Pflegemaßnahmen und Gesundheitsprophylaxe

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Schutzimpfungen

Geborgenheit durch Gesellschaft

Schutzimpfungen sind eine wichtige prophylaktische Maßnahme, um unsere Kaninchen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen zu schützen. Ganz besonders gilt dies für die Impfungen gegen Myxomatose und RHD, die keinem Tier vorenthalten werden sollten - gleich ob in Innen- oder Außenhaltung. Wichtig vor jeder Impfung ist eine gründliche Allgemeinuntersuchung, da die Impfung ein akut krankes Kaninchen zusätzlich belasten würde und auch wenig Sinn macht, da mitunter kein vernünftiger Schutz aufgebaut wird.

Chronisch kranke Kaninchen sollten, sofern sie fit und stabil sind, grundsätzlich geimpft werden, da das Risiko einer Infektion in aller Regel höher ist als das von Impfnebenwirkungen.

Dies gilt beispielsweise für latente oder leichte Schnupfer, EC-positive Kaninchen, Kaninchen mit Nieren-, Leber- und Herzinsuffizienzen, Zahnproblemen usw.

Verschoben werden sollte die Impfung, wenn das Kaninchen aktuell schwächelt, an Magen-Darm-Problemen oder Parasiten leidet, einen Infekt durchmacht, einen Schnupfen- oder einen EC-Schub hat. In diesem Fall sollte sein Zustand zunächst stabilisiert und evtl. das Immunsystem angekurbelt werden.

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Myxomatose und RHD Typ 1

Beschreibung

Diese zwei hochansteckenden Viruserkrankungen der Kaninchen verlaufen bei ungeimpften Individuen in aller Regel tödlich.

Eine Infektion mit RHD führt zu inneren Blutungen, wodurch die Tiere innerhalb von 1-3 Tagen nach der Ansteckung meist unter plötzlichen Krämpfen und Schreien an Lungenblutungen ersticken. Weiterhin möglich ist ein Tod durch Leberversagen.

Bei der Myxomatose entwickeln die Kaninchen an den Schleimhäuten und den Ohren Pocken (knotige Form) oder Ödeme (ödematöse Form), sind apathisch, inappetent und fiebrig. Die Erkrankung führt innerhalb weniger Tage zum Tod durch allgemeines Kreislaufversagen.

Prophylaxe

Die einzige vernünftige Prophylaxe bieten regelmäßige Schutzimpfungen. Zwar ist eine Erkrankung selbst dann nicht ausgeschlossen - im Falle der Myxomatose mit lediglich 70%iger Wahrscheinlichkeit - , jedoch verläuft die Infektion bei geimpften Kaninchen deutlich milder und ist im Falle schneller tierärztlicher Behandlung in aller Regel heilbar. Ungeimpfte Kaninchen, die erkranken, versterben hingegen zu nahezu 100%.

Wohnungskaninchen erkranken ebenso wie solche, die im Freien leben, da das Virus auch über Insekten, mit Gemüse, Heu, Wiesenkräutern, Schuhen, Klamotten und Gegenständen ins Haus eingeschleppt wird.

Impfstoffe und Impfschemata

Empfehlung: Nobivac

Es gibt verschiede Kombinationsimpfstoffe für Myxomatose und RHD, mit denen beide Krankheiten für 12 Monate abgedeckt sind. Eine Grundimmunisierung ist nicht erforderlich, d.h. bereits die erste Impfung bietet dem Kaninchen für ein Jahr Schutz.

Zu empfehlen ist der Kombinationsimpfstoff "Nobivac" gegen Myxomatose und RHD. Er darf ab der 5. Lebenswoche injiziert werden, die erste Wiederholungsimpfung ist erst ein Jahr später notwendig. Von anderen Impfstoffen ist abzuraten, da für ihre Herstellung Laborkaninchen infiziert und getötet werden.

Achtung: Keiner der herkömmlichen Impfstoffe bietet einen zuverlässigen Schutz gegen die RVHD2-Form (s.u.)! Diese Impfung muss mit einem speziellen Impfstoff separat erfolgen.

Eine umfassende Allgemeinuntersuchung ist bei der Myxomatoseimpfung besonders wichtig, da es sich dabei im einen Lebendimpfstoff handelt.

Dies bedeutet, dass die Impfung in seltenen Fällen selber zum Ausbruch der Erkrankung führen kann ("Impfmyxomatose"), da dem Kaninchen abgeschwächte Myxomatoseerreger injiziert werden. Dies animiert das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern und somit zum Aufbau des Immunschutzes.

Einem gesunden Immunsystem kann die Impfung nichts anhaben, da die Viren kaum mehr funktionstüchtig sind. Ist das Immunsystem jedoch durch eine bereits vorhandene Infektion geschwächt, kann es vorkommen, dass ihm bereits die abgeschwächten Krankheitserreger zu viel sind. Leidet das Kaninchen beispielsweise momentan unter starkem Schnupfen, sollte zunächst dagegen vorgegangen werden (z.B. mit Medikamenten, die das Immunsystem ankurbeln, evtl. auch mit Antibiotika). Anderenfalls kann es auch vorkommen, dass die Myxomatose-Impfung den Schnupfen noch verschlimmert.

INFO: Myxomatose

INFO: RVHD-1

INFO: RVHD-2

RHD Typ 2

Beschreibung

Bei der sogenannten RHD-2-Seuche handelt es sich um eine mutierte Form des gemeinhin bekannten RHD-Virus, die sich von Frankreich nach Deutschland ausgebreitet hat und gegen die herkömmliche Impfstoffe (z.B. von Nobivac, Filavac und Rikkavac, keine (zuverlässige) Wirkung zeigen.

Seither ist es bundesweit zu einem regelrechten Massensterben von Wild- und Hauskaninchen gekommen.

Bei der Betrachtung sogenannter "Seuchenkarten" ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da die meisten Kaninchen, die überraschend versterben, nicht pathologisch untersucht werden und die Todesursache somit unbekannt bleibt.

Infizierte Tiere zeigen in der Regel keine Krankheitssymptome. Sie brechen buchstäblich von einer Minute auf die andere zusammen und ersticken unter Krämpfen und Schreien an Lungenblutungen.

Prophylaxe

Auch für den RVHD-2-Typ gibt es abgesehen von der regelmäßigen Schutzimpfung keine sichere Prophylaxemaßnahme.

Zwar ist eine Ansteckung selbst dann möglich, jedoch verläuft die Infektion bei geimpften Kaninchen deutlich milder und ist im Falle schneller tierärztlicher Behandlung in aller Regel heilbar. Ungeimpfte Kaninchen, die erkranken, versterben hingegen zu nahezu 100%.

Wohnungskaninchen erkranken ebenso wie solche, die im Freien leben, da das Virus auch über Insekten, mit Gemüse, Heu, Wiesenkräutern, Schuhen, Klamotten und Gegenständen ins Haus eingeschleppt wird.

Impfstoffe und Impfschemata

Eravac:

Filavac:

Der Filavac-Impfstoff schützt gegen RHD1 und RHD2. Bei Kaninchen ab einem Alter von 10 Wochen hält der Impfschutz bereits nach der ersten Impfung mindestens 6 Monate an. In Gebieten mit hohem Seuchendruck wird eine 6-monatige Auffrischimpfung empfohlen, mindestens sollte sie alle 12 Monate erfolgen. Jungtiere können auch schon ab der 4. Lebenswoche geimpft werden, in diesem Fall muss nach 6 Wochen allerdings eine Auffrischimpfung erfolgen, damit ein langfristiger Impfschutz ausgebildet

Derzeit sind in Deutschland zwei Impfstoffe zugelassen, die speziell zum Schutz vor einer Infektion mit RHD2 entwickelt wurden: Eravac und Filavac. Zum Teil bieten sie zusätzlich Schutz gegen RHD1, die "gewöhnliche" RHD-Form. In diesem Fall muss lediglich die Myxomatose-Impfung separat erfolgen.

Eravac schützt gegen RHD2, nicht jedoch gegen RHD1. Zusätzlich zu Eravac muss also ein Kombinationsimpfstoff gegen RHD1 und Myxomatose geimpft werden (vorzugsweise Nobivac). Erfahrungsgemäß führt Eravac gelegentlich zu leichten Nebenwirkungen wie Mattigkeit. Er darf ab der 4. Lebenswoche geimpft werden und muss im Abstand von 6 Wochen grundimmunisiert werden, d.h. 6 Wochen nach der ersten Impfung muss eine zweite erfolgen, um einen belastbaren Immunschutz aufzubauen. Dieser hält dann mindestens 6 Monate an. Die Auffrischimpfung sollte alle 6 Monate erfolgen.

Wichtig: Weder Filavac noch Eravac bieten einen Schutz gegen Myxomatose. Hierfür ist eine separate Impfung notwendig (s.o.).

Diese kann entweder mit einem Einzelimpfstoff oder einem RHD1-Myxomatose-Kombinations-Impfstoff erfolgen. Am beliebtesten ist die Kombination Nobivac (gegen Myxomatose und RHD1) + Filavac (gegen RHD1 und RHD2), beide Impfungen dürfen taggleich appliziert werden. Die doppelte Abdeckung von RHD1 ist unproblematisch, es wird gegen alle drei Seuchen eine ausreichende Immunität aufgebaut und die Verträglichkeit ist generell sehr gut.

Ansteckender Kaninchenschnupfen

Diese bakteriell teils durch Mykoplasmen, Streptokokken und Staphylokokken, v.a. aber Pasteurellen und Bordetellen verursachte, weit verbreitete Seuchenerkrankung schadet dem Kaninchen mehr, als der Name vermuten lässt, da sie u.a. chronische Entzündungen des Tränen-Nasen-Kanals sowie der Atemwege verursacht. Unbehandelt entwickeln sich schon bald Eiterherde, die sich über die Blutbahn verteilen und dann auch in den Ohren und in verschiedenen Organen auftreten können.

Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, d.h. entweder durch direkten Kontakt zwischen Kaninchen oder über tote Vektoren (kontaminierte Futterpflanzen, Gegenstände, Streu, Hände, Kleidung usw.). Da, wie oben beschrieben, eine Vielzahl von Erregern für die Infektion verantwortlich sein kann, die Impfung allerdings nur die beiden Haupterreger abdeckt, bietet sie keinen 100%igen Schutz, sondern kann lediglich das Erkrankungsrisiko senken.

Auf der anderen Seite besteht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Kaninchen bereits latent (= symptomfrei) mit einem oder mehreren Schnupfenerregern infiziert ist. Dies ist bei einem sehr hohen Prozentsatz der Kaninchen der Fall und selbst durch einen Abstrich oder eine Spülprobe der Nase nicht sicher feststellbar, da es häufig zu falsch-negativen Ergebnissen kommt. Im Fall einer bereits vorhandenen Infektion kann die Impfung sogar massiv schaden, da sie dann einen Erkrankungsausbruch auslösen kann.

Hinzu kommt, dass stressarm und artgerecht gehaltene, gesund ernährte Kaninchen mit intaktem Immunsystem und ohne starken Infektionsdruck meist von selbst mit Schnupfenerregern fertig werden und auch im Falle einer Infektion keine Symptome aufweisen.

Auch durch eine sofortige Behandlung bei ersten Schnupfensymptomen lässt sich die Erkrankung normalerweise gut unter Kontrolle bekommen.

Entscheiden Sie sich zur regelmäßigen Impfung, ist eine halbjährliche Auffrischung notwendig, die in zeitlichem Abstand zu anderen Impfungen erfolgen muss. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen, die im Abstand von 14 Tagen erfolgen.

INFO: Ansteckender Kaninchenschnupfen

Enterocolitis (Darmlähmung)

Die Enterocolitis hat für den Heimtierhalter keine große Bedeutung, da in aller Regel Kaninchen im Säuglingsalter und deren säugende Mütter betroffen sind. Die Enterocolitis bezeichnet eine ansteckende, schwere, in den meisten Fällen tödlich verlaufende Darmerkrankung der Kaninchen.

Viele Hauskaninchen sind latent (=verborgen) mit mindestens einer Erregerform infiziert und somit Dauerausscheider.

Eine nach Genesung oder Tod des Tieres erfolgende Desinfektion der Umgebung bringt in Züchterkreisen meist keinen durchschlagenden Erfolg mit sich, da die Sporen der ursächlichen Clostridien ernorm widerstandsfähig sind und oftmals überleben. Hinzu kommt die in den meisten Fällen miserablen Haltungsbedingungen (in engen Buchten) und die unnatürliche, grünfutterarme Ernährung, wodurch die Kaninchen ein eher schlechtes Immunsystem aufweisen.

Eine sichere Prophylaxe bietet lediglich die Schutzimpfung der Mutter bereits vor der Trächtigkeit und anschließend der Welpen. Es ist eine Grundimmunisierung notwendig, die aus zwei Impfungen im Abstand von 3 Wochen erfolgt. Anschließend genügt eine jährliche Auffrischung. Der Impfstoff schützt die Kaninchen gegen die Bakterientoxine von Clostridium perfringens Typ A, welche für die tödliche Darmlähmung, die diese Erkrankung mit sich bringt, verantwortlich sind. Weiterhin als Erreger beteiligt sein können E. coli, Kokzidien, Pasteurellen und Streptokokken.

Die Impfung darf nicht zusammen mit den Impfungen gegen Myxomatose, RHD oder den Ansteckenden Kaninchenschnupfen erfolgen.

INFO: Enterocolitis