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Zahnerkrankungen

Kaninchen aus "liebevoller Hobbyzucht" mit fehlenden Schneidezähnen infolge von Inzucht - Bild von Sandra Petry

Zahnproblematiken und ihre Folgeerkrankungen stellen die häufigsten Indikationen für tierärztliche Behandlungen dar. Die Symptome reichen von leichtem Speichel- und Augenausfluss über durch Zahnspitzen verursachte Wunden bis zu schweren Backen- und Kieferabszessen, deren Behandlung langwierig und nicht immer erfolgreich ist.

Ursache

Zum Teil genetisch bedingt, werden Zahnprobleme in diversen Fällen auch durch Mangelerscheinungen oder die Fütterung ungeeigneter Nahrungsmittel verursacht; besonders fatal äußert sich die Kombination mehrerer Faktoren.

Angeborene Zahnfehlstellungen

Insbesondere bei Zwergkaninchen, in deren Maulhöhle aufgrund des kurz gezüchteten Kopfes sehr wenig Platz vorhanden ist, sind häufig angeborene Zahnfehlstellungen festzustellen. Diese können sich entweder bereits im jungen oder erst mit zunehmendem Alter äußern. Die Zähne stehen hier genetisch bedingt in einer Schieflage, schleifen sich demzufolge also auch bei gesunder Ernährung nur suboptimal gegeneinander ab und bedürfen einer regelmäßigen tierärztlichen Kürzung. Allerdings kann eine artgerechte Fütterung die Intervalle, in welchen diese Prozedur notwendig ist, maßgeblich verlängern.

Der Bildervergleich macht den Unterschied zwischen der Kopfform des Wildkaninchens (links) und des Zwergkaninchens (rechts) deutlich.

Erworbene Zahnfehlstellungen

Fütterungsfehler inform einer mangelhaften Kalziumzufuhr führen zu einer Instabilität von Zähnen und Knochen. Infolgedessen werden die Zähne nicht nur anfällig gegenüber Karies, sondern beginnen sich auch zu lockern, da ihre Verankerung im Kieferknochen nicht mehr gewährleistet ist. Im schlimmsten Fall kommt es dadurch zum Ausfall der Zähne; weniger schwere Folgen sind leichte Positionsveränderungen - z.B. durch Verdrehungen oder Kippen - die jedoch bereits ausreichen, um keinen optimalen Abrieb mehr zu ermöglichen und regelmäßige tierärztliche Korrekturen notwendig zu machen.

Ein Vitamin-D-Mangel wirkt sich störend auf den Kalziumwechsel aus und führt dadurch zu Zahnproblemen. Er entsteht bei reinen Wohnungskaninchen, da Vitamin D über direkte Sonneneinstrahlung aufgenommen wird. Kaninchen, die nur während der Wintermonate in Innenhaltung leben, sind hingegen nicht gefährdet, da der Körper das Vitamin über mehrere Monate speichern kann.

Fütterungsbedingte Zahnfehlstellungen

Die Fütterung ungeeigneter Nahrungsmittel führt zum mangelhaften Zahnabrieb und dadurch fehlerhaftem Wachstum. Ursächlich können größere Mengen stark sättigender Futtermittel (Saaten, Nüsse, Erbsen- / Getreideflocken, ...) sein, welche die Zeit, die das Kaninchen mit Mahlen verbringt, massiv verkürzen; auch einige gänzlich ungeeignete Futtersorten wie z.B. Brot, Weizen, Knabberstangen usw. gehören dazu.

Auch weniger nahrhafte Futtersorten, die keine strukturierte Rohfaser erhalten und somit die Zähne nicht ausreichend fordern (z.B. Obst, Gurke, Tomate, ...) sind im Übermaß problematisch.

In beiden Fällen wird der Verzehr rohfaserhaltiger Nahrungsmittel, welche für den Zahnabrieb und auch für eine geregelte Verdauung wichtig wären, erheblich eingeschränkt.

Krankheitsbilder

Mögliche Krankheitsbilder sind:

Überwuchs

Die Zähne des Kaninchens wachsen ein Leben lang. Für einen ausreichenden Abschliff sorgen auf Dauer nur die natürlichen, rohfaserreichen Nahrungsmittel der Tiere – nämlich Gräser, Kräuter, Blätter und Zweige vorzugsweise frisch; zusätzlich in Form von Heu als "Notnahrung", falls einmal kein genießbares Frischfutter mehr vorhanden sein sollte.

Überlange Zähne, wie sie durch den Verzehr von Trockenfutter, Brot, sehr großen Obstmengen usw. entstehen, behindern das Kaninchen beim Fressen, führen zur permanenten Reizung der Schleimhäute und wachsen schließlich dort ein; durch unzureichende oder fehlerhafte Abnutzung entstehende Zahnspitzen und können schmerzhafte Zungenverletzungen verursachen. Durch das Eindringen von Bakterien in die Wunden entstehen mit der Zeit schmerzhafte und gefährliche Abszesse.

Karies

Zuckerhaltige Futtermittel wie Schokolade und handelsübliche “Leckerlis” führen mit der Zeit zur Entstehung von Karies. Die Folge sind starke Schmerzen, es kommt schließlich zur Lockerung und zum Ausfall des abgestorbenen Zahnes. Zugleich führen die Fäulnessprozesse zu schweren Zahnfleischentzündungen; bei ausbleibender Behandlung können die entstehenden Schadstoffe mit der Zeit den gesamten Organismus vergiften.

Stufengebiss

Angeborene, erworbene oder fütterungsbedingte Zahnfehlstellungen führen zu einer ungleichmäßigen Abnutzung des Gebisses. Dadurch kommt es mitunter zur sogenannten Stufenbildung, d.h. die Backenzähne befinden sich nicht auf gleicher Höhe. Das Zermahlen von rohfaserreicher Nahrung wird dadurch erschwert, was zu noch weniger Zahnabrieb erfolgt - dieser Teufelskreis kann nur durch eine tierärztliche Zahnkorrektur unterbrochen werden.

Zahnbrückenbildung

Im Falle der sogenannten Zahnbrücke stehen die Backenzähne der Kiefer nicht senkrecht aufeinander, sondern wachsen schräg gen Mäulchenmitte - d.h. es erfolgt kein Wachstum in Richtung der vertikalen Gegenspieler, sondern der horizontal gegenüberliegende Backenzähne; über der Zunge entsteht eine "Brücke", die das Tier erheblich bei der Nahrungsaufnahme behindert. Die Ursache kann auch hier angeboren, erworben oder fütterungsbedingt sein.

Zahnspitzenbildung

Die ungleichmäßige Abnutzung des einzelnen Zahnes durch angeborene, erworbene oder fütterungsbedingte Fehlstellungen führt dazu, dass die Oberfläche zunehmend uneben wird. Letztlich entstehen Spitzen und Kanten, die zu Verletzungen insbesondere der Zunge führen können. Dies kann so schmerzhaft sein, dass das Kaninchen die Nahrungsaufnahme komplett einstellt.

Entzündungen und Abszesse

Zahnspitzen reißen Zunge und Schleimhaut auf. Diese Verletzungen können sich massiv entzünden.

Karies tritt aufs Zahnfleisch über und führt dort zu schweren Entzündungen. Die sekundäre Ansiedelung eiterbildener Bakterien führt zur Abszessbildung.

Lockere Zähne bedeuten eine permanente mechanische Reizung von Zahnfleisch und Kieferknochen; es kommt zu Entzündungen, Abszessen und degenerativen Veränderungen am Kieferknochen.

Überlange Zähne können in die Maulschleimhaut einwachsen und/oder durch permanente Reibung zu Wunden führen. Die Folge sind auch hier schwere Entzündungen und Abszessbildungen.

Zahnfehlstellung

Bei einer Zahnfehlstellung stehen die “Gegenspieler” unter den Zähnen in einem unnatürlichen Winkel zueinander, können sich also auch bei gesunder Ernährung nur mangelhaft gegeneinander abschleifen.

Wurzellockerung

Die physiologische Kaubewegung der Kaninchen erfolgt waagrecht durch das Zermahlen ihrer Nahrung. Körner und andere Bestandteile handelsüblichen Fertigfutters werden im Gegensatz dazu jedoch durch senkrecht ausgeübten Druck zerquetscht, was zu einer schleichenden Lockerung der Zahnwurzeln und in der Folge sowohl zum Zahnausfall als auch zu Entzündungen im Bereich des Zahnes, des Kieferknochens sowie der Kiefergelenke führen kann. Zudem sind irreparable Kieferknochendegenerationen möglich.

Eine weitere mögliche Ursache für Zahnausfall ist ein Vitamin-D-Mangel, da dieser sich auf den Kalziumstoffwechsel niederschlägt. Hiervon sind reine Wohnungskaninchen betroffen, die das ganze Jahr über kein direktes Sonnenlicht absorbieren.

Kieferabszesse

Die mechanische Reizung des Kieferknochens infolge lockerer Zahnwurzeln führt zu schwerwiegenden Kieferknochendegenerationen. Bei ausbleibender Behandlung kommt es zur Ansiedlung eiterbildender Bakterien und zur Entstehung von Abszesskapseln, die zunehmend an Größe gewinnen und schwer zu behandeln sind.

Symptomatik

Je nach Ursache ist die Symptomatik vielseitig und erstreckt sich von Nahrungsverweigerung über Fieber und Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, feuchtes Fell in der Mäulchen-, Kinn- und Brustgegend, sichtbaren Speichelfluss, chronische Durchfälle, klaren bis eitrigen Augen- und Nasenausfluss bis zum Hervortreten eines Augapfels, akute Magenüberladungen und/oder Aufgasungen.

Anorexie (=Appetitlosigkeit), oft auch ein allgemeines Unwohlsein bishin zur Apathie, sind unspezifische Symptome und können damit auf eine Reihe von Erkrankungen hinweisen; die Zähne sind in die Untersuchung aber immer mit einzubeziehen! Ursache können nämlich u.a. Zahnfleischentzündungen oder Verletzungen der Zunge sein, die durch erkrankte Zähne bzw. Zahnspitzen ausgelöst werden.

Interesse am Futter, ohne dass letztlich etwas davon aufgenommen wird, ist ein für den Laien auf den ersten Blick schwer erkennbares Indiz für überlange, lockere oder schmerzhafte Zähne: Das Kaninchen kommt hierbei zwar während der Fütterung hungrig herbeigehoppelt und schnuppert interessiert, nimmt letztendlich aber nichts oder nur wenig Nahrung auf. In anderen Fällen nehmen die Kaninchen zwar einen Bissen, brauchen aber so lange zur Zerkleinerung, dass sie insgesamt viel zu wenig fressen. Beobachten Sie Ihre Tiere daher täglich beim Fressen, um sicherzustellen, dass sie aufgenommenes Futter wie gewohnt abschlucken und nicht schier endlos auf einem Happen herumkauen.

Gewichtsverlust ist die langfristige Folge einer unzureichenden Nahrungsaufnahme oder einer gestörten Nahrungsverwertung. Zwar kommen auch hier diverse Ursachen in Betracht, doch die tierärztliche Untersuchung muss immer auch eine unverzügliche Zahnkontrolle beinhalten.

Sichtbares Speicheln ist in den allermeisten Fällen auf Zahnprobleme oder Verletzungen im Maulbereich zurückzuführen.

Feuchtes, mitunter futterbreiverklebtes Fell im Kopf- und Brustbereich kommt durch unwillkürliches Speicheln v.a. während des Kauvorgangs zustande und stellt einen deutlichen Hinweis auf eine bestehende Gebissfehlstellung dar. Ein Blick täglich genügt, um dieses Symptom zu erkennen.

Magen-Darm-Aufgasungen, die sich durch einen aufgetriebenen, harten, prallen Leib und ein massiv gestörtes Allgemeinbefinden, mitunter auch Atembeschwerden äußern, gehören zu den gefährlichsten akuten Folgen, die durch Zahnproblematiken verursacht werden können.

Eine Tympanie (Aufgasung) kann dabei einerseits durch eine eingestellte oder eingeschränkte Nahrungsaufnahme ausgelöst werden, da infolge einer Verdauungsträgheit Fehlgärungen entstehen; andererseits schluckt das Kaninchen mitunter unzureichend zerkleinerte Futterbestandteile ab, welche nicht richtig verdaut werden können.

Auch ist es möglich, dass durch unphysiologische Kaubewegungen oder besonders hastiges Fressen so viel Luft abgeschluckt wird, dass daraus Blähungen resultieren. Hastiges Fressen kann wiederum auftreten, wenn das Kaninchen nach einer rohfaserreichen Mahlzeit, deren Verzehr ihm große Schwierigkeiten bereitet hat, eine rohfaserärmere Futterration enthält und sie gierig herunter schlingt.

Zu guter Letzt sind Tympanien auch eine häufige Folge von Magenüberladungen oder Verstopfungen, welche durch unzureichend zerkleinerte Futterpartikel entstehen und somit die mögliche Folge einer Zahnerkrankung sind können.

INFO: Tympanie (=Aufgasung)

Magenüberladungen, die mit sehr ähnlichen Symptomen wie Tympanien einhergehen und vom Laien nur schwer davon abgegrenzt werden können, werden in einigen Fällen ebenfalls durch Zahnprobleme ausgelöst: Ist das Kaninchen nicht dazu in der Lage, seine Nahrung in einem angemessenen Zeitraum in ausreichendem Maße zu zermahlen, werden zu grobe Stücke abgeschluckt, die im Magen zu einer Verstopfung und in der Folge zur Überladung führen.

INFO: Magenüberladung

Chronischer Durchfall ist eine weitere mögliche Folge einer unzureichenden Futterzerkleinerung, da die groben Nahrungsbestandteile vom Organismus nicht richtig verwertet werden können. Der physiologischen Blinddarmflora fehlt dann mitunter auch die Nahrungsgrundlage, sodass sie von pathogenen (=krankmachenden) Bakterien verdrängt wird und es zu Aufgasungen kommt.

Die Selektion weichen, rohfaserarmen Futters (Gurke, Tomate, Obst, Leckerlis, ...) deutet auf ein Backenzahnproblem hin. Das Kaninchen nimmt bevorzugt Futter auf, das möglichst wenig gekaut werden muss. Dadurch erfolgt wiederum noch weniger Zahnabrieb, es entsteht ein Teufelskreis. Zudem kommt es zu den bei rohfaserarmer Nahrungsaufnahme typischen Verdauungsproblemen wie Durchfall und Aufgasungen.

Ausbleibendes Nageverhalten z.B. an Zweigen oder Wurzelgemüse kann auf Schneidezahnprobleme hindeuten. Das Kaninchen ist zwar am Futter interessiert, hat aber Probleme mit dem Abbeißen. Einige Ursachen sind für den Besitzer bereits sichtbar, wenn er durch ein vorsichtiges Spreizen der gespaltenen Oberlippe einen Blick auf die beiden Zahnpaare wirft; deutlich zu sehen sind hierbei z.B. eine schräge Abnutzung, ein deutlicher Überwuchs, Verbiegungen und Aneinander-vorbei-Wachsen, Risse und Sprünge, abgebrochene Zahnteile, Zahnfleischentzündungen, Zahnverfärbungen und zurückgebildetes Zahnfleisches (Parodontose).

Klarer bis eitriger Nasen- und Augenausausfluss sind ebenfalls mögliche Folgen einer Zahnproblematik - werden aber nicht immer sofort damit in Verbindung gebracht: Im Falle zu langer Backenzähne wächst deren Druck auf die Kieferknochen, die Wurzeln werden regelrecht in die Zahnfächer gepresst. Dieser als retrogrades Wachstum bezeichnete Vorgang führt im Unterkiefer zu degenerativen, entzündlichen Veränderungen des Kieferknochens; im Oberkiefer brechen die Zahnwurzeln in den Tränen-Nasen-Kanal durch und verursachen dort schwere Entzündungen. Auch kariöse Zähne oder Zahnfleischentzündungen können sich zu einer aufsteigenden Infektion entwickeln und den Tränen-Nasen-Kanal in Mitleidenschaft ziehen.

Ein hervortretender Augapfel ist kein Symptom einer Augenerkrankung, sondern wird i.d.R. durch einen dahinterliegenden Kieferknochenabszess (seltener durch einen Tumor) verursacht – das Kaninchen bedarf daher einer umgehenden Zahnkontrolle sowie einer Röntgenaufnahme des Schädels! Das Symptom ist auch für den Laien deutlich zu erkennen, wenn er sein Tier von vorn betrachtet: Steht ein Auge im Vergleich zum anderen sichtbar hervor, ist ein Tierarztbesuch fällig.

Bei Augenproblemen sowie Schnupfen sind immer auch eine Gebisskontrolle und ggf. Röntgenaufnahmen des Schädels in mindestens zwei Ebenen durchzuführen!

Dies betrifft insbesondere einen hervortretenden Augapfel sowie Augen- und Nasenausfluss.

Fieber und daraus resultierende Abgeschlagenheit können die Folge schwerer Entzündungen im Maulbereich sein. Oftmals sind infizierte Wunden oder Abszesse die Ursache.

Diagnostik

Schneidezahnproblematiken können durch bloßes Beiseiteziehen der Lippen erkannt werden; die Backenzähne und einen Großteil des Zahnfleisches kann dagegen nur der Tierarzt begutachten, da hierfür ein spezielles Instrumentarium (Maul- und Backenspreizer, Otoskop mit Aufsatz) notwendig ist. Bei einer eingehenden Inspektion der Maulhöhle muss das Kaninchen zudem leicht sediert werden, da Maulspreizer die Tiere in Panik versetzen und sie sich - auch, wenn sie professionell fixiert werden - durch Abwehrbewegungen schwer verletzen können.

Die Zahnwurzel- und Kieferknochenuntersuchung erfolgt immer anhand von Röntgendiagnostik, da knöcherne Strukturen sowie tiefliegende Erkrankungen nur auf diese Weise sichtbar werdenn.

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Therapie

Je nach Krankheitsbild sind grundverschiedene Therapieansätze notwendig; allen gemeinsam ist jedoch, falls noch nicht vorhanden, die Zielsetzung einer gesunden und dementsprechend zahnfreundlichen Ernährung. Zwar können insbesondere genetisch bedingte Fehlstellungen dadurch nicht beseitigt werden, doch hat die naturnahe Fütterung in jedem Fall einen positiven Einfluss auf den Zustand des Gebisses sowie auf Harn- und Verdauungstrakt.

Überlange Zähne und Zahnspitzen werden mit einer Pfeile abgeschliffen. Bei den Backenzähnen erfolgt dies manuell, bei den Schneidezähnen mit einer elektrischen Drehscheibe.

Keinesfalls dürfen Zähne oder Zahnspitzen mit einer Zange abgeknipst werden!

Die Folge einer solchen Behandlung sind Sprünge, die mit bloßem Auge meist nicht sichtbar sind, z.T. aber bis tief in den Zahnschmelz reichen und Bakterien eine Eintrittspforte bieten. Erkrankte oder abgestorbene Zähne verursachen nicht nur Schmerzen und behindern das Tier beim Fressen, sondern infizieren mit der Zeit auch das umliegende Zahnfleisch sowie die Zähne.

Zahnabszesse und ihr ursächlicher Zahnes müssen operativ entfernt werden, eine gründliche Wundreinigung ist für die Genesung von entscheidender Bedeutung. Damit der Abszess “von innen heraus” abheilen kann, muss er regelmäßig von Eiter freigespült werden. Abszesse, die zu spät entdeckt oder behandelt werden, führen zur Eiterbildung im gesamten Schädel, hohem Fieber, einem hochgradig gestörten Allgemeinbefinden und im Endstadium zur Sepsis (=Blutvergiftung).

Kariöse oder abgebrochene Zähne müssen gezogen werden, ehe die Fäulnessprozesse auf Nachbarzähne überspringen, das Zahnfleisch schädigen oder ihre Giftstoffe in die Blutbahn befördern können. Müssen mehrere benachbarte Zähne gezogen werden, kann es zu Problemen kommen, da die gegenüberliegenden Zähne nicht mehr abgerieben werden. In diesem Fall müssen sie regelmäßig vom Tierarzt geschliffen werden.

Prognose

Je nach Ursache, Symptomatik und Schweregrad der Erkrankung variiert die Prognose enorm: So treten ernährungsbedingt ausgelöste Zahnfehlstellungen nach einmaligem Kürzen möglicherweise nie wieder auf, sofern Fütterungfehler künftig vermieden werden, und auch Tiere mit genetisch bedingten Fehlstellungen besitzen in vielen Fällen eine uneingeschränkte Lebenserwartung, solange ihr Gebiss regelmäßig und auf die richtige Art und Weise (d.h. durch Pfeilen!) korrigiert wird. Zahnabszesse hingegen erreichen im mit der Zeit ein solch verheerendes Ausmaß, dass die Kaninchen ohne eine frühzeitige Behandlung entweder daran versterben oder euthanasiert werden müssen, da ein Therapieversuch ab einem gewissen Punkt aussichtslos wäre.

Prophylaxe

Achten Sie gut auf etwaige Symptome einer Zahnproblematik. Bei Unsicherheiten schafft eine tierärztliche Untersuchung Klarheit über den Zustand des Gebisses und hilft, Probleme bereits im Anfangsstadium zu entdecken, sodass eine erfolgsversprechende Therapie möglich ist.

Genetisch bedingte Zahnfehlstellungen

Das Risiko, Kaninchen mit einer angeborenen Zahnfehlstellung aufzunehmen, ist am geringsten, wenn Sie ausgewachsene Tiere von einer seriösen Notstation oder einem Kaninchenschutzverein adoptieren. Hier sind eventuelle Gesundheitsprobleme bekannt und werden Ihnen von vornherein mitgeteilt.

Auch, wenn Sie sich junge Kaninchen anschaffen möchten, sollten Sie sich an o.g. Organisationen oder das Tierheim wenden. Allerdings werden Zahnprobleme häufig erst zum Ende der Wachstumsphase oder noch später ersichtlich, sodass ein gewisses Restrisiko bleibt. Besondere Vorsicht ist bei sehr kleinwüchsigen, kurzköpfigen Kaninchen geboten sowie bei Tieren, deren Mutter oder Vater an einer Zahnfehlstellung leiden, da sie diese evtl. vererbt haben.

Kaufen Sie keine Kaninchen von Züchtern, Vermehrern, in Zooläden oder Baumärkten.

Damit unterstützen Sie tierquälerische Haltungsbedingungen - beim Züchter oder Vermehrer u.a. winzige Boxen als Lebensraum, die Einzelhaltung von Rammlern und häufig auch eine zu frühe Abgabe der Tiere (vor der 12. Lebenswoche) sowie eine ungesunde Ernährung (Pellets, weizenhaltige Futtermischungen, kein oder kaum Frischfutter).

Tiere, die in Zooläden oder Baumärkten verkauft werden, stammen in der Regel aus Tierfabriken, in denen schlimmere Bedingungen als in der Massentierhaltung herrschen. Von den katastrophalen hygienischen Bedingungen ganz zu schweigen, leben die Kaninchen, Nagetiere, Vögel usw. hier auf engsten Raum zusammengepfercht; in der Folge kommt es zu gegenseitigen Bissverletzungen, die nicht behandelt werden und zum qualvollen Tod zahlreicher Tiere führen. Den überlebenden Tieren wird ein langwieriger Transport zum "Empfänger" zugemutet, wiederum auf engstem Raum und oft ohne ausreichend Futter und Wasser. Nachdem diese schockierenden Zustände im Jahre 2015 ans Licht der Öffentlichkeit kamen, haben sich die meisten Baumarktketten bereits aus dem Verkauf lebender Tiere zurückgezogen.

Davon abgesehen, sollte die gezielte Vermehrung von Tieren generell nicht unterstützt werden, solange die Tierheime und Notstationen deutschlandweit aus allen Nähten platzen - jedes gezielt in die Welt gesetzte Tier nimmt einem bereits vorhandenen die Chance auf ein neues Zuhause.

Letztlich werden Ihnen eventuelle Vorerkrankungen eines Tieres von Zoohändlern, Züchtern und Vermehrern häufig verschwiegen, da für diese Personen der finanzielle Gewinn durch den Verkauf im Vordergrund steht und nicht - wie bei Tierschutzorganisationen - ein schönes Zuhause bei einem gut beratenen Besitzer.

Ernährungsbedingte & erworbene Zahnfehlstellungen

Generell ist gesunde Ernährung das A und O, um Zahnerkrankungen vorzubeugen oder – im Falle genetischer Ursachen – in Schach zu halten. Grünfutter rund um die Uhr, Heu als jederzeit verfügbare Notnahrung und der Verzicht auf gänzlich ungeeignete Futtermittel (Weizen, Roggen, Körner, Pellets, Brot, Milchprodukte usw.) sind die beste Voraussetzung für ein gesundes Gebiss.

Reine Wohnungskaninchen, die auch den Sommer über keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, müssen zudem Vitamin D über die Nahrung aufnehmen; ein Vitamin-D-Mangel führt zu einem gestörten Kalziumstoffwechsel und kann dadurch Zahnerkrankungen verursachen.

Kleine Mengen (ca. 1 Handvoll täglich für ein Kaninchenpärchen) einer strukturierten, als "Alleinfuttermittel" deklarierten Futtermischung oder - falls die Kaninchen sie mögen - einige getrocknete Speisepilze schaffen Abhilfe.

Kaninchen, die nur während der Wintermonate in Innenhaltung leben, sind nicht gefährdet, da sie während der Sommermonate Vitamin D aufnehmen und dieses über mehrere Monate speichern können.