Erkrankungen der inneren Organe

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Zystitis - Blasenentzündung

Ursachen

Die Entstehung einer Zystitis kann unterschiedliche Gründe haben:

Primärerkrankung: Eine bereits vorhandene Blasenerkrankung begünstigt die Ansiedelung von Bakterien. Hierzu gehören:

Auch sind Primärerkrankungen möglich, die die Blase nicht direkt betreffen - aber zur Folge haben, dass das Kaninchen sich wenig bewegt. Dadurch kann es gerade in Winteraußenhaltung leicht unterkühlen. Zudem sucht es mitunter möglichst selten seine Toilette auf und hält den Harn dadurch lange Zeit zurück. Dies kann unter anderem ausgelöst werden durch:

Haltungsfehler können einen begünstigenden Faktor darstellen - z.B., wenn sie zur Unterkühlung führen:

Auch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann die Folge von Haltungsfehlern sein:

Psychische Ursachen sind ebenfalls eine mögliche Ursache für Bewegungsunlust, welche einerseits zur Unterühlung, andererseits zu seltenen Toilettenbesuchen und einem dementsprechend langen Zurückhalten des Harns führen können:

Psychische Ursachen können ebenfalls dazu führen, dass das Kaninchen seine Toilette oder - bei Wind und Regen - die trockene Schutzhütte nicht mehr aufsucht:

Symptomatik

Da Blasenentzündungen schmerzhaft sind, haben betroffene Tiere meist Schwierigkeiten beim Urin-, gelegentlich auch beim Kotabsatz. Gleichzeitig verspüren sie einen permanenten Harndrang, sodass häufig und oft unkontrolliert nur kleine Mengen an Harn ausgeschieden werden. Dies ist eine der häufigsten Ursachen plötzlicher Unsauberkeit von Tieren, die zuvor sehr reinlich waren. Der Anogenitalbereich ist meist verklebt und weist Schwellungen auf, die von den erkrankten Kaninchen intensiv beleckt werden.

Bei großen Schmerzen ist das Allgemeinbefinden deutlich in Mitleidenschaft gezogen; neben Anorexie (=Fressunlust) und Apathie (=Teilnahmslosigkeit) nimmt das Tier mitunter ungewöhnliche Körperhaltungen ein, um sich Erleichterung zu verschaffen - z.B. durch Krümmen des Rückens oder Pressen des Hinterleibs auf den Boden.

Diagnostik

Vor dem Einleiten einer Therapie muss die Blasenentzündung sicher diagnostiziert werden!

Das klinische Bild alleine genügt nicht: Plötzliche Unsauberkeit und "Einnässen" können z.B. auch durch Harngrieß, eine chronische Niereninsuffizienz oder Harninkontinenz (z.B. durch Enzephalitozoonose, knöcherne Wirbelsäulenveränderungen, ...) verursacht werden. Darüber hinaus sind Blasenentzündungen sehr häufig die Folge von Harngrieß, welcher dann unbedingt mitbehandelt werden muss. Blutiger Urin muss sorgfältig von blutigem Vaginalausfluss bei unkastrierten Häsinnen unterschieden werden!

Ein Urinteststreifen ist eine einfache und hilfreiche diagnostische Maßnahme, um deutliche Hinweise auf eine Zystitis zu erhalten. Idealerweise bewahren Sie einige Teststreifen in Ihrer Hausapotheke auf (dunkel lagern!), um sich im Verdachtsfall bereits daheim einen Eindruck zu verschaffen. Sollte der Patient beim Tierarzt spontan keinen Urin absetzen, kann der Tierarzt durch vorsichtigen Druck auf die Blase oder eine Zystozentese (s.u.) Harn gewinnen.

Im Ultraschall können entzündlich veränderte, verdickte Blasenwände hervorragend dargestellt werden; ebenso möglicherweise ursächlicher Harngrieß oder Veränderungen des Nierengewebes. Es bietet sich an, unter Ultraschallkontrolle eine sterile Harnprobe direkt aus der Blase zu entnehmen (Zystozentese). Dazu sticht der Tierarzt mit einer Kanüle durch die Bauchdecke in die Blase. Steril gewonnener Urin kann auf Bakterien untersucht werden, was insbesondere bei wiederkehrenden Blasenentzündungen von Bedeutung ist: In diesem Fall muss im Zuge einer bakteriologischen Untersuchung mit Resistenztest geprüft werden, auf welche Antibiotika die beteiligten Keime sensibel reagieren.

Eine Röntgenuntersuchung eignet sich ebenfalls zur Darstellung von Harngrieß- und -steinen. Auch, wenn der Verdacht auf eine Wirbelsäulenerkrankung besteht (z.B. wenn eine Harninkontinenz festgestellt wird, ohne dass der Harn entzündlich verändert ist), geben Röntgenbilder in mindestens 2 Ebenen Aufschluss.

Eine Blutuntersuchung empfiehlt sich immer dann, wenn das Kaninchen in einem schlechten Allgemeinzustand ist oder die Ursache für die Symptome außerhalb der Blase vermutet wird: Bestimmte Blutwerte (Kreatinin, Harnstoff, Hämatokrit, Albumin, Natrium, Kalium) sind im Falle einer Niereninsuffizienz verändert; eine Enzephalitozoonose lässt sich durch einen Antikörpertest (IgG und IgM) nachweisen oder ausschließen.

Therapie

Antibiotikum: Es tötet die ursächlichen Bakterien in der Blase ab. Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen trotz Antibiotikagabe empfiehlt sich das Anlegen eines Antibiogramms (Resistenztests), um festzustellen, gegen welche Antibiotika die beteiligten Bakterien empfindlich reagieren.

Pro- und Präbiotikum: Es sollte begleitend zum Antibiotikum gegeben werden, um Verdauungsbeschwerden vorzubeugen.

Analgetika (= Schmerzmittel) sind notwendig, um einerseits die Schmerzen zu zu lindern, andererseits die Entzündungsprozesse zu hemmen und wieder einen normalen Harnabsatz zu ermöglichen. Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAID wirken entzündungs- und schmerzhemmend. Sie lassen sich hervorragend mit dem zentral wirksam Metamizol kombinieren, um eine optimale Schmerzhemmung zu erzielen

Flüssigkeitszufuhr: Um den Heilungsprozess zu unterstützen und einer Bildung von Harngrieß vorzubeugen bzw. eine bereits vorhandene Harngrießproblematik mitzubehandeln, ist eine hohe Flüssigkeitszufuhr von großer Bedeutung. Ein Ad-libitum-Angebot von Grünfutter ist bei Harnwegserkrankungen ganz besonders wichtig. Außerdem können Sie - zusätzlich zum geschmacksneutralen Trinkwasser! - verdünnten Karotten- oder Obstsaft (ungezuckert) anbieten. Auch Kamillentee beschleunigt den Heilungsprozess und wirkt krampflösend.

In schweren Fällen ist eine stationäre Unterbringung nötig, damit das Kaninchen intensiv infundiert werden kann.

Entzündungshemmend wirken u.a. Brennnessel, Scharfgabe und Löwenzahn. Sollten sie frisch nicht verfügbar sein oder möchten Sie Ihren kleinen Patienten zusätzlich unterstützen, eignen sich spezielle pflanzliche Medikamente vom Tierarzt: Sie wirken harntreibend, entzündungshemmend und antibakteriell.

Wärme: Kaninchen mit Zystitis müssen warmgehalten werden. Stellen Sie Ihrem Tier daher eine Rotlichtlampe oder ein Wärmekissen zur Verfügung, welche(s) bei Bedarf aufgesucht werden kann. Im Freien lebende Tiere sollten ins Haus geholt werden, um sie nicht den Tag-Nacht-bedingten Temperaturschwankungen auszusetzen. Kaninchen aus Winteraußenhaltung müssen dabei zunächst unbedingt in einem einem unbeheizten untergebracht werden, bis sie ihr Winterfell verloren haben, da extreme Temperaturschwankungen sie zusätzlich belasten würden. Wegen des Fellwechsels dürfen sie anschließend erst im Frühjahr wieder nach draußen ziehen.

Holen Sie das erkrankte Kaninchen nicht alleine ins Haus. Um sich stressfrei erholen zu können, benötigt der Patient in jedem Fall die Gesellschaft eines Artgenossen.

Prognose

Je früher eine Zystitis erkannt und behandelt wird, desto einfacher gestaltet sich die Therapie.

Prophylaxe

Gesunde, frischfutterreiche Ernährung: Das A und O für eine ausreichende "Durchspülung" der Blase und somit die beste Vorsorgemaßnahme gegen Entzündungsprozesse ist eine flüssigkeitsreiche Ernährung, denn eine optimale Flüssigkeitszufuhr wird nur erreicht, wenn das Futter der Kaninchen größtenteils aus Grünfutter besteht.

Zu diesem Zweck müssen insbesondere Trockenfertigfutter und handelsübliche Leckerlis, bestenfalls auch Trockenobst und -gemüse komplett vom Speiseplan gestrichen werden, da nicht zuletzt ihr hoher Sättigungsgrad dazu führt, dass im Anschluss deutlich weniger Frischfutter verzehrt wird. Auch getrocknete Kräuter, Blätter und Blüten sollten, wenn überhaupt, nur in sehr kleinen Mengen (maximal eine lockere Handvoll täglich für zwei Kaninchen) gereicht werden, da sie in erheblichem Maße Harngrieß (und somit auch Blasenentzündungen) fördern.

Ständig frisches Wasserangebot: Auch bei reichlicher Frischfutteraufnahme muss den Kaninchen immer frisches, sauberes Trinkwasser zur freien Verfügung bereitstehen. Die Näpfe sollten mindestens zweimal täglich gereinigt und aufgefüllt werden.

Vorsorgemaßnahmen gegen Harngrieß: Da Schlamm, Grieß und Steine eine Zystitis begünstigen können, überschneiden sich die Vorsorgemaßemaßnahmen für beide Krankheitsbilder (s.o.).

Stressvermeidung: Kaninchen, die sich ständig verkriechen, können aufgrund mangelnder Bewegung unterkühlen. Daher sollten Stressfaktoren, die die Tiere zum Rückzug veranlassen, möglichst vermieden werden.

Ausreichend zugluftgeschützte, trockene Rückzugsmöglichkeiten sind insbesondere für Tiere in Winteraußenhaltung von großer Bedeutung, um ihre Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Normalerweise suchen Kaninchen ihre Schutzhütte rechtzeitig von selbst auf. Problematisch wird es erst, wenn sie daran gehindert werden - beispielsweise durch einen dominanten Artgenossen, der den Eintritt "verwehrt". Aus diesem Grund sollten Sie - spätestens, wenn Sie Unstimmigkeiten zwischen Ihren Tieren beobachten oder vermuten - immer mehrere Schutzhütten anbieten oder eine Schutzhütte in mehrere Abschnitte unterteilen, sodass auch rangniedere Tiere nicht aus Angst im Wind und Regen ausharren müssen.

Angebot von mindestens einer Toilette pro Tier: Reinliche Kaninchen halten den Urin mitunter zurück, wenn die Toilette(necke) von einem ranghöheren Artgenossen belegt wird. Unnatürlich langes "Einhalten" fördert die Ansiedelung von Bakterien in der Blase.

Vermeidung plötzlicher Temperaturschwankungen: Kaninchen, die im Haus leben, dürfen während der kalten Jahreszeit keinesfalls einfach ins Freie gesetzt werden - da kein Winterfell ausgebildet wurde, würden sie sich dabei verkühlen. Auch dürfen Kaninchen in Außenhaltung nicht zwischendurch "zum Aufwärmen" ins Haus geholt werden, da nicht nur die plötzliche Wärme eine starke Kreislaufbelastung darstellt, sondern auch hier eine Unterkühlung droht, wenn die Tiere im Anschluss wieder nach draußen gesetzt werden.

Warmhaltung gebadeter Kaninchen bis zur vollständigen Trocknung: Nasses Fell begünstigt Verkühlungen enorm. Ist ein Bad unausweichlich, muss das Kaninchen im Anschluss unbedingt bis zur vollständigen Trocknung warmgehalten und vor Zugluft beschützt werden!

Bewegungsanimation: Kaninchen, die nur tatenlos herumsitzen, können sich leicht unterkühlen. Neben mindestens einem Artgenossen ist daher ein vielseitiges Beschäftigungsangebot von großer Bedeutung.