Richtig füttern

Raufutter: Heu & Stroh

Geborgenheit durch Gesellschaft

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Heu

Mit "Raufutter" ist in der Regel Heu gemeint – also getrocknete Wiese. Dies ist kein Wunder, soll es den Kaninchen schließlich jederzeit zur freien Verfügung stehen und wurde es sogar lange Zeit als Grundfutter für Kaninchen betrachtet; denn in Zeiten, zu denen Kaninchen in erster Linie mit Trockenfutter gefüttert wurden, waren sie verständlicherweise auf einen Gras-Ersatz angewiesen, um zumindest eine Zeitlang halbwegs gesund zu bleiben.

Bei einer naturnahen Ernährung, d.h. einem unbegrenzten Grünfutterangebot, hat Heu einen weitaus geringeren Stellenwert.

Viele Kaninchen, die ständig Grünfutter zur Verfügung haben, fressen (fast) überhaupt kein Heu. Da Heu nichts anderes ist als getrocknetes Grünfutter, d.h. Wiesenpflanzen, denen parallel zum Trocknungsvorgang eine Reihe wichtiger Nährstoffe entzogen wurde, ist dieses Verhalten logischerweise weder “unnormal” noch ungesund; frisches Grün, das natürliche Grundfutter der Kaninchen, ist durch kein Futtermittel (vor allem kein getrocknetes) zu ersetzen.

Generell sollte nie Heu, sondern immer Grünfutter die Grundnahrung der Kaninchen darstellen!

Nichtsdestotrotz stellt Heu ergänzend zum Grünfutter ein sehr geeignetes Nahrungsmittel dar: Es wird nicht schlecht, sodass es sehr gut gelagert und den Kaninchen rund um die Uhr angeboten werden kann. Auf diese Weise steht ihnen auch dann ein gut bekömmliches Futtermittel zur Verfügung, wenn einmal kein genießbares Grünfutter mehr vorhanden sein sollte (z.B. wenn es im Laufe des Tages / der Nacht verwelkt, gefriert oder vollständig gefressen wird). Dies ist sehr wichtig, da der sogenannte Stopfdarm der Kaninchen auf ein permanentes Futterangebot angewiesen ist.

Grundregeln für die Heufütterung

Woran erkenne ich hochwertiges Heu?

Farbe: Sie liegt irgendwo zwischen Gelb und Grün. Keinesfalls verfüttert werden darf graues oder fleckenweise schwarzes Heu - eine solche Farbe deutet auf Schimmel hin.

Geruch: Gesundes Heu duftet immer aromatisch - je intensiver der Duft, desto lieber mögen es die Kaninchen. Muffig oder faulig riechendes Heu gehört sofort in die Mülltonne! Dasselbe gilt für staubendes Heu, auch dies ist ein Hinweis auf Schimmel.

Halmlänge: Achten Sie unbedingt darauf, dass das Heu aus deutlich erkennbaren, groben Halmen besteht.

Zusammensetzung: Je artenreicher das Heu, desto wertvoller ist es. Ideal sind viele verschiedene Gräsersorten. Ein hoher Anteil an Kräutern oder Leguminosen hingegen führt zu einem Überschuss an Proteinen und Kalzium (s.o.).

Sonstiges: Verfüttern Sie niemals fauliges Heu, Heu, das Schimmelsporen enthält oder solches, das während der Lagerung feucht geworden ist. Anderenfalls können schwere Verdauungsstörungen die Folge sein!

Warum ist Heu auch bei reichlicher Grünfütterung wichtig?

In aller Regel haben wir nicht die Möglichkeit, unseren Kaninchen rund um die Uhr Zugang zu einer üppigen Wiese zu verschaffen. Die Tiere sind also darauf angewiesen, mindestens zweimal täglich mit geerntetem oder gekauftem Grünfutter versorgt zu werden. Dieses beginnt jedoch relativ bald zu welken und wird nur noch ungern gefressen. Dann benötigen die Kaninchen eine attraktive Alternative – sonst nehmen sie mitunter nicht genügend Nahrung auf und es kommt zu einer Darmträgheit.

Ein weiterer Punkt ist, dass Kaninchen nie in die Versuchung kommen sollten ungenießbares Grünfutter zu verzehren, weil sie “sonst nichts finden”. Dazu gehören verunreinigte, zertrampelte, von Schneckenspuren überzogene, gefrorene oder wieder aufgetaute Nahrungsmittel.

Als "Notnahrung" muss hochwertiges Heu daher rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Weshalb ist gerade Heu eine geeignete "Notnahrung"? Zum einen lassen sich Heuhalme - ebenso wie frisches Gras - dank ihres hohen Rohfasergehalts nur durch sehr ausgiebiges Mahlen zerkleinern und sorgen damit für einen langen, mahlenden Kauvorgang; d.h. einen intensiven Zahnabrieb. Zum anderen ist Rohfaser für eine geregelte Verdauung von großer Bedeutung, da erstens ihre groben, unverdaulichen Bestandteile zügig wieder ausgescheden werden und hierdurch den Darm in Schwung halten; und zweitens die feineren Bestandteile den überlebenswichtigen Blinddarmbakterien eine Nahrungsgrundlage liefern.

Alleinfuttermittel Heu?

Immer wieder taucht die Frage auf, ob man seine Kaninchen auch ohne frisches Grünfutter ernähren könne – ausschließlich mit Heu und Wasser. Hiervon ist dringend abzuraten!

Je nach Trocknungsart (Boden-, Reuter-, Unterdach-, Kalt-, Warm- oder Heißlufttrocknung) kann Heu einen Großteil seiner Nährstoffe verlieren. Grundsätzlich gilt: Je langsamer es trocknet, desto nährstoffärmer ist es am Ende.

Einzige Ausnahme ist das Vitamin D, welches in abgestorbenen Pflanzenteilen (auch Laub) unter Sonneneinstrahlung entsteht (Umwandlung von Ergosterol in Vitamin D2 = Ergocalciferol). Je länger Heu also in der Sonne trocknet, desto mehr Vitamin D produziert es, während frisches Wiesengrün kaum Vitamin D enthält. Dies ist allerdings nur für Wohnungskaninchen relevant, da Kaninchen unter direktem UVB-Licht selbstständig Vitamin D (Umwandlung von Cholesterin in Vitamin D3 = Cholecalciferol) produzieren können.

Kritische Nährstoffe im Heu:

Nährstoffdefizite lassen sich kompensieren, indem eine Mischung aus Heusorten, die erstens unterschiedlich getrocknet wurden und zweitens verschieden zusammengesetzt sind, angeboten wird. Auf die Weise wäre es theoretisch tatsächlich möglich, das Kaninchen mit reiner Heufütterung mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen.

Was allerdings immer bestehen bleibt, ist die gravierende Problematik der geringen Flüssigkeitszufuhr (s.u..

Dies alleine ist als Argument bereits ausreichend, um von Heu als Haupt- oder gar Alleinfutter strikt abzuraten.

Bezüglich der Zusammensetzung sollte Folgendes bedacht werden:

Ist der hohe Rohfaseranteil im Heu ein Vorteil gegenüber Grünfutter?

Obwohl der Rohfaseranteil im Heu infolge des Flüssigkeitsentzugs ansteigt, ist dies kein Vorteil gegenüber Frischfutter.

Grund hierfür ist einerseits, dass im Gegenzug zum Flüssigkeitsentzug der Sättigungsgrad erheblich ansteigt, das Kaninchen entsprechend weniger Futter aufnimmt und folglich auch weniger kaut; andererseits am Wegfall der im frischen Grün enthaltenen Kristalle "mit Schleifeffekt", wie beispielsweise Kieselsäure.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Verdaulichkeit des Futters mit steigendem Rohfasergehalt sinkt. Da die groben, unverdaulichen Futterbestandteile rasch wieder ausgeschieden werden, führen sie im Übermaß zu einer so schnellen Darmpassage, dass dem Darm schlichtweg keine "Zeit" bleibt, die Nährstoffe im Futterbrei effizient zu resorbieren. In der Folge kann es zu Mangelerscheinungen und Gewichtsverlust kommen. Ideal ist ein Rohfasergehalt zwischen 14 und 16 Prozent.

Sehr grobes, stängeliges Grasheu hat meist einen Rohfasergehalt, der bereits ungesund hoch ist.

Hilfreich ist eine solche "Diät" lediglich bei Kaninchen, die zuvor ungeeignete oder gar giftige Nahrung verzehrt haben, welche zügig wieder ausgeschieden werden soll.

Stroh

Bei Stroh handelt es sich um die hohlen Halme und Stängel aufgedroschenen Getreides. Wie Heu ist es rohfaserreich und übt daher einen positiven Einfluss auf die Verdauung aus. Im Gegensatz zum Heu enthält es kaum Nährstoffe, darf jedoch bei einer abwechslungsreichen Ernährung gerne als frei verfügbare Nahrungsergänzung angeboten werden.

Baumbestandteile

Sie sind enorm nährstoffreich und erfordern ab einem gewissen Durchmesser einen ausgiebigen Einsatz der Schneidezähne, unterstützen also den notwendigen Abschliff und fordern die Kiefermuskulatur. Harz, der durchs Benagen freigesetzt wird, besitzt eine geringfügig antibakterielle Wirkung, wirkt also vorbeugend gegen Karies. Letztlich erfolgt durch das "Bearbeiten" von Baumbestandteilen eine natürliche Zahnfleischmassage, welche die Durchblutung optimiert und dadurch ebenfalls gesunderhaltend wirkt.

Scheuen Sie sich daher nicht, den Kaninchen neben Zweigen und kleineren Rindenstückchen auch dicke Äste zum Benagen anzubieten. Baumbestandteile stammen nicht nur frisch aus der Natur, sie sind auch noch kerngesund und von den Tieren heiß begehrt. Reichen Sie Ihren Kaninchen so häufig möglich Futterpflanzen inklusive Wurzeln sowie Äste und Zweige - idealerweise mit Blättern und Knospen - von Obstbäumen, Weiden, Haselnusssträuchern und Birken. Zweige lassen sich wunderbar in Heuraufen oder sonstige Gitter stecken, sodass darunter herrliche "Baumhöhlen" entstehen.

Ausführliche Informationen rund um Zweige und co. finden Sie auf folgender Unterseite: