Richtig füttern

Notwendige Nahrungsergänzungen

Kaninchen, die täglich mit artenreichem Wiesengrün, begrünten Zweigen verschiedener Bäume oder bestenfalls beidem gefüttert werden, benötigen keinerlei Nahrungsergänzungen.

In Gräsern, Kräutern und Blättern steckt grundsätzlich alles, was unser Kaninchen zum Leben braucht. Getrocknetes Futter ist dann weder notwendig noch empfehlenswert. Einzig Heu sollte als gut haltbare "Notnahrung" stets zur freien Verfügung stehen, falls das genießbare Grünfutter einmal ausgehen sollte. Von der guten Haltbarkeit abgesehen, hat es allerdings keinerlei Vorzüge gegenüber frischem Grünfutter.

Wann sind Nahrungsergänzungen notwendig?

Bestimmte Nahrungsergänzungen benötigen Kaninchen, wenn / solange sie...

Welche Futtermittel eignen sich als Nahrungsergänzung?

Struktur-Trockenfutter

Als "Alleinfuttermittel" deklarierte Futtermittel müssen alle Nährstoffe, die das jeweilige Tier benötigt, in angemessener Menge enthalten. Sie beugen also einem Nährstoffmangel vor. Dies ist einerseits wichtig für Kaninchen, die ausschließlich in Wohnungshaltung leben und daher Vitamin D über die Nahrung aufnehmen müssen, als auch für Kaninchen, die (vorübergehend oder grundsätzlich) weder kräuterreiches Wiesengrün noch die Zweige verschiedener Bäume (täglich) erhalten - eine Heu-Gemüse-Fütterung alleine ist nicht ausreichend.

Ein Esslöffel Trockenfutter pro Kilogramm Körpergemacht täglich ist in der Regel ausreichend.

Verwenden Sie aber bitte kein handelsübliches Trockenfutter, welches z.B. Pellets, Körner, Weizen, Milcherzeugnisse, Honig, Geschmacksverstärker, Farbstoffe usw. enthält.

Diese Futtermittel werden zwar häufig gern gefressen, sind jedoch die Hauptauslöser für chronische Verdauungs- und Zahnerkrankungen.

Geeignete Trockenfutter sind naturbelassen und frei von schädlichen Inhaltsstoffen (z.B. Pellets, Weizen, Roggen, Milchprodukte, Körner). Die Hersteller Grünhopper, Nösenberger sowie verschiedene Online-Shops bieten naturbelassene Alleinfuttermittel an.

Eine Blutuntersuchung nach frühestens 5 Monaten schafft Gewissheit darüber, ob die Vitamin-D-Zufuhr mit der Nahrung ausreichend ist.

Sämereien, weiche Nusskerne

Diese Futtermittel erhalten Sie in Lebensmittelläden und Drogeriemärkten sowie in verschiedenen Online-Shops. Achten Sie darauf, dass die Produkte absolut unbehandelt sind!

Sämereien und weiche Nusskerne (z.B. Ernusskerne) sind heiß begehrt und eignen sich als Energiefutter für untergewichtige Kaninchen sowie als Lieferant von Proteinen und Fettsäuren für Kaninchen, die (vorübergehend) weder Wiesengrün noch Zweige erhalten.

Für letztere genügt täglich ein Teelöffel pro Kilogramm Körpergewicht. Untergewichtige Kaninchen dürfen etwa einen Esslöffel pro Kilogramm Körpergewicht ein- bis maximal zweimal täglich erhalten. Mehr sollten Sie nach Möglichkeit nicht füttern, da das Kaninchen ansonsten dermaßen gesättigt wäre, dass es zu wenig rohfaserhaltige Nahrungsmittel aufnehmen würde. Die Folge wären Verdauungsbeschwerden, die den Gewichtsverlust zusätzlich vorantreiben können.

Ebenfalls zieht die übermäßige Gabe von Sämereien oftmals eine so hohe Proteinzufuhr mit sich, dass das Tier seinen Blinddarmkot verschmäht und dadurch anderweitige Problematiken auftreten.

Geeignete Saaten sind z.B. Sonnenblumenkerne, Amaranth, Hirse, Quinoa- und Negersaat, Sesam- und Leinsamen. Achtung: Letztere dürfen nur eingeweicht verfüttert werden, da sie stark quellfähig sind und die Gefahr eines Darmverschlusses besteht!

Achtung: Kaninchen mit Zahnproblemen sollten nur weiche / eingeweichte Nüsse oder Saaten erhalten. Das Zerbeißen harter Futtermittel kann Zahnprobleme verschlimmern!

Getreide

Entgegen weit verbreiteter Meinung ist Getreide unter bestimmten Umständen keineswegs schädlich, sondern ein sinnvolles Energiefutter. In geflockter Form (siehe nächster Absatz), im Spelz oder als komplette Ähre verfüttert werden die meisten Sorten vom Kaninchen hervorragend vertragen, solange seine Hauptnahrung weiterhin aus Blättern, Kräutern und Gräsern besteht.

Problematisch sind lediglich Weizen und Roggen sowie Getreide, dessen natürliche Struktur durch maschinelle Bearbeitung zerstört wurde. Dazu gehören insbesondere Pellets, deren Inhaltsstoffe zunächst fein zermahlen und anschließend gepresst werden. Eine derart hochverdauliche Masse kann bereits in kleinen Mengen zu Darmproblemen führen.

Insbesondere Getreide im Spelz und in Ährenform ist jedoch sehr gut verträglich, da es nicht nur aus dem stärkehaltigen Mehlkörper besteht, sondern die rohfaserreiche Hülle noch erhalten ist.

Untergewichtige Kaninchen dürfen durchaus eine Ähre bzw. zwei Esslöffel pro Kilogramm Körpergewicht täglich als Beifutter erhalten.

Erbsen- und Getreideflocken

Erbsen-, Hafer-, Gersten-, Dinkelflocken usw. erhalten Sie in Lebensmittelläden und Drogeriemärkten sowie in verschiedenen Online-Shops. Achten Sie darauf, dass die Produkte absolut unbehandelt sind!

Sie werden äußerst gern gefressen, dienen aber wegen des hohen Energiegehaltes ausschließlich als Leckerli oder als Energiefutter für untergewichtige Tiere.

Bei geflockten Futtermitteln handelt es sich um "plattgewalzte" Erbsen bzw. Getreidebestandteile. Die beim Verarbeitungsprozess entstehende Wärme führt dazu, dass die enthaltenen Kohlenhydrate aufgeschlossen und dadurch leichter verdaulich werden. Die Energiezufuhr ist also hoch, was zum Päppeln hilfreich ist; andererseits führt eine übermäßige Verfütterung zu Verdauungsproblemen, da die Kaninchen schnell gesättigt sind und dadurch kaum noch rohfaserhaltige Nahrung zu sich nehmen. Zudem fehlt der Blinddarmflora die Nahrungsquelle, wenn überwiegend gut verdauliches Futter gereicht wird, da dieses am Blinddarm vorbeigeschleust wird.

Füttern Sie daher nicht mehr als 2 Esslöffel pro Kilogramm Körpergewicht jeweils morgens und abends. Je mehr Sie die Menge über den Tag hinweg verteilen, desto besser verträgt das Kaninchen die Flocken.

Für Kaninchen, die zu Durchfall oder Aufgasungen neigen, sind Sämereien oder eine Mischung beider Futtermittel die bessere Alternative.

Übergewichtige Kaninchen sollten gar keine Erbsen- oder Getreideflocken erhalten.

Achtung: Kaninchen mit Zahnproblemen sollten nur weiche / eingeweichte Flocken erhalten. Das Zerbeißen harter Futtermittel kann Zahnprobleme verschlimmern!

Trockenkräuter und -blätter

Trockenkräuter sind infolge des Flüssigkeitsentzuges massive Kalzium- und Proteinbomben.

Sie fördern Harnwegskalzinosen erheblich und führen bei einigen Kaninchen zu einer verschmutzten Analregion, da die Tiere so mit Proteinen übersättigt sind, dass sie ihren Blinddarmkot nicht mehr fressen. Stark kräuterhaltiges Heu hat dieselben Auswirkungen.

Der hohe Proteingehalt macht Trockenkräuter darüber hinaus sehr nahrhaft.

Dies stellt insbesondere für Kaninchen, die bereits übergewichtig sind, ein zusätzliches Problem dar.

Solange Kaninchen frisches Wiesengrün oder Zweige erhalten, sind getrocknete Blätter und Kräuter vollkommen überflüssig und bringen ausschließlich Nachteile mit sich!

Lediglich Kaninchen, die nicht (täglich) mit frischen Kräutern oder Zweigen verschiedener Bäume versorgt werden, sind auf getrocknete Kräuter und Blätter angewiesen, um ihren Bedarf an sekundären Pflanzenstoffen und Proteinen, gelegentlich auch Kalzium zu decken.

Wird allerdings bereits ein kräuterreiches Heu verfüttert, ist die zusätzliche Gabe von Trockenkräutern auch hier absolut überflüssig und nicht empfehlenswert.

Wird reines oder überwiegendes Grasheu verfüttert, können sehr kleine Mengen Kräuter und Blätter (eine halbe Handvoll je Tier und Tag) ergänzt werden. Blätter enthalten dabei weniger Proteine und Kalzium als Kräuter.

Pilze und Heu sonnengetrocknet

Sie enthalten Vitamin D, welches vom Kaninchen normalerweise durch ungefiltertes UV-Licht aufgenommen wird (d.h. UV-Licht durch die Fensterscheibe ist nicht ausreichend).

Bei Kaninchen, die vorübergehend oder dauerhaft ausschließlich in Innenhaltung leben, ist eine Zufuhr über die Nahrung daher unerlässlich: Ein Vitamin-D-Mangel würde mit der Zeit zu einem Kalziummangel in Skelett und Gebiss führen, der sich u.a. in einer massiv erhöhten Anfälligkeit für Knochenbrüche und Kieferabszesse äußert.

Massig enthalten ist das lebenswichtige Vitamin in getrockneten Speisepilzen. Diese werden allerdings nicht von allen Kaninchen gefressen. Falls Ihre Kaninchen Geschmack an Pilzen finden, füttern Sie täglich nicht mehr als einen Teelöffel pro Kilogramm Körpergewicht.

Eine Alternative stellt sonnengetrocknetes Heu dar. Die Akzeptanz ist allerdings auch hier fraglich, da Kaninchen, die ständig Grünfutter zur freien Verfügung erhalten, oftmals kein oder nur sehr wenig Heu fressen. Keinesfalls sollten sie aber zum Heukonsum "gezwungen" werden, indem man die Grünfuttergabe reduziert - dies wäre weder artgerecht noch gesund.

Wohnungskaninchen, die weder Heu noch Pilze fressen, können kleine Mengen eines strukturierten Trockenfutter (siehe erster Absatz) oder besser eine UVB-Lampe erhalten.

Eine Blutuntersuchung nach frühestens 5 Monaten schafft Gewissheit darüber, ob die Vitamin-D-Zufuhr ausreichend ist.