Sonstige Erkrankungen

Vergiftung

Ursache

Plötzliche Todesfälle werden von unerfahrenen Haltern (und auch Tierärzten) mangels anderweitiger Erklärung häufig mit einer "Vergiftung" erklärt. In der Realität sind dafür eher unerkannte Nierenleiden, Herzerkrankungen oder - bei falsch oder gar nicht geimpften Tieren - das RHD-Virus verantwortlich.

Tatsächlich treten Vergiftungen beim Kaninchen sehr selten auf. Dies liegt einerseits daran, dass die Tiere giftige Pflanzen in aller Regel instinktiv meiden; andererseits daran, dass ihr Organismus viele Giftstoffe sehr gut neutralisieren kann. Die einzige heimische Pflanze, zu der den Kaninchen der Zugang verwehrt werden sollte, ist die Eibe. Sonstige Giftpflanzen werden in der Regel nicht angerührt oder nur in so kleinen Mengen verzehrt, dass sie keinerlei Symptome auslösen.

Gefährdet sind Kaninchen, die nicht artgerecht (meist trocken) ernährt werden und sich heißhungrig und wahllos auf das nächstbeste Grünfutter stürzen, sobald es für sie erreichbar ist. Dass Kaninchen, die täglich große Mengen gemischten Grünfutters erhalten, sich vergiften, ist hingegen sehr unwahrscheinlich und es ist nicht notwendig, gesammeltes Grün akribisch nach potentiellen Giftpflanzen zu durchsuchen und auszusortieren.

Exotische Zimmerpflanzen, die die Kaninchen "aus der Natur nicht kennen", sollten sicherheitshalber unzugänglich aufbewahrt werden, da ihnen dafür evtl. die Instinkte fehlen.

Eine etwas größere Gefahr als Giftpflanzen stellen Chemikalien dar. Zu Putzmitteln etc. sollten die Kaninchen selbstverständlich keinen Zugang haben, obwohl sie sich in aller Regel ohnehin nicht dafür interessieren. Beim Sammeln von Grünfutter müssen Wiesen, die frisch gedüngt oder mit Pestiziden, Rattengift o.ä. "verseucht" wurden, selbstverständlich gemieden werden.

Weiterhin möglich ist eine Medikamenten-Intoxikation infolge einer falschen oder überdosierten Medikamentenverabreichung. Eine solche äußert sich meist mit Darm-, Nieren- oder Lebersymptomen. Lebensgefährlich sind beispielsweise einige Antibiotika bei oraler Verabreichung, da sie die physiologische Darmflora abtöten und dadurch unstillbare Durchfälle und Aufgasungen verursachen können. Hierzu gehören die Wirkstoffe nach der sogenannten PLACE-Regel Penicillin, Lincomycin, Ampicillin, Amoxycillin, Cephalosporine, Clindamycin und Erythromycin. Penicilline können bei einigen Krankheitsbildern, wie z.B. Zahn-OPs, Knochen-Infektionen und eitrigen Entzündungsherden, eine erstklassige Wirkung erzielen, dürfen aber niemals oral verabreicht werden, sondern müssen immer gespritzt werden. Das gleiche gilt für Ampicillin, welches gelegentlich zur Behandlung der Kaninchensyphilis angewendet wird.

Symptomatik

Mögliche Symptome einer Vergiftung sind:

Diagnostik

Verschiedene labordiagnostische Untersuchungen, insbesondere Blutuntersuchungen, können den Verdacht auf eine Vergiftung bestärken.

Therapie

Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, gehört das Kaninchen unverzüglich in tierärztliche Behandlung! Haben Sie einen Verdacht oder Nachweis, was zu den Vergiftungserscheinungen geführt haben könnte, nehmen Sie eventuelle Rückstände der aufgenommenen Substanz und ggf. die Verpackung unbedingt mit zum Tierarzt. Auf die Weise ist eine gezielte Behandlung möglich, um den Auswirkungen des Giftstoffs entgegenzuwirken. Da Kaninchen nicht erbrechen können und operative Magenentleerungen in geschwächtem Zustand oft nicht überleben, beschränken sich weitere Therapiemöglichkeiten meist auf eine allgemeine Kreislaufstabilisierung durch Infusionen, Wärmezufuhr, Sauerstoffzufuhr und Zwangsfütterung, der Verabreichung eines Präbiotikums (z.B. Apfelpektin oder "ProPräBac") zum Erhalt der Darmflora und evtl. der Eingabe von Aktivkohle.

Prognose

Die Prognose ist abhängig davon, welcher Giftstoff in welchen Mengen aufgenommen wurde, welche Symptome auftreten, wie viel Zeit bis zu Beginn der Therapie vergangen ist und wie intensiv der Patient behandelt wird.

Prophylaxe

Bewahren Sie chemische Substanzen oder Nahrungsmittel, die für die Kaninchen nicht geeignet sind, immer außer Reichweite der Tiere auf. Zu Eiben und optimalerweise auch exotischen Zimmerpflanzen, die die Kaninchen aus der Natur nicht "kennen", sollte ihnen der Zugang verwehrt bleiben.

Verabreichen Sie niemals ohne Absprache mit einem kaninchenkundigen Tierarzt Medikamente und erhöhen Sie die "auf eigene Faust" die vereinbarte Dosis eines Medikaments.

Im fortgeschrittenen Stadium einer Vergiftung kann es zur akut lebensbedrohlichen Schocksymptomatik kommen. Mehr Informationen hierzu finden Sie unter:

INFO: Septischer Schock