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Fettleibigkeit (Adipositas)

Die Adipositas ist mittlerweile auch bei unseren Haustieren zur Zivilisationskrankheit geworden: Ein Großteil unserer Vierbeiner ist übergewichtig.

Übergewicht ist weder beim Menschen noch beim Tier ein harmloser "Schönheitsfehler", sondern potentieller Auslöser diverser Erkrankungen.

Wer davor die Augen verschließt und nur die aktuelle Situation ("Der ist doch putzmunter!") betrachtet, anstatt sich über Langzeitschädigungen Gedanken zu machen, spielt mit der Gesundheit und dem Leben seines Tieres.

Je stärker das Übergewicht, desto geringer die Lebenserwartung.

Bei naturnaher Ernährung, einem ausreichenden Platzangebot und Animation durch Artgenossen sowie Beschäftigungsinventar kommt es beim Kaninchen in der Regel nicht zur Fettleibigkeit.

Doch leider ist das regelmäßige, v.a. nächtliche Einsperren der Tiere in Käfige oder Ställe noch immer weit verbreitet. Auch das Angebot von Brot, Getreide, Leckerlis, Knabberstangen und Mischfutter aus dem Zooladen gehört in vielen Haushalten nach wie vor zur Tagesordnung.

Für den Laien kommt erschwerend hinzu, dass man einem Kaninchen das Übergewicht nicht zwangsläufig ansieht: Der Körperbau und das dichte Fell der Tiere kaschieren kleine "Speckröllchen" hervorragend.

Ohne Zweifel erkennen lässt sich das Fett hingegen in Rückenlage oder durch Ertasten - wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen.

Welche Ursachen kann Fettleibigkeit haben?

Die Adipositas entsteht durch Einlagerung überschüssigen Fettes in den Körperzellen. Dazu kommt es bei einer Energiezufuhr, die den Energiebedarf des Organismus übersteigt.

Der Energiebedarf hängt von Alter, Größe, Geschlecht, Aktivität, Nahrungsverwertung sowie dem Bewegungs- und Beschäftigungsangebot ab. So benötigen im Wachstum befindliche Jungtiere vergleichsweise viel Energie; Kaninchen großer Rassen besitzen einen im Verhältnis höheren Energiebedarf als ihre kleineren Verwandten; kastrierte Kaninchen verfügen über einen geringeren Grundumsatz als fortpflanzungsfähige; ruhige, "gemütliche" Individuen verbrauchen weniger Energie als lebhafte, unternehmungslustige Tiere; alte Kaninchen können die Nahrung nicht mehr so gut verwerten wie im jungen Alter und benötigen daher mehr Energie.

Bewegungsmangel

Bewegungsmangel kann ausgelöst werden durch:

So "normal" vielen Menschen das klassische "Käfigkaninchen" erscheint, so perfekt verkörpert es die moderne Tierquälerei.

Eingesperrt auf engsten Raum, ohne jegliche Möglichkeit der körperlichen und geistigen Betätigung, vegetieren die Tiere dahin, können weder ihrem Bewegungsdrang nachkommen noch sich in irgendeiner Form naturgemäß beschäftigen.

Zur Gewichtszunahme kommt es, wenn ein Tier (oder Mensch) mehr Kalorien zu sich nimmt, als verbraucht werden. Auch das Kaninchen verbrennt durch Bewegung überschüssige Kalorien.

In einem Käfig oder Stall ist Bewegung kaum möglich. Durch Herumsitzen oder -liegen werden jedoch nur wenig Kalorien verbrannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kaninchen auf Dauer mehr Energie zu sich nimmt, als es verbraucht, ist hoch. Während Jungtiere sehr viel Energie ins Wachstum stecken und dadurch meist idealgewichtig sind, setzen ausgewachsene Kaninchen schnell "Speck" an. Insbesondere kastrierte Individuen verfügen über einen langsamen Stoffwechsel, der eine Gewichtszunahme begünstigt.

Auch der größte Käfig aus dem Zooladen ist zum Rennen zu klein, zum Springen zu niedrig und bietet keinen Platz für eine abwechslungsreiche Einrichtung. Nur die Gehege- oder die komplett gitterlose Haltung kann den Tieren gerecht werden!

Doch nicht nur Platzmangel kann die Bewegung des Kaninchens einschränken. Eine Fläche kann noch so groß sein, wenn sie wenig Abwechslung bietet. Zu wenig oder "reizlose" Einrichtungsgegenstände führen dazu, dass es den Tieren schnell langweilig wird. Auch dann sitzen sie die meiste Zeit herum, anstatt ihre Umgebung zu erkunden und sich zu bewegen.

Ebenso kann Einzelhaltung eine Ursache dafür sein, dass ein Kaninchen überwiegend trübselig in der Ecke sitzt. Besitzer solcher Tiere sind oft völlig verblüfft, wenn sie nach der Vergesellschaftung mit einem Artgenossen feststellen, wie sehr ihr Tier aufblüht und sich wieder für seine Umgebung interessiert, Freude an Bewegung hat und Lebenslust zeigt.

Erkrankungen können dazu führen, dass ein Kaninchen sich nicht ausreichend bewegen kann oder möchte. Beispiele hierfür:

Im Vordergrund steht dann natürlich die Bekämpfung der Ursache. Ist dies nicht möglich, z.B. bei Arthrose, kann eine dauerhafte Schmerztherapie dem Kaninchen zu neuer Lebensfreude verhelfen.

Ernährungsfehler

Typische ungeeignete Futtermittel, die oftmals verfüttert werden, sind:

Das permanente Fressen kalorienhaltiger Kost, in vielen Fällen aus Langeweile, hat auf Dauer eine massive Gewichtszunahme zur Folge. Zwar fressen Kaninchen von Natur aus nahezu den ganzen Tag, jedoch handelt es sich bei ihrer Nahrung um sehr energiearme Kost - während die handelsüblichen Müslis und Leckerlis, Brot, Getreide usw. massive Kalorienbomben sind, die das Kaninchen prinzipiell schnell sättigen. Bei Langeweile wird jedoch sehr häufig über den natürlichen Sättigungsgrad hinaus gefressen und die Tiere konsumieren ein Vielfaches der Kalorien, die sie mit dem Verzehr artgerechter Nahrung zu sich nehmen würden.

Halter, die sowohl artgerechte Nahrung als auch die genannten "Dickmacher" anbieten, sind oft der Ansicht, ihre Tiere könnten selbst entscheiden, wie viel sie wovon fressen sollten. Der Denkfehler besteht darin, dass ein Tier keine Instinkte für etwas besitzen kann, das es von Natur aus nicht kennt.

Im genannten Fall bevorzugen die Kaninchen fast immer die ungesunde, kalorienhaltige Kost. Dies ist logisch zu erklären: In der Wildnis herrscht während der kalten Jahreszeit eher eine Nahrungsknappheit als ein Überfluss, d.h. Kaninchen, die möglichst energiereiche Kost verzehren, haben bessere Überlebenschancen als ihre Artgenossen, die lieber karge Nahrung fressen. Es steht jedoch niemals so (viel) energiereiche Nahrung zur Verfügung, dass ein Wildkaninchen dadurch verfetten würde!

Auch unsere Hauskaninchen bevorzugen Kalorienhaltiges und fressen instinktiv so viel wie möglich davon; denn in der Natur wäre dies von Vorteil. Als Tierbesitzer liegt es in unserer Verantwortung, dieses Verhalten zu berücksichtigen und unsere Tiere artgerecht zu ernähren, um sie vor Schäden zu bewahren.

Übrigens: Auch an Kaninchen, die sich viel bewegen und ein gutes Gewicht haben, sollten o.g. Futtermittel nicht verfüttert werden!

Das Normalgewicht täuscht mitunter über organische Probleme hinweg, die sich im Laufe der Jahre schleichend entwickeln. Dies gilt insbesondere für die meist tödlich verlaufende Leberlipidose (=Fettleber).

Hintergrund: Gut beschäftige Kaninchen mit viel Bewegung fressen nicht aus Langeweile, sondern richten sich nach ihrem Sättigungsgrad. Energiehaltiges Futter hat allerdings einen sehr hohen Sättigungsgrad zur Folge, was dazu führt, dass die Kaninchen unnatürlich lange Fresspausen einlegen. Diese werden vom Organismus als Hungerphase fehlinterpretiert; es werden permanent Fettreserven eingeschmolzen und über die Leber verstoffwechselt. Diese Dauerbelastung des Organs führt schlimmstenfalls zum plötzlichen, scheinbar unerklärlichen Todes durch Leberversagen.

Erkrankungen

Durch Stoffwechselstörungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöste Fettleibigkeit tritt beim Kaninchen nur sehr selten auf; doch natürlich sollte, sofern andere Ursachen ausgeschlossen sind, auch dahingehend untersucht werden.

Veranlagung

Gelegentlich gibt es Kaninchen, die trotz reichlich Bewegung und durchweg energiearmer Nahrung übergewichtig sind. Sie fressen Wiese, Blattgemüse, Küchenkräuter, Zweige usw. dann in solchen Mengen, dass sie an Gewicht zulegen, obwohl diese Nahrungsmittel kaum Kalorien enthalten und das ideale Grundfutter für eine gesunde Ernährung darstellen.

Die Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun, sind dann sehr eingeschränkt (s.u.)

Risiken der Adipositas

Das Kaninchen besitzt einen im Vergleich zur Gesamtkörpermasse sehr kleinen Brustkorb und wenig Herzmasse. Durch Übergewicht wird dieser Kontrast zusätzlich verstärkt, d.h. die Tiere sind deutlich anfälliger für Herz- und Kreislaufversagen - z.B. bei Angst, Stress, großer Hitze, körperlicher Anstrengung oder Krankheit.

Auch die übrigen Folgen einer Adipositas sind bereits aus der Humanmedizin bekannt:

Herzerkrankungen, Hypertonie (=Bluthochdruck) und Arthrosen (=degenerative Gelenkserkrankungen) werden erheblich begünstigt, zudem besitzen fettleibige Lebewesen über ein ungleich höheres Narkoserisiko, da a) die verabreichten Medikamente sich bevorzugt im Fettgewebe anlagern und b) die Belastbarkeit des Kreislaufes vermindert ist. Gerade beim Kaninchen, das von Natur aus ohnehin bereits ein relativ anfälliges Herz-Kreislauf-System besitzt, ist dieser Umstand fatal. Er kann selbst in augenscheinlich harmlosen Stresssituationen, wie z.B. während einer Autofahrt oder tierärztlichen Zahnkontrolle, zum Tod durch akutes Herz-Kreislauf-Versagen führen.

Weitere "kaninchentypische" Folgen einer Fettleibigkeit sind wundgelaufene Fußsohlen und Probleme bei der Aufnahme des Blinddarmkotes, da das Tier den After mit seiner Schnauze nicht mehr erreichen kann. Dies wiederum kann auf Dauer zu Mangelerscheinungen (Vitamin K, Proteine, i.B. Vitamin B) führen, aber auch zu einer ständig verklebten Analregion, die wiederum Hautreizungen und schlimmstenfalls einem lebensbedrohlichen Fliegenmadenbefall zur Folge hat.

Kaninchen, die sich infolge ihres Leibesfülle nicht mehr vernünftig putzen können, sind zudem anfällig für Fell- und Hauterkrankungen

Generell kann festgehalten werden, dass adipöse Kaninchen eine im Vergleich zu normalgewichtigen Tieren deutlich reduzierte Lebenserwartung besitzen.

Symptomatik und Diagnostik

Fetteinlagerungen sind mithilfe einfacher Untersuchungen auch vom Besitzer problemlos feststellbar und ein sicheres Anzeichen von Übergewicht. Veränderungen im Verhalten oder eine verminderte Ausdauer hingegen müssen einerseits nicht gezwungenermaßen auftreten; andererseits stellen sie derart unspezifische Krankheitssymptome dar, dass sie auch bei übergewichtigen Tieren nie blindlings auf die Adipositas zurückgeführt werden sollten. Anderenfalls bleibt die tatsächliche Ursache (z.B. eine Herz- oder Atemwegserkrankung) möglicherweise unerkannt.

Der "Streichel-Test"

Einmal wöchentlich sollte jeder Besitzer seine Kaninchen eingehend auf Krankheitssymptome untersuchen. Dazu gehört nicht nur bloßes Betrachten, sondern auch das Abtasten des gesamten Körpers. Auf diese Weise können nicht nur Wunden, Fellverkrustungen und Umfangsvermehrungen, sondern auch Fetteinlagerungen "aufgespürt" werden:

Beim normalgewichtigen Kaninchen sind Wirbelsäule, Schulterblätter und Rippen bereits beim sanften Streicheln über den Körper gut fühlbar.

Wenn sie sich hingegen nur noch erahnen lassen, für letzteres bereits größerer Druck notwendig oder es sogar unmöglich ist, die Knochen zu erspüren, kann man von Übergewicht bzw. Fettleibigkeit ausgehen. Im anderen Extremfall - der Kachexie (=Abmagerung) - stehen Schulterblätter, Wirbelsäule und Hüfthöcker hingegen deutlich spitz hervor, manchmal sind ihre Konturen bereits durch bloße Betrachtung des Tieres auszumachen.

Palpation (=Abtasten) des Bauches

Greifen Sie vorsichtig unter den Bauch des sitzenden Kaninchens: Im Falle einer Adipositas halten Sie dabei vermutlich sofort eine dicke, massive "Speckschwarte" in der Hand. Durch diesen Test lassen sich Fetteinlagerungen problemlos von einem optisch "schwabbeligen Bauch", der in Wahrheit vielleicht aus lockerer Haut resultiert, unterscheiden: Gerade bei Kaninchen, die eine Gewichtsreduktion hinter sich haben, befinden sich im Bauchbereich manchmal noch recht ausgeprägte Hautfalten. Diese stellen keinen Grund zur Sorge dar und verschwinden im Laufe der Zeit.

Betrachtung in "Rückenlage"

Lehnen Sie das Kaninchen mit seinem Rücken gegen Ihren Brustkorb: Wächst der Leibesumfang zur Körpermitte hin deutlich in die Breite, handelt es sich dabei um übermäßige Fetteinlagerungen. Beim normalgewichtigen Tier verläuft der Körper in Rückenlage relativ "gradlinig".

Einseitige Verdickungen entstehen z.B. durch Abszesse oder Tumore, bedürfen also einer dringenden tierärztlichen Abklärung.

Ein plötzlich insgesamt praller Bauch ist meist Ursache einer Tympanie (=Aufgasung) oder Magenüberladung; allerdings besteht hier kaum Verwechslungsgefahr, da derartige Verdauungsstörungen sehr plötzlich auftreten und mit weiteren Symptomen wie Apathie (=Teilnahmslosigkeit), Anorexie (=Appetitlosigkeit), Schmerzen und z.T. Atembeschwerden einhergehen.

Fetteinlagerungen sind grundsätzlich weich und gut verschieblich. Gestresste Kaninchen spannen allerdings mitunter ihren gesamten Körper so stark an, dass er auf den Laien erschreckend "prall" wirken kann. Wer sein Tier regelmäßig "untersucht", wird eventuelle Abweichungen vom Normalzustand erkennen.

Grundsätzlich gilt: Bei einem während der Untersuchung offensichtlich aufgeregten Tier, das sich aber insgesamt völlig normal verhält, frisst und gewöhnlichen Kot absetzt, ist ein angespannter Bauch selten Grund zur Sorge.

Therapie und Prophylaxe

Vorsorge und Behandlung von Übergewicht entsprechen sich im Großen und Ganzen: Tiergerechte Haltungsbedingungen, gesunde Fütterung sowie allgemeine Gesunderhaltung sind für Anstreben und Erhalt des Idealgewichts gleichermaßen wichtig.

Allerdings gilt natürlich: Vorbeugen ist besser als Heilen. Eine Gewichtsreduktion ist immer schwieriger, als es gar nicht erst soweit kommen zu lassen.

Haltung

Bewegungs- und Animationsmangel gehen mit einem geringen Energieverbrauch und Fressen aus Langeweile einher. Beides hat eine im Verhältnis zu hohe Energieaufnahme zur Folge. Diese gilt es zu vermeiden, um ein Idealgewicht zu erreichen und zu halten. Die entscheidende Frage ist daher: Haben die Kaninchen die Möglichkeit, all ihren Grundbedürfnissen jederzeit nachzukommen?

Platzbedarf: Kaninchen müssen ihre auf den ganzen Tag und insbesondere die Nacht verteilten Aktivitätsphasen jederzeit ausleben können - inform von Rennen, Toben, Springen, Hakenschlagen.

Für ein Duo Zwerge, kleiner oder mittelgroßer Kaninchen sind 6qm Grundfläche in aller Regel das Minimum, um ihnen das Ausleben dieser Verhaltensweisen zu ermöglichen. Die Fläche auf mehrere Stockwerke aufzuteilen, würde vielleicht dem Bedürfnis gerecht werden, dem Artgenossen bei Bedarf auszuweichen, nicht jedoch dem Bedürfnis nach intensiver körperlicher Betätigung. Grundsätzlich gilt: Je größer die Grundfläche, desto größer der Reiz für die "Bewohner", sich richtig auszutoben.

Beschäftigung: Kaninchen zu beschäftigen, ist im Grunde nicht schwer - die meisten nehmen jede Art von Tunnel, Höhle oder Aussichtsplattform mit Begeisterung an. Alles, was neu ist, wird eingehend inspiziert und erkundet, beschnuppert, benagt, umkreist und zum Verstecken, Ausschauhalten oder Durchkrabbeln genutzt.

Ein Kaninchenheim kann daher mit relativ wenig Aufwand zu einem Abenteuerspielplatz umgestaltet werden. Besonders einfach und kostengünstig ist dies mit Pappkartons oder Pflanzsteinen; aber auch handelsübliche Holzhäuschen, dicke Gehölze aus dem Wald, große Papiertüten, Kanalrohre, für den menschlichen Gebrauch gedachte Hocker, Stühle, Fensterbanken usw. lassen sich wunderbar integrieren.

Selbst leere Toilettenrollen, kleine Holzgegenstände oder Tennisbälle werden zum Werfen oder Wegschubsen genutzt. Obstkisten, Kartons oder Tüten können mit Erde, Sand oder Papierfetzen gefüllt werden, in denen die Kaninchen nach Herzenslust scharren können. Noch lieber zerlegen die Tiere Papier und Pappe selbstständig. Ein altes Telefonbuch wird ebenso gern zum Zerfleddern angenommen wie der zuvor als Höhle genutzte Karton.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Haben Sie das Gefühl, dass der Abenteuerspielplatz zunehmend an Reiz verliert, bauen Sie einfach ein paar neue Utensilien ein oder stellen Sie die Einrichtung einmal komplett um - schon sind Ihre Schützlinge für die nächsten Tage oder Wochen wieder beschäftigt.

Für die meisten Kaninchen gibt es allerdings nichts Spannenderes als den Menschen. Selbst schüchterne Individuen können ihre Neugierde oft nicht zügeln, wenn es sich da jemand in ihrem Gehege bequem gemacht hat und ihnen überhaupt keine Beachtung schenkt. Solange sie sich unbeobachtet fühlen, wagen sie sich allmählich vorwärts, "umkreisen" den Besitzer interessiert und "erforschen" ihn von allen Seiten.

Möchten Sie das Vertrauen eines ängstlichen Kaninchens gewinnen, sollten Sie sich möglichst oft ganz selbstverständlich zu ihm setzen und sich mit etwas völlig anderem, z.B. Lesen, beschäftigen; dadurch begreifen die Tiere allmählich, dass Ihre Anwesenheit etwas ganz Normales, völlig Ungefährliches ist; interessant, aber kein Grund zur Aufregung.

Zutrauliche Kaninchen spielen hingegen am liebsten mit ihrem Besitzer: Mithilfe eines gesunde Leckerchens (z.B. einem frischen Stängel Petersilie) lassen sie sich zum Männchenmachen animieren, über "Hürden", auf erhöhte Ebenen oder sogar den Schoß locken. Auf diese Weise lässt sich jede Mahlzeit gleich mit ein wenig "Sport" verbinden.

Futtererarbeitung: Die beste Animation zur Bewegung ist und bleibt Futter. Diese Grundregel lässt sich auch in Ihrer Abwesenheit umsetzen: Bieten Sie Frischfutter und Heu ab sofort ausschließlich erhöht an, sodass sich die Kaninchen zumindest aufrichten und/oder strecken müssen, um zu fressen. Die beliebtesten Sorten könnten das Aufsuchen zweiter Ebenen (z.B. ein Sitzbrett, einen Baumstumpf, Pflanz- oder Backstein) erfordern.

Geeignet zur erhöhten Anbringung sind handelsübliche Heuraufen, Futterspieße und -ketten oder Wäscheleinen, an die insbesondere großblättrige Sorten gut geklammert werden können.

Einige Kaninchen spielen sehr gerne mit so sogenannten "Futterbällen" aus dem Zooladen. Diese Spielzeuge besitzen eine in der Größe variable Öffnung, durch die das Futter nach und nach herausfällt, wenn die Kaninchen sie umherrollen. Während einer Diät sind sie nur bedingt geeignet, da sie nur mit sehr kleinen Häppchen gefüllt werden können - und dabei handelt es sich i.d.R. um Dickmacher wie Sämereien, Getreide- / Erbsenflocken und Trockenobst /-gemüse; diese sollten während einer Gewichtsabnahme überhaupt nicht verfüttert werden. Eine kalorienarme Alternative stellen kleingeschnittene Trockenkräuter und -blätter dar.

Für Kaninchen, die ihr Gewicht lediglich halten sollen, sind die Bälle grundsätzlich eine tolle Beschäftigungsidee.

Jede Form von Bewegung verbrennt nicht nur Kalorien, sondern kräftigt auch das Immunsystem, Skelett, Herz und Muskeln - was wiederum einen höheren Grundumsatz zur Folge hat, denn trainierte Muskeln verbrennen auch im Ruhezustand mehr Energie als untrainierte.

Gruppenhaltung: Je mehr Kaninchen Sie besitzen, desto mehr "Leben" ist in der Gruppe. Um das angeborene intensive Bedürfnis nach Sozialkontakt zu befriedigen, ist Paarhaltung jedoch das absolute Wohlfühl-Minimum. Bereits ein Duo ist um ein Vielfaches aktiver als ein einsames Einzeltier.

Die meisten Besitzer, die ihr allein lebendes Kaninchen für munter und zufrieden gehalten haben, sind nach einer geglückten Vergesellschaftung - im positiven Sinne - völlig überrascht, wie sehr das Tier aufblüht.:

Das vermeintlich eher "gemütliche" Tier ist plötzlich viel aktiver und unternehmungsfreudiger, zeigt ein deutlich ausgeprägteres Repertoire an natürlichen Verhaltensweisen und genießt die arteigene Gesellschaft in vollen Zügen, kommuniziert, schmust und tobt intensiv mit seinem neuen Artgenossen.

Dem Besitzer, der erst jetzt realisiert, was seinem Tier eigentlich gefehlt hat, hoppeln nun gleich zwei Langohren entgegen, wenn es Futter gibt; und wenn eines von ihnen mal keine Lust auf die Begrüßung oder ein "Spiel" hat, lässt es sich doch schnell animieren, sobald der Artgenosse es "vormacht".

Noch gravierender ist der Unterschied bei Kaninchen, die bereits "depressionsartige" Symptome aufweisen: Nicht selten verspüren Einzeltiere keinerlei Bedürfnis nach Bewegung oder Beschäftigung mehr, sondern sitzen die meiste Zeit untätig herum und dösen vor sich hin, zeigen vermindertes Interesse an äußerlichen Reizen und lassen insgesamt keinerlei Lebensfreude mehr erkennen.

Ernährung

Bitte beachten Sie, dass die Umstellung auf Frischfutter immer nur schrittweise - d.h. über Tage bis Wochen hinweg - erfolgen darf! Anderenfalls kann es u.a. zu lebensgefährlichen Tympanien (=Aufgasungen) kommen, da die Darmflora keine Zeit hat, sich anzupassen.

Wenn irgend möglich, sollte die Hauptnahrung aus frischem Wiesengrün bestehen. Dadurch ist - im Gegensatz zur hauptsächlichen Heu- oder Gemüsefütterung - eine optimale Vitamin- und Mineralstoffversorgung gewährleistet.

Auch um einen Rohfaser- oder Energiemangel brauchen Sie sich nicht zu sorgen: Die Rohfaserkonzentration ist im Heu lediglich infolge des Flüssigkeitsentzuges höher als im Gras, was aber andererseits bedeutet, dass das Kaninchen um ein Vielfaches mehr Gras als Heu fressen muss, um satt zu werden.

Dadurch nimmt es in jedem Fall ausreichend Rohfaser zu sich; die Flüssigkeitsaufnahme ist hingegen sechs- bis siebenmal höher, was den Harn- und den Verdauungstrakt gesund hält. Auch erfolgt der Zahnabrieb aufgrund der größeren Futtermengen sowie der nur im frischen Grün enthaltenen Kieselsäure intensiver als beim Konsum von Heu.

Blattgemüse und Küchenkräuter stellen den besten, wenn auch suboptimalen Ersatz für frisches Wiesengrün dar: Ihr Gehalt an Flüssigkeit und Kieselsäure ist geringer, und die enthaltenen Vitamine und Proteine reichen nach tagelanger Lagerung meist nicht mehr aus, um den Bedarf des Kaninchens zu decken. Daher ist eine geringe (!) Nahrungsergänzung notwendig, um Mangelerscheinungen sicher vorzubeugen.

Bei übergewichtigen Kaninchen sollte auf die Gabe von Saaten als Proteinlieferant verzichtet werden. Besser sind kalorienarme Futtermittel wie z.B. eine Handvoll Trockenkräuter täglich pro kg Körpergewicht

Bedenken Sie, dass Wurzelgemüse um ein Vielfaches energiehaltiger ist als blättriges Gemüse und Kräuter. Auf Karotten, Rüben, Kürbisse, Sellerie-, Kohlrabi- und Fenchelknollen usw. sollte während der Gewichtsreduktion daher gänzlich verzichtet werden. Gut geeignet sind hingegen stark wasserhaltige Sorten, Blattgemüse und Kräuter. Beispiele hierfür sind Gurken, Kopf-, Eisberg-, Endivien-, Rucola- und Feldsalat, Kohlrabi- und Blumenkohlblätter, Karottenkraut, Petersilie und Dill.

Obst mag dem Menschen kalorienarm erscheinen, aus Kaninchensicht betrachtet enthält es aber zu viele leicht verdauliche Kohlenhydrahte (Fruktose; Bananen v.a. Stärke), die vom Organismus letztlich inform von Fett gespeichert werden. Als Besitzer eines adipösen Tieres sollten Sie besser ganz darauf verzichten.

Gelegentlich weisen auch Kaninchen, die sowohl artgerecht gehalten werden als auch ausgesprochen kalorienarm gefüttert werden, Übergewicht auf. Die Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun, sind dann sehr eingeschränkt. Solange Sie vorrangig Wiesengrün füttern, können Sie versuchen, vermehrt Gräser und weniger Kräuter zu füttern. Mit Kräutern nimmt das Kaninchen aufgrund der enthaltenen Proteine mehr Kalorien auf als mit Gräsern. Bis zu 2/3 der Ration darf aus Gräsern bestehen. Noch weiter sollten Sie den Kräuter-Anteil nicht reduzieren, um keine Mangelernährung zu provozieren.

Gesunde Kaninchen, die trotz artgerechter Haltung und optimaler Fütterung überwichtig sind, sollten nicht krampfhaft auf "Diät" gesetzt werden. In diesem Fall sollten Sie das Übergewicht akzeptieren, da alle Maßnahmen, die Sie dagegen ergreifen könnten, mehr Schaden als Nutzen anrichten würden: Weder darf ein Kaninchen auf Futterentzug gesetzt noch extrem einseitig gefüttert werden.

Heu dient dem Kaninchen als ständig verfügbare Notnahrung, falls das genießbare Grün ausgeht: Da bereits geerntetes Frischfutter schnell verdirbt und die Tiere weder fasten noch in Versuchung geraten dürfen, Ungenießbares aufzunehmen, ist eine derartige Alternative sehr wichtig. Da Heu kalorienarm ist, stellt es auch für übergewichtige Individuen kein Problem dar.

Fertigmischfutter, Pellets, Brot, glutenhaltiges Getreide und sonstiges Energiefutter können selbst einen gesunden Organismus auf Dauer schwer schädigen; ganz besonders während einer "Diät" müssen sie kompromisslos vom Speiseplan gestrichen werden.

An dieser Stelle soll noch einmal betont werden, dass die Einführung eines neuen Futtermittels immer nur schrittweise erfolgen darf. Während der Umstellungsphase auf Frischfutter empfiehlt es sich allerdings, anstelle des ungesunden "Müslis" aus dem Zooladen ein strukturiertes Trockenfutter (z.B. Grünhopper, Nösenberger) zu füttern und dieses dann nach und nach abzusetzen:

Der Flüssigkeitsgehalt eines Struktur-Trockenfutters ist dem der handelsüblicher Sorten sehr ähnlich, weshalb keine abrupte Futterumstellung erfolgt. Indem Sie zunächst auf ein strukturiertes Trockenfutter umstellen, entlasten Sie nicht nur unmittelbar den Verdauungstrakt; die einsetzenden Regenerationsprozesse erleichtern auch die anschließende Umstellung aufs Frischfutter, da das Kaninchen weniger empfindlich reagiert.

Keine Heu-Diät!

Weder ab und zu noch über einen längeren Zeitraum hinweg darf ein Kaninchen auf "Heu-Diät" gesetzt werden! Hierbei handelt es sich um eine abrupte Futterumstellung, die den Darmtrakt erheblich belastet.

Der Grund, weshalb Heu-Diäten tatsächlich zum Gewichtsverlust führen, ist, dass es sich dabei um eine Mangelernährung handelt. Das Kaninchen verliert an Gewicht, da es einen Mangel an Proteinen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen entwickelt. Demzufolge ist eine solche Fütterung nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern grenzt auch an Tierquälerei.