Kaninchenpsychologie

Körper- und Lautsprache: Mensch - Kaninchen

Geborgenheit durch Gesellschaft

Bild von Fellnasenbetreuung Wegener

Aggressivität

Aggressionen äußern sich beim Kaninchen in erster Linie durch die Kombination aus zurückgelegten Ohren, vorgestrecktem Kinn und einer “lauernden”, sprungbereiten Körperhaltung. Das Schwänzchen wird nach hinten weggestreckt, in vielen Fällen geben die Tiere einen tiefen, missbilligenden Grunzlaut von sich (knurren).

Die Position wird oftmals eingenommen, wenn sich ein ungeliebter, unterlegene Artgenosse nähert. Oftmals folgt ein blitzschneller Sprung nach vorne; flüchtet das zweite Kaninchen, wird es evtl. verfolgt und gehetzt, nicht selten erntet es währenddessen Bisse ins Hinterteil. Dabei fliegt in erster Linie Fell, Verletzungen treten selten auf.

Soll ein unterlegenes Partnertier vom Futter, einem beliebten Ruheort o.ä. verscheucht werden, nähert das aggressive Tier sich ihm häufig unscheinbar, um es anschließend unvermittelt zu zwicken oder mit den Vorderpfoten zu kratzen. Auch dieses Verhalten wird mitunter von einem wütenden Knurren begleitet.

Aggressive Kaninchen, die sich ihrer Sache nicht ganz sicher sind, weichen zeitgleich mit ihrer eigenen Drohung vor dem Artgenossen zurück. Die Drohung beschränkt sich dann häufig auf die “Lauerposition”, ein unsicheres Kratzen oder ein Knurren, dass jedoch weniger tief klingt als das Knurren selbstsicherer Tiere - je höher die Tonlage, desto nervöser ist der “Angreifer.”

Kaninchen, die erbittert um ihre Rangordnung kämpfen, nehmen die “Angriffsposition” ein, ehe sie frontal aufeinander losgehen, aneinander emporspringen und sich oftmals ineinander verkeilt brutal über den Boden wälzen. Dies kann durchaus mit bösen Verletzungen enden.

Angst

Kaninchen, die in Angst und Schrecken versetzt worden sind, können - je nach Umgebungsbeschaffenheit - auf dreierlei Weise reagieren:

Verängstigte Kaninchen ziehen sich – wenn möglich – fluchtartig in ein Versteck zurück und wagen sich mitunter erst nach Stunden wieder hervor.

Fühlt sich ein Kaninchen in die Enge getrieben, verfällt es häufig in eine Starre. Dabei regt es keinen Muskel; selbst der Drohreflex bleibt aus. Die Angststarre bietet in der Natur den Vorteil, für Raubtiere, die in erster Linie auf Bewegungen reagieren, nahezu unsichtbar zu sein. Dies gilt besonders für Greifvögel, für die ein übers freie Feld flüchtendes Kaninchen leichte Beute wäre.

Die Angststarre zeigen auch Kaninchen, die man trotz intensiver Abwehrbewegungen hochgenommen hat und festhält: Was vom Laien oft als “Zufriedenheit” interpretiert wird – die Ruhe und vermeintliche Entspannung des “brav” auf dem Schoß sitzen bleibenden Tieres – ist in Wahrheit ein aufs nackte Überleben abzielendes Instinktverhalten. Dabei sprechen die aufgerissenen Augen, die geweiteten Pupillen, der rasend pochende Puls und die schnelle, flache Atmung eigentlich eine unmissverständliche Sprache.

Manchmal schlägt die Angststarre in helle Panik um (oder umgekehrt). Das Kaninchen ergreift dann pfeilschnell die Flucht und versucht seinem Verfolger durch Hakenschlagen oder ein verzweifeltes Emporspringen am Gitter zu entkommen. Ergreift man es, versucht es sich durch wildes Strampeln, “Ausschlagen” und Kratzen mit den Hinterbeinen zu befreien; Kaninchen in Todesangst stoßen manchmal durchdringende, gellende Schreie aus, die denen menschlicher Babys gleichen. Dieses Verhalten ist als absolutes Alarmsignal zu betrachten - denn da die Organe des Kaninchens von vergleichsweise geringer Masse sind, können die Tiere in übermäßigen Stresssituationen ein akutes Herz-Kreislauf-Versagen mit Schocksymptomatik und schlimmstenfalls Todesfolge erleiden.

Appetit

Ein Kaninchen, das großen Appetit auf die bevorstehende Frischfuttermahlzeit hat, kommt seinem Besitzer freudig entgegengelaufen, hoppelt in gespannter Erwartung um seine Beine, macht immer wieder aufgeregt Männchen und stürzt sich gierig aufs Futter, wenn es "endlich" in Reichweite gerückt ist.

Idealerweise wird mindestens zweimal täglich so viel Frisches gereicht, das ein kleiner Teil bis zur nächsten Mahlzeit übrig bleibt. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Kaninchen sich sattfressen können und "Heißhungergefühle" ausbleiben - ansonsten wird die nächste Mahlzeit mitunter schneller heruntergeschlungen, als den Tieren gut tut.

Aufmerksamkeit

Aufmerksame, an ihrer Umwelt interessierte Kaninchen erkunden aufgeweckt ihre Umgebung, hoppeln sorglos umher, suchen erhöhte Orte auf oder stellen sich auf die Hinterläufe, um ihre Umgebung zu überblicken, putzen sich, betreiben ein intensives Ohrenspiel und mümmeln zwischendurch immer wieder am Futter. Im Sitzen und Liegen macht sich Aufmerksamkeit neben dem ausgeprägten Nasen- und Ohrenspiel durch ein angehobenes, leicht nach oben gerecktes Köpfchen bemerkbar.

Aufregung

=> Nervosität

Bewegungsfreude

Kaninchen, denen viel Fläche zur Verfügung steht, rennen manchmal plötzlich auf und ab oder im Kreis, schlagen übermütige Haken und schütteln vergnügt die Köpfe. Ein Kaninchen, das sich so austobt, genießt seine Freiheit in vollen Zügen!

Auf kleineren Flächen hoppeln die Tiere schnellen Schrittes umher, suchen mit hohen, eleganten Sprüngen ihre Aussichtspunkte auf und überspringen "im Weg stehende" Gegenstände.

Entspannung

Blinzeln, das Schließen der Augen, eine entspannte Körperhaltung und Atmung, ein ruhiger Herzschlag, ausgiebiges Putzen, Strecken, Gähnen, “Mümmeln”, Dösen und Schlafen sind in aller Regel Zeichen der Entspannung.

Ein dösendes Kaninchen sitzt oder liegt mit verengten oder geschlossenen Augen entspannt da, manchmal halb auf der Seite; häufig streckt es im Liegen alle Viere weit von sich und legt den Kopf dabei mitunter auf dem Boden ab. Schläft das Kaninchen, sind die Beine meist halb oder ganz unter den Körper gezogen, die Augen werden vollständig geschlossen und die Ohren angelegt.

Sehr zutrauliche, verschmuste Kaninchen verfallen oftmals in einen dösenden oder sogar schlafenden Zustand, während sie sich genüsslich streicheln lassen.

Erkrankung

=> Schmerzen, Leid

Erwartung

Kaninchen, die etwa eine Mahlzeit in Aussicht haben, erwarten ihren Besitzer Männchen machend, hoppeln ihm ungeduldig um die Füße oder folgen ihm auf Schritt und Tritt. Lässt das Futter auf sich warten, drehen sie häufig nervöse “Runden”, um sich anschließend wieder erwartungsvoll auf die Hinterfüße zu stellen.

Freude

Kaninchen, denen viel Fläche zur Verfügung steht, rennen manchmal plötzlich auf und ab oder im Kreis, schlagen übermütige Haken und schütteln vergnügt die Köpfe. Ein Kaninchen, das sich so austobt, genießt seine Freiheit in vollen Zügen!

Kaninchen, die ihren Besitzer und/oder etwas Fressbares entdecken, verhalten sich manchmal ähnlich: Sie kommen freudig auf Mensch oder Futter zugelaufen, springen zwischendurch fröhlich in die Luft und schütteln hin und wieder ihre Köpfe.

Hunger

Ein hungriges Kaninchen bewegt sich suchend durchs Gehege, indem es langsam umherhoppelt und Boden und Einrichtungsinventar intensiv beschnuppert, z.T. auch probeweise benagt. Geht einem Kaninchen - was unter keinen Umständen passieren sollte, da es ansonsten zu schweren Verdauungsstörungen kommt - das Futter aus, wird aus der Not heraus häufig auch Ungenießbares aufgenommen, beispielsweise verwelktes oder verunreinigtes Frischfutter.

Kaninchen, denen ständig qualitativ hochwertiges Heu zur Verfügung steht, leiden keinen Hunger. Sie können aber durchaus großen Appetit (s.o.) auf Frischfutter entwickeln.

Krankheit

=> Schmerzen, Leid

Lebensfreude

=> Freude

Nervosität

Beunruhigte Kaninchen sind sichtbar nervös: Sie sitzen in aufrechter, sprungbereiter Position, hoppeln in großen, hohen Sprüngen, drehen die kerzengerade aufgerichteten Ohrmuscheln intensiv in alle Richtungen, stellen sich immer wieder auf die Hinterbeine und halten Ausschau, blicken sich mitunter hektisch um und sind besonders schreckhaft.

Häufig klopfen sie immer wieder mit den Hinterläufen auf den Boden – was ihre Artgenossen als Warnsignal auffassen und spätestens daraufhin ebenfalls nervös werden. Oftmals ergreifen beunruhigte Kaninchen schon beim kleinsten Geräusch oder lediglich einer unerwarteten Bewegung die Flucht.

Neugierde

Kaninchen, die etwas Unbekanntes entdecken, nähern sich meist mit einem gewissen Misstrauen langsam und vorsichtig, indem - anders als beim Hoppeln - Fuß für Fuß voreinander gesetzt wird. Dabei sind Kopf und Ohren nach vorn gerichtet, der ganze Körper wird gerstreckt, um jederzeit “auf dem Absatz kehrt” machen und sich umgehend zurückziehen zu können.

Ist das “Eis gebrochen”, wird der neue Gegenstand in aller Ausführlichkeit untersucht. Dies erfolgt durch intensives Beschnuppern, Berühren, Männchenmachen, Drum-herum-Hoppeln, Kinnreiben, wenn möglich auch Hinaufspringen.

Paarungsannoncen

Brünstige Kaninchen, gleich welchen Geschlechts, können gegenüber ihren Artgenossen enorm aufdringlich werden: Häufig verfolgen sie den Partner mit erhobenem Hinterteil und steil emporgestreckter Blume auf Schritt und Tritt, umkreisen ihn und versuchen immer wieder, ihn zu besteigen.

Panik

Kaninchen geraten in Panik, wenn sie Angst und keinerlei Möglichkeit haben, sich vorm Auslöser zurückzuziehen. Dies kann der Fall sein, wenn ihnen der Fluchtweg versperrt wird (z.B. in einer Ecke oder Sackgasse), keine geeigneten (z.B. zu wenig abgedunkelte) Unterschlüpfe zur Verfügung stehen oder man sie trotz Versteckens weiter bedrängt (z.B. durch Bewegen oder Wegnehmen des Unterschlupfs).

Ein in Panik geratenes Kaninchen rennt pfeilschnell davon, schlägt unvermittelte Haken, springt verzweifelt an Gehegewänden und co. empor und sucht mitunter ungeeignete Unterschlüpfe auf, um sie dann ebenso schnell wieder zu verlassen. Währenddessen überrennt es diverse "im Weg stehende" Gegenstände und stößt unsanft gegen Wände und anderweitige Hindernisse. Mitunter geht es auch zur Notwehr über, indem es dem "Angreifer" mit hohen Knurrtönen entgegenspringt und ihn mit den Vorderbeinen attackiert. In Todesangst versetzte Kaninchen stoßen gelle Schreie aus, die denen menschlicher Babys stark ähneln.

Abgesehen von der großen Verletzungsgefahr besteht für in Panik geratene Kaninchen auch ein hohes Risiko, an einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Versagen zu versterben. Daher dürfen Sie einem verängstigten Kaninchen keinesfalls weiter hinterherjagen, es plötzlich packen oder ihm seine "rettenden" Unterschlüpfe nehmen!

Schmerzen, Leid

Krank wirkende Kaninchen werden in der Wildnis als erste erbeutet. Daher leiden die Tiere instinktiv still vor sich hin. Der gute Beobachter merkt dennoch rasch, wenn es einem Kaninchen nicht gut geht.

Verhaltensauffälligkeiten, die auf eine Erkrankung hindeuten, sind u.a. allgemeine Apathie, Anorexie (=Appetitlosigkeit), unphysiologische Bewegungen und/oder Bewegungsabläufe, übermäßige Ängstlichkeit, ständiges Verstecken, ein trüber, teilnahmsloser bis starrer Blick, ausbleibende Nasenbewegung, unnatürliche, oft gekrümmte Sitz- und Liegepositionen, Niesen, erschwerte Atmung, plötzliche übermäßige Aggression, ständige Unruhe und Nervosität, Zähneknirschen, ausbleibende Futteraufnahme trotz Interesse am Futtersowie das Herumkauen auf Futtermitteln, ohne dass tatsächlich etwas abgeschluckt wird.

Schmusebedürftigkeit

Schmusebedürftige Kaninchen suchen unmissverständlich die Nähe ihres Besitzers und fordern ihn zum Streicheln auf, indem sie den Kopf senken und regungslos “warten”, den Kopf unter die menschliche Hand schieben oder sie immer wieder sanft mit der Nase anstupsen.

Genießt ein Kaninchen die Streicheleinheiten, bleibt es bewegungslos und mit halb oder ganz geschlossenen Augen sitzen, mahlt leise mit den Kiefern (“mümmeln”) und streckt sich vielleicht sogar lang auf dem Boden aus, um zu dösen. Hat es genug, schiebt es die menschliche Hand kräftig beiseite oder hoppelt ganz einfach davon.

Wie und wo ein Kaninchen am liebsten gestreichelt werden möchte, hängt ganz von seinem individuellen Charakter ab: Während viele Kaninchen intensive “Stirnmassagen” lieben, ziehen andere ein leichtes Streichen über den Rücken oder ein sanftes Kraulen von Nacken und Ohrenansätzen vor.

Eines haben jedoch fast alle Kaninchen gemeinsam: Sie werden nur ungerne festgehalten. Fordert Ihr Kaninchen Sie zum Streicheln auf, sollten Sie dies also immer am Boden tun, anstatt es auf den Arm zu nehmen; sonst wird aus dem verschmusten Tier bereits nach kurzer Zeit ein solches, das die menschliche Hand grundsätzlich meidet.

Trauer; psychisches Unwohlsein

Trauer lässt sich beim Kaninchen in erster Linie am Unterschied dazu, wie es sich normalerweise verhält, erkennen.

So sind etwa Kaninchen, die ihren Partner verloren haben (sei es durch eine Abgabe oder den Tod des Tieres), oftmals kaum wiederzuerkennen: Sie verhalten sich deutlich ruhiger und unmotivierter, mögen sich manchmal tagelang kaum bewegen und fressen deutlich weniger. In diesem Fall hilft einzig und allein ein neuer Artgenosse - dem Kaninchen eine "Trauerzeit" zuzuschreiben, wäre reine Vermenschlichung: Es kann niemals begreifen, warum sein Partner nicht mehr da ist - je länger es alleine bleibt, desto länger leidet es. Die einzige Möglichkeit, es abzulenken und ihm wieder zu Wohlbefinden zu behelfen, ist die schnellstmögliche Beschaffung eines neuen Artgenossen; auch, wenn dies meist nicht im Sinne des Besitzers ist.

Auch Kaninchen, die sich in einer neuen Umgebung befinden, fühlen sich dort manchmal so unwohl, dass sie den ganzen Tag über herumsetzen und deutlich reduziert fressen. Meist handelt es sich dabei um Kaninchen, die tiergerechte Haltung gewohnt sind und plötzlich in einen Käfig oder eine Box gesperrt werden, oder um "Freilandkaninchen", die in ein Zimmer umquartiert werden.

Unwohlsein

=> Schmerzen, Leid oder

=> Trauer; psychisches Unwohlsein

Verunsicherung

=> siehe Aufruhr, Nervosität