Infektionskrankheiten

Myxomatose

Geborgenheit durch Gesellschaft

Bild von Alexandra Hartmann

Erreger:

Bei der Myxomatose, ausgelöst durch das Leporipoxvirus, handelt es sich um eine hochansteckende, bei ungeimpften Tieren in bis zu 99,9% aller Fälle tödlich verlaufenden Virusinfektion, die ausschließlich Hasen und Kaninchen betrifft. Das Virus ist unempfindlich gegenüber diversen Chemikalien, überlebt in lebenden Vektoren (z.B. Mücken oder Kaninchen, die einen Erkrankungsausbruch überstanden haben) bis zu sechs Monate lang und hält Temperaturen bis zu -18 und +60° Grad stand.

Infektion

Übertragung:

Direkt über

Indirekt über

Die Infektion erfolgt direkt (Partnertiere, Mutter, Wildkaninchen) oder indirekt (Stechfliegen, Mücken, Flöhe, Zecken) über lebende Vektoren sowie indirekt über tote Vektoren (kontaminierte Futterpflanzen, Streu, Einrichtungsgegenstände, Hände, Kleidung usw.). Ihren Höhepunkt erreicht die Seuche im Hochsommer, während der Wintermonate wird sie nur selten beobachtet.

Symptomatik: Akuter Krankheitsverlauf

und (akut ödematös)

oder (akut nodulär)

Nach einer Inkubationszeit von drei bis neun Tagen treten die ersten Symptome inform einer Bindehautentzündung, d.h. geröteten, tränenden Augen und schließlich geschwollenen Lidern auf. Im weiteren Verlauf kommt es zu eitrigem Augen- und Nasenausfluss, leichtem bis mäßigem Fieber, Schluck- und Atembeschwerden, im Endstadium zur Apathie, Anorexie und spätestens zwei Wochen nach Erkrankungsausbruch schließlich zum elendigen Tod des Tieres - meist infolge allgemeiner Entkräftung.

Die akute Verlaufsform lässt sich in die ödematöse und die noduläre Verlaufsform unterteilen, welche sich - zusätzlich zur o.g. allgemeinen Symptomatik - unterschiedlich äußern.

Akute ödematöse Verlaufsform

Diese bei ungeimpften Tieren in aller Regel tödlich verlaufende Form der Myxomatose geht mit einer ausgeprägten Ödembildung, d.h. weichen, prall flüssigkeitsgefüllten Umfangsvermehrungen, an Schleimhäuten (Nase, Augen, Anogenitalgegend) und Ohren einher. Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es zu Myxödemen (=teigigen Schwellungen) im gesamten Kopfbereich sowie an den Füßen.

Akute noduläre (=knotige) Verlaufsform

Bei dieser nicht zwangsläufig tödlichen Verlaufsform kommt es anstelle der Ödeme zur pockenartigen Knotenbildung an den Schleimhäuten (Nase, Augen, Anus und Genitalien), den Ohren und später dem gesamten Kopfbereich.

Symptomatik: Perakuter Krankheitsverlauf

Plötzliche Todesfälle können auch ohne eine deutliche Symptomatik auftreten. In diesem Fall kommt es zu leichten ödematösen Schwellungen an den Ohransätzen.

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand des eindeutigen klinischen Bildes gestellt. Nachgewiesen werden kann das Leporipoxvirus anhand einer pathologischen Ödemuntersuchung.

Therapie

oder

Eine gezielte Therapie gegen das Myxomatosevirus ist nicht möglich. Die Therapie beschränkt sich auf eine Antibiotikagabe zur Vorbeugung von bakteriellen Sekundärinfektionen (=zusätzliche Infektionen infolge des geschwächten Immunsystems), Probiotika zur Aufrechterhaltung des Darmmilieus und eine symptomatische Behandlung.

Intravenöse Infusionen: Bei ungeimpften Tieren ist im Falle eines Therapieversuches die stationäre Intensivbehandlung unerlässlich, da das Kaninchen zwecks Kreislaufstabilisierung intravenös infundiert (also an den Tropf gehängt) werden muss. Subkutane Infusionen sind nicht ausreichend!

Antibiotika: Zwar sind sie gegen Viren wirkungslos, helfen jedoch vorbeugend gegen bakterielle Sekundärinfektionen, die infolge des geschwächten Immunsystem auftreten und dem Kaninchen zusätzlich schaden können.

Probiotika: Sie sind bei jeder Antibiotikagabe sehr wichtig, da Antibiotika zwangsläufig auch die gutartige Darmflora angreifen und diese somit wieder angesiedelt werden muss. Zur Not tun es fürs Erste auch zerdrückte, in Wasser aufgelöste Köttel gesunder Artgenossen, da hier ebenfalls physiologische Darmflora enthalten ist.

Schleimlöser: Um die Atemwege zu entlasten, können tierärztlich verordnete Schleimlöser angewandt werden.

Augen- und Nasenmedikation: Salben und Tropfen für Augen und Nase verschaffen den Entzündungen bei häufiger Anwendung ein wenig Linderung.

Sekretabsaugung: Mit einer nadellosen Einwegspritze wird behutsam das Sekret aus der Nase gesaugt.

Krustenentfernung: Sekretkrusten im Augen- und Nasenbereich sowie der Ausfluss aufgeplatzter Ödeme werden mit einem in lauwarmes Wasser getränkten, weichen Tuch behutsam aufgeweicht und abgelöst.

Inhalation: Mithilfe eines speziellen Inhalators kann dem Kaninchen die Atmung erleichtert werden. Wasserdampf "aus der Schüssel” ist nur im vorderen Bereich der Atemwege hilfreich, da er nicht zerstäubt wird und tiefer gelegene Beläge somit nicht erreichen kann.

Wärme: Im Freien gehaltene Kaninchen sollten ins Haus geholt werden, um sie nicht den Tag-Nacht-bedingten Temperaturschwankungen auszusetzen. Sollte der Ausbruch während der kalten Jahreszeit erfolgt sein, ist unbedingt die Unterbringung in einem nur schwach beheizten Raumerforderlich! Plötzliche “Hitze” würde die Tiere zusätzlich belasten. Bieten Sie den Kaninchen eine Rotlichtlampe an, die sie bei Bedarf aufsuchen können. Sie müssen der Bestrahlung aber jederzeit problemlos ausweichen können!

Fütterung: Kaninchen, die die Nahrungsaufnahme einstellen, müssen zwangsgefüttert werden. Besser wäre es natürlich, ihnen diesen Stress zu ersparen, indem man sie zur selbstständigen Futteraufnahme bewegt. Das Angebot besonders stark duftender Nahrungsmittel kann hier hilfreich sein, da das eingeschränkte Riechvermögen der Tiere sich oftmals auf den Appetit niederschlägt. Um die Kaninchen bei Kräften zu halten, sollten Sie zusätzlich zu rohfaserreicher auch energiehaltige Nahrungsmittel (Wurzelgemüse, kleine Mengen Saaten, ...) verfüttern.

Immunsystem: Interferon- und Vitaminspritzen zur Stärkung des Immunsystems sind dringend anzuraten. Außerdem ist auf eine besonders vitaminreiche Ernährung, feucht-warme Luft (Wasserschalen aufstellen!), die Vermeidung von Zugluft und Stressfaktoren sowie auf peinliche Sauberkeit zu achten.

Prognose

Bei ungeimpften Kaninchen verläuft die Erkrankung je nach Pathogenität des Virusstammes auch bei sofortigem Therapiebeginn mit bis zu 99,9%iger Wahrscheinlichkeit tödlich. Da die Kaninchen nach einem langen Leidensweg versterben, ist in vielen Fällen eine Euthanasie anzuraten. Hier muss der Tierarzt die Überlebenschancen des einzelnen Tieres abschätzen und gemeinsam mit Ihnen beratschlagen, ob ein Behandlungsversuch unternommen werden sollte oder nicht.

Bei geimpften Kaninchen zeigen sich in der Regel nur vergleichsweise milde Symptome. Durch eine frühzeitige Behandlung genesen die Tiere schnell und komplikationslos.

Hat sich ein Kaninchen von der Myxomatose erholt, kann es dennoch immer wieder daran erkranken! Die Schutzimpfungen sind also keinesfalls wegen einer vermeintlichen “Resistenzbildung” zu vernachlässigen!

Prophylaxe

Den einzigen vernünftigen Schutz bietet eine jährliche Impfung. Zu empfehlen ist der Kombinationsimpfstoff "Nobivac" gegen Myxomatose und RHD. Er darf ab der 5. Lebenswoche injiziert werden, die erste Wiederholungsimpfung ist erst ein Jahr später notwendig. Von anderen Impfstoffen ist abzuraten, da für ihre Herstellung Laborkaninchen infiziert und getötet werden.

Da geimpfte Kaninchen ebenfalls erkranken können – wenn auch nur mild –, sind zusätzliche Maßnahmen, die das Infektionsrisiko senken, nicht verkehrt. So reduziert die Anbringung von Fliegengittern die Anzahl an stechenden Insekten, welche den Erreger übertragen könnten; Frischfutter wird vorzugsweise nicht in ausgesprochenen “Wildkaninchen-Gebieten” geerntet und der eigene Garten zumindest grob abgezäunt, um Wildkaninchen den Zugang zu erschweren. Nach Kontakt zu gruppenfremden Kaninchen, die immer latent(=verborgen) infiziert sein könnten (und zwar nicht nur mit Myxomatose!), sollten die üblichen Hygienemaßnahmen inform von Händewaschen und möglichst auch Kleidungswechsel eingehalten werden; Spielzeug, Schutzhütten, Futter usw. sollten nicht zwischen sich fremden Tieren “ausgetauscht” werden.