Fütterungsprobleme erkennen und beheben

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Fettleibigkeit (Adipositas)

Geborgenheit durch Gesellschaft

Die Adipositas ist mittlerweile auch bei unseren Haustieren zur Zivilisationskrankheit geworden: Ein Großteil unserer Vierbeiner ist übergewichtig.

Selbst bei Kaninchen, die ausgesprochen modern und artgerecht gehalten werden, weist ein erschreckend hoher Prozentsatz gering- bis hochgradiges Übergewicht auf.

Auffällig ist, dass dies einem Teil der Halter überhaupt nicht bewusst ist ("Aber man kann doch die Wirbelsäule noch gut spüren!"), während andere Besitzer das Problem zwar sehen, sich aber nicht darüber im Klaren sind, dass ihre vermeintlich artgerechte Fütterung viel zu energiehaltig ausfällt und somit die Ursache darstellt ("Möhren und Pastinaken machen dick?").

Übergewicht ist weder beim Menschen noch beim Tier ein harmloser "Schönheitsfehler", sondern potentieller Auslöser diverser Erkrankungen. Beim Kaninchen hat die Adipositas zusätzlich zu den üblichen Gesundheitsprobleme auch einige sehr spezielle, gravierende Folgen.

Wer davor die Augen verschließt und nur die aktuelle Situation betrachtet, anstatt sich über Langzeitschädigungen Gedanken zu machen, spielt mit der Gesundheit und dem Leben seines Tieres.

Je stärker das Übergewicht, desto geringer die Lebensqualität und Lebenserwartung.

Bei naturnaher Ernährung mit überwiegend Grünfutter, einem ausreichenden Platzangebot und Animation durch Artgenossen sowie Beschäftigungsinventar kommt es beim Kaninchen in der Regel nicht zur Fettleibigkeit.

Doch leider ist das regelmäßige Einsperren der Tiere in Käfige oder Ställe noch immer weit verbreitet - gerade über Nacht, wenn sie von Natur aus die meisten Aktivitätsphasen haben. Auch das tägliche Angebot von großen Mengen Wurzelgemüse, Obst oder noch schlimmer Brot, Getreide, Leckerlis, Knabberstangen, Mischfutter aus dem Zooladen usw. gehört in vielen Haushalten nach wie vor zur Tagesordnung.

Für den Laien kommt erschwerend hinzu, dass man einem Kaninchen das Übergewicht nicht zwangsläufig ansieht: Der Körperbau und das dichte Fell der Tiere kaschieren kleine "Speckröllchen" hervorragend.

Ohne Zweifel erkennen lässt sich das Fett hingegen in Rückenlage oder durch Ertasten - wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen.

Welche Ursachen kann Fettleibigkeit haben?

Die Adipositas entsteht durch Einlagerung überschüssigen Fettes in den Körperzellen. Dazu kommt es bei einer Energiezufuhr, die den Energiebedarf des Organismus übersteigt.

Der Energiebedarf hängt u.a. von Alter, Größe, Temperament, Umgebungstemperatur, Haltungsform, Nahrungsverwertung sowie dem Bewegungs- und Beschäftigungsangebot ab. So benötigen im Wachstum befindliche Jungtiere vergleichsweise viel Energie, aber auch alte oder kranke Kaninchen können auf eine erhöhte Energiezufuhr angewiesen sein, da sie ihre Nahrung oft nicht mehr so gut verwerten können; Kaninchen großer Rassen besitzen einen im Verhältnis höheren Energiebedarf als ihre kleineren Verwandten; lebhafte Kaninchen verbrauchen mehr Kalorien als ruhige; in Winteraußenhaltung wird mehr Energie verbrannt als bei warmen Umgebungstemperaturen; kastrierte Kaninchen verfügen über einen geringeren Grundumsatz als fortpflanzungsfähige; ein großzügiges Platz- und Beschäftigungsangebot animiert die Kaninchen zur Bewegung, wodurch sie Energie verbrennen.

Bewegungsmangel

Bewegungsmangel kann ausgelöst werden durch:

So "normal" vielen Menschen das klassische "Käfigkaninchen" erscheint, so perfekt verkörpert es die moderne Tierquälerei.

Eingesperrt auf engsten Raum, vegetieren die Tiere ohne jegliche Möglichkeit der körperlichen und geistigen Betätigung, können weder ihrem Bewegungsdrang nachkommen noch sich in irgendeiner Form naturgemäß beschäftigen.

Zur Gewichtszunahme kommt es, wenn ein Tier (oder Mensch) mehr Kalorien zu sich nimmt, als es verbraucht. Auch das Kaninchen verbrennt durch Bewegung überschüssige Kalorien.

In einem Käfig oder Stall ist Bewegung kaum möglich. Durch Herumsitzen oder -liegen werden nur wenig Kalorien verbrannt, nämlich diejenigen, die für den "Grundumsatz" (v.a. Stoffwechselvorgänge) notwendig sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kaninchen auf Dauer mehr Energie zu sich nimmt, als es verbraucht, ist hoch - insbesondere, da es auch zu vermehrtem Fressen aus Langeweile kommt.

Während Jungtiere sehr viel Energie ins Wachstum stecken und dadurch meist idealgewichtig sind, setzen ausgewachsene Kaninchen schnell "Speck" an. Insbesondere kastrierte Individuen verfügen über einen langsamen Stoffwechsel, der eine Gewichtszunahme begünstigt.

Auch der größte Käfig aus dem Zooladen ist zum Rennen zu klein, zum Springen zu niedrig und bietet keinen Platz für eine abwechslungsreiche Einrichtung. Nur die Gehege- oder die komplett gitterlose Haltung kann den Tieren gerecht werden!

Doch nicht nur Platzmangel kann die Bewegung des Kaninchens einschränken. Eine Fläche kann noch so groß sein, wenn sie wenig Abwechslung bietet. Zu wenig oder "reizlose" Einrichtungsgegenstände führen dazu, dass es den Tieren schnell langweilig wird. Auch dann sitzen sie die meiste Zeit herum, anstatt ihre Umgebung zu erkunden und sich zu bewegen.

Ebenso kann Einzelhaltung eine Ursache dafür sein, dass ein Kaninchen überwiegend antriebslos in der Ecke sitzt. Besitzer solcher Tiere sind oft völlig verblüfft, wenn sie nach der Vergesellschaftung mit einem Artgenossen feststellen, wie sehr ihr Tier aufblüht und sich wieder für seine Umgebung interessiert, die sich mit einem Kumpel an der Seite so viel besser erkunden lässt.

Es gibt natürlich durchaus auch sehr aktive Einzelkaninchen - was aber nicht bedeutet, dass sie in ihrer Einsamkeit glücklich sind.

Gelegentlich kommt es vor, dass ein Kaninchen durch einen besonders dominanten Artgenossen derart "eingeschüchtert" wird, dass es sich kaum vom Fleck bewegt. Ist dies trotz optimaler Gehegegestaltung der Fall, ist mitunter ein Splitting der Gruppe erforderlich:

Erkrankungen können dazu führen, dass ein Kaninchen sich nicht ausreichend bewegen kann oder möchte. Beispiele hierfür:

Im Vordergrund steht dann natürlich die Behandlung der Ursache. Ist dies nicht möglich, z.B. bei Arthrose, kann eine adäquate Schmerztherapie dem Kaninchen zu neuer Lebensfreude verhelfen.

Ernährungsfehler

Typische ungeeignete Futtermittel, die oftmals verfüttert werden, sind:

Das permanente Fressen kalorienhaltiger Kost, in vielen Fällen aus Langeweile, hat auf Dauer eine massive Gewichtszunahme zur Folge. Zwar fressen Kaninchen von Natur aus nahezu den ganzen Tag, jedoch handelt es sich bei ihrer Nahrung um sehr energiearme Kost - während die handelsüblichen Müslis und Leckerlis, Brot, Getreide und in größeren Mengen auch Wurzelgemüse massive Kalorienbomben sind, die das Kaninchen prinzipiell schnell sättigen. Bei Langeweile wird jedoch sehr häufig über den natürlichen Sättigungsgrad hinaus gefressen und die Tiere konsumieren ein Vielfaches der Kalorien, die sie mit dem Verzehr artgerechter Nahrung zu sich nehmen würden.

Halter, die sowohl artgerechte Nahrung als auch die genannten "Dickmacher" anbieten, sind oft der Ansicht, ihre Tiere könnten selbst entscheiden, wie viel sie wovon fressen sollten. Der Denkfehler besteht darin, dass ein Tier keine Instinkte für etwas besitzen kann, das es von Natur aus nicht kennt oder das in der Natur nur sehr begrenzt zur Verfügung steht.

Im genannten Fall bevorzugen die Kaninchen fast immer die ungesunde, kalorienhaltige Kost. Dies ist logisch zu erklären: In der Wildnis herrscht während der kalten Jahreszeit eher eine Nahrungsknappheit als ein Überfluss, d.h. Kaninchen, die möglichst energiereiche Kost verzehren, haben bessere Überlebenschancen als ihre Artgenossen, die lieber karge Nahrung fressen. Es steht jedoch selten so (viel) energiereiche Nahrung zur Verfügung, dass ein Wildkaninchen dadurch verfetten würde! Darüber hinaus verbrauchen Wildkaninchen durch Futtersuche, Fluchtmanöver und Fortpflanzung erheblich mehr Energie als unsere behüteten Haustiere.

Auch unsere Hauskaninchen bevorzugen Kalorienhaltiges und fressen instinktiv so viel wie möglich davon; denn in der Natur wäre dies von Vorteil. Als Tierbesitzer liegt es in unserer Verantwortung, dieses Verhalten zu berücksichtigen und unseren Tieren keine unnatürlich hohen Mengen an Energie anzubieten.

Übrigens: Auch an Kaninchen, die sich viel bewegen und ein gutes Gewicht haben, sollten o.g. Futtermittel nicht verfüttert werden bzw. die im letzten Punkt genannten nur häppchenweise.

Das Normalgewicht täuscht mitunter über organische Probleme hinweg, die sich im Laufe der Jahre schleichend entwickeln. Dies gilt insbesondere für die meist tödlich verlaufende Leberlipidose (=Fettleber).

Hintergrund: Gut beschäftige Kaninchen mit viel Bewegung fressen tendenziell nicht aus Langeweile, sondern richten sich nach ihrem Sättigungsgrad. Energiehaltiges Futter hat allerdings einen sehr hohen Sättigungsgrad zur Folge, was dazu führt, dass die Kaninchen nach einer Mahlzeit unnatürlich lange Fresspausen einlegen. Diese werden vom Organismus als Hungerphase fehlinterpretiert; es werden permanent Fettreserven eingeschmolzen und über die Leber verstoffwechselt. Diese Dauerbelastung des Organs führt schlimmstenfalls zum plötzlichen, scheinbar unerklärlichen Tod durch Leberversagen.

Stoffwechselstörung?

Durch Stoffwechselstörungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöste Fettleibigkeit tritt beim Kaninchen extrem selten auf.

Veranlagung

Gelegentlich gibt es Kaninchen, die trotz reichlich Bewegung und durchweg energiearmer Nahrung übergewichtig sind. Sie fressen Wiese, Blattgemüse, Küchenkräuter, Zweige usw. dann in solchen Mengen, dass sie an Gewicht zulegen, obwohl diese Nahrungsmittel nur wenig Kalorien enthalten und das ideale Grundfutter für eine gesunde Ernährung darstellen.

Die Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun, sind dann relativ eingeschränkt (s.u.)

Risiken der Adipositas

Das Kaninchen besitzt einen im Vergleich zur Gesamtkörpermasse sehr kleinen Brustkorb und wenig Herzmasse. Durch Übergewicht wird dieser Kontrast zusätzlich verstärkt, d.h. die Tiere sind deutlich anfälliger für Herz- und Kreislaufversagen - z.B. bei Angst, Stress, großer Hitze, körperlicher Anstrengung oder Krankheit.

Die Gefahr eines plötzlichen Herz-Kreislauf-Versagens wird auch dadurch verstärkt, dass die Massen an Fettgewebe die Ausdehnungsmöglichkeiten der Lungen einschränken.

Fettleibige Lebewesen verfügen über ein ungleich höheres Narkoserisiko, da a) die verabreichten Medikamente sich bevorzugt im Fettgewebe anlagern und b) ihr Kreislauf aus o.g. Gründen weniger belastbar ist.

Verdauungsprobleme treten gehäuft auf, da das im Bauchraum eingelagertes Fettgewebe den Verdauungstrakt massiv nach unten und vorne verdrängt und ihn somit in seiner Funktionsfähigkeit einschränkt. Sowohl Durchfall als auch Verstopfung können die Folge sein. Viele Besitzer sind regelrecht schockiert, wenn ihr Kaninchen eines Tages aus irgendeinem Grund geröngt wird und der Tierarzt ihnen anhand des Röntgenbildes verdeutlicht, auf welch kleinen Raum etwa der Blinddarm durch die riesigen Fettmassen zusammengedrängt wird.

Eine weitere "kaninchentypische" Folge einer Fettleibigkeit ist Pododermatitis (= wunde Fußsohlen); einerseits durch das hohe Gewicht, das auf den Füßen lastet, andererseits dadurch, dass übergewichtige Tiere meist Bewegungsunlust zeigen. Da beim Hoppeln die Zehen, beim Sitzen jedoch die empfindlichen Fußsohlen in Kontakt mit dem Boden sind, führt Bewegungsmangel entsprechend zum "Sitzschwielen".

Blasengrieß wird in erheblichem Ausmaß durch Übergewicht gefördert, da die Bauchfettmassen die Blase in Richtung Bauchdecke drängen. Sammeln sich nun die Kalziumkristalle gemäß der Schwerkraft am "Boden" der Blase, kann das Kaninchen sie oft nicht mehr über den Urin ausscheiden, da sie sich nun weit unterhalb des Harnleiters befinden. Auch die erwähnte Bewegungsunlust vieler adipöser Tiere führt dazu, dass die Kristalle nicht mehr durch regelmäßiges Hoppeln und Springen "aufgewirbelt" werden und somit beim Urinabsatz am Blasengrund zurückbleiben.

Übergewichtige Kaninchen haben Probleme bei der Aufnahme des Blinddarmkotes, da sie ihren After mit seiner Schnauze nicht mehr erreichen können. Dies kann auf Dauer zu Mangelerscheinungen (Vitamin K, Proteine, Vitamin-B-Komplex) führen, viel relevanter ist jedoch die Gefahr einer ständig verklebten Analregion, die wiederum Hautentzündungen und schlimmstenfalls einen lebensbedrohlichen Fliegenmadenbefall zur Folge hat, zudem werden Blasenentzündungen gefördert.

Kaninchen, die sich infolge ihres Leibesfülle nicht mehr vernünftig putzen können, sind zudem anfällig für Fell- und Hauterkrankungen.

Die Fettleber bildet sich einerseits bei Kaninchen, die allgemein fettleibig sind, andererseits aber auch bei Kaninchen jeder Gewichtsklasse, wenn sie unnatürlich lange Fresspausen einlegen (meistens durch zu kalorienhaltige Nahrung) - da der Körper dies als Notlage fehlinterpretiert, Fettreserven einschmilzt und die Leber auf Dauer damit "überflutet".

Eine Radikaldiät (z.B. "nur Heu") oder krankheitsbedingte Appetitlosigkeit ist für fettleibige Kaninchen lebensgefährlich, da der Körper dabei binnen kürzester Zeit solche Massen an Fettreserven einschmilzt, dass die Leber darunter regelrecht kollabiert. Die Folge ist ein akutes Leberversagen, das zum Tod des Tieres führt.

Auch die übrigen Folgen einer Adipositas sind bereits aus der Humanmedizin bekannt:

Herzerkrankungen, Hypertonie (=Bluthochdruck) und Arthrosen (=degenerative Gelenkserkrankungen) werden erheblich begünstigt.

Generell kann festgehalten werden, dass adipöse Kaninchen eine im Vergleich zu normalgewichtigen Tieren deutlich reduzierte Lebenserwartung und - infolge der diversen Langzeitbeschwerden - auch verminderte Lebensqualität besitzen.

Symptomatik und Diagnostik

Fetteinlagerungen sind mithilfe einfacher Untersuchungen auch vom Besitzer problemlos feststellbar und ein sicheres Anzeichen von Übergewicht. Veränderungen im Verhalten oder eine verminderte Ausdauer hingegen müssen einerseits nicht gezwungenermaßen auftreten; andererseits stellen sie derart unspezifische Krankheitssymptome dar, dass sie auch bei übergewichtigen Tieren nie blindlings auf die Adipositas zurückgeführt werden sollten. Anderenfalls bleibt die tatsächliche Ursache (z.B. Schmerzen, eine Herz- oder Atemwegserkrankung) möglicherweise unerkannt.

Der "Streichel-Test"

Einmal wöchentlich sollte jeder Besitzer seine Kaninchen eingehend auf Krankheitssymptome untersuchen. Dazu gehört nicht nur bloßes Betrachten, sondern auch das Abtasten des gesamten Körpers. Auf diese Weise können nicht nur Wunden, Fellverkrustungen und Umfangsvermehrungen, sondern auch Fetteinlagerungen "aufgespürt" werden:

Beim normalgewichtigen Kaninchen sind Wirbelsäule, Schulterblätter und Rippen bereits beim sanften Streicheln über den Körper gut fühlbar.

Wenn sie sich hingegen nur noch erahnen lassen, für letzteres bereits größerer Druck notwendig oder es sogar unmöglich ist, die Knochen zu erspüren, ist meist schon eine höchstgradige Fettleibigkeit vorhanden. Im anderen Extremfall - der Kachexie (=Abmagerung) - stehen Schulterblätter, Wirbelsäule und Hüfthöcker hingegen deutlich spitz hervor, manchmal sind ihre Konturen bereits durch die Betrachtung des Tieres auszumachen.

Palpation (=Abtasten) des Bauches

Greifen Sie vorsichtig unter den Bauch des sitzenden Kaninchens: Im Falle einer Adipositas halten Sie dabei vermutlich sofort eine dicke, "schwabbelige", massive "Speckschwarte" in der Hand. Durch diesen Test lassen sich Fetteinlagerungen problemlos von einem optisch "schwabbeligen Bauch", der in Wahrheit aus lockerer Haut resultiert, unterscheiden: Gerade bei Kaninchen, die eine Gewichtsreduktion hinter sich haben, befinden sich im Bauchbereich manchmal noch recht ausgeprägte Hautfalten. Diese stellen keinen Grund zur Sorge dar und verschwinden im Laufe der Zeit.

Betrachtung im "Babysitz"

Lehnen Sie das Kaninchen mit seinem Rücken gegen Ihren Brustkorb, sodass es wie ein Baby auf Ihrem Schoß sitzt: Wächst der Leibesumfang zur Körpermitte hin deutlich in die Breite, handelt es sich dabei um übermäßige Fetteinlagerungen. Beim normalgewichtigen Tier verläuft der Körper in dieser Position relativ "gradlinig", übergewichtige Tiere wirken "kugelig".

Einseitige oder deutlich abgegrenzte Verdickungen entstehen z.B. durch Abszesse oder Tumore, bedürfen also einer dringenden tierärztlichen Abklärung.

Ein plötzlich insgesamt praller Bauch ist meist Ursache einer Tympanie (=Aufgasung) oder Magenüberladung; allerdings besteht hier kaum Verwechslungsgefahr, da derartige Verdauungsstörungen sehr plötzlich auftreten und mit weiteren Symptomen wie Apathie (= Teilnahmslosigkeit), Anorexie (= Appetitlosigkeit), Schmerzen und z.T. Atembeschwerden einhergehen.

Fetteinlagerungen sind grundsätzlich weich und gut verschieblich. Gestresste Kaninchen spannen allerdings mitunter ihren gesamten Körper so stark an, dass er auf den Laien erschreckend "prall" wirken kann. Wer sein Tier regelmäßig "untersucht", wird Abweichungen vom Normalzustand erkennen.

Grundsätzlich gilt: Bei einem während der Untersuchung offensichtlich aufgeregten Tier, das sich aber insgesamt völlig normal verhält, frisst und gewöhnlichen Kot absetzt, ist ein angespannter Bauch selten Grund zur Sorge.

Achtung: Nimmt der Bauchumfang über Tage oder Wochen hinweg zu, während der Rücken immer "knochiger" wirkt, ist die Ursache meist eine Umfangsvermehrung im Bauchraum!

Ein vergrößertes oder tumorös entartetes Organ vergrößert den Körper rein durch sein Wachstum, behindert damit aber gleichzeitig den Verdauungstrakt, sodass das Kaninchen seine Nahrung immer schlechter verwerten kann und in Wahrheit abmagert!

Therapie und Prophylaxe

Vorsorge und Behandlung von Übergewicht entsprechen sich im Großen und Ganzen: Tiergerechte Haltungsbedingungen, gesunde Fütterung sowie allgemeine Gesunderhaltung sind für Anstreben und Erhalt des Idealgewichts gleichermaßen wichtig.

Allerdings gilt natürlich: Vorbeugen ist besser als Heilen. Eine Gewichtsreduktion ist immer schwieriger, als es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

Kontrolle durch Wiegen

Idealerweise werden Kaninchen einmal wöchentlich gewogen. Notieren Sie sich unbedingt das Gewicht, um Veränderungen auch rückwirkend über einen längeren Zeitraum beurteilen zu können. Wie auch beim Menschen sind gewisse Schwankungen normal, u.a. abhängig davon, ob und wie viel kurz zuvor gefressen und an Kot und Urin abgesetzt wurde.

Besonders bei Tierarten wie Kaninchen, deren Darmkonvolut einen riesigen Anteil der Körpermasse ausmacht, kann eine üppige, voluminöse Mahlzeit ein deutliches Plus auf der Waage verzeichnen und ein Tag lang etwas weniger Appetit zu einem sichtbaren Abfall führen. Dies ist kein Grund zur Sorge, solange das Gewicht langfristig, d.h. innerhalb von 3-4 Wochen, konstant bleibt. Während eines solchen Zeitraums können Schwankungen von 5% des Körpergewichts durchaus normal sein. Ein 2-kg-Kaninchen darf also durchaus mal 100g mehr oder weniger wiegen, solange sich dies in den darauffolgenden Wochen wieder ausgleicht.

Während einer Reduktionsdiät sollte ein Tier durchschnittlich nicht mehr als 3% seiner Körpermasse pro Woche abnehmen, d.h. rund 12% pro Monat. Ein 3 kg schweres Kaninchen sollte also wöchentlich maximal 90g und über den Monat verteilt nicht mehr als 360g abnehmen. Bei einem zu schnellen Gewichtsverlust können Sie mit kleinen Mengen Wurzelgemüse gegensteuern.

Haltung

Bewegungs- und Animationsmangel gehen mit einem geringen Energieverbrauch und Fressen aus Langeweile einher. Beides hat eine im Verhältnis zu hohe Energieaufnahme zur Folge. Diese gilt es zu vermeiden, um ein Idealgewicht zu erreichen und zu halten. Die entscheidende Frage ist daher: Haben die Kaninchen die Möglichkeit, all ihren Grundbedürfnissen jederzeit nachzukommen?

Platzbedarf: Kaninchen müssen ihre auf den ganzen Tag und insbesondere die Nacht verteilten Aktivitätsphasen jederzeit ausleben können - in Form von Rennen, Toben, Springen und Hakenschlagen.

Für ein Duo Zwerge, kleiner oder mittelgroßer Kaninchen sind 6 qm Grundfläche in aller Regel das Minimum, um ihnen das Ausleben dieser Verhaltensweisen zu ermöglichen. Die Fläche auf mehrere Stockwerke aufzuteilen, würde vielleicht dem Bedürfnis gerecht werden, dem Artgenossen bei Bedarf auszuweichen, nicht jedoch dem Bedürfnis, sich "auszutoben". Grundsätzlich gilt: Je größer die Grundfläche, desto größer der Reiz für die "Bewohner", sich intensiv zu bewegen.

Mindesthöhe: Der Lebensraum für kleinrassige Kaninchen sollte eine Mindesthöhe von 80, besser 100 cm aufweisen. Niedrigere Gehege sind für die kletter- und springfreudigen Kaninchen nicht geeignet.

Kaninchen benötigen erhöhte Ebenen, auf denen sie ruhen, bequem aufrecht sitzen und auch Männchenmächen und Ausschau halten können. Zu niedrige Gehege schränken sie in ihren Verhaltensweisen erheblich ein.

Beschäftigung: Kaninchen zu beschäftigen, ist im Grunde nicht schwer - die meisten nehmen jede Art von Tunnel, Höhle oder Aussichtsplattform mit Begeisterung an. Alles, was neu ist, wird eingehend inspiziert und erkundet, beschnuppert, benagt, umkreist und zum Verstecken, Ausschauhalten oder Durchschlüpfen genutzt.

Ein Kaninchengehege oder -zimmer kann daher mit relativ wenig Aufwand zu einem Abenteuerspielplatz aufgepeppt werden. Besonders einfach und kostengünstig ist dies mit Pappkartons oder Pflanzsteinen; aber auch handelsübliche Holzhäuschen, dicke Gehölze aus dem Wald, große Papiertüten, Kanalrohre, für den menschlichen Gebrauch gedachte Hocker, Stühle, Fensterbanken usw. lassen sich wunderbar integrieren.

Selbst leere Toilettenrollen, kleine Holzgegenstände oder Tennisbälle werden zum Werfen oder Wegschubsen genutzt. Obstkisten, Kartons oder Tüten können mit Erde, Sand oder Papierfetzen gefüllt werden, in denen die Kaninchen nach Herzenslust scharren können. Noch lieber zerlegen die Tiere Papier und Pappe selbstständig. Ein altes Telefonbuch wird ebenso gern zum Zerfleddern angenommen wie der zuvor als Höhle genutzte Karton.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Haben Sie das Gefühl, dass der Abenteuerspielplatz zunehmend an Reiz verliert, bauen Sie einfach ein paar neue Utensilien ein oder stellen Sie die Einrichtung komplett um - schon sind Ihre Schützlinge für die nächsten Tage oder Wochen wieder beschäftigt.

Ganz besonders spannend für die meisten Kaninchen sind ihre menschlichen Mitbewohner. Selbst schüchterne Tiere wagen sich früher oder später hervor, wenn es sich jemand in ihrem Gehege bequem gemacht hat und ihnen überhaupt keine Beachtung schenkt. Solange sie sich unbeobachtet fühlen, wagen sie sich allmählich vorwärts, "umkreisen" den Besitzer interessiert und "erforschen" ihn von allen Seiten.

Möchten Sie das Vertrauen eines ängstlichen Kaninchens gewinnen, sollten Sie sich möglichst oft ganz selbstverständlich zu ihm setzen und sich mit etwas völlig anderem, z.B. Lesen, beschäftigen; dadurch begreifen die Tiere allmählich, dass Ihre Anwesenheit etwas ganz Normales und Ungefährliches ist.

Zutrauliche Kaninchen spielen hingegen am liebsten mit ihrem Besitzer: Mit einer besonders leckeren Grünfuttersorte lassen sie sich zum Männchenmachen animieren, über "Hürden", auf erhöhte Ebenen oder sogar den Schoß locken. Auf diese Weise lässt sich jede Mahlzeit gleich mit etwas Spiel und "Sport" verbinden.

Achtung: Während einer Reduktionsdiät sind fetthaltige Leckerlis tabu! Es bringt wenig, ein Kaninchen zur Bewegung zu animieren und es anschließend mit Energiebomben wie Erbsenflocken oder Saaten zu belohnen.

Futtererarbeitung: Die beste Animation zur Bewegung ist und bleibt Futter - bei Kaninchen, die abspecken sollen, natürlich kalorienarm. Diese Grundregel lässt sich auch in Ihrer Abwesenheit umsetzen: Bieten Sie Grünfutter und Heu ab sofort ausschließlich erhöht an, sodass sich die Kaninchen zumindest aufrichten und/oder strecken müssen, um zu fressen. Die beliebtesten Sorten könnten das Aufsuchen zweiter Ebenen (z.B. ein Sitzbrett, einen Baumstumpf, Pflanz- oder Backstein) erfordern.

Geeignet zur erhöhten Anbringung sind handelsübliche Heuraufen, Futterspieße und -ketten oder Wäscheleinen, an die insbesondere großblättrige Sorten gut geklammert werden können.

Einige Kaninchen spielen sehr gerne mit so sogenannten "Futterbällen" aus dem Zooladen. Diese Spielzeuge besitzen eine in der Größe variable Öffnung, durch die das Futter nach und nach herausfällt, wenn die Kaninchen sie umherrollen. Während einer Diät sind sie nur bedingt geeignet, da sie nur mit sehr kleinen Häppchen gefüllt werden können - und dabei handelt es sich i.d.R. um Dickmacher wie Sämereien, Getreide- / Erbsenflocken und Trockenobst /-gemüse; diese sollten während einer Gewichtsabnahme überhaupt nicht verfüttert werden.

Für Kaninchen, die ihr Gewicht lediglich halten sollen, sind die Bälle grundsätzlich eine tolle Beschäftigungsidee - sofern sie nur gelegentlich mit kleinen Mengen gefüllt werden.

Jede Form von Bewegung verbrennt nicht nur Kalorien, sondern kräftigt auch das Immunsystem, Skelett, Herz und Muskeln - was wiederum einen höheren Grundumsatz zur Folge hat, denn trainierte Muskeln verbrennen auch im Ruhezustand mehr Energie als untrainierte.

Gruppenhaltung: Je mehr Kaninchen Sie besitzen, desto mehr "Leben" ist in der Gruppe. Um das angeborene intensive Bedürfnis nach Sozialkontakt zu befriedigen, ist Paarhaltung jedoch das absolute Wohlfühl-Minimum. Bereits ein Duo ist um ein Vielfaches aktiver als ein einsames Einzeltier.

Die meisten Besitzer, die ihr allein lebendes Kaninchen für zufrieden gehalten haben, sind nach einer geglückten Vergesellschaftung völlig überrascht, wie sehr das Tier aufblüht und es genießt, sein Sozialverhalten ausleben zu können.

Das vermeintlich eher "gemütliche" Tier ist plötzlich viel aktiver und unternehmungsfreudiger, zeigt ein deutlich ausgeprägteres Repertoire an natürlichen Verhaltensweisen und genießt die arteigene Gesellschaft in vollen Zügen, kommuniziert, schmust und bewegt sich gemeinsam mit seinem neuen Artgenossen.

Auch für den Besitzer ist es noch viel schöner, wenn er gleich von zwei Kaninchen freudig begrüßt wird. Zuvor schüchterne Kaninchen werden an der Seite eines selbstbewussten Artgenossen schnell mutiger und fassen leichter Vertrauen zum Menschen.

Noch gravierender ist der Unterschied bei Kaninchen, die bereits "depressionsartige" Symptome aufweisen: Nicht selten verspüren Einzeltiere keinerlei Bedürfnis nach Bewegung oder Beschäftigung mehr, sondern sitzen die meiste Zeit untätig herum und dösen vor sich hin, zeigen vermindertes Interesse an äußerlichen Reizen und lassen insgesamt keinerlei Lebensfreude mehr erkennen.

Ernährung

Bei fettleibigen Kaninchen gelten ähnliche Fütterungsregeln wie für normalgewichtige:

Bitte beachten Sie, dass die Umstellung auf Grünfutter immer nur schrittweise - d.h. über Tage bis Wochen hinweg - erfolgen darf! Anderenfalls kann es u.a. zu lebensgefährlichen Tympanien (=Aufgasungen) kommen, da die Darmflora keine Zeit hat, sich anzupassen.

Wenn irgend möglich, sollte die Hauptnahrung aus frischem Wiesengrün und Zweigen bestehen. Dadurch ist - im Gegensatz zur hauptsächlichen Heu- oder Gemüsefütterung - eine optimale Vitamin- und Mineralstoffversorgung sowie natürlich geringe Nährdichte gewährleistet.

Auch um einen Rohfaser- oder Energiemangel brauchen Sie sich nicht zu sorgen: Die Rohfaserkonzentration ist im Heu lediglich infolge des Flüssigkeitsentzuges höher als im Grünfutter, was aber gleichzeitig bedeutet, dass das Kaninchen viel mehr Grünfutter als Heu fressen muss, um satt zu werden. Dadurch nimmt es in jedem Fall ausreichend Rohfaser zu sich.

Die Flüssigkeitsaufnahme ist hingegen etwa siebenmal höher, was den Harn- und den Verdauungstrakt gesund hält. Auch erfolgt der Zahnabrieb aufgrund der nur im frischen Grün enthaltenen Kieselsäure (Schmirgelpapier-Effekt) intensiver als beim Konsum von Heu.

Blattgemüse und Küchenkräuter stellen den besten, wenn auch suboptimalen Ersatz für frisches Wiesengrün dar:

Ihr Gehalt an Flüssigkeit und Kieselsäure ist geringer, und die enthaltenen Nährstoffe sind mitunter nicht mehr ausreichend, um den Bedarf des Kaninchens zu decken. Ein zusätzliches, reichliches Angebot an frischen Zweigen sind hier besonders wichtig.

Trockenkräuter und Kräuterheu sind extrem proteinhaltig, was nicht nur ein Liegenlassen des Blinddarmkotes, sondern auch einen Energieüberschuss zur Folge haben kann. Während einer Gewichtsreduktion (und bei Harngrießpatienten) sollten Sie komplett darauf verzichten und stattdessen Grasheu anbieten.

Bei übergewichtigen Kaninchen sollte weiterhin auf die Gabe von Saaten, Getreideflocken usw. gänzlich verzichtet werden.

Bedenken Sie, dass Wurzelgemüse um ein Vielfaches energiehaltiger ist als blättriges Gemüse und Kräuter. Auf Karotten, Rüben, Kürbisse, Sellerie-, Kohlrabi- und Fenchelknollen usw. sollte während der Gewichtsreduktion daher gänzlich verzichtet werden. Gut geeignet sind hingegen Blattgemüse und Küchenkräuter. Beispiele hierfür sind Kopf-, Eisberg-, Endivien-, Rucola- und Feldsalat, Kohlrabi- und Blumenkohlblätter, Karottenkraut, Petersilie, Basilikum und Dill.

Auch Kaninchen in Winteraußenhaltung benötigen keine großen Mengen an Wurzelgemüse!

Mit Zweigen, Küchenkräutern und Blattgemüse werden Sie den Tieren auch den größten Teil des Winters über wunderbar gerecht. In extremen Kältephasen kann es ratsam sein, kleine Mengen Wurzelgemüse zuzufüttern. Ob die Kaninchen wirklich mehr Energie benötigen, sagt Ihnen ein einfacher Haushaltsgegenstand: Die Waage. Generell sollten Kaninchen beim wöchentlichen Gesundheitscheck gewogen werden. Nimmt ein Kaninchen bei hohen Minusgraden ab, darf ein wenig Wurzelgemüse zugefüttert werden. Ansonsten ist dies nicht notwendig!

Obst mag dem Menschen kalorienarm erscheinen, aus Kaninchensicht betrachtet enthält es aber zu viele leicht verdauliche Kohlenhydrahte (Fruktose; Bananen v.a. Stärke), die vom Organismus letztlich in Form von Fett gespeichert werden. Als Besitzer eines adipösen Tieres sollten Sie besser ganz darauf verzichten - ganz besonders auf Trockenobst!

Gelegentlich weisen auch Kaninchen, die sowohl artgerecht gehalten werden als auch kalorienarm gefüttert werden, ein leichtes Übergewicht auf. Die Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun, sind dann eingeschränkt. Solange Sie vorrangig Wiesengrün füttern, können Sie vermehrt Gräser und weniger Kräuter füttern. Mit Kräutern nimmt das Kaninchen aufgrund der enthaltenen Proteine mehr Kalorien auf als mit Gräsern. Bis zu 2/3 der Ration darf aus Gräsern bestehen. Noch weiter sollten Sie den Kräuter-Anteil nicht reduzieren, um keine Mangelernährung zu provozieren.

Wenn Sie Blattgemüse und Küchenkräuter füttern, können Sie im Internet Tabellen heraussuchen, die den Kaloriengehalt der einzelnen Nahrungsmittel angeben. Blätter und Kräuter müssen nicht zwingend ad libitum angeboten werden, solange den Kaninchen ersatzweise frische Zweige (von Laub- und Nadelbäumen) ad libitum zur Verfügung stehen, denn diese sind reich an Nährstoffen, Rohfaser und Flüssigkeit bei zugleich geringem Energiegehalt.

Gesunde Kaninchen, die trotz aller genannten Maßnahmen leicht übergewichtig bleiben, sollten nicht krampfhaft auf "Diät" gesetzt werden, da Sie damit mehr Schaden als Nutzen anrichten würden: Weder darf ein Kaninchen auf Futterentzug gesetzt noch zu einseitig gefüttert werden. Besser solle langfristig versucht werden, die Haltung immer mehr dahingehend zu verbessern, dass die Tiere sich mehr bewegen.

Heu dient dem Kaninchen als ständig verfügbare "Notnahrung", falls das genießbare Grün im Laufe des Tages ausgehen sollte: Da bereits geerntetes Grünfutter schnell verdirbt und die Tiere weder fasten noch in Versuchung geraten dürfen, Ungenießbares aufzunehmen, ist eine derartige Alternative sehr wichtig.

Neben Heu erfüllen auch Zweige diesen Zweck, da sie sich erstens lange halten und zweitens ihre Blätter zwar schnell vertrocknen, aber auch dann noch eine geeignete Nahrung darstellen. Werden also grundsätzlich ad libitum Zweige angeboten, ist Heu nicht zwingend notwendig.

Bei der Heu-Auswahl für übergewichtige Kaninchen ist es wichtig, dass das Heu vorrangig aus Gräsern besteht.

Kräuterheu wird zwar äußerst gerne gefressen, ist aber sehr reich an Proteinen und somit an Kalorien. Darüber hinaus enthält es riesige Mengen an Kalzium - was bereits für normalgewichtige Kaninchen zum Problem werden kann, für übergewichtige Tiere, die ohnehin schon zu Blasengrieß neigen, jedoch ein noch höheres Risiko darstellt.

Fertigmischfutter, Pellets, Brot, glutenhaltiges Getreide und sonstiges Energiefutter können selbst einen gesunden Organismus auf Dauer schwer schädigen; ganz besonders während einer "Diät" müssen sie kompromisslos vom Speiseplan gestrichen werden.

An dieser Stelle soll noch einmal betont werden, dass die Umstellung von Trocken- auf Grünfutter schrittweise erfolgen muss.

"Innerhalb" vom Trockenfutter oder "innerhalb" vom Grünfutter hingegen sind auch spontane Wechsel grundsätzlich kein Problem, da der Flüssigkeitsanteil sich kaum verändert und die Darmflora sich dadurch nicht signifikant umstellen muss. Es ist also z.B. unproblematisch, Kaninchen, die an Wiesenaufwuchs ad libitum gewöhnte sind, einen Tag lang stattdessen Salate zu füttern und am nächsten Tag wieder Wiese - oder andersherum. Eine Ausnahme stellt die Umstellung im Frühjahr auf Wiese dar: Junge Pflanzen sind noch sehr reich an Proteinen, was sie von den meisten Winter-Futtermitteln unterscheidet. Hier darf nicht radikal, sondern muss immer über mehrere Tage hinweg umgestellt werden, da der plötzliche Proteinüberschuss die Darmflora überlasten würde.

Ebenso ist es möglich, handelsübliches Mischfutter mit absolut ungeeigneten Bestandteilen (Weizen, Körnern, Honig, Zucker, Pellets, ...) spontan durch ein schonenderes, sogenanntes strukturiertes Trockenfutter zu ersetzen. Ein solches können Sie kaufen oder selber zusammenmischen. Übliche Bestandteile sind naturbelassene getrocknete Blätter, Blüten und Kräuter sowie kleine Mengen Gemüsechips, Getreideflocken, -spelze und Saaten. Dieses Futter sollte mehrere Tage lang in gleichen Mengen wie das vorherige Trockenfutter gereicht werden, damit der Darm sich (bei zunächst gleichbleibender Energiezufuhr) ausreichend regenerieren kann, ehe er mit Grünfutter "konfrontiert" wird.

Indem Sie also spontan auf ein strukturiertes Trockenfutter umstellen, entlasten Sie nicht nur unmittelbar den Verdauungstrakt; die einsetzenden Regenerationsprozesse erleichtern auch die anschließende Umstellung aufs Grünfutter.

Haben die Kaninchen einige Tage lang das strukturierte Trockenfutter erhalten, sollte es - parallel zu steigender Grünfuttergabe - über 2-3 Wochen wieder ausgeschlichen werden, da auch ein strukturiertes Trockenfutter auf Dauer schadet.

Das langsame "Ausschleichen" des (Struktur-)Trockenfutters dient der allmählichen Reduktion der Kalorienzufuhr. Dies ist unbedingt notwendig, um einem zu schnellen Gewichtsverlust (Radikaldiät) und damit verbundenen Leberversagen vorzubeugen!

Keine Heu-Diät!

Weder ab und zu noch über einen längeren Zeitraum hinweg sollte ein Kaninchen auf "Heu-Diät" gesetzt werden! Hierbei handelt es sich um eine abrupte Futterumstellung, die den Darmtrakt erheblich belastet.

Einer der Gründe, weshalb Heu-Diäten tatsächlich zum Gewichtsverlust führen, ist, dass es sich dabei um eine Mangelernährung handelt. Das Kaninchen verliert u.a. deshalb an Gewicht, da es einen Mangel an Proteinen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen entwickelt. Dies gilt besonders für sehr hartes, stark verholztes Heu. Demzufolge ist eine solche Fütterung nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern grenzt auch an Tierquälerei.

Darüber hinaus führen Heu-Diäten bei fettleibigen Kaninchen zu einem so massiven Gewichtsverlust binnen kürzester Zeit (Radikaldiät), dass die Gefahr eines Leberversagens besteht (s.o.)