Kaninchenpsychologie

Verhaltensweisen

Geborgenheit durch Gesellschaft

Bild von Lola

Angreifen

⇒ siehe auch Jagen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Kaninchen greifen entweder aus Angst oder anderweitig bedingter Aggressivität an, wobei Aggressionen dem Menschen gegenüber praktisch immer auf Haltungsfehler und/oder Angst zurückzuführen sind, da das Kaninchen den Menschen nicht als Rudelmitglied betrachtet und somit natürlicherweise weder Ambitionen hat, etwas gegen ihn zu verteidigen, noch die Rangordnung zu klären.

Einzige Ausnahme wäre ein (meist wiederholt auftretendes) Erlebnis, aus dem das Kaninchen gelernt hat, dass der Mensch ihm Ressourcen streitig macht: z.B. die wiederholte Wegnahme von Futter, während das Kaninchen beim Fressen ist. In diesem Fall entwickelt das Kaninchen tatsächlich ein Bedürfnis, sein "Hab und Gut" gegenüber dem Menschen zu verteidigen.

Angriffe werden durch Kratzen, Beißen und Jagen getätigt. Das Kratzen erfolgt meist mit den Vorderläufen, beizeiten springt das Kaninchen jedoch auch über seinen Artgenossen und verpasst ihm dabei einen "Tritt" mit den Hinterfüßen. Das Beißen unterteilt sich grob in Zwicken - dabei verliert das betroffene Tier meist lediglich Fell und erleidet einen leichten Schmerz - und kräftiges Beißen, welches durchaus zu blutigen Wunden führen kann.

Angstaggression

Ein Mensch, der sein Kaninchen in die Enge treibt - womöglich nach einer Verfolgungsjagd, während der das Tier verzweifelt versuchte, zu flüchten - braucht sich nicht zu wundern, wenn es den einzigen Ausweg in einem Angriff sieht; auch in der Natur hätte es keine andere Möglichkeit mehr, um sich zu schützen. Gerade Kaninchen, die als "Kinderspielzeuge" herhalten müssen, werden häufig aggressiv, da dem Kind nicht bewusst ist, dass es sein Kaninchen in Angst und Schrecken versetzt, wenn es es bedrängt. Wird ein angreifendes Tier dann auch noch bestraft, verstärkt das seine Aggressionen lediglich, da es sich in seiner Überzeugung bestätigt fühlt, der Mensch sei gefährlich.

Auch innerhalb einer Kaninchengruppe kann es zur Angstaggression kommen - fast immer infolge von Haltungsfehlern. Dazu gehört das Einsperren der Tiere auf engen Raum (Käfige, Ställe etc.): Möchte das überlegene Kaninchen die Rangordnung klären, kann das unterlegene nicht vor ihm flüchten und sieht seine einzige Chance in einem Gegenangriff. Dieser wiederum wird vom dominanten Tier als Herausforderung betrachtet, da ein unterwürfiges Tier normalerweise fortlaufen würde. Kaninchen können sich nicht "denken", dass dies auf engem Raum nicht möglich ist - sie gehen lediglich ihrem Instinkt nach Notwehr bzw. Verteidigung der Rangordnungsposition nach. Auf diese Weise eskaliert ein Kampf binnen kürzester Zeit, was zu schweren Verletzungen führen kann. Gerade unter gleichgeschlechtlichen Tieren und gerade, wenn sich diese nicht von kleinauf kennen, sind derartige Vorfälle keine Seltenheit.

Ebenfalls gefährlich werden können Unterschlüpfe, die nur über einen Ein- bzw. Ausgang verfügen: Auch hier kann sich ein unterlegenes Kaninchen leicht in die Enge getrieben fühlen, wenn das dominante Tier den Ausgang "versperrt", und zum Gegenangriff übergehen.

Anderweitig bedingte Aggressionen

Die Ursachen innerartlicher Aggressionen reichen darüber hinaus von bloßer Abneigung gegenüber einem Partnertier über Rangordnungsklärung und die "Launen" insbesondere von Häsinnen bishin zur Verteidigung von Futter, Weibchen bzw. Männchen, Unterschlupf oder Revier.

"Persönliche" Abneigungen treten unter Tieren ebenso auf wie unter Menschen und können dazu führen, dass ein bestimmtes Kaninchen regelmäßig von einem anderen angegriffen wird. Aber auch bei den meisten Tieren, die sich im Grunde mögen, kommt es hin und wieder zu kleineren Rangeleien, um die Rangordnungspositionen zu festigen oder neu zu regeln. Solange eines der Tiere eindeutig unterlegen ist, ergreift es stets die Flucht, wenn es angegriffen wird. Eine größere Gefahr besteht bei gleichermaßen selbstbewussten Tieren, da es hier anstelle einer Flucht zum Gegenangriff kommt, was ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen kann.

Auch innerhalb einer gewohnten Gruppe - je größer sie ist, desto häufiger - kommt es hin und wieder zu neuerlichen Rangordnungsklärungen: Grund kann z.B. eine Situation sein, die einem Kaninchen den Eindruck vermittelt, das unterlegene "auf seinen Platz verweisen" zu müssen; aber auch eine tatsächliche "Aufmüpfigkeit" kann Aggressionen beim Alpha-Tier hervorrufen. Möchte ein unterlegenes Tier in der Rangordnung aufsteigen, kann es zu den oben genannten Kämpfen kommen.

Wird ein gruppenfremdes Kaninchen gesichtet oder sein Geruch wahrgenommen, kann es durchaus zu Unverträglichkeiten innerhalb der Gruppe kommen, da ein neuer Artgenosse zunächst die komplette Rangordnung durcheinanderwirft. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt, wenn das fremde Kaninchen nicht direkt gegenwärtig ist, sondern "nur" gewittert wird: Die alteingesessenen Tiere können ihrem Bedürfnis nach Revierverteidigung und Rangordnungsklärung mit dem Neuling nicht nachkommen, die Folge sind ein Aufstau von Aggressionen und Stress. Aus diesem Grunde führt die früher gerne empfohlene "Gitter-an-Gitter-Methode" nicht etwa dazu, dass die erste Begegnung glimpflicher abläuft, sondern im Gegenteil sind umso heftigere Reaktionen zu erwarten, da sich die aufgestauten Aggressionen bei der Zusammenführung unweigerlich entladen - evtl. sogar bereits vorher, indem ersatzweise die gewohnten Artgenossen attackiert werden. Di e Harmonie der Gruppe ist dann stark in Mitleidenschaft gezogen.

Stress- und/oder launenbedingte Aggressionen werden häufig durch "Unfreundlichkeiten" gegenüber Artgenossen entladen. Ursachen können Platzmangel, eine mangelhafte Strukturierung des Kaninchenheims, Unterschlupfmangel, Menschenscheue, ein unbefriedigter Sexualtrieb, Scheinträchtigkeit, Lärm u.v.m. sein. Eine tiergerechte Unterbringung (je nach Kaninchengröße mind. 2-10qm/Tier rund um die Uhr; umfangreiche Strukturierung des Kaninchenheimes, diverse Beschäftigungsmöglichkeiten; keine ständigen Larmfaktoren), ggfs. mehrere Futterplätze sowie die Kastration häufig scheinträchtiger oder enorm unausgeglichener, launischer Häsinnen sind daher Grundvoraussetzungen für Harmonie in der Kaninchengruppe.

Anstupsen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Ein leichtes Anstupsen mit der Nase zeugt von Interesse, Neugierde und Kontaktbereitschaft. So werden unbekannte Gegenstände oder im Kaninchenheim befindliche Menschen sanft mit der Schnauze berührt, um sie näher zu untersuchen; stupst ein Kaninchen wiederholt die menschliche Hand an, möchte es Kontakt aufnehmen. Verschmuste Kaninchen schieben von Zeit zu Zeit sogar ihr Köpfchen unter die Hand ihres Besitzers und "bitten" damit um Streicheleinheiten.

Weicht ein Kaninchen der Berührung aus, zieht es sich zurück oder schiebt es die Hand kräftig beiseite, hat es genug und möchte in Ruhe gelassen werden.

Aufreiten

⇒ Besteigen

Ausschau halten durch Aufrichten

⇒ Männchen machen

Ausschau halten durchs Aufsuchen erhöhter Ebenen

⇒ Erhöhte Ebenen aufsuchen

Ausstrecken

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Entspannte, ruhebedürftige Kaninchen strecken gerne alle Viere von sich. Möchten sie sich lediglich ausruhen, bleiben die Augen dabei meist leicht geöffnet und das Ohrenspiel weiterhin bestehen. Schlafende Tiere hingegen klappen die Ohen dicht an den Rücken und schließen die Augen vollständig.

Natürlich kann häufiges Ruhen auch Zeichen einer Erkrankung sein - wirkt Ihr Kaninchen ständig erschöpft, schläft vermehrt und bewegt sich kaum noch, ist ein Tierarztbesuch angesagt.

Beißen

⇒ Angreifen

Besteigen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Unabhängig vom Geschlecht kann bei allen Kaninchen von Zeit zu Zeit beobachtet werden, dass sie sich gegenseitig besteigen. Dies kann einerseits aus unbefriedigtem Sexualtrieb herrühren, aber auch lediglich eine Dominanzgeste darstellen, mit der dem bestiegenen Tier dessen Unterlegenheit deutlich gemacht werden soll. Darüber hinaus kommt es natürlich auch während der Paarung zur Besteigung.

Buddeln

⇒ Graben

Erhöhte Ebenen aufsuchen

Natürliches Grundbedürfnis - Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Aufsuchen erhöhter Punkte gehört zum natürlichen Verhaltensrepertoire des Kaninchens: Die Tiere lieben es, aus luftiger Höhe ihre Umgebung komplett im Blick zu haben. Daher sollten auch unsere Heimtiere immer diverse Möglichkeiten besitzen, zweite oder dritte Ebenen aufzusuchen - z.B. anhand von Brettern, die waagrecht am Zaun befestigt werden, Flachdachhöhlen und Kisten. Höhen, die nicht mit einem einzigen Sprung aufgesucht werden können, rücken mithilfe einiger Stufen in Reichweite - die wiederum aus niedrigeren Flachdachgegenständen bestehen können.

INFO: So lassen sich natürliche Verhaltensweisen ausleben

Fauchen

⇒ Knurren

Fellfressen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Fellfressen ist in aller Regel als Verhaltensstörung zu betrachten, die Folge einer Fehlernährung (Rohfasermangel), aber auch eines Haltungsfehlers sein kann - wie beispielsweise Platz- und Beschäftigungsmangel oder Isolationshaltung (=Einzelhaltung). Ebenfalls möglich ist allerdings ein Pilz- oder Parasitenbefall. Neben einer Überprüfung der Haltungsbedingungen ist daher auch ein baldestmöglicher Tierarztbesuch angezeigt.

Fiepen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Kaninchenbabys stoßen helle Fieptöne aus, wenn sie sich verlassen fühlen und Angst haben. Ausgewachsene Tiere, die zugleich verängstigt und abwehrbereit sind (z.B. wenn sie vom Besitzer in die Enge getrieben werden), knurren in einer Tonlage, die ebenfalls ans Fiepen erinnern (siehe "Knurren").

Gähnen

Bei entspannten Kaninchen, die sich gerade in einer Ruhephase befinden, ist hin und wieder zu beobachten, wie sie herzhaft gähnen. Dies kann aus dem Sitzen heraus erfolgen, aber auch mit einem ausgiebigen Recken und Strecken kombiniert sein.

Graben

Natürliches Grundbedürfnis

Wildkaninchen verbringen einen Großteil ihres Lebens mit der Anlage und Erweiterung ihres Baus. Das Grabetrieb steckt auch unseren Hauskaninchen noch im Blut, weshalb ihnen - sofern sie nicht ohnehin im Außengehege leben - stets eine Buddelkiste zur Verfügung stehen sollte.

INFO: So lassen sich natürliche Verhaltensweisen ausleben

Haare auszupfen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Auszupfen der Bauch- und Brusthaare stellt ein typisches Verhalten trächtiger Häsinnen dar, die mit ihrem Fell ihr Nest polstern.

Weitere mögliche Ursachen - oft in Kombination mit dem Fressen des ausgezupften Fells - ist in aller Regel als Verhaltensstörung zu betrachten, die Folge einer Fehlernährung (Rohfasermangel), aber auch eines Haltungsfehlers sein kann - wie beispielsweise Platz- und Beschäftigungsmangel oder Isolationshaltung (=Einzelhaltung). Ebenfalls möglich ist allerdings ein Pilz- oder Parasitenbefall. Neben einer Überprüfung der Haltungsbedingungen ist daher auch ein baldestmöglicher Tierarztbesuch angezeigt.

Haken schlagen

Natürliches Grundbedürfnis - Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Hakenschlagen bezeichnet eine unvermittelte Drehung während eines Luftsprunges, der aus einem Sprint heraus eingelegt wird. Die Folge ist ein abrupter Richtungswechsel. Mit diesem Instinktverhalten gelingt es Wildkaninchen, Fressfeinden zu entkommen. Bei sehr großem Platzangebot schlagen Kaninchen aber auch aus Lust und Laune Haken - der körperlichen Fitness und des Trainings halber.

Harn spritzen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Kaninchen sind äußerst revierbezogene Tiere, die die Grenzen ihres Territoriums regelmäßig markieren. Dies geschieht v.a. bei einem Umgebungswechsel oder während einer Vergesellschaftung u.a. durch das Verspritzen penetrant riechenden Urins.

Auch Kaninchen, die normalerweise stubenrein sind, können unter bestimmten Umständen vorübergehend unsauber werden und Harn verspritzen; beispielsweise nach einem Umzug oder anderen Umgebungswechsel, während einer Vergesellschaftung, bei Unruhen in einer bestehenden Gruppe oder wenn ein bestimmter Raum plötzlich nach fremden Kaninchen riecht. Auch Kaninchen in Außenhaltung neigen unter den genannten Umständen vermehrt zum Markierverhalten.

Grundsätzlich steigt die Unsauberkeit mit der Gruppengröße. Während ein Pärchen meist gut miteinander harmoniert, wird die Rangordnung instabiler, je mehr Tiere in einer Gruppe leben. Dadurch steigt das Bedürfnis, die eigene Rangposition zu unterstreichen oder zu "verbessern", was sich in vermehrtem Markierverhalten äußert.

Besonders große Rivalitäten herrschen immer zwischen unkastrierten Rammlern, weswegen das Harnspritzen bei ihnen besonders ausgeprägt ist – sehr zum Leidwesen vieler Besitzer von Wohnungskaninchen. Aber auch manche Häsinnen werden aufgrund ihres Markierverhaltens nicht vollständig stubenrein. Die Kastration schafft diesbezüglich in der Regel Abhilfe – je früher sie durchgeführt wird, desto leichter und schneller legen die Kaninchen das unerwünschte Verhalten ab.

Natürlich ist die Kastration bei Problemen mit der Stubenreinheit keinesfalls als grundsätzliche Lösung zu betrachten!

Unsauberkeit kann eine ganze Palette an Ursachen haben, die es zunächst zu ergründen gibt - wenngleich die Häsinnenkastration zwecks Gesundheitsprophylaxe in vielen Fällen durchaus anzuraten ist. Informieren Sie sich daher zunächst unbedingt unter dem folgenden Link:

Hinlegen

s.o. "Ausstrecken"

Jagen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Jagen eines Artgenossen dient meist der Rangordnungsklärung, kann aber auch aus einem Futter-, Revier- oder Partnerverteidigungsbedürfnis oder schlichtweg aus einer Laune heraus resultieren.

Je nach individuellem Charakter der Gruppenmitglieder, Unterbringung (Platzangebot, Strukturierung) und äußeren Einflüssen (gestresste Tiere sind aggressiver; das Wittern fremder Artgenossen animiert zur Rangordnungsklärung auch innerhalb der gewohnten Gruppe) jagen dominante Kaninchen ihre Artgenossen mehrmals täglich, gelegentlich oder auch nie.

Verfolgungsjagden können äußerst wild und auch laut ausfallen, da z.B. Einrichtungsgegenstände durchaus einmal gerammt werden. Auch, dass dabei gehörig Fell fliegt (ob nun stressbedingt oder durch Ausrupfen), ist natürlich und normal. All dies ist grundsätzlich kein Grund zur Besorgnis oder gar zur Trennung, sofern ausreichend Platz und Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind, die Tiere sich nicht ineinander verkeilen (d.h. das unterlegene Kaninchen lediglich davonläuft) und keines der Tiere so sehr unterdrückt wird, dass es dadurch an Lebensqualität verliert. Dies wäre z.B. dadurch erkennbar, dass es sich nicht mehr aus seinem Unterschlupf oder ans Futter wagt, ständig verängstigt wirkt oder immer alleine herumsitzt.

Während einer Vergesellschaftung sind Verfolgungsjagden Gang und Gebe, um die Rangordnung festzulegen. Das fortlaufende Tier ist dem jagenden dabei grundsätzlich unterlegen. Sind beide Kaninchen gleichermaßen selbstbewusst genug, um nicht fortzulaufen, gehen sie meist frontal aufeinander los und verkeilen sich mitunter sogar ineinander. Oftmals genügen dann wenige Sekunden, um eines der Kaninchen doch zur Unterordnung und somit zur Flucht zu bewegen.

Auch innerhalb einer gewohnten Gruppe - je größer sie ist, desto häufiger - kommt es hin und wieder zu neuerlichen Rangordnungsklärungen: Grund kann z.B. eine Situation sein, die einem Kaninchen den Eindruck vermittelt, das unterlegene "auf seinen Platz verweisen" zu müssen; aber auch eine tatsächliche "Aufmüpfigkeit" kann Aggressionen beim Alpha-Tier hervorrufen. Möchte ein unterlegenes Tier in der Rangordnung aufsteigen, kann zu den oben genannten Kämpfen kommen.

Wird ein gruppenfremdes Kaninchen gesichtet oder sein Geruch wahrgenommen, kann es durchaus zu Unverträglichkeiten innerhalb der Gruppe kommen, da ein neuer Artgenosse zunächst die komplette Rangordnung durcheinanderwirft. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt, wenn das fremde Kaninchen nicht direkt gegenwärtig ist, sondern "nur" gewittert wird: Die alteingesessenen Tiere können ihrem Bedürfnis nach Revierverteidigung und Rangordnungsklärung mit dem Neuling nicht nachkommen, die Folge sind ein Aufstau von Aggressionen und Dauerstress. Aus diesem Grunde führt die früher gerne empfohlene "Gitter-an-Gitter-Methode" nicht etwa dazu, dass die erste Begegnung glimpflicher abläuft, sondern im Gegenteil sind umso heftigere Reaktionen zu erwarten, da sich die aufgestauten Aggressionen bei der Zusammenführung unweigerlich entladen - evtl. sogar bereits vorher, indem ersatzweise die gewohnten Artgenossen attackiert werde n. Die Harmonie der Gruppe ist dann stark in Mitleidenschaft gezogen.

Stress- und/oder launenbedingte Aggressionen werden häufig durch die spontane Jagd eines Artgenossen entladen. Ursachen können Platzmangel, eine mangelhafte Strukturierung des Kaninchenheims, Unterschlupfmangel, Menschenscheue, ein unbefriedigter Sexualtrieb, Scheinträchtigkeit, Lärm u.v.m. sein. Eine tiergerechte Unterbringung (je nach Kaninchengröße mind. 2-10qm/Tier rund um die Uhr; umfangreiche Strukturierung des Kaninchenheimes, diverseBeschäftigungsmöglichkeiten; keine ständigen Larmfaktoren), ggfs. mehrere Futterplätze sowie die Kastration häufig scheinträchtiger oder enorm unausgeglichener, launischer Häsinnen sind daher Grundvoraussetzungen für Harmonie in der Kaninchengruppe.

Kämpfen

⇒ Angreifen

Kinn reiben (an Gegenständen)

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Reiben des Kinnes an Gegenständen gehört zum instinktiven Markierverhalten von Häsin und Rammler. Dabei hinterlassen sie mithilfe der Kinndrüse für den Menschen nicht wahrnehmbare Duftstoffe.

Knabbern

⇒ Nagen

Knurren

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Fauchen oder Knurren der Kaninchen klingt wie ein tiefer, kurz ausgestoßener Grunzlaut und zeugt genau wie bei anderen Tieren von Aggressivität. Es wird sowohl gegenüber anderen Tieren als auch dem Menschen eingesetzt und klingt höher, wenn das Kaninchen sich währenddessen unsicher fühlt: So stoßen verängstigte Kaninchen, die in die Enge getrieben werden und das Gefühl haben, sich aus Notwehr heraus verteidigen zu müssen, eher Quietsch- als Grunzlaute aus.

Kopf senken

Ein Kaninchen, das auf einen Artgenossen oder den Menschen zuhoppelt, vor ihm Halt macht, mit entspanntem Blick den Kopf senkt und in dieser Position verharrt, "bittet" darum, geputzt bzw. gestreichelt zu werden. Oftmals mahlt es dabei genüsslich mit den Kiefern, schließt wohlig die Augen und legt sich mitunter sogar auf den Boden.

Kot verteilen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Kaninchen sind äußerst revierbezogene Tiere, die ihr Territorium markieren, um es als ihr Eigentum zu kennzeichnen. Dies geschieht unabhängig vom Geschlecht u.a. mithilfe von Kotkügelchen, die an gut sichtbaren Orten – in der Wildnis z.B. auf einem kahlen Fleck Wiese – zu Dutzenden zurückgelassen werden.

Auch Kaninchen, die normalerweise stubenrein sind, können unter bestimmten Umständen vorübergehend unsauber werden und Köttel verteilen; beispielsweise nach einem Umzug oder anderen Umgebungswechsel, während einer Vergesellschaftung, bei Unruhen in einer bestehenden Gruppe oder wenn ein bestimmter Raum plötzlich nach fremden Kaninchen riecht. Auch Kaninchen in Außenhaltung neigen unter den genannten Umständen vermehrt zum Markierverhalten.

Grundsätzlich steigt die Unsauberkeit mit der Gruppengröße. Während ein Pärchen meist gut miteinander harmoniert, wird die Rangordnung instabiler, je mehr Tiere in einer Gruppe leben. Dadurch steigt das Bedürfnis, die eigene Rangposition zu unterstreichen oder zu "verbessern", was sich in vermehrtem Markierverhalten äußert.

Kratzen

Ein Kaninchen, das sich selber kratzt, tut dies infolge eines Juckreizes. In der Regel werden hierfür die Hinterläufe eingesetzt. Gelegentliches Kratzen ist nicht weiter besorgniserregend; tritt es gehäuft auf, muss hingegen von einem gesundheitlichen Problem ausgegangen werden. Pilz- und Parasitenbefall führt dabei zu Juckreiz am gesamten Körper, während lokal begrenzte Problematiken - z.B. eine verschorfte Wunde, ein Abszess oder eine Zecke - das Kaninchen dazu veranlassen, sich ständig an derselben Stelle zu kratzen. Im Zweifelsfalle sollte daher immer ein Tierarzt zurate gezogen werden.

Das Kratzen von Artgenossen erfolgt meist mit den Vorderläufen, kombiniert mit einem Knurrlaut; beizeiten springt das Kaninchen jedoch auch über seinen Artgenossen und verpasst ihm dabei einen "Tritt" mit den Hinterfüßen.

Männchen machen

Natürliches Grundbedürfnis - Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Aufrichten ist immer ein Zeichen von interessierter Aufmerksamkeit.

In der Regel verfolgt es praktische und völlig offensichtliche Ziele:

Höhen erforschen

Einerseits stellen Kaninchen sich auf ihre Hinterbeine, um an höher gelegene Objekte - z.B. einen schmackhaften Zweig - zu reichen, andererseits dient es dem besseren Überblick der Umgebung. Nicht nur Fressbares rückt durchs Männchenmachen in Reichweite; auch erhöht befindliche Gegenstände können auf diese Weise mit Nase und Tasthaaren genauer untersucht und gegebenenfalls mit dem Kinn markiert werden. Hierzu zählen u.a. die menschliche Hand, nach der sich zutrauliche Kaninchen meist sofort interessiert recken, aber auch ein auf zweiter Ebene sitzender Artgenossen.

Für die Erkundung sehr hoch gelegene Gegenstände werden gerne die Vorderbeine zuhilfe genommen, um sich während des Aufrichtens abzustützen. Ist dies nicht möglich, kommt es schon einmal vor, dass das Kaninchen sein Gleichgewicht verliert und auf die Seite "purzelt".

Generelle Unsicherheiten beim Männchenmachen können erste Anzeichen einer fortschreitenden Gleichgewichtsproblematik sein, wie sie z.B. durch eine Infektion mit E. Cuniculi (Enzephalitozoonose) verursacht wird. Plötzlich "tollpatschig" wirkende Kaninchen sollten also unbedingt dem Tierarzt vorgestellt werden.

INFO: Enzephalitozoonose

Gerade bei beweglichen Objekten (pendelnde Objekte, der vorbeilaufende Mensch) erfolgt oft ein in kurzen Intervallen widerholtes Anheben und Wiederabstellen der Vorderbeine, wobei der Körper unterschiedlich stark aufgerichtet wird.

Richtet sich ein Kaninchen zwecks Erkundung eines Objektes oder Lebewesens auf, schnuppert es dabei interessiert, das Ohrenspiel erfolgt je nach Konzentrationsintensität eingeschränkt oder wird ganz ausgesetzt; vorwitzige Kaninchen richten ihre Ohren kerzengerade auf oder sogar nach vorn in Richtung Objekt, während ängstliche oder "verärgerte" Tiere sie je nach Ausmaß ihrer Stimmung mehr oder weniger stark anlegen.

Umgebungssicherung

Das Sichern der Umgebung gehört zu den vielfach am Tag ausgelebten natürlichen Verhaltensweisen des Kaninchens. Umgesetzt wird es nicht nur durchs Männchenmachen, sondern u.a. auch das Aufsuchen erhöhter Ebenen. Verstärkt zu beobachten ist sie bei aufgeregten Kaninchen - sowohl freudige Erwartung (z.B. wenn das Rascheln der Futtertüte vernommen wird) als auch Beunruhigung oder gar Angst (z.B. durch Hundegebell, Raubvogelkrächzen, eine vorbeischleichende Katze oder den herbeigetragenen Geruch eines Marders) können ursächlich sein.

Der Übergang von bloßer Aufmerksamkeit zur Beunruhigung erfolgt schleichend. Erkennen können Sie die Intensität der Nervosität u.a. an den Augen (je geweiteter Augen und Pupillen, desto größer die Aufregung) und daran, ob und wie häufig das Kaninchen mit seinen Hinterfüßen trommelt (je häufiger, desto größer die Aufregung!). Werden zwischen mehreren Phasen des angespannten Aufrichtens immer wieder ein oder mehrere "steif" wirkende, "hohe Sprünge" ausgeführt, steht das Tier unter großem Stress und versucht nervös, den gewitterten Feind ausfindig zu machen.

Markieren

Das natürliche Markierverhalten unterteilt sich in:

Kaninchen sind äußerst revierbezogene Tiere, die ihr Territorium markieren, um es als ihr Eigentum zu kennzeichnen. Dies geschieht unabhängig vom Geschlecht u.a. mithilfe von Kotkügelchen, mit dem Verspritzen von Urin und dem Reiben des Kinnes an Gegenständen (die dabei freigesetzten Duftstoffe sind für den Menschen nicht wahrnehmbar).

Auch Kaninchen, die normalerweise stubenrein sind, können unter bestimmten Umständen vorübergehend unsauber werden; beispielsweise nach einem Umzug oder anderen Umgebungswechsel, während einer Vergesellschaftung, bei Unruhen in einer bestehenden Gruppe oder wenn ein bestimmter Raum plötzlich nach fremden Kaninchen riecht. Auch Kaninchen in Außenhaltung neigen unter den genannten Umständen vermehrt zum Markierverhalten.

Grundsätzlich steigt die Unsauberkeit mit der Gruppengröße. Während ein Pärchen meist gut miteinander harmoniert, wird die Rangordnung instabiler, je mehr Tiere in einer Gruppe leben. Dadurch steigt das Bedürfnis, die eigene Rangposition zu unterstreichen oder zu "verbessern", was sich in vermehrtem Markierverhalten äußert.

Besonders große Rivalitäten herrschen immer zwischen unkastrierten Rammlern, weswegen das Harnspritzen bei ihnen besonders ausgeprägt ist – sehr zum Leidwesen vieler Besitzer von Wohnungskaninchen. Aber auch manche Häsinnen werden aufgrund ihres Markierverhaltens nicht vollständig stubenrein. Die Kastration schafft diesbezüglich in der Regel Abhilfe – je früher sie durchgeführt wird, desto leichter und schneller legen die Kaninchen das unerwünschte Verhalten ab.

Natürlich ist die Kastration bei Problemen mit der Stubenreinheit keinesfalls als grundsätzliche Lösung zu betrachten!

Unsauberkeit kann eine ganze Palette an Ursachen haben, die es zunächst zu ergründen gibt - wenngleich die Häsinnenkastration zwecks Gesundheitsprophylaxe in vielen Fällen durchaus anzuraten ist. Informieren Sie sich daher zunächst unbedingt unter dem folgenden Link:

Mümmeln

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Während ihrer Ruhephasen ist häufig zu beobachten, wie die Kaninchen - meist mit halb oder vollständig geschlossenen Augen - gemächlich "vor sich hin mümmeln". Dieses Verhalten ist Zeichen von Wohlbefinden und Entspannung. Auch verschmuste Kaninchen mümmeln genüsslich, wenn sie sanft gestreichelt und gekrault werden. Das Mümmeln ist genauer betrachtet nichts anderes als ein leichtes Gegeneinanderreiben der Kiefer, wodurch bei genauem Hinhören auch ein leise mahlendes Geräusch zu vernehmen ist.

Nicht zu verwechseln ist das Mümmeln mit dem Zähneknirschen, einem Zeichen starker Schmerzen. Die Unterscheidung ist in erster Linie anhand des Allgemeinbefindens möglich, welches bei Tieren, die unter massiven Schmerzen leiden, sichtbar gestört ist.

Nagen

Natürliches Grundbedürfnis

Kaninchen nagen von Natur aus für ihr Leben gern. In der Wildnis ist dieses Verhalten überlebenswichtig, da im Winter u.a. Baumrinde die Hauptnahrungsquelle der Kaninchen darstellt. Durchs Nagen wird die Kiefermuskulatur trainiert, der austretende Harz fördert die Zahnreinigung. Unseren Hauskaninchen sollten daher so häufig wie möglich Zweige sowie dicke Äste von fressbaren Bäumen zur Verfügung gestellt werden; alternativ eignen sich käufliche Naturhölzer. Anderenfalls weichen die Tiere meist auf Möbel, Zaunlatten u.ä. aus.

Da man sich auch bei einem reichlichen Alternativangebot nie darauf verlassen kann, dass die Kaninchen keine anderweitigen Gegenstände benagen - gerade Unbekanntes wird gerne auch mit den Zähnen untersucht - , sollte alles, was den Tieren bei Verzehr gefährlich werden kann bzw. was durch sie zerstört werden könnte, unbedingt außer Reichweite aufbewahrt werden. Dazu gehören Giftpflanzen ebenso wie Kabel, Plastikutensilien, chemische Substanzen, (lackierte) Möbel, Gardinen u.v.m.

Nest bauen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Trächtige Häsinnen legen wenige Tage oder sogar nur Stunden vor der Geburt ein Nest für ihre Jungen an, welches aus Heu sowie ausgezupften Bauch- und Brusthaaren besteht. Bei unkastrierten Weibchen tritt - je nach Individuum unterschiedlich häufig - das Phänomen der sogenannten Scheinträchtigkeit auf. Scheinträchtige Häsinnen verhalten sich ebenso wie tatsächlich trächtige, d.h. sie legen Nester an, werden merklich aggressiv gegenüber Artgenossen und bilden Milch, was an einer Schwellung der Zitzen erkennbar ist. Da häufige Scheinträchtigkeiten die Gefahr massiv erhöhen, dass die Tiere im mittleren bis fortgeschrittenen Alter an Gebärmutter- und Mammaleistentumoren erkranken, ist ggfs. eine vorbeugende Kastration anzuraten.

INFO: Die unentbehrliche Kastration

Ohren bewegen

⇒ Ohrenspiel

Ohrenspiel

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Ohrenspiel bezeichnet die permanente Ausrichtung beider Ohrmuscheln in Richtung Geräuschquelle(n) - wobei die Ohren unabhängig voneinander bewegt werden können. Bei gesunden Kaninchen erfolgt das Ohrenspiel ganz von selber; es kann in bestimmten Situationen jedoch ausbleiben, wie beispielsweise starker Konzentration auf ein bestimmtes Objekt (die Ohren zeigen dann in dessen Richtung), Schlaf oder Angststarre.

Widdern ist das Ohrenspiel nur eingeschränkt möglich. Je nach Größe und Gewicht der Ohren können einige Widder ihre Ohren komplett aufstellen und nutzen wie Stehohrkaninchen; dies tun sie in erster Linie in Stresssituationen. Anderen Widdern ist nur ein leichtes Anheben ihrer Ohren möglich.

Grundsätzlich verfügen Widder über ein eingeschränktes Hörvermögen.

Putzen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Putzen des eigenen Fells

Das Putzen dient in erster Linie der Körperpflege, hat aber auch den positiven Nebeneffekt einer durchblutungsfördernden Massage. Durchs intensive Belecken wird das Fell von Schmutzpartikeln befreit und "gekämmt", kleinere Verfilzungen werden durch Beknabbern entfernt. Gesunde Kaninchen putzen mehrmals täglich ihren gesamten Körper - wo sie mit der Zunge nicht hingelangen, helfen die zuvor mit Speichel befeuchteten Vorderpfoten aus. Zu diesen Bereichen gehören z.B. Gesicht, Stirn, Nacken und Ohren, während ein Großteil des Rückens, die Flanken und das Hinterteil dank überraschender Gelenkigkeit vom gesunden Kaninchen direkt mit der Schnauze erreicht werden.

Beeinträchtigungen des Putzverhaltens

Eine Vernachlässigung der Fellpflege ist grundsätzlich als Krankheitsanzeichen zu betrachten. Hier ist zu unterscheiden, ob das Kaninchen sich nicht (überall) putzen kann oder nicht putzen will.

Sind Putzversuche zu beobachten, die jedoch immer wieder abgebrochen werden, ist genaue Beobachtung wichtig:

Zeigt das Kaninchen ein gewöhnliches Putzverhalten und weist dennoch Fellverschmutzungen auf, kommen ebenfalls unterschiedliche Ursachen infrage. Möglich sind u.a. Durchfall (der auch in "nur" breiiger Form leicht am After hängen bleibt und verhärtet), Hygienemangel (das Kaninchen sitzt ständig auf verunreinigtem Boden), Bewegungsmangel (das Kaninchen bleibt mangels Animation und Hoppelfläche in seinen Fäkalien sitzen, sodass diese am Hinterleib festkleben und verhärten) oder zu lange Haare (rassebedingt - hier ist ein regelmäßiges Kürzen der betroffenen Fellpartien mit der Schere notwendig).

Gegenseitige Fellpflege

Das gegenseitige Putzen gehört zum natürlichen Verhaltensrepertoire des Kaninchens und zeugt von Zuneigung. Besonders gerne lassen sich Kaninchen dort putzen (und auch streicheln), wo sie selbst mit der Zunge nicht hingelangen - d.h. im Kopf-, Nacken- und Ohrenbereich.

Befreundete Kaninchen verbringen viel Zeit damit, sich gegenseitig Kopf, Ohren, Nacken, Rücken und Flanken zu belecken. Neben der Fellpflege dient das Putzen als angenehme Massage der Festigung der gegenseitigen Bindung; zudem hat es eine durchblutungsfördernde Wirkung.

Kaninchen, die geputzt werden möchten, senken mit halb oder vollständig geschlossenen Augen den Kopf, wenn sie einem Artgenossen begegnen, und warten ruhig ab, bis dieser reagiert. Sind die Augen während des Kopfsenkens weit geöffnet, deutet dies hingegen auf Unterlegenheit und Unsicherheit hin - auch dann folgt von friedlich aufgelegten dominanten Tieren häufig ein Putzen.

Hin und wieder wird das Belecken auch als Beschwichtigungsverhalten angewandt: So neigen etwa Kaninchen, die auf dem Arm festgehalten werden, dazu, nervös-mechanisch an der Hand ihres Besitzers zu lecken. Dieses Verhalten wird gerne als Zufriedenheit und Nähe zum Besitzer fehlinterpretiert - der Irrtum wird deutlich, wenn man die geweiteten Augen und den beschleunigten Herzschlag des Kaninchens sowie die Tatsache berücksichtigt, dass es seinen Besitzer niemals putzt, solange es *nicht* festgehalten wird.

Schleckt ein Kaninchen hingegen ganz ungezwungen an der menschlichen Hand - d.h., wenn es unter keinerlei Zwang steht - , deutet dies tatsächlich auf Zuneigung hin.

"Rammeln"

⇒ Besteigen

Rennen

Natürliches Grundbedürfnis - Mögliche Bedeutung / Ursache:

Neben der direkten Flucht vor einem Räuber kann bereits ein unerwartetes Geräusch dazu führen, dass das Kaninchen vor Schreck blitzschnell davonläuft und einen Unterschlupf aufsucht. Zutrauliche Kaninchen, die ihren Besitzer entdecken, kommen ihm mitunter fröhlich entgegengerannt. Rennt ein Kaninchen ohne ersichtlichen Grund auf und ab oder ständig im Kreis, lebt es aus purer Lebensfreude seinen Bewegungsdrang aus. In der Wildnis dient ein solches Training der körperlichen Fitness und Ausdauer.

Schreien

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Kaninchen in Todesangst stoßen gellende Schreie aus, die an die menschlicher Babys erinnern. Da die Gefahr eines akuten Herz-Kreislauf-Versagens besteht, müssen sie schnellstmöglich aus der beängstigenden Situation entfernt und an einen ruhigen, abgedunkelten, möglichst gewohnten Ort verbracht werden, um sich erholen zu können, und gehören dann schnellstmöglich in tierärztliche Behandlung.

INFO: Schock

Springen

Natürliches Grundbedürfnis - Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Springen gehört zu den natürlichen Grundbedürfnissen des Kaninchens, was einer der Gründe dafür ist, dass Käfige, aber auch zu niedrige Gehege keinen geeigneten Lebensraum für die Tiere darstellen. Nicht nur springen Kaninchen gerne, um sich auszutoben; sie suchen auch mit Vorliebe erhöhte Orte auf, um ihre Umgebung optimal im Blick zu behalten.

Spritzen

⇒ Harn spritzen

Stroh sammeln

=>Nest bauen

Stupsen

⇒anstupsen

Toben

Natürliches Grundbedürfnis - Bedeutung / Ursache:

Kaninchen, die sich wohlfühlen und denen besonders viel Platz zur Verfügung steht, toben gerne ausgelassen umher, indem sie blitzschnell kreuz und quer über die gesamte Fläche rennen und übermütig Haken schlagen. Wer dieses Verhalten bei seinen Kaninchen beobachtet, kann sich ihrer tiergerechten Unterbringung sicher sein.

Trommeln

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Beim Trommeln klopft das Kaninchen deutlich hörbar mit den Hinterläufen auf den Boden. Dieser Klopflaut ist immer Folge von Beunruhigung; er wird von Artgenossen als Warnsignal interpretiert und führt somit auch bei ihnen zu gesteigerter Nervosität, Aufmerksamkeit und Fluchtbereitschaft.

Auslöser des Trommelns ist meist das Wittern eines Räubers - durch ein entsprechendes Geräusch, einen Geruch oder den direkten Anblick. Das Trommeln wird solange fortgeführt, bis das Fluchtbedürfnis überwiegt und das Kaninchen blitzschnell einen Unterschlupf aussucht. Oftmals erfolgt es im Wechsel mit aufgeregtem Umherhoppeln, einzig unterbrochen durch angespanntes Lauschen oder gelegentliches nervöses Männchenmachen (s.o.).

Auch "verstimmte" Kaninchen (z.B. solche, die gerade auf den Arm genommen und wieder abgesetzt wurden) oder grundsätzlich verunsicherte (z.B. einzeln gehaltene) Tiere neigen zum Trommeln.

Grundsätzlich ist das Kaninchen desto unruhiger, je häufiger es trommelt und je ausgeprägter auch anderweitige Merkmale von Beunruhigung (z.B. intensives Lauschen, angespannte Körperhaltung, Hoppeln in "hohen" Sprüngen, Augen- und Pupillenweiten) zu beobachten sind.

Urin spritzen

⇒ Harn spritzen

Verfolgungsjagden

s.o. "Jagen"

Verstecken

Natürliches Grundbedürfnis - Mögliche Bedeutung / Ursache:

Das Verstecken gehört zu den instinktiven Grundbedürfnissen des Kaninchens und kann ebenso aus Angst, Unsicherheit oder einem Ruhebedürfnis heraus erfolgen wie aus bloßer Freude daran, Unterschlüpfe aufzusuchen. Grundsätzlich gilt: Je dunkler, verwinkelter und nischenreicher die Höhle und je schmaler der Eingang, desto besser. Der Grund wird offensichtlich, wenn man einen Blick auf die Gepflogenheiten des Wildkaninchens wirft: Dessen selbstgegrabene Bauten verfügen über unzählige Gänge, Windungen, Verzweigungen, Wohnkammern und Ausgänge und dienen den Tieren als sicherer Rückzugsorte. Je besser ein Unterschlupf daher den natürlichen Bau imitiert, desto beliebter ist er bei den Kaninchen und desto sicherer fühlen sie sich darin.

Grundsätzlich hegen Kaninchen eine Vorliebe für jede Art von Höhlen, Tunneln und anderweitigen Unterschlüpfen - Hauptsache, sie haben ein "Dach über dem Kopf". Bereits aus Pappkartons, in die Ein- und Ausgänge geschnitten werden, lassen sich herrliche Abenteuerlandschaften bauen.

Wälzen

Kaninchen, die sich wohl und sicher fühlen, legen oder werfen sich gelegentlich auf den Boden und wälzen sich ausgelassen auf dem Rücken hin und her - vorzugsweise, wenn es sich beim Untergrund um gelockerte Erde handelt.

Da aus Wohlbefinden herrührendes Wälzen auf den ersten Blick leicht mit neurologisch bedingten Rollbewegungen (z.B. Krampfanfälle oder Koordinationsstörungen durch Enzephalitozoonose) zu verwechseln ist, sollten Sie gut beobachten, ob Ihr Kaninchen dabei unkoordiniert wirkt oder zu krampfen scheint sowie ob es im Anschluss einen benommenen, verwirrten und/oder schwindeligen Eindruck macht.

INFO: Enzephalitozoonose

Wegschieben der Hand

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Ein Kaninchen, das die Hand seines Besitzers mit der Schnauze kräftig beiseite schiebt, möchte in Ruhe gelassen und nicht länger berührt werden.

Werfen von Gegenständen

Mögliche Bedeutung / Ursache:

Hin und wieder kann man beobachten, wie Kaninchen herumliegende Gegenstände mit der Schnauze packen und umherwerfen oder kraftvoll zur Seite stoßen. Besonders beliebt in dieser Hinsicht sind Äste sowie kleine, handliche Gegenstände, die sich gut mit den Zähnen fassen lassen. Dieses Verhalten kann einerseits rein praktische Ziele verfolgen, wie z.B. das Zurseiteschaffen im Weg liegender Gegenstände, dient aber gerade unkastrierten Häsinnen vermutlich auch als eine Möglichkeit, Stress und Aggressionen abzubauen.