Gesellschaft durch Artgenossen

Artfremde Gesellschaft

Dieser Artikel soll lediglich verdeutlichen, weshalb weder der Mensch noch ein Meerschweinchen die Gesellschaft eines zweiten Kaninchens ersetzen können.

Wie sich die Haltung von (mehreren) Kaninchen mit der von anderen Haustieren vereinbaren lässt, können Sie hier nachlesen:

Mensch und Kaninchen

Viele Kaninchen bauen eine enge Bindung zu ihrem Besitzer auf und genießen es, Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten zu bekommen.

Menschliche Gesellschaft kann für ein Kaninchen daher zwar etwas sehr Schönes sein, den Artgenossen aber unter keinen Umständen ersetzen. Auch wir möchten uns schließlich nicht für den Rest unseres Lebens von anderen Menschen isolieren, weil wir "stattdessen" Kaninchen besitzen.

Wer einmal beobachtet hat, wie zwei befreundete Kaninchen miteinander umgehen, wird sich kaum vorstellen können, einem solchen Tier je wieder den Artgenossen vorzuenthalten: Gegenseitiges Putzen, Beschmusen und Liebkosen gehören ebenso zum Kaninchenalltag wie das gemeinsame Fressen, Erkunden der Umgebung, die interaktive Körpersprache und auch gelegentliche "Meinungsverschiedenheiten".

Ein Mensch kann seinem Kaninchen viel Liebe schenken und es beschäftigten - er kann aber weder in "Kaninchensprache" mit ihm kommunizieren noch ihm rund um die Uhr Gesellschaft leisten. Während wir nachts durchschlafen, sind Kaninchen von Natur aus wechselaktiv, haben also auch in der Nacht viele Aktivitätsphasen und möchten in dieser Zeit auch ihr Sozialverhalten ausleben.

Auch alte Kaninchen möchten ihren Lebensabend nicht ohne einen Artgenossen verbringen! Für ein altes, krankes, behindertes oder "letztes" Kaninchen ist der Mensch ebenso wenig ein Partnerersatz wie für jedes andere. Jedes einzelne Kaninchen kann und sollte schnellstmöglich wieder einen passenden Partner bekommen - sei es bei Ihnen oder, falls Sie die Kaninchenhaltung beenden möchten, in einem neuen Zuhause. Ein Tierfreund lässt sein Kaninchen nicht einsam sterben!

Meerschweinchen und Kaninchen

Diese traurigerweise sehr beliebte Kombination ist vergleichbar mit einem Zusammenleben zwischen Mensch und Affe; man hat zwar einige Gemeinsamkeiten, spricht aber unterschiedliche Sprachen und besitzt verschiedene Gepflogenheiten. Selbst, wenn die Tiere sich gegenseitig dulden oder sogar (Zweck-)Freundschaften schließen, bleiben sie jedes für sich einsam, da sie nicht vernünftig miteinander kommunizieren können.

Meerschweinchen teilen einige der Bedürfnisse, die auch den Kaninchen zu eigen sind: So besitzen sie weitestgehend identische Ansprüche an die Ernährung und sind sehr gesellig.

In der Folge bildet ein Kaninchen-Meerschweinchen-Duo in vielen Fällen eine Zweckgemeinschaft, die oftmals als "große Liebe" interpretiert wird, sich in Wahrheit jedoch aus der Not der Einsamkeit heraus entwickelt und unter artgerechten Umständen nicht zustande kommen würde.

Kein Kaninchen zieht die Gesellschaft eines Meerschweinchens der eines Artgenossen vor (oder andersherum). Zu dieser Thematik fanden experimentelle Versuche statt, in denen man mehrere Kaninchen mit mehreren Meerschweinchen zusammen hielt und das Sozialverhalten der Tiere über längere Zeit beobachtete. Die Tiere bevorzugten ausnahmslos die Nähe ihrer Artgenossen. Lediglich schlecht sozialisierte Kaninchen, die sich vor Artgenossen fürchten, lassen mitunter etwas anderes vermuten. Doch auch für diese Tiere gilt: Ein passender (!) Artgenosse und eine geeignete Vergesellschaftungsmethode sind das A und O.

Zum Leidwesen Tausender von Meerschweinchen und Kaninchen wurde in der Vergangenheit aus den beschriebenen Not-Freundschaften geschlussfolgert, dass diese beiden Arten "ideal" zusammenpassen würden. Die Kombination der zwei Tierarten befriedigt jedoch einzig die Bedürfnisse des Menschen: Das schlechte Gewissen ist beruhigt, die Kosten für eine bei der Paar- oder Gruppenhaltung unumgängliche Rammlerkastration hat man sich gespart, die schwierige Vergesellschaftung umgangen, und aus Platzmangel herrschende Rangordnungskämpfe gibt es eher selten, weil das schwächere Meerschweinchen von sich aus klein bei gibt.

Das Sozialverhalten von Meerschweinchen und Kaninchen ist zu verschieden, als dass die jeweils andere Art als Partnerersatz fungieren könnte: Während Kaninchen sich fast ausschließlich über ihre Körpersprache, insbesondere Körper- und Ohrenhaltung, miteinander verständigen, verfügen Meerschweinchen über ein facettenreiches Repertoire an unterschiedlichen Lauten.

Ein Kaninchen, das eine angriffslustig sprungbereite Haltung einnimmt und drohend die Ohren anlegt, wird vom Meerschweinchen ebenso wenig verstanden wie umgekehrt dessen freudiges Pfeifen vom Kaninchen. Ersteres kann für das schwächere Meerschweinchen gefährlich werden, letzteres entwickelt sich für die empfindlichen Kaninchenohren mitunter zu einer Dauerstressquelle.

b>In vielen Fällen ist das Meerschweinchen dem aufdringlichen Rammler oder der launischen Häsin hilflos ausgeliefert. Ein Unterschlupf, in den nur das kleinere Meerschweinchen passt, mag Schutz bieten - doch wie erfüllt mag ein Meerschweinchenleben wohl sein, in dem sich das Tier ständig verstecken muss und allenfalls zum Fressen "vor die Tür" traut?