegen einer anderen Problematik durchgeführt wird), stellt sich die Frage, ob man das Kaninchen direkt mit Cortison dagegen behandeln sollte – denn einerseits wird der Tumor dadurch bereits im Frühstadium gehemmt und die Lebenszeit des Kaninchens evtl. erheblich verlängert; andererseits besteht das Risiko, dass schwere Nebenwirkungen auftreten und man ihm im Gegenteil Lebensqualität und -zeit nimmt.

Die Bestrahlung ist eine relativ neue Therapiemethode, die nicht für jeden Besitzer bezahlbar ist und bei einigen auch die Frage aufwirft, ob es sich dabei nicht um Tierquälerei handle.

Fakt ist: Sie schlägt in den meisten Fällen gut an und führt zu einer deutlichen Verkleinerung des Thymoms, es kommt in aller Regel nicht zu den oftmals gefürchteten Hautverbrennungen und auch die notwendigen Narkosen werden bei einem guten Management meist problemlos vertragen, die Kaninchen zeigen während des Therapiezeitraumes meist ein ungestörtes Allgemeinbefinden.

Allerdings führt auch die Bestrahlung weder zu einer Abheilung, noch ist sie frei von Risiken. Es ist nahezu unmöglich, alle Tumorzellen zu „treffen“, insbesondere wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zum Herzen und zu den Lungen. Aus dem selben Grund können die genannten Organe strahlenbedingte Schäden davontragen.

Durch übrig gebliebene Tumorzellen wächst das Thymom / Lymphom i.d.R. binnen 1-2 Jahren wieder nach, sollte das Kaninchen solange überleben. Es ist - wie beim Cortison - auch hier möglich, dass es in Folge der Bestrahlung oder durch die verbleibenden Tumorzellen eine massive Immunschwäche entwickelt und permanent krank ist, womöglich sogar an einer Sekundärerkrankung verstirbt.

Auch hier stellt sich also die Frage, ob man durch die Bestrahlung nicht mehr verliert, als man gewinnt. Dies sollte sorgfältig abgewogen werden. Unbedingt überprüft werden sollte zudem, ob das Herz bereits Schaden genommen hat, denn in diesem Fall hilft auch die Bestrahlung nicht mehr viel weiter – im Gegenteil können die mehrfachen Narkosen dann zu einer so schweren Mehrbelastung führen, dass die Lebenszeit sich eher verkürzt als verlängert.

Nicht verkehrt sind pflanzliche Medikamente, die das Zellwachstum des Tumors hemmen sollen, beispielsweise die sogenannte Misteltherapie. Die Wirksamkeit dieser Therapie ist allerdings nicht nachgewiesen.

Herzmedikamente sind notwendig, wenn das Herz bereits Schaden genommen hat oder dies in naher Zukunft zu erwarten ist.

Bronchien-Dilatatoren sind Medikamente, die die Bronchien erweitern und dadurch die Atmung erleichtern. Sie sollten eingesetzt werden, sobald erste Symptome einer erschwerten Atmung erkennbar sind. Dazu sollte das Kaninchen täglich sorgfältig beobachtet werden.

Eine Operation ist nicht erfolgsversprechend; denn auch dadurch ist es kaum möglich, alle Tumorzellen zu entfernen, sodass es im Anschluss zu einem neuerlichen Wachstum kommt. Operationen am Brustkorb sind ein sehr schwerwiegender Eingriff mit hohem Narkoserisiko und langer Genesungszeit. In Hinblick darauf, dass eine Heilung nicht möglich ist, sollten dem Tier diese Belastung und Schmerzen erspart bleiben.

Eine Euthanasie ist angezeigt, wenn das Kaninchen eine deutlich erschwerte Atmung zeigt, die auch medikamentös nicht mehr erleichtert werden kann. In diesem Fall muss es umgehend erlöst werden, um es vor einem qualvollen Erstickungstod zu bewahren.

Prognose

Die Prognose ist infaust, d.h. die Erkrankung ist nicht heilbar und in jedem Fall zum Tode führend. Durch o.g. Palliativtherapien ist es in vielen Fällen möglich, dem Patienten noch einige Monate oder sogar Jahre Lebenszeit und -qualität zu schenken.

Prophylaxe

Eine Prophylaxe ist nicht möglich.