Erkrankungen des Verdauungstrakts

Durchfall

Ist es wirklich Durchfall?

Nicht nur der Blinddarmkot selber, auch ein kotverschmutzter Afterbereich wird vom Besitzer leicht mit Durchfall verwechselt.

Sehen Sie sich den abgesetzten Kot deshalb genau an und nehmen Sie stets eine Probe davon mit zum Tierarzt.

Blinddarmkot

Das Kaninchen produziert zwei Arten von Kot: Den in Form trockener, runder Köttel ausgeschiedenen Hartkot aus grober Rohfaser und den weichen, glänzenden, traubenförmig zusammenklebenden Blinddarmkot aus feinen Futterpartikeln und Dickdarmbakterien. Letzterer wird direkt vom After wieder aufgenommen und gefressen, um die nährstoffhaltigen Darmbakterien bei der zweiten Verdauungspassage im Dünndarm verwerten zu können. Man bekommt ihn daher nur selten zu Gesicht. Wird er nicht (vollständig) gefressen, kann er im Afterbereich kleben bleiben und mit Durchfall verwechselt werden.

Handelt es sich bei den Verschmutzungen um Blinddarmkot, besteht eine häufige Ursache in einer fehlerhaften Fütterung; enthält die Nahrung des Kaninchens verhältnismäßig viel Energie und wenig Rohfaser, wird weniger Hartkot und mehr Blinddarmkot produziert und letzterer wird nicht mehr komplett gefressen. Eine zu proteinhaltige Fütterung (Kräuterheu, Trockenkräuter, Saaten, ...) führt ebenfalls bei vielen Kaninchen dazu, dass sie ihren Blinddarmkot liegen lassen.

Weiterhin kann ein neu eingeführtes Futtermittel vorübergehend dazu führen, dass der Blinddarmkot ungewohnt riecht und daher anfangs nicht mehr gefressen wird.

Letztlich ist es möglich, dass das Kaninchen krankheitsbedingt Probleme hat, seinen Blinddarmkot vom After aufzunehmen; z.B. aufgrund von Adipositas (=Fettleibigkeit), Gleichgewichtsproblemen, Wirbelsäulenproblemen oder anderweitig lokalisierte Schmerzen, die dazu führen, dass es sich nicht ausreichend "krümmen" kann.

Hartkot

Bleibt Hartkot im Fell hängen, liegt dies entweder an einem Hygienemangel oder aber daran, dass das Kaninchen sich nicht ausreichend bewegt und einfach in seinen Hinterlassenschaften sitzen bleibt. Letzteres kann durch Haltungsfehler (Platzmangel), Fettleibigkeit, Gleichgewichtsprobleme (INFO: Enzephalitozoonose), Schmerzen (Pododermatitis, Wirbelsäulenproblem, anderweitige Verletzung, Eingeweideschmerzen, ...) oder psychisch ("Mobbing" durch Artgenossen, Langeweile, Stress, Angst, ...) bedingt sein.

Handelt es sich bei dem abgesetzten Kot weder um Hart- noch um Blinddarmkot, sondern tatsächlich um Durchfall, sind Sie auf dieser Seite richtig.

Ursache

Fütterungsfehler:

Haltungsfehler:

Infektionskrankheiten:

Probleme mit der Nahrungszerkleinerung (=> Abschlucken großer Futterbrocken => reduzierte Angriffsfläche für Verdauungsenzyme) (Info)

Organische Erkrankungen:

Als unspezifisches Symptom kann Durchfall auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen sein, die teils auch in Kombination auftreten.

Symptomatik

Der Schweregrad reicht von matschig-weich (nicht zu verwechseln mit dem physiologischen Blinddarmkot, der in zertrampeltem Zustand zwar sehr ähnlich aussieht, aber normalerweise direkt vom After wieder verzehrt wird und daher nur selten zu finden ist) über breiig bishin zu dünnflüssig. Auch grünliche oder rötliche (Blutbeimengungen) Verfärbungen sind möglich.

Diagnostik

variiert je nach konkretem Krankheitsbild, z.B.:

Da Durchfall immer Symptom einer Grundproblematik ist, muss die Diagnostik dahingehend erfolgen. Einfach nur Magen-Darm-Medikamente zu geben, ohne der Ursache auf den Grund zu gehen, führt zu keiner dauerhaften Besserung.

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Je nach Schweregrad und Farbe des Kotes sowie weiteren Krankheitssymptomen, die Anhaltspunkte für die Ursache bieten können, wird der Tierarzt in erster Linie eine Kotprobe anschauen, evtl. einen Tesaabklatsch vom After nehmen und (bei reduziertem Allgemeinbefinden) evtl. eine Blut- und / oder Ultraschalluntersuchung durchführen.

Kotproben sollten über 3 Tage gesammelt werden, damit ein Kokzidienbefall sicher nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden kann.

Wird anstelle einer solchen Sammelkotprobe nur Kot von einem oder zwei Tagen angeschaut, kann es sein, dass die Kokzidien in dieser Zeit keine Sporen ausgeschieden haben und das Ergebnis falsch-negativ ausfällt.

Im Kot lassen sich auch Bakterien und Hefen nachweisen. Hefen können direkt in der Praxis unter dem Mikroskop festgestellt und in ihrer Menge beurteilt werden.

Hefen kommen in geringen Mengen auch in der natürlichen Darmflora vor. Eine Überbesiedelung ist immer sekundär, also durch ein Grundproblem verursacht.

Dies kann eine Fehlernährung (übermäßige Kohlenhydrat-Zufuhr, zu wenig Rohfaser), ein Parasitenbefall (Kokzidien, Würmer), eine Dysbakterie oder eine vorangegangene Antibiotikatherapie sein. Wird diese Ursache behoben, reduziert sich der Hefebefall von selber auf ein physiologisches Ausmaß.

Dysbakterien (also die Verschiebung der Darmflora zu Gunsten krank machender Bakterien) kommen meist sekundär vor, wenn der Darm z.B. bereits durch Kokzidienbefall, Antibiotika oder Fütterungsfehler vorbelastet ist. Zur Diagnosestellung muss die Kotprobe in ein Labor geschickt werden, welches zwischen den verschiedenen (also physiologischen und pathogenen) Bakterien unterscheiden kann.

Ein Kaninchen mit Durchfall sollte nie ohne weiterführende Untersuchung ein Antibiotikum enthalten, da dieses meist nicht die (Haupt-)Ursache behebt und die Darmflora womöglich noch mehr durcheinander bringt!

Ein Blutprofil gibt Aufschluss darüber, ob das Kaninchen aktuell einen Infekt durchmacht (sogenannte "Pseudolinksverschiebung" = prozentual mehr neutrophile Granulozyten als Lymphozyten). In diesem Fall ist eine Antibiotikagabe sinnvoll. Wird eine Kotprobe ins Labor eingeschickt und dort eine Überwucherung mit pathogenen Bakterien festgestellt, muss bei der Antibiotikawahl darauf geachtet werden, dass es für Kaninchen gut verträglich ist (s.u.).

Auch Leber- und Pankreaserkrankungen können zu Veränderungen im Blutprofil führen.

Bandwurmeier lassen sich durch einen Tesaabklatsch vom After nachweisen, sie sind beim Kaninchen aber eher selten.

Ultraschalldiagnostik ist u.a. dann angezeigt, wenn ein Kaninchen trotz optimaler Haltung und Ernährung wiederkehrende, anhaltende oder mit Fieber verbundene Verdauungsprobleme zeigt. Erstgenannte Kaninchen leiden häufig unter chronisch entzündeten Darmschlingen, die im Röntgen und meist auch im Blut nicht zu erkennen sind. Durch einen sorgfältig durchgeführten Ultraschall lassen sich entzündlich veränderte Darmschlingen aufspüren, die Darmwand ist dann deutlich verdickt. Bei letztgenannten Kaninchen kommen Entzündungen innerer Organe wie Hepatitis und Pankreatitis sowie akut lebensbedrohliche Ursachen wie Darmabszesse, Aszites (Bauchfellentzündung) oder Tumore diverser Organe in Betracht. Auch diese Ursachen sind im Ultraschall sehr gut erkennbar.

Neben Erkrankungen können jedoch auch Haltungsfehler ursächlich sein. So leiden Kaninchen, die regelmäßig auf engem Raum eingesperrt werden, deutlich häufiger an Verdauungsproblemen als ihre tiergerecht untergebrachten Artgenossen, da der nur wenig bemuskelte Magen-Darm-Trakt des Kaninchens nicht nur durch nachgeschobenes Futter, sondern auch durch Bewegung in Schwung gehalten wird. Zudem droht bei Bewegungsmangel, aber auch bei Hygienemangel (urindurchtränkter Untergrund) eine Unterkühlung, die ebenfalls zu Durchfall führen kann.

Durch Röntgendiagnostik des gesamten Bauches sowie des Schädels lassen sich Symptome wie eine Magenüberladung und Aufgasungen erkennen, aber auch Ursachen wie Zahnerkrankungen und einige Tumore.

Neben organischen, zahn- oder haltungsbedingten und infektiösen Ursachen kommen Fütterungsfehler in Frage. Dazu reicht oft bereits die einmalige Aufnahme von Futter aus, das z.B. schon welk gewesen ist. Chronisch kranke und dementsprechend immungeschwächte Kaninchen reagieren manchmal übermäßig sensibel auf rohfaserarme (z.B. Obst, Saaten, Gurke, ...) oder geringgradig mit Giftstoffanreicherungen versetzte (z.B. gespritzte oder nitratbelastete Grünfuttersorten) Futtermittel, die beim gesunden Tier keinerlei Symptome auslösen würden.

Therapie

 

Geeignete Diät-Kost

Die symptomatische Behandlung des Durchfalls erfolgt durch ein reichliches Angebot an frischem Grünfutter (d.h. Gräser, Blätter und Kräuter), gerne auch frischen Zweigen. Dies ist wichtig, um dem Kaninchen nicht nur strukturierte Rohfaser, sondern auch Flüssigkeit zuzuführen. Optimal wäre unbehandeltes Futter, z.B. Bio-Blattgemüse oder Kräuter von einer verwilderten Wiese.

Grünfuttersorten, die Sie wegen des hohen Proteingehaltes vorübergehend meiden sollten, sind Klee, Kohl und Jungpflanzen (im Frühjahr!).

Wie üblich sollte zusätzlich rund um die Uhr hochwertiges Grasheu zur Verfügung stehen, damit die Kaninchen jederzeit eine gut verträgliche Futter-Alternative haben, falls das genießbare Grünfutter einmal aufgefressen oder nicht mehr genießbar sein sollte. Kräuterheu hingegen ist - ebenso wie Trockenkräuter kontraindiziert, da der hohe Proteingehalt die Darmflora stört.

Vorübergehender Verzicht auf rohfaserarmes Futter

Auf rohfaserarme Futtermittel sollte bis zum Abklingen der Symptome komplett verzichtet werden, da sie für die bereits angeschlagene Darmflora eine zusätzliche Belastung darstellen würden. Hierzu gehören Wurzelgemüse und Obst sowie Erbsenflocken und ähnliche Leckereien, Saaten und Getreide. Fruchtzucker, Stärke, ein hoher Fett- und Proteingehalt beeinflussen die Darmflora generell negativ, können vom gesunden Kaninchen aber in kleinen Mengen problemlos verdaut werden. Bei einem bereits angeschlagenen Darm hingegen erschweren sie den Heilungsprozess.

Kompletter Verzicht auf schädliches Futter

Grundsätzlich ungeeignete Futtermittel können zu akuten, chronischen oder wiederkehrenden Durchfällen führen. Auch Kaninchen, die über einen so widerstandsfähigen Darm verfügen, dass sie diese Futtermittel scheinbar über viele Monate oder Jahre hinweg gut vertragen haben, entwickeln mit zunehmendem Alter meist Symptome. Diese können sich in Form von Aufgasungen, Magenüberladungen, Grünfutter-Unverträglichkeiten oder eben Durchfall äußern.

Zu den Futtermitteln, auf die ausnahmslos verzichtet werden sollte, gehören Fertigmischfutter, Pellets, Mehlprodukte, Joghurt- und anderweitige Milchprodukte sowie gekochte, aufgetaute, gewürzte oder gesalzene Nahrungsmittel.

Auch in kleinen Mengen, als gelegentliches Leckerli, als Appetitanreger oder zum Päppeln richten diese Futtermittel mehr Schaden als Nutzen an und lassen sich in jedem Fall durch unschädliche Futtermittel ersetzen.

Anders als oft empfohlen, müssen und sollten die o.g. Futtermittel nicht "langsam ausgeschlichen" werden, egal ob bei einem gesunden oder kranken Tier. Sie können sofort 1:1 durch ein gut verträgliches Trockenfutter ersetzt werden, z.B. eine Mischung aus getrockneten Stängeln, Blättern und Blüten und Gemüsechips. Bei einem gesundes Kaninchen darf die Mischung außerdem kleine Mengen Saaten, Haferflocken und glutenfreies Getreide im Spelz enthalten. Für den Darm ist dies keine abrupte Umstellung, da der Flüssigkeits- und Kaloriengehalt des Futters sich kaum verändert, sondern lediglich schädliche Komponenten durch gesündere ersetzt werden.

Das schonende Trockenfutter wird anschließend langsam ausgeschlichen und durch vermehrt durch Grünfutter ersetzt.

Bei einem Kaninchen mit Verdauungsbeschwerden muss vor der Gewöhnung an Grünfutter erst abgewartet werden, bis die Symptome komplett abgeklungen sind.

Keine Heu-Diät!

Keinesfalls sollten Sie ein Kaninchen, das an Grünfutter gewöhnt ist, auf eine Heu-Diät setzen! Damit würden Sie ihm nicht nur eine abrupte Futterumstellung zumuten, sondern ihm noch zusätzlich Flüssigkeit entziehen.

Abrupte Futterumstellungen sind auch beim gesunden Kaninchen in jedem Fall zu vermeiden. Sie sind umso schädlicher, wenn der Verdauungstrakt ohnehin bereits angeschlagen ist.

Besonders bei übergewichtigen Kaninchen sind Heu-Diäten lebensgefährlich, da sie mit einer Radikaldiät gleichzusetzen sind und der schnelle Gewichtsverlust zu einem Leberversagen führen kann.

Hinzu kommt, dass ein Durchfallpatient - egal ob Mensch oder Tier - große Mengen Flüssigkeit über den Darm verliert, was er über die Nahrung und reichliches Trinken wieder kompensieren muss. Da der Organismus des Kaninchens von Natur aus auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr mit der Nahrung ausgelegt sind, trinken die Tiere instinktiv wenig. Auch bei einer trockenen Fütterung stillen sie nur den gröbsten Durst über den Trinknapf, nehmen also nur einen Bruchteil der Flüssigkeit auf, die natürlich wäre. Eine trockene Fütterung reduziert die Wasseraufnahme demzufolge auch dann erheblich, wenn die Tiere jederzeit Zugang zu frischem Trinkwasser haben.

Prä- und Probiotikum

Sie helfen beim Wiederaufbau und Erhalt der natürlichen Darmflora, wodurch sie einen sehr wichtigen Bestandteil einer jeden Durchfall-Therapie darstellen. Während einer Antibiotika-Therapie sollte bereits prophylaktisch immer auch ein Prä- und Probiotikum verabreicht werden. Diese Medikamente haben keinerlei Nebenwirkungen, werden also besser einmal zu viel als einmal zu selten gegeben. Mehr zu diesem Thema finden Sie unter:

Antibiotikum

Wenn sich im Blut Hinweise auf eine Infektion ("Pseudolinksverschiebung" = prozentual mehr neutrophile Granulozyten als Lymphozyten) finden, das Labor im Kot pathogene Bakterien nachweist oder sich im Ultraschall entzündete Darmschlingen zeigen, ist eine Antibiotikatherapie angezeigt.

Sogenannte PLACE-Antibiotika (Penicillin, Lincomycin, Ampicillin, Amoxycillin, Cephalosporine, Clindamycin, Erythromycin) sind bei Darmproblemen absolut kontraproduktiv und oral verabreicht sogar lebensgefährlich.

Geegnet bei Durchfall durch Dysbakterie sind Antibiotika der Gruppe "Gyrasehemmer" wie Enrofloxacin und Marbofloxacin sowie Metronidazol, da sie vorrangig die gram-negativen Bakterien abtöten, nicht jedoch die physiologische, überwiegend gram-positive Darmflora.

Cortison

Cortison wird von Kaninchen allgemein extrem schlecht vertragen.

Bereits gering dosiert, kurzfristig oder nur lokal verabreicht kann es zu Schädigungen der Leber oder des Immunsystems führen. Es darf daher nur in absoluten Ausnahmefällen verabreicht werden, die dieses Risiko rechtfertigen - nämlich immer dann, wenn es keine andere Therapiemöglichkeiten gibt.

Neben Thymomen und Krebserkrankungen zählen zu den möglichen Indikationen chronisch entzündete Darmschlingen, die auf keine andere Therapiemaßnahme (Schonkost, Antibiose, Pro-/Präbiotika, Schleimhautschutzmedikamente, ...) ansprechen und dem Kaninchen permanente oder wiederkehrende Beschwerden verursachen.

Wichtig ist dann eine engmaschige Kontrolle der Blutleberwerte, um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend eingreifen zu können. Auch sollten parallel zu einer Cortisontherapie Medikamente zur Unterstützung des Immunsystems (pflanzlich, Paramunitätsinducern, ...) und zum Leberschutz (z.B. Mariendistelpräparate) verabreicht werden.

Entwurmung / Kokzidiostatika

Sie sind immer dann angezeigt, wenn Darmparasiten in einer Kotprobe nachgewiesen wurden.

Magen-Darm-Schutzmedikamente

Verschiedene Medikamente helfen, einen gereizten Magen-Darm-Trakt zu beruhigen und den Heilungsprozess zu beschleunigen. Gerade bei sehr starken oder wiederkehrenden Symptomen sind sie sehr empfehlenswert.

H2-Antihistaminika (meist Ranitidin hemmen die Salzsäure- und Pepsinproduktion im Magen, wodurch sie gegen Geschwüre und Entzündungen sowohl im Magen selbst als auch im sich anschließenden 12-Finger-Darm wirken. Danach wird der Wirkstoff im Körper resorbiert und über Leber und Niere verstoffwechselt. Diese Organe müssen daher gesund sein, damit ein H2- Antihistaminikum verabreicht werden darf.

Protonenpumpen-Inhibitoren (z.B. Omeprazol) hemmen ebenfalls die Sekretion der Magensäure, allerdings erst, nachdem sie abgeschluckt wurden, im Darm resorbiert wurden und anschließend über die Blutbahn die Belegzellen des Magens erreicht haben. Wie die H2-Antihistaminika werden sie gegen Geschwüre und Entzündungen im Magen eingesetzt.

Sucralfat schützt die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes, indem es sich an bereits vorhandenen Läsionen festnetzt und sie vom Inhalt des Verdauungstrakts (Nahrungsbrei, Enzyme, Salzsäure, ...) abschirmt. Da es vom Körper kaum resorbiert wird, wirkt es im gesamten Verdauungstrakt, kann also z.B. im Falle entzündeter Darmschlingen sehr hilfreich sein.

Infusionen

In besonders schweren Fällen sind Infusionen unerlässlich, um einer Exsikkose (=Austrockung) vorzubeugen bzw. sie zu behandeln. Anderenfalls drohen schwere organische Schädigungen oder sogar der Tod der Tiere. Bei Kaninchen, die an so schwerem Durchfall leiden, dass sie bereits deutlich dehydriert und kreislaufgeschwächt sind, wird der Tierarzt mitunter zu einer stationären Aufnahme raten, um sie intravenös mit Flüssigkeit zu versorgen (also an den Tropf zu hängen). Ist das Allgemeinbefinden des Kaninchens noch gut, reichen in der Regel subkutane Infusionen (d.h. Infusionen, die unter die Haut gespritzt werden) aus und sollten bevorzugt werden, da hierzu keine stationäre Aufnahme notwendig ist und das Kaninchen somit rasch in seine gewohnte Umgebung zurückkehren kann.

Behebung der Ursache

Neben der symptomatischen ist eine ursächliche Therapie notwendig - Infektionen und organische Beschwerden müssen mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden; bei Kieferabszessen, Tumoren etc. hilft i.d.R. nur eine OP. Zahnproblematiken, die eine mangelnde Nahrungszerkleinerung und eine dementsprechend gestörte Verdauung zur Folge haben, müssen durch das Abschleifen bzw. die Entfernung ursächlicher Zähne beseitigt werden; Kaninchen, die (z.B. aufgrund einer chronischen Erkrankung) überempfindlich auf blähende und/oder vorbelastete Futtermittel reagieren, müssen ausgesprochen hochwertig ernährt werden, d.h. z.B. mit unbehandeltem Blattgemüse, Küchenkräutern, hochgewachsenem Wiesengrün und Zweigen, damit die Verdauungsstörungen ausbleiben.

Wurde der Durchfall durch eine zu abrupte Umstellung von Trocken- auf Frischfutter ausgelöst, reichen Sie - neben reichlich Heu - zunächst nur die Menge Grünfutter, die zuvor problemlos vertragen wurde. Hat das Kaninchen zuvor gar kein Grünfutter bekommen, streichen Sie es zunächst wieder vom Speiseplan und beginnen Sie erst mit einer neuerlichen Umstellung, wenn die Darmsymptome abgeklungen sind. Alle notwendigen Informationen für eine erfolgsversprechende Futterumstellung finden Sie hier:

 

Prognose

Da Durchfall lediglich das Symptom einer Erkrankung darstellt, ist die Prognose abhängig von der Ursache, Zeitpunkt und Art der Therapie.

Prophylaxe

Wer seine Kaninchen tiergerecht unterbringt und ernährt sowie allgemeine Vorsorgemaßnahmen zur Gesunderhaltung trifft, wird nur selten mit Durchfall - gleich welcher Ursache - konfrontiert.