Erkrankungen der inneren Organe

Lungenerkrankungen

Ein emporgestreckter Kopf, geblähte Nasenflügel und Maulatmung sind Symptome hochgradiger Atemnot.

Abschnitte auf dieser Seite:

Allgemeine Symptomatik

Erkrankungen der Lunge gehen in aller Regel mit gering- bis hochgradiger Atemnot einher, welche sich in einem Biegen des Köpfchens in den Nacken, deutlich hörbaren Atemgeräuschen, stark blähenden Nasenflügeln bei jedem Atemzug, zyanotisch (=bläulich) verfärbten Schleimhäuten, Maulatmung, Nahrungs- und Bewegungsverweigerung äußern kann. Oft fallen auch zunächst nur "pumpende" Atembewegungen auf, wenn das Tier sitzt oder liegt. De Bewegungen des Brust-Bauch-Bereichs sind dabei verändert und verschärft.

Lungenabszess

Ursache

Lungenabszesse werden in erster Linie durch den Schnupfenerreger Pasteurella multocida verursacht, sind also i.d.R. eine Folgeerscheinung des Ansteckenden Kaninchenschnupfens.

Diagnostik

Per Röntgenaufnahme können Eiterherde leicht diagnostiziert werden.

Therapie

Die Abszesskapsel bietet dem Bakterium einen sicheren Schutz vor Antibiotika und ist innerhalb der tiefergelegenen Atemwege inoperabel. Es besteht demzufolge keine Therapiemöglichkeit. Da Abszesse mit der Zeit an Größe zunehmen, führen sie unweigerlich zum Erstickungstod des Tieres. Dieser kann dem Kaninchen nur durch eine Euthanasie erspart werden.

Werden Lungenabszesse bereits im Anfangsstadium - d.h., wenn noch keine Atemprobleme vorhanden sind - ausfindig gemacht, lässt sich der Erkrankungsverlauf durch eine Antibiotikagabe verzögern. Eine Heilung ist jedoch auch in diesem Fall nicht möglich.

Prophylaxe

Neben Vorsorgemaßnahmen bezüglich des Ansteckenden Kaninchenschnupfens an sich ist eine frühzeitige Behandlung desselben ausschlaggebend, um einer Bakterienansiedlung in der Lunge vorzubeugen. Chronische Schnupfenpatienten sollten regelmäßig vom Tierarzt untersucht werden, um dennoch entstehende Abszessbildungen bereits im Anfangsstadium erkennen und entsprechend eindämmen zu können.

Lungenneoplasien

Ursache

Zellentartungen der Gebärmutter stellen die mit Abstand häufigste Ursache für Lungenmetastasen dar; deutlich seltener werden sie durch Hodentumoren verursacht.

Diagnostik

Per Röntgendiagnostik sind Neoplasien in der Lunge deutlich erkennbar. Achtung: Bakterielle Lungenentzündungen können beim Kaninchen eine starke Ähnlichkeit mit Metastasen aufweisen! Im Zweifelsfall kann eine diagnostische Therapie mittels Antibiose erfolgen: Zeigt sich im Kontrollröntgen eine Besserung, waren die Veränderungen höchstwahrscheinlich bakteriell bedingt.

Therapie

Der Lungenkrebs ist nicht therapiebar und führt zwangsläufig zum Erstickungstod des Tieres, sofern es nicht zuvor durch eine Euthanasie erlöst wird. Werden die Metastasen entdeckt, ehe sie Symptome auslösen, kann das Kaninchen palliativ mit einem Medikament behandelt werden, welches die Bronchien erweitert und dadurch die Lungenfunktion verbessert (z.B. Theophyllin). Hierdurch kann das Auftreten von Symptomen hinausgezögert und ihm mehr Zeit verschafft werden. Auch die Gabe von Cortison kann das Wachstum der Tumore verlangsamen und die Atmung unterstützen.

Eine palliative Therapie sollte nur in Erwägung gezogen werden, wenn das betroffene Kaninchen in den folgenden Tagen und Wochen sehr gut beobachtet werden kann. Sobald Atembeschwerden auftreten, ist eine umgehende Euthanasie erforderlich. Anderenfalls kann es zum akuten Erstickungstod kommen. Eine Palliativbehandlung ist daher abzulehnen, wenn z.B. unter der Woche den ganzen Tag niemand zu Hause ist, der das Tier im Auge behalten kann.

Prophylaxe

Eine sichere Prophylaxe bietet nur die Kastration, da die ursächlichen Gebärmuttertumoren auch im Falle regelmäßiger Allgemeinuntersuchungen mitunter erst erkannt werden, wenn es bereits zu spät ist - d.h. sie bereits (in die Lunge) gestreut haben.

Unter "Kastration" versteht man die Entfernung der Keimdrüsen: Beim Männchen die Hoden, beim Weibchen die Eierstöcke (sog. Ovarektomie). Allerdings ist es in vielen Fällen erforderlich, darüber hinaus die Gebärmutter zu enntfernen (sog. Ovariohysterektomie); nämlich immer dann, wenn dort bereits hormonell bedingte Veränderungen sichtbar sind. In diesem Fall kann es auch dann zu einer bösartigen Entartung kommen, wenn die Gebärmutter schon lange entfernt ist.

Eine unveränderte Gebärmutter findet sich meist nur bei sehr jungen Häsinnen. Erfolgt die Kastration im Alter von 6 bis 12 Monaten, genügt meistens die Entfernung der Eierstöcke. Bei älteren Häsinnen sollte die Gebärmutter mitentfernt werden.

Alternativ zur chirurgischen Kastration können Häsinnen mit einem Hormonchip chemisch kastriert werden. Auch dies ist jedoch nur dann eine sinnvolle Alternative, wenn bereits im sehr jungen Alter damit begonnen wird und die Gebärmutter noch gesund ist.

Verletzung mit Lungenblutung

Ursache

Der Einriss von Lungengefäßen mit der Folge eines Blutaustritts wird durch traumatische äußere Einwirkungen verursacht, wie z.B. Raubtierattacken, Stürze, Tritte oder Einquetschungen.

Symptomatik

Zusätzlich zur allgemeinen Symptomatik der Atemnot kommt es zu einem Blut- und oftmals auch Schaumaustritt aus Mäulchen und Nase. Treten diese Symptome ohne erklärbare Ursache auf und ist keine äußere Verletzung erkennbar, sind auch eine systemische Blutungsneigung (RHD!, Vergiftung) sowie eine Herzerkrankung mit Lungenödem mögliche Ursachen.

Diagnostik

Röntgenaufnahmen in zwei unterschiedlichen Ebenen ermöglichen die exakte Lokalisation der Verletzung, was für die Therapie von entscheidender Bedeutung ist.

Therapie

Um die intakten Teile der Lunge zu entlasten und ihnen dadurch eine möglichst großflächige Entfaltung zu ermöglichen, wird das Kaninchen auf der Seite gelagert, auf welcher sich die Verletzung befindet.

Die Therapie erfolgt anhand von Infusionen zur Kreislaufstabilisierung, Antibiotika zur Infektionsprophylaxe, Pro- und Präbiotika zum Schutz der Darmflora und insbesondere einer Sauerstoffzufuhr. Absolute Ruhe ist von ebenso entscheidender Bedeutung, da jede Form der Aufregung zu Erstickungsanfällen führen kann!

Prognose

Der Schweregrad der Atemnot hängt vom Ausmaß der Verletzung ab; dementsprechend variiert die Prognose stark.

Prophylaxe

Schützen Sie Ihre Kaninchen bestmöglich vor Unfällen aller Art! Im Kaninchenheim muss insbesondere bedacht werden, dass zutrauliche Tiere dem Menschen häufig vor die Füße laufen und dadurch in besonderem Maße gefährdet sind, getreten zu werden. Auch Besucher müssen unbedingt auf eine behutsame Fortbewegung sowie auf die langsame Öffnung und dem behutsamen Verschluss von Türen hingewiesen werden. Vorsicht auch bei Durchzug: Zuschlagende Türen können ein dazwischen befindliches Kaninchen tödlich verletzen! Türstopper können derartige Unfälle vermeiden.

Kaninchen müssen immer so hochgenommen und getragen werden, dass sie bei eventueller Unruhe sofort sicher gegriffen und vor Stürzen bewahrt werden können. Besonders häufig kommt es zu Unfällen, wenn die Kaninchen von Kindern herumgetragen werden. Während Sie ein Kaninchen auf dem Arm halten, lassen Sie Ihre zweite Hand daher grundsätzlich auf seinem Rücken oder Nacken ruhen, sodass es nicht nach oben wegspringen kann.

Niemals dürfen die Tiere der Gefahr offener Fenster oder ungesicherter, d.h. lückenhafter oder mit einer zu niedrigen Brüstung versehener, Balkone ausgesetzt werden! Ebens owenig darf ein Kaninchen ohne die schützende Hand eines Menschen auf eine erhöhte Ebene, die es aus eigenen Kräften nicht erreichen würde, gesetzt werden: Kaninchen können Entfernungen nur schlecht abschätzen und erkennen daher mitunter nicht, wenn ein Höhenunterschied zum Hinabspringen zu groß ist.

Selbstverständlich müssen die Kaninchen vor sämtlichen Tiere, die ihnen gefährlich werden könnten, geschützt werden.