Infektionskrankheiten

R(V)HD=Rabbit (Viral) Haemorrhagic Disease (Chinaseuche)

Erreger:

Bei der Rabbit Haemorrhagic Disease, volkstümlich auch als "Chinaseuche" bezeichnet und ausgelöst durch ein Calicivirus, handelt es sich um eine hochansteckende, bei ungeimpften Tieren mit bis zu 100%iger Wahrscheinlichkeit zum Tode führende Virusinfektion, die ausschließlich Hasen und Kaninchen betrifft. Das RHD-Virus ist enorm widerstandsfähig; es überlebt unter optimalen Bedingungen, d.h. bei 4° C, bis zu 225 Tage, ansonsten bis zu sieben Monate in der Umgebung, trotzt gängigen Desinfektionsmitteln und ändert häufig sein Erscheinungsbild, was die gezielte Bekämpfung erschwert.

Nach Erkrankungsausbruch verursacht das Virus in vielen Fällen Hämorrhagien (=innere Blutungen), wodurch es im Endstadium zum Lungenödem (=Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) und infolgedessen zum Erstickungstod kommt. Neuerdings stehen allerdings das Symptom der Hepatitis (=Leberentzündung) mit der Folge von Lebernekrosen (=Absterben von Lebergewebe) sowie die Entzündung weiterer Organe im Vordergrund; die Tiere sterben dann mitunter am Organversagen.

Infektion

Übertragung

Direkt über

Indirekt über

Die Infektion erfolgt direkt (Artgenossen) oder indirekt (Stechfliegen, Mücken, Flöhe, Zecken) über lebende Vektoren sowie indirekt über tote Vektoren (kontaminierte Futterpflanzen, Streu, Einrichtungsgegenstände, Hände, Kleidung usw.). Die Seuche ist vor allem während der Sommermonate zu beobachten, während Ausbrüche im Winter vergleichsweise selten vorkommen. Kaninchen unter vier Wochen scheinen resistent gegenüber der Erkrankung zu sein, Tiere zwischen vier und neun Wochen erkranken in seltenen Fällen.

Symptomatik

Akuter Krankheitsverlauf:

Perakuter Krankheitsverlauf:

Milder Krankheitsverlauf:

 

Akuter Krankheitsverlauf

Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen zeigen sich erste Symptome inform von Nervosität, Apathie, Fressunlust, Benommenheit, Atembeschwerden, Fieber sowie evtl. Blutungen aus den Körperöffnungen. Zentralnervöse Ausfälle wie Ataxien (=Bewegungsstörungen), Krämpfe und Lähmungen sind ebenfalls möglich. Mitunter werden die Symptome von infolge der Hepatitis gelblich verfärbten Schleimhäuten, einem sogenannten Ikterus (=Gelbsucht), oder – im Falle einer Atemnot – von einer Zyanose, d.h. bläulich verfärbten Schleimhäuten<, begleitet. Die Tiere versterben nach einem bis fünf Tagen an akuten Erstickungskrämpfen, die durch Nasenbluten, schrille Aufschreie und einen krampfhaft in den Nacken gebogenen Kopf gekennzeichnet sind, oder an akutem Leberversagen.

Perakuter Krankheitsverlauf

Das Kaninchen verstirbt ohne vorangegangene Symptomatik an unvermittelten Erstickungskrämpfen, die von blutigem Nasenausfluss, Schreien und einem krampfhaft in den Nacken gebogenen Kopf begleitet werden.

Milder Krankheitsverlauf

Das Kaninchen zeigt ein gestörtes Allgemeinbefinden inform von leichter Apathie und Anorexie mit nachfolgender Genesung.

Diagnostik

Die Todesursache an RHD verstorbener Tiere ist am klinischen Bild meist eindeutig erkennbar. Im Verdachtsfall können innere Blutungen und Gewebeveränderungen, insbesondere an der Leber, mithilfe der Röntgen- bzw. Ultraschalldiagnostik erkannt werden und als zusätzliches Indiz dienen. Der eindeutige Virusnachweis erfolgt anhand eines Abstriches oder einer pathologischen Gewebeuntersuchung.

Therapie

oder

Eine gezielte Heilung von RHD ist nicht möglich. Ungeimpfte Kaninchen, bei denen RHD diagnostiziert wurde, sind zu euthanasieren, um ihnen einen qualvollen Erstickungstod zu ersparen. im Falle einer milden Verlaufsformen sollte das betroffene Tier antiobiotisch (und infolgedessen auch probiotisch) abgedeckt werden, um Sekundärinfektionen (=Zweitinfektionen infolge des geschwächten Immunsystems) vorzubeugen. Zudem sollte es intravenöse Infusionen erhalten (also an den Tropf gehängt werden), um den Kreislauf zu stabilisieren. Subkutane (= unter die Haut verabreichte) Infusionen sind nicht wirksam genug!

Prognose

Bei ungeimpften Kaninchen sind Therapieversuche in der Regel aussichtslos. Dem qualvollen Erstickungstod kann nur noch durch eine Euthanasie vorgebeugt werden. Die milde Verlaufsform der RHD wird häufig überstanden - insbesondere, wenn der Heilungsprozess medikamentös und pflegetechnisch intensiv untersützt wird.

Hat sich ein Kaninchen von der RHD erholt, kann es dennoch immer wieder daran erkranken! Die Schutzimpfungen sind also keinesfalls wegen einer vermeintlichen “Resistenzbildung” zu vernachlässigen!

Prophylaxe

Den einzigen vernünftigen Schutz bietet eine jährliche Impfung. Zu empfehlen ist der Kombinationsimpfstoff "Nobivac" gegen Myxomatose und RHD. Er darf ab der 5. Lebenswoche injiziert werden, die erste Wiederholungsimpfung ist erst ein Jahr später notwendig. Von anderen Impfstoffen ist abzuraten, da für ihre Herstellung Laborkaninchen infiziert und getötet werden.

Achtung: Die herkömmlichen Impfstoffe bieten KEINEN zuverlässigen Schutz gegen die RHD2-Form! Es sind diverse Fälle nachgewiesen, in denen Kaninchen an RHD2 verstorben sind, obwohl sie regelmäßig mit Impfstoffen von Nobivac, Rikkavac oder Cunivac gegen Myxomatose sowie RHD geimpft wurden. Um Ihre Kaninchen vor RHD2 zu schützen, müssen sie mit einer speziell darauf zugeschnittenen Vakzine geimpft werden (Filavac oder Eravac).

Da geimpfte Kaninchen ebenfalls erkranken können – wenn auch nur sehr mild – , sind zusätzliche Maßnahmen, die das Infektionsrisiko senken, nicht verkehrt. So reduziert die Anbringung von Fliegengittern die Anzahl an stechenden Insekten, welche den Erreger übertragen könnten; Frischfutter wird vorzugsweise nicht in ausgesprochenen “Wildkaninchen-Gebieten” geerntet und der eigene Garten zumindest grob abgezäunt, um Wildkaninchen den Zugang zu erschweren. Nach Kontakt zu gruppenfremden Kaninchen, die immer latent(=verborgen) infiziert sein könnten (und zwar nicht nur mit RHD!), sollten die üblichen Hygienemaßnahmen inform von Händewaschen und möglichst auch Kleidungswechsel eingehalten werden; Spielzeug, Schutzhütten, Futter usw. sollten nicht zwischen sich fremden Tieren “ausgetauscht” werden.

Soll ein neues Kaninchen in die bestehende Gruppe integriert werden, sollte auch hier weder direkter noch indirekter Kontakt erfolgen, ehe die Quarantänezeit überbrückt sowie eine tierärztliche Untersuchung durchgeführt worden ist.