Verhaltensprobleme

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Unsauberkeit: Wenn die Stubenreinheit Probleme macht

Geborgenheit durch Gesellschaft

Grundsätzlich sind Kaninchen von Natur aus sehr reinliche Tiere. Allerdings haben sie manchmal etwas andere "Vorstellungen" von Reinlichkeit als ihre Besitzer, was - in erster Linie bei Innenhaltung - problematisch werden kann.

Nicht alle Kaninchen erfüllen die menschlichen Vorstellungen von Stubenreinheit. Dies sollte Ihnen insbesondere bewusst sein, wenn Sie eine freie Wohnungshaltung planen.

Möchten Sie auf Nummer sicher gehen, sollten Sie gezielt nach Vermittlungskaninchen Ausschau halten, die bei ihrem aktuellen Besitzer / in ihrer aktuellen Pflegestelle bereits in freier Wohnungshaltung leben und von denen bekannt ist, dass sie sich dafür "eignen".

Abschnitte auf dieser Seite:

Warum bleiben einige Kaninchen unsauber?

Abgesehen davon, dass nicht alle Kaninchen gleichermaßen viel Wert auf "Sauberkeit" im menschlichen Sinne legen, kommen hierfür mehrere Gründe in Betracht:

Suboptimale Toiletten

Damit die Toiletten von den Kaninchen gut angenommen werden, müssen sie ihnen auch gefallen. Folgendes sollte beachtet werden, damit die Chancen auf eine gute Reinlichkeit optimal stehen:

Kombinierter Futter- und Toilettenplatz: Insbesondere Kot wird von Kaninchen gerne dort abgesetzt, wo sie auch fressen, da der Kotabsatz aufgrund ihrer Verdauungsanatomie ("Stopfdarm") schon rein mechanisch durch die Futteraufnahme gefördert wird. Der Ort, an dem Kot abgesetzt wird, wird dann in der Regel auch zum Urinieren genutzt. Natürlich ist es aus hygienischen Gründen abzulehnen, das Futter in die Toilette zu legen, zumal es dort auch schnell verunreinigt und somit ungenießbar wird. Sehr gut geeignet zum Anbieten von Grünfutter und Heu sind Metall- oder Holzraufen, die über einer Toilettenschale angebracht werden (z.B. am Gehegegitter oder an einen Holzunterstand geschraubt).

Schutz und Geborgenheit: Kaninchen erleichtern sich vorzugsweise an Orten, an denen sie sich geborgen fühlen, z.B. in Höhlen, allgemein unter Dächern sowie in Ecken. Eine mitten im Raum stehende Toilettenschale ist daher nicht sinnvoll. Stellen Sie die Toiletten vorzugsweise in Ecken auf und überdachen Sie sie. Gut geeignet sind Holzunterstände, die an 1-2 Seiten geschlossen sind. Auf die Weise fühlen sich die Kaninchen sicher und haben gleichzeitig ihre Umgebung im Blick. Außerdem können Futterraufen an Holzwänden sehr einfach festgeschraubt werden.

Größe: Die Toilettenschalen sollten groß genug sein, damit mindestens zwei Kaninchen zusammen darin sitzen und bestenfalls auch liegen können. Kaninchen fressen und ruhen sehr gerne zusammen, zu kleine Toiletten werden daher eher gemieden.

Anzahl: Je mehr Platz den Kaninchen zur Verfügung steht und je größer die Gruppe ist, desto mehr Toiletten sollten angeboten werden. Pro Tier und Zimmer sollte es mindestens eine Toilette geben, bei einer unruhigen Rangordnung sind eventuell noch mehr nötig, um zu vermeiden, dass ranghöhere Tiere die Toiletten "blockieren". Auf Unterstände oder ausreichend hohe Füße gestellte Möbel sind sehr praktisch, um den Kaninchen darunter "Höhlen" anzubieten, in denen auch wunderbar die Toiletten "versteckt" werden können.

Einstreu: Am angenehmsten für Mensch und Tier sind in der Regel Holzpellets, mit denen keine unangenehmen (und die Atemwege belastenden) Gerüche entstehen. Auch werden sie normalerweise nicht "herausgebuddelt" und fliegen nicht, wie z.B. Sägespäne, im ganzen Raum herum, wenn die Kaninchen aus der Schale springen.

Hygienemangel

Hygienemangel von Seiten des Halters kann dazu führen, dass die Kaninchen den stark verschmutzten Ort nicht mehr aufsuchen und einen neuen "Toilettenplatz" wählen. Haben die Tiere sich erst einmal angewöhnt, viele verschiedene Ecken aufzusuchen, lässt sich dieses Verhalten nur schwer wieder abgewöhnen, da einmal gewählte Orte instinktiv immer wieder genutzt werden. Abhilfe schaffen können nur eine dauerhaft verbesserte Hygiene, besonders attraktive Toilettenangebote und eine konsequente, zügige Entfernung von Hinterlassenschaften an unerwünschten Orten. Hierfür eignet sich z.B. Essigreiniger, da er geruchsneutralisierend wirkt. Werden Gerüche nicht entfernt, erkennen die Kaninchen ihre selbst auserwählte Toilette wieder und nutzen sie ziemlich sicher erneut.

Unter "Hygienemangel" versteht sich allerdings nicht nur eine zu selten gereinigte Toilette. Insbesondere, wenn die Kaninchen neu einziehen, ein neuer Partner dazu kommt oder es Spannungen in der Gruppe gibt, wird gerne einmal abseits von der Toilette geköttelt. Auch, wenn Kaninchen sehr temperamentvoll sind und mit Schwung aus der Toilette springen, landen schnell mal einige Köttel daneben.

Werden diese nicht zügig (mindestens zweimal täglich) beseitigt, gewöhnen die Kaninchen sich schnell daran, dass die Köttel quasi in den ganzen Raum gehören. Dasselbe gilt für Urinpfützen.

Dominanz

Dominante Kaninchen, die ihren Alpha-Status untermalen möchten, markieren Revier und Gegenstände besonders intensiv als ihr "Eigentum". Daher ist die Unsauberkeit meist umso stärker ausgeprägt, je weniger harmonisch die Kaninchen zusammenleben. Besonders oft problematisch sind demzufolge größere Gruppen, während ein Pärchen sich in der Regel als unkompliziert erweist.

Sexualhormone

Für zeugungs- bzw. gebärfähige Kaninchen bedeutet jeder Artgenosse gleichen Geschlechts eine potentielle Konkurrenz. Mit Einsetzen der Sexualhormonbildung, also der Geschlechtsreife, fallen die Reaktionen auf bislang fremde Kaninchen daher besonders heftig aus. Zur Ressourcenverteidigung werden Eindringlinge nicht nur attackiert, sondern sollen bereits im Voraus "gewarnt" werden, indem das eigene Revier u.a. durch Kot und Urin markiert wird. Auch gegenüber Gruppenmitgliedern, die als Konkurrenz erachtet werden, soll auf diese Weise die eigene Stellung verdeutlicht werden.

Bei Rammlern ist die Kastration daher nicht nur zwingend notwendig, um ihnen eine Einzelhaltung zu ersparen (unkastrierte Rammler bekämpfen andere Rammler, mit unkastrierten Häsinnen zeugen sie Nachwuchs und kastrierte Häsinnen werden meist stark "bedrängt" und stehen somit unter Dauerstress) - sondern auch die einzige Möglichkeit, das meist stark ausgeprägte Markierverhalten zu unterbinden.

Untergrundvorliebe

Teppiche und Decken sind, ebenso wie eine eingestreute Toilette, angenehm weich und saugfähig. Einige Kaninchen betrachten sie daher als Toilette. Grundsätzlich gilt: Je weicher der Untergrund, desto größer die "Verwechslungsgefahr". Raue Teppiche, Fußabtreter etc. sind beispielsweise weniger "gefährdet" als eine kuschelige Decke, ein Bett oder das Sofa. Sollten Sie über Teppichboden verfügen, ist es auch hier ratsam, gezielt Kaninchen aufzunehmen, die bereits ohne Probleme auf Teppichboden gehalten werden. Das gleiche gilt für Betten und Sofas: Sollen oder können die entsprechenden Bereiche nicht abgesperrt werden, sehen Sie sich unbedingt nach Kaninchen um, die bereits mit besagtem Möbelstücken vertraut sind und sie nicht als Toilette "missverstehen".

Den Kaninchen das Lösen auf weichem Untergrund abzugewöhnen, ist eine Herausforderung. Sie können versuchen, den Boden Schritt für Schritt "weicher" zu gestalten, um die Kaninchen allmählich daran zu gewöhnen. Verwenden Sie dafür unbedingt Teppiche und Decken, die sich waschen lassen - denn wenn etwas "danebengeht", müssen die Gerüche gründlich herausgewaschen werden, damit die Kaninchen sich nicht erneut darauf erleichtern.

Warum ist die Reinlichkeit bei Kaninchen unterschiedlich stark ausgeprägt?

Dies lässt sich aus den im vorherigen Abschnitt aufgeführten Punkten leicht ableiten.

Individuelle Vorlieben

Hierzu zählt prinzipiell alles, was unter dem Absatz "Suboptimale Toiletten" (s.o.) aufgeführt wurde: Je nach individuellem Charakter sind die genannten Faktoren mehr oder weniger wichtig für ein Kaninchen. So gibt es durchaus auch Kaninchen, die so gut wie jede Toilette annehmen, auch wenn sie sehr klein und nach allen Seiten hin offen sein mag, mitten im Raum und weit entfernt vom Futter steht und womöglich sogar die einzige in der ganzen Wohnung ist. Weiterhin gibt es Kaninchen, die sich auf jedem weichen Untergrund erleichtern, den sie finden (inklusive Teppiche, Betten und Sofas), während andere konsequent nur auf die für sie bereit gestellte, eingestreute Toilette gehen.

Hygienebedürfnis

Zum einen sind Kaninchen auch in Bezug auf die Hygiene Individuen - einige legen schlichtweg weniger "Wert" auf bestimmte Toilettenecken als andere, gerade was den Kotabsatz betrifft. Besonders reinliche Kaninchen lassen beim Hoppeln keinen Köttel fallen und nutzen nur einen einzigen Ort zur Erleichterung, während andere viele verschiedene Plätze zur "Toilette" erklären und dies auch lediglich zum Urinieren, während die Köttel überall im Raum platziert werden.

Dominanzverhalten

Die Ausprägung des Dominanzverhaltens ist bei jedem Kaninchen verschieden und hat nicht zwangsläufig etwas mit der tatsächlichen Rangordnungsposition zu tun. Kaninchen, die um ihren Status fürchten - ob nun charakterbedingt oder aufgrund einer tatsächlichen "Gefährdung", z.B. durch ebenfalls dominante Artgenossen - , markieren besonders stark, um die eigene Position damit zu untermalen. Rangniedere Kaninchen, die ihre Unterlegenheit ohne Wenn und Aber akzeptieren, aber auch Alpha-Tiere, die ein so großes Selbstbewusstsein entwickelt haben, dass sie in keiner Weise um ihre Stellung fürchten, zeigen hingegen nur wenig Markierverhalten.

Sexualhormonspiegel

Die Brunst äußert sich infolge einer vermehrten Sexualhormonproduktion. Wie massiv diese erfolgt, ist von Tier zu Tier verschieden. Je höher der Hormonspiegel ansteigt, desto verstärkter treten dadurch verursachte Verhaltensweisen zutage. Hierzu gehört das Sexualverhalten an sich - d.h. gegengeschlechtliche Artgenossen werden immer wieder mit erhobener Blume verfolgt, umkreist und besprungen - ebenso wie das instinktive Betrachten gleichgeschlechtlicher Artgenossen als Konkurrenten. Daraus wiederum können Unverträglichkeiten hervorgehen, besonders häufig zu beobachten ist jedoch ein verstärktes Markierverhalten, um Revier und Einrichtungsgegenstände deutlich als die eigenen zu kennzeichnen. Fehlt ein gegengeschlechtlicher Partner, dient das Markieren vermutlich auch dem "Anlocken" eines solchen, da der Ausscheidungen anhaftende Geruch anderen Kaninchen Informationen über Geschlecht und Zeugungs- bzw. Gebärfähigkeit vermittelt.

Womit kann plötzliche Unsauberkeit zusammenhängen?

Für plötzliche Unsauberkeit ist in aller Regel entweder eine Erkrankung oder eine gravierende Veränderung im Leben des Kaninchens verantwortlich.

Gesundheitliche Ursachen

Die häufigsten gesundheitlichen Ursachen stellen Erkrankungen des Harntrakts dar.

Bakteriell oder durch Konkremente (Grieß, Steine) ausgelöste Blasenentzündungen führen dazu, dass die Reizschwelle für den Harndrang gesenkt wird, wodurch das Tier häufig kleine Mengen Urin absetzt und es dafür mitunter nicht rechtzeitig zur Toilette schafft. Typisch für Blasengrieß oder -schlamm als Ursache sind ein schlammig-bräunlicher oder kreidig-weißlicher Urin mit sichtbar pulvrigen Beimengungen.

Allgemeine Bewegungsunlust kann dazu führen, dass das Kaninchen sich an Ort und Stelle erleichtert, anstatt seine Toilette aufzusuchen. Diese Problematik ist durch den Besitzer aber in der Regel leicht feststellbar, da das Tier sich generell kaum noch bewegt und/oder während der Fortbewegung Lahmheiten aufzeigt. Ursache kann eine Erkrankung des Bewegungsapparates - z.B. Pododermatiden (= entzündete Fußsohlen), Arthrosen oder eine traumatische Verletzung - sein, die dem Tier Schmerzen bereitet; aber auch Schmerzen in anderen Körperregionen, allgemeine Schwäche durch eine schwere Grunderkrankung oder Fettleibigkeit können zu ausgedehnten Ruhephasen und kaum mehr Aktivität führen.

Gleichgewichtsstörungen, z.B. durch E. cuniculi (Enzephalitozoonose) oder eine Mittelohrentzündung, können es dem Kaninchen unmöglich machen, in die Toilette zu springen. Durch die deutlich gestörte Fortbewegung sind sie sehr auffällig. In beiden Fällen ist ein sofortiger Tierarztbesuch notwendig, da sich im Falle eines akuten Ausbruchs der Enzephalitozoonose die Prognose mit jeder Stunde, die abgewartet wird, verschlechtert, während im Falle der Mittelohrentzündung mit starken Schmerzen zu rechnen ist.

Nerval bedingte Inkontinenz, ebenfalls meist ein Symptom der Enzephalitozoonose, möglicherweise aber auch infolge einer Wirbelsäulenverletzung, führt dazu, dass das Tier seinen Urinabsatz überhaupt nicht mehr kontrollieren kann und an Ort und Stelle meist tröpfchenweise verliert.

Unkastrierte Häsinnen leiden sehr häufig bereits im mittleren Alter an krankhaften Veränderungen der Gebärmutter, meist bösartigen Tumoren. Es kann dann zu blutigem oder eitrigem Ausfluss kommen. Bei einer unkastrierten Häsin mit einem solchen Ausfluss muss daher immer auch eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter erfolgen.

Chronische Niereninsuffizienzen, meist durch eine Infektion mit E. cuniculi (Enzephalitozoonose) oder eine unbehandelte Blasenentzündung, führen zu einer gestörten Rückresorptionsfähigkeit der Niere, wodurch große Mengen an Flüssigkeit über den Harn verloren werden. Bei artgerecht mit reichlich Frischfutter ernährten Kaninchen, die ohnehin sehr große Harnmengen produzieren, fällt der zusätzliche Flüssigkeitsverlust leider oftmals lange Zeit nicht auf. In einigen Fällen kann es aber zu Unsauberkeit kommen, da sie es gelegentlich nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schaffen.

Auch Lebererkrankungen führen z.T. zu vermehrtem Harnabsatz und dadurch evtl. zu Unsauberkeit.

Hormonell bedingte Ursachen

Ein Anstieg des Hormonspiegels führt oftmals zu einem verstärkten Markierverhalten, da das Kaninchen instinktiv das Bedürfnis verspürt, seine Ressourcen inklusive potenzielle Sexualpartner gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen zu verteidigen.

Das Einsetzen der Geschlechtsreife wird durch die Produktion von Sexualhormonen verursacht und wird von bestimmten Verhaltensweisen begleitet, zu denen u.a. das Markieren gehört. Hierdurch werden nicht nur Revier und Einrichtungsgegenstände als die eigenen gekennzeichnet, was ein Abwehrverhalten gegenüber fremden, gegengeschlechtlichen Artgenossen darstellt, die grundsätzlich als Konkurrenz betrachtet werden; auch Rudelmitglieder werden durch intensives Markieren "herausgefordert" - das Jungtier versucht dadurch, in der Rangordnung aufzusteigen. Eine Frühkastration, d.h. eine Entfernung der Keimdrüsen (Rammler: Hoden; Häsin: Eierstöcke plus Gebärmutter) vorm Einsetzen der Geschlechtsreife, verhindert, dass ein tierischer Organismus überhaupt erst Sexualhormone produziert, beugt damit einhergehenden Problemen also optimal vor.

Brünstige Kaninchen markieren vermehrt, um ihre Chancen auf einen Sexualpartner zu verbessern. Dies geschieht erstens, indem sie Revier und Einrichtungsgegenstände als ihr Eigentum kennzeichnen und dadurch ihren "Vorrang" gegenüber Rudelmitgliedern untermalen; zweitens, indem rudelfremde Artgenossen des gleichen Geschlechts durch die intensive Markierung "eingeschüchtert" werden; und drittens, indem gegengeschlechtliche Artgenossen durch die Markierung "angelockt" werden.

Gruppeninterne Unruhen

Während harmonisch zusammen lebende Kaninchen verhältnismäßig wenig Markierverhalten an den Tag legen, sieht es bei Gruppen, in denen es zu Auseinandersetzungen kommt, gegenteilig aus.

Neue Partnertiere führen immer dazu, dass die bestehende Rangordnung erschüttert wird und neu geregelt werden muss. Ist dies erst einmal erfolgt, nimmt in der Regel auch das verstärkte Markierbedürfnis ab und das Problem löst sich somit von selbst - die Tiere haben sich gegenseitig in ihren Rangpositionen akzeptiert und verspüren demzufolge keine Veranlassung mehr, ihre Besitzansprüche gegenüber den Artgenossen zu unterstreichen.

Geruch oder Sichtung eines fremden Artgenossen versetzen eine bestehende Gruppe immer in Unruhe, was nicht nur die interne Rangordnung infrage stellt und dadurch zu vermehrtem Markierverhalten führt, sondern auch das Individuum massiv unter Stress setzt - denn da kein körperlicher Kontakt zum Fremdling möglich ist, kann das instinktive Bedürfnis nach einer Ausfechtung der Rangordnung nicht befriedigt werden.

Hieraus resultieren Frustration und ein Anstau von Aggressionen, die sich teilweise innerhalb der Gruppe entladen - d.h. auch gegenüber Artgenossen, mit denen sich das Tier zuvor gut verstanden hat - , zu einem erheblichen Teil jedoch auch dann zutage treten, wenn zuvor getrennten Kaninchen im Rahmen einer Vergesellschaftung schließlich aufeinander treffen. Aus diesem Grunde bewirkt die in der Vergangenheit gerne empfohlene "Gitter-an-Gitter-Methode" oftmals das Gegenteil dessen, was ihr eigentliches Ziel ist: Die Tiere gehen umso heftiger aufeinander los.

Werden mehrere Kaninchengruppen getrennt voneinander gehalten, sollten diese weder Sicht- noch Geruchskontakt zueinander haben. Auch Pflegekaninchen sollten strikt von den eigenen Tieren getrennt leben, um beiden Gruppen dauerhaften Stress zu ersparen.

In seltenen Fällen stellt das Alpha-Kaninchen so ausgeprägte Besitzansprüche an "seine" Toilette, dass die restlichen Gruppenmitglieder sich nicht hinein wagen. Die Lage entspannt sich in aller Regel, indem fortan mehrere Toiletten angeboten werden.

Rangordnungsunstimmigkeiten kommen in den meisten Gruppen vor - je mehr Tiere sie beinhalten, desto häufiger. Besonders heranwachsende Jungtiere versuchen gelegentlich, in der Rangordnung aufzusteigen. Besonders ausgeprägt sind Reibereien, wenn die Gruppe mehrere Tiere ähnlich dominanter Natur beinhaltet - denn dann versuchen sie permanent, einander zu übertrumpfen. Kaninchen, die eine überlegene Position untermalen oder erzielen möchten, markieren Revier und Einrichtung intensiv als ihr "Eigentum".

Äußerliche Einflüsse

Nicht zuletzt kann ein Kaninchen auch ein ganz "persönliches" Problem mit der Toilette haben.

Eine zu selten erfolgende Reinigung der Toilette kann dazu führen, dass ein Kaninchen künftig auf andere Orte ausweicht. Dies bedeutet nicht, dass Sie penibel auf ständige Sauberkeit achten müssen; im Gegenteil animieren kleine Mengen "frisch" verschmutzter Streu die Tiere dazu, sich erneut an diesem Ort zu erleichtern. Keinesfalls sollten Verunreinigungen jedoch tagelang in der Toilette verbleiben - nicht nur kommt es hierdurch zu einer massiven Ansiedelung von Keimen und im Sommer auch Fliegen (! Fliegenmadenbefall ist beim Kaninchen immer wieder eine Todesursache!), sondern auch zur Entstehung höchst gesundheitschädlicher Schimmelsporen. Fäulnessgerüche sind für die empfindliche Kaninchennase zudem sehr unangenehm - und auf durchnässtem Untergrund verbleiben die wenigsten Tiere.

Je nach Verschmutzungsgrad sind Toiletten alle ein bis drei Tage grob zu säubern. Stark verschmutzte Schalen sollten in Essigwasser eingeweicht und dann ausgeschrubbt werden. Jegliche Chemikalien sind vor Wiederverwendung gründlich abzuspülen - nicht nur der Gesundheit wegen, sondern auch, da ihr Geruch die Tiere mitunter abschreckt.

Eine negative Erfahrung, die das Kaninchen mit der Toilette verknüpft hat, kann es dazu bewegen, sie künftig zu meiden. Dazu genügt mitunter bereits ein plötzliches Geräusch, das das Tier in Angst und Schrecken versetzt hat, während es sich in der Nähe der Toilette oder darin befand. Am unkompliziertesten lösen Sie ein solches Problem, indem Sie es umgehen - und einfach eine alternative Toilette an einem anderen Ort anbieten. Auf diese Weise kann das Kaninchen ganz einfach "ausweichen", bis es seine Furcht allmählich wieder abgelegt hat. Diese Vorgang lässt sich beschleunigen, indem Sie versuchen, dem Kaninchen zu positiven Verknüpfungen ("Gegenkonditionierung) mit der Toilette zu verhelfen - z.B. indem Sie es mit Leckerlis wieder zunehmend in die entsprechende Richtung locken.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Kaninchen zur Stubenreinheit zu bewegen?

Einhaltung der Mindestgröße

Da Kaninchen gerne gemeinsam in ihren Toilettenschalen sitzen oder auch liegen, sollten sie nicht zu klein bemessen sein. Ansonsten werden sie eher gemieden. Die Überdachung sollte sich in einer ausreichenden Höhe befinden, damit die Kaninchen bequem aufrecht darunter sitzen können, ohne mit den Ohren anzustoßen.

Vielseitiges Angebot

Wählerische Kaninchen können durch ein vielseitiges Angebot zur Toilettenbenutzung animiert werden. Insbesondere empfiehlt es sich, sowohl eine überdachte Toilette als auch eine Schale ohne Deckel anzubieten. Die Toilette sollte in jedem Fall groß genug sein, dass das Kaninchen darin bequem sitzen und sich drehen, nach Möglichkeit auch liegen kann. Manchmal besitzen die Tiere individuelle Streuvorlieben. Geeignet sind z.B. Sägespäne, Holzpellets, Hanf und anderweitige handelsübliche Kleintierstreu. Ebenfalls verwendet werden dürfen Heu, Stroh, Sand und Erde. Da diese Sorten den Urin allerdings nur sehr begrenzt binden, sollten Sie ausprobieren, ob Ihre Kaninchen es akzeptieren, wenn Sie darunter eine Schicht einer oben genannten, saugfähigen Streusorte geben. Diese binden auch den Geruch besser, was die Akzeptanz wiederum verbessert und die Atemwege schont.

Keinesfalls verwendet werden sollten Strohpellets oder Katzenstreu, da sie bei Verzehr schwere Verdauungsstörungen verursachen!

Position nach Kaninchenwünschen

Haben sich die Kaninchen bereits bestimmte Ecken gesucht, in denen sie Kot und/oder Urin absetzen, sollten Sie die Toilettenschale(n) dort aufstellen - die Tiere kehren instinktiv zu einmal auserwählten "Pinkelecken" zurück und nehmen auch im Nachhinein dort positionierte Toiletten in aller Regel an. Dies gilt besonders für Nischen und anderweitig abgedunkelte Orte, z.B. hinter einem Möbelstück, unter dem Sofa oder Schreibtisch. Läuft diese Vorgehensweise auf serh viele Toilettenschalen hinaus, können Sie sie, sobald die Kaninchen stubenrein sind, reduzieren; jedoch nicht, indem sie einfach eine nach der anderen entfernen (denn dann werden die Tiere sich aus Gewohnheit wahrscheinlich weiterhin dort erleichtern, wo vorher das "Klo" stand), sondern indem Sie über 1-2 Wochen hinweg jeweils zwei Toilettenschalen Tag für Tag ein wenig dichter zusammenrücken, bis sie direkt nebeneinanderstehen. Anschließend entfernen Sie eine der beiden.

Positionieren verschmutzter Streu in der Toilette

Hier wird das instinktive Bedürfnis des Kaninchens, immer wieder an denselben Orten zu koten und zu urinieren, genutzt: Positionieren Sie kleine Mengen "frisch" urinverschmutzter Streu und Köttel in den Toiletten, fühlen sich die Tiere dazu animiert, sich "wieder" dort zu erleichtern.

Futterangebot in unmittelbarer Toilettenähe

Viele Kaninchen setzen zunächst Kot, in der Folge auch Urin "an Ort und Stelle" ab, während sie genüsslich fressen. Daher sind über der Toilettenschale angebrachte Futterraufen äußerst nützlich. Besonders beliebt sind Toilettenschalen, die unter einem seitlich offenen Unterstand aufgestellt werden, da sie den Kaninchen zugleich Schutz von oben und einen guten Blick auf die Umgebung bieten. An diesem Unterstand können auch die Futterraufen befestigt werden.

"Erziehung"

Immer wieder wird es als ultimativer Ratschlag betrachtet, die Kaninchen gut zu beobachten und bei jedem Anheben der Blume sofort in die Toilette zu setzen. Was theoretisch einfach klingt, ist - jedenfalls bei tiergerechter Haltung - praktisch allerdings schwer umsetzbar: Sie müssten die Tiere rund um die Uhr intensiv beobachten, um jedesmal "eingreifen" zu können. Lediglich die bemitleidenswerten Kaninchen, die regelmäßig in einen Käfig gesperrt werden und diesen maximal stundenweise verlassen dürfen, können manchmal auf diese Weise "erzogen" werden.

Doch auch bei ihnen kommt eine weitere Problematik hinzu: Als Fluchttiere werden die allermeisten Kaninchen nur sehr ungerne hochnehmen und reagieren oft sogar mit Angst aufs "Gepacktwerden". Geht dem Setzen in die Toilette aber erst einmal eine Verfolgungsjagd voraus, verliert das Tier nicht nur zunehmend sein Vertrauen gegenüber dem Menschen, sondern verbindet das Absetzen von Kot und Urin an sich mit "Strafe" - was völlig verkehrt wäre, da es lediglich begreifen soll, einen ganz bestimmten Ort mit diesem Verhalten zu verbinden.

Bestrafungen sind grundsätzlich abzulehnen.

Ein Tier, das sich erleichtert und dafür bestraft wird, begreift nicht, dass es sich schlichtweg am falschen Ort befindet. Es entwickelt entweder eine Scheu vor dem Menschen, der es scheinbar grundlos erschreckt, oder verbindet die "Strafe" mit dem Kot- bzw. Urinabsatz an sich. Letzteres würde dazu führen, dass es sich künftig nur noch erleichtert, wenn es sich unbeobachtet fühlt. Es besteht also auch für den Besitzer absolut kein Nutzen.

Weitere allgemeine Informationen zum Thema Toilette und Einstreu finden Sie hier: