Sonstiges

Schock

Der Schockzustand bezeichnet ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen, das durch eine unzureichende Blutversorgung des Körpers entsteht und durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden kann.

In der ersten Schockphase kommt es zur sogenannten "Zentralisation": Hierbei konzentriert der Körper die Blutversorgung auf die wichtigsten Organe, v.a. das Gehirn, während insbesondere die Extremitäten unterversorgt bleiben. Dies geht vonstatten, indem das Stresshormon Adrenalin ausgeschüttet wird; dadurch verengen sich die Arteriolen und Venolen (die kleinsten im Körper vorhandenen Blutgefäße); das Blut kann infolgedessen nicht mehr bis in die Zellen vordringen, um diese zu versorgen.

In der zweiten, tödlich verlaufenden Schockphase kommt es zur "Dezentralisation": Die Engerstellung der Haargefäße bewirkt mit der Zeit einen Anstau der sauren Endprodukte des Kohlenhydrahtstoffwechsels, wodurch es zu einer Azidose (=Übersäuerung des Blutes) kommt. Diese Übersäuerung wiederum animiert die Arteriolen dazu, sich wieder zu erweiten – während die Venolen verengt bleiben. Dadurch beginnen sich nun auch die Erythrozyten (=rote Blutkörperchen) in den Haargefäßen anzustauen, es kommt infolge der einsetzenden Blutgerinnung zur Entstehung von Thromben (=Blutgerinnseln) und somit zur Verstopfung der Gefäße und Gewesenekrosen (=dem Absterben von Gewebe).

Um ein Eintreten in die irreversible zweite Schockphase zu verhindern, müssen betroffene Tiere umgehend kreislaufstabilisiert, d.h. in erster Linie beruhigt und infundiert werden. Zusätzlich ist Wärmezufuhr notwendig, um die Körpertemperatur unter Kontrolle zu bekommen. Je nach Ursache sind weitere Maßnahmen vorzunehmen.

Allgemeine Symptomatik:

Septischer Schock

Der septische Schock entsteht infolge einer Blutvergiftung, z.B. durch die orale Aufnahme von Giftstoffen oder durch Bakterien, die sich im Verlauf einer nicht mit Antiobiotika behandelten Infektion, in unbehandelten Wunden oder erkrankten Organen vermehren und nach einer gewissen Zeit schließlich in die Blutbahn geraten. Im Gegensatz zu anderen Schockformen kann der septische Schock zwecks Keimbekämpfung mit Fieber einhergehen. In den meisten Fällen wird jedoch auch hier eine Untertemperatur festgestellt. Betroffene Tiere müssen dringend mit einem Breitbandantibiotikum versorgt werden! Die Prognose ist grundsätzlich als schlecht einzustufen.

Prophylaxe

Bakterielle Infektionen müssen stets über einen vorher festgelegten Zeitraum mit Antibiotika behandelt werden. Dies gilt sowohl für ansteckende Infektionskrankheiten als auch für infizierte Wunden oder Organe. Das Antibiotikum muss unbedingt regelmäßig und bis zum Ende des geplanten Behandlungszeitraums gegeben werden; unregelmäßige Eingaben oder ein zu früher Abbruch der Therapie können dazu führen, dass einige besonders widerstandsfähige Bakterien übrig bleiben, die sich anschließend vermehren und zu einem weiteren, schwereren Erkrankungsausbruch führen. Mitunter sprechen die Bakterien dann gar nicht mehr auf das vorherige Antibiotikum an, was wiederum die Gefahr einer Sepsis erhöht.

Beim Verdacht auf eine Infektionskrankheit oder Wundinfektion muss das Kaninchen daher dem Tierarzt vorgestellt werden. Im Falle einer infizierten Wunde muss diese außerdem bis zur Heilung regelmäßig vom Tierarzt gereinigt werden.

Kardiogener Schock

Der kardiogene Schock entsteht infolge einer Herzerkrankung. Die Blutversorgung des Körpers ist durch ein schwaches oder fehlerhaft arbeitendes Herz nicht mehr gewährleistet. Bei einer sogenannten “Linksherzschwäche”, ausgelöst z.B. durch eine Mitralklappeninsuffizienz, kommt es zum Blutrückfluss in die Lungenarterie, infolge des erhöhten Druckes zum Blutaustritt ins umliegende Gewebe und damit zum sogenannten Ödem (=Flüssigkeitsansammlung im Gewebe), welches sich durch schwere Atemnot (Maulatmung, rasselnde Atemgeräusche, Emporstrecken des Köpfchens und zyanotisch (=bläulich) verfärbte Schleimhäute) kennzeichnet. Daher sind neben der Kreislaufstabilisierung eine Sauerstoffzufuhr sowie die Verabreichung von Herzmedikamenten (blutdrucksenkend, entwässernd) wichtige Therapiebestandteile.

Prophylaxe

Lassen Sie Ihr Kaninchen regelmäßig vom Tierarzt untersuchen. Eventuelle Herzerkrankung fallen je nach Art und Schweregrad bereits beim Abhören auf.

Beobachten Sie Ihre Kaninchen gut und achten Sie auch auf kleine Krankheitsanzeichen. Herzerkrankungen können im frühen Stadium z.B. durch vermehrte Ruhephasen, nachlassende Ausdauer, das Vermeiden liegender Körperpositionen, Hecheln oder angestrengtes Atmen bereits nach kurzzeitiger Anstrengung sowie vermehrtes Trinkverhalten auffallen.

Eine fortschreitende Herzerkrankung verschlimmert die Atembeschwerden; es kann zu den unter dem vorherigen Punkt beschriebenen Symptomen kommen. Diese stellen einen absoluten Notfall dar, der umgehend dem Tierarzt oder der Tierklinik vorgestellt werden muss.

Hypoglykämischer Schock (=Zuckerschock)

Hypoglykämie bezeichnet eine Unterzuckerung des Körpers. Dazu kommt es in aller Regel bei Diabetikern, die dauerhaft mit Insulin behandelt werden müssen. Die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen ist durch einen Unterzucker eingeschränkt. Hypoglykämische Kaninchen werden mit Glukoselösung infundiert; als Erste-Hilfe-Maßnahme flößen Sie dem Tier in Wasser gelösten Zucker, optimalerweise Traubenzucker, oder Honig ein, wenn Sie aufgrund einer nachgewiesenen Diabeteserkrankung den Verdacht auf Unterzuckerung haben. Bewusstlosen Kaninchen kann vorsichtig eine kleine Menge auf die Lippen geschmiert werden – keinesfalls mehr, ansonsten besteht Erstickungsgefahr!

Bei Unklarheit darüber, ob es sich um eine Über- oder Unterzuckerung handelt, ist in jedem Fall Glukose zu verabreichen – keinesfalls Insulin! Bei einer bereits vorhandenen Hypoglykämie würden eine weitere Blutzuckersenkung oder ausbleibende Gegenmaßnahmen mitunter zum Tode des Tieres führen; eine Hyperglykämie, also Überzuckerung, ist hingegen auch bei zusätzlichem Anstieg nicht sofort lebensgefährlich.

Prophylaxe

Eine vermeintliche Diabateserkrankung bedarf einer sorgfältigen Diagnostik. Es genügt nicht, dem Kaninchen Blut abzunehmen und auf den Glukosewert zu schauen - dieser ist bei Tieren, die unter Stress stehen, generell erhöht. Das Kaninchen muss mehrere Stunden lang stationär aufgenommen werden und es müssen mehrere Blutentnahmen erfolgen, um wirklich beurteilen zu können, wie sich sein Glukosestoffwechsel verhält.

Anschließend ist es wichtig, sich sehr langsam und behutsam an die optimale Insulindosis heranzutasten. Dies muss mit neuerlichen Blutuntersuchungen kontrolliert werden, bis das Tier optimal eingestellt ist.

Niemals darf einem Kaninchen blindlings Insulin verabreicht werden. Solange nicht eindeutig anhand einer Blutuntersuchung nachgewiesen wurde, dass sein Zustand von einer Hyperglykämie (also einem Überzucker) herrührt, sind Insulingaben lebensgefährlich.

Hypovolämischer Schock

Die Hypovolämie, eine Unterversorgung mit Flüssigkeit, also Austrocknung des Körpers, kann durch unzureichende Flüssigkeitsaufnahme oder starken Durchfall ebenso verursacht werden wie durch einen hohen Blutverlust. Eine weitere Ursache sind Verbrennungen, da diese dem Elektrolytehaushalt des Körpers schaden. Je nach Ursache wird eine Bluttransfusion oder eine intravenöse Infusion verabreicht (subkutane Infusionen werden im Schockzustand nicht vernünftig absorbiert und stabilisieren den Kreislauf nur eingeschränkt!) und gegebenenfalls die ursächliche äußere oder innere Verletzung behandelt. Erste-Hilfe-Maßnahmen sind das Anbieten oder im Notfall Einflößen von reichlich Flüssigkeit (ca. 10ml/kg) sowie Grünfutter und, falls vorhanden, die Erstversorgung der Blutung bzw. Verbrennung.

Psychisch bedingter Schock

Traumatische Erlebnisse können beim Kaninchen ebenso einen Schock verursachen wie beim Menschen. In den allermeisten Fällen wird der Angstschock beim Kaninchen dadurch ausgelöst, dass es mit einem natürlichen Feind konfrontiert, vielleicht sogar von diesem gejagt wird, ohne in einen sicheren Unterschlupf flüchten zu können. Dafür kann die Nachbarskatze, der Familienhund – auch, wenn er vielleicht nur spielen möchte – oder bei scheuen Kaninchen auch ein hinterherjagender Mensch verantwortlich sein.

Bei einem solchen Tier ist Erste Hilfe durch Beruhigung das A und O - denn jeder weitere Schrecken kann seinen Tod bedeuten!

Aus diesem Grunde rufen Sie vorzugsweise die Tierrettung, um transportbedingten Stress zu vermeiden. Bis zu deren Eintreffen bringen Sie ein unter Schock stehendes Kaninchen aus Außenhaltung in einem abgedunkelten, nicht zu kühlen Raum unter – am besten zusammen mit einem friedfertigen Artgenossen. Setzen bzw. legen Sie es auf eine Lage Heu und bieten Sie ihm einen Unterschlupf, reichlich Futter und Wasser an.

Wohnungskaninchen bleiben vorzugsweise in ihrer gewohnten Umgebung. Zutrauliche Tiere können durch sanftes Streicheln und leises Zureden beruhigt werden; menschenscheue Kaninchen sollten hingegen unbedingt in Ruhe gelassen werden, um weiteren Stress zu vermeiden.

Ist eine Versorgung durch die Tierrettung nicht möglich, kann eine sofortige Fahrt zum Tierarzt oder in die Tierklinik lebensrettend sein, um u.a. durch intravenöse Infusionen und Wärme die Herz-Kreislauf-Funktion des Tieres aufrecht zu erhalten. Transportieren Sie das Kaninchen dabei so schonend wie möglich, d.h. in einem gewohnten, abgedunkelten Behältnis (v.a. mit blickdichtem Dach) mit einer warmen, weichen Polsterung und reichlich duftendem Heu sowie Grünfutter. Außerdem muss unbedingt mindestens ein Artgenosse dabei sein - ein Einzeltransport könnte den Stress noch erheblich steigern!

Um das Kaninchen hochzuheben, decken Sie es mit einem großen Tuch ab und heben Sie es darin eingewickelt behutsam hoch. Dadurch wird es weniger gestresst, als wenn Sie es direkt "greifen" würden. Auch der Kopf sollte bedeckt sein - die Dunkelheit vermittelt Geborgenheit. Auf diese Weise vermeiden Sie einen neuerlichen Panikausbruch.

Prophylaxe

Sorgen Sie stets für ein ausreichendes Angebot an Vesteck- und Rückzugsmöglichkeiten und vermeiden Sie den (unbeaufsichtigten) Kontakt zu Tieren, die den Kaninchen Angst einflößen könnten. Jagen Sie nie hinter einem verängstigten Kaninchen hinterher und greifen Sie nicht plötzlich von oben nach den Tieren (Raubvogelinstinkt). Um ein scheues Kaninchen einzufangen, drängen Sie es langsam und vorsichtig in eine Ecke und nähern Sie sich ihmvon vorne, nicht von oben. Auch hier empfiehlt es sich, das Tier hochzuheben, indem Sie eine Decke über es legen und es damit greifen.