Erkrankungen des Verdauungstrakts

Durchfall

Nicht nur der Blinddarmkot selber, auch ein kotverschmutzter Afterbereich wird vom Besitzer leicht mit Durchfall verwechselt. Sehen Sie sich den abgesetzten Kot deshalb genau an und nehmen Sie stets eine Probe davon mit zum Tierarzt. Handelt es sich bei den Verschmutzungen um Blinddarmkot, besteht eine häufige Ursache in einer zu proteinreichen und/oder nahrhaften Fütterung; denn deckt das Kaninchen seinen Eiweiß- und Energiebedarf bereits mit der Nahrung, sinkt sein Bedürfnis, den ebenfalls eiweißreichen Blinddarmkot zu verzehren. Weiterhin möglich sind Adipositas (=Fettleibigkeit), Gleichgewichtsprobleme, Wirbelsäulenprobleme oder anderweitig lokalisierte Schmerzen, die dazu führen, dass das Kaninchen nicht mehr dazu in der Lage ist, seine Caecotrophe direkt vom After aufzunehmen. Letztlich kann eine Blinddarmentzündung dazu führen, dass der Darm übermäßig viel Blinddarmkot produziert.

Handelt es sich bei dem abgesetzten Kot nicht um Blinddarmkot, sondern tatsächlich um Durchfall, sind Sie auf dieser Seite richtig.

Ursache

Fütterungsfehler

oder

Haltungsfehler

oder

Infektionskrankheit

oder

Probleme mit der Nahrungszerkleinerung

oder

Organische Erkrankung

Als unspezifisches Symptom kann Durchfall auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen sein: Die Aufnahme gekühlter, unverträglicher oder gar giftiger Futtermittel, Zahnerkrankungen, Endoparasitenbefall (E. Cuniculi, Hefepilze, Kokzidien, Würmer), Viruserkrankungen (z.B. RHD), Erkältungen, unvermittelte Futterumstellungen, Tumoren im Verdauungstrakt, Lebererkrankungen sowie Magen-Darm-Entzündungen führen zu mehr oder weniger schweren Durchfällen.

Symptomatik

Der Schweregrad reicht von matschig-weich (nicht zu verwechseln mit dem physiologischen Blinddarmkot, der in zertrampeltem Zustand zwar sehr ähnlich aussieht, aber immer nur vereinzelt im Kaninchenheim zu finden ist) über breiig bishin zu dünnflüssig. Auch grünliche oder rötliche (Blutbeimengungen) Verfärbungen sind möglich.

Diagnostik

variiert je nach konkretem Krankheitsbild, z.B.:

Da Durchfall immer Symptom einer Grundproblematik ist, muss die Diagnostik dahingehend erfolgen.

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Je nach Schweregrad und Farbe des Kotes sowie weiteren Krankheitssymptomen, die Anhaltspunkte für die Ursache bieten können, werden z.B. Kot-, Blut- oder Ultraschalluntersuchungen durchgeführt.

Neben Erkrankungen können jedoch auch Haltungsfehler ursächlich sein. So leiden Kaninchen, die regelmäßig auf engem Raum eingesperrt werden, um ein Vielfaches häufiger an Verdauungsproblemen als ihre tiergerecht untergebrachten Artgenossen, da der kaum bemuskelte Magen-Darm-Trakt des Kaninchens nicht nur durch nachgeschobenes Futter, sondern auch durch Bewegung in Schwung gehalten wird. Zudem droht bei Bewegungsmangel eine Unterkühlung, die ebenfalls zu Durchfall führen kann.

Nehmen Sie bei Durchfall immer gleich eine Kotprobe mit zum Tierarzt, möglichst auch Kot der letzten drei Tage.

Können weder organische, zahn- oder haltungsbedingte noch infektiöse Ursachen festgestellt werden, ist eine Futtermittelunverträglichkeit anzunehmen. Dazu reicht oft bereits die einmalige Aufnahme von Futter aus, das z.B. schon welk gewesen ist. Chronisch kranke und dementsprechend immungeschwächte Kaninchen reagieren manchmal übermäßig sensibel auf rohfaserarme (z.B. Obst, Saaten, Gurke, ...) potentiell blähende (z.B. Klee, Kohl) oder geringgradig mit Giftstoffanreicherungen versetzte (z.B. gespritztes Gemüse oder verkehrsbedingt nitratbelastete Gräser) Futtermittel, die beim gesunden Tier keinerlei Symptome auslösen würden.

Therapie

 

Geeignete Diät-Kost

Die symptomatische Behandlung des Durchfalls erfolgt durch ein reichliches Angebot an frischem Grünfutter (d.h. Gräser, Blätter und Kräuter), gerne auch frischen Zweigen. Dies ist wichtig, um dem Kaninchen nicht nur strukturierte Rohfaser, sondern auch Flüssigkeit zuzuführen. Optimal wäre unbehandeltes Futter, z.B. Bio-Blattgemüse oder Kräuter von einer verwilderten Wiese.

Wie üblich sollte zusätzlich rund um die Uhr hochwertiges Heu zur Verfügung stehen, damit die Kaninchen jederzeit eine gut verträgliche Futter-Alternative haben, falls das genießbare Grünfutter einmal aufgefressen oder nicht mehr genießbar sein sollte.

Bei sehr starkem Durchfall können (zusätzlich zu Grünfutter und Heu) kleine Mengen stopfender Futtermittel gereicht werden. Hierzu gehören Banane, Getreideflocken und in Extremfällen auch Haferkleie. Bei nur leichtem Durchfall sollten Sie damit hingegen vorsichtig verfahren, da die Symptome sich ansonsten in eine gefährliche Verstopfung wandeln könnten.

Vorübergehender Verzicht auf rohfaserarmes Futter

Auf rohfaserarme Futtermittel (mit Ausnahme der o.g. stopfenden Sorten) sollte bis zum Abklingen der Symptome komplett verzichtet werden, da sie für die bereits angeschlagene Darmflora eine zusätzliche Belastung darstellen würden. Hierzu gehören Gurke, Tomate und Paprika sowie Erbsenflocken und ähnliche Leckereien, Obst und Getreide. Der in Obst enthaltene Fruchtzucker und die in Getreide enthaltene Stärke beeinflussen die Darmflora generell negativ, können vom gesunden Kaninchen aber in kleinen Mengen problemlos verdaut werden. Bei einem bereits angeschlagenen Darm hingegen erschweren sie den Heilungsprozess.

Kompletter Verzicht auf schädliches Futter

Grundsätzlich ungeeignete Futtermittel können zu akuten, chronischen oder wiederkehrenden Durchfällen führen. Auch Kaninchen, die über einen so widerstandsfähigen Darm verfügen, dass sie diese Futtermittel scheinbar über viele Monate oder Jahre hinweg gut vertragen haben, entwickeln mit zunehmendem Alter meist Symptome. Diese können sich in Form von Aufgasungen, Magenüberladungen, Grünfutter-Unverträglichkeiten oder eben Durchfall äußern.

Zu den Futtermitteln, auf die ausnahmslos verzichtet werden sollte, gehören Fertigmischfutter, Pellets, Mehlprodukte, Joghurt- und anderweitige Milchprodukte sowie gekochte, aufgetaute, gewürzte oder gesalzene Nahrungsmittel.

Auch in kleinen Mengen, als gelegentliches Leckerli, als Appetitanreger oder zum Päppeln richten diese Futtermittel mehr Schaden als Nutzen an und lassen sich in jedem Fall durch unschädliche Futtermittel ersetzen.

Anders als oft empfohlen, müssen und sollten die o.g. Futtermittel nicht "langsam ausgeschlichen" werden, egal ob bei einem gesunden oder kranken Tier. Sie können sofort 1:1 durch ein gut verträgliches Trockenfutter ersetzt werden, z.B. eine Mischung aus Trockenkräutern, -blättern und -blüten, Haferflocken und Gemüsechips. Bei einem gesundes Kaninchen darf die Mischung außerdem kleine Mengen Saaten, Haferflocken und glutenfreies Getreide im Spelz enthalten. Für den Darm ist dies keine abrupte Umstellung, da der Flüssigkeitsgehalt des Futters sich nicht verändert, sondern lediglich schädliche Komponenten durch gesündere ersetzt werden. Nachdem dies erfolgt sind, darf das Kaninchen direkt langsam an Grünfutter gewöhnt werden. Bei einem Kaninchen mit Darmsymptomen muss hingegen erst abgewartet werden, bis diese komplett abgeklungen sind.

Keine Heu-Diät!

Keinesfalls sollten Sie ein Kaninchen, das an Grünfutter gewöhnt ist, auf eine Heu-Diät setzen! Damit würden Sie ihm nicht nur eine abrupte Futterumstellung zumuten, sondern ihm noch zusätzlich Flüssigkeit entziehen.

Abrupte Futterumstellungen sind auch beim gesunden Kaninchen in jedem Fall zu vermeiden. Sie sind umso schädlicher, wenn der Verdauungstrakt ohnehin bereits angeschlagen ist.

Hinzu kommt, dass ein Durchfallpatient - egal ob Mensch oder Tier - große Mengen Flüssigkeit über den Darm verliert, was er über die Nahrung und reichliches Trinken wieder kompensieren muss. Da der Organismus des Kaninchens von Natur aus auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr mit der Nahrung ausgelegt sind, trinken die Tiere instinktiv wenig. Auch bei einer trockenen Fütterung stillen sie nur den gröbsten Durst über den Trinknapf, nehmen also nur einen Bruchteil der Flüssigkeit auf, die natürlich wäre. Eine trockene Fütterung reduziert die Wasseraufnahme demzufolge auch dann erheblich, wenn die Tiere jederzeit Zugang zu frischem Trinkwasser haben.

Infusionen

In besonders schweren Fällen sind Infusionen unerlässlich, um einer Exsikkose (=Austrockung) vorzubeugen bzw. sie zu behandeln. Anderenfalls drohen schwere organische Schädigungen oder sogar der Tod der Tiere. Bei Kaninchen, die an so schwerem Durchfall leiden, dass sie bereits deutlich dehydriert und kreislaufgeschwächt sind, wird der Tierarzt mitunter zu einer stationären Aufnahme raten, um sie intravenös mit Flüssigkeit zu versorgen (also an den Tropf zu hängen). Ist das Allgemeinbefinden des Kaninchens noch gut, reichen in der Regel subkutane Infusionen (d.h. Infusionen, die unter die Haut gespritzt werden) aus und sollten bevorzugt werden, da hierzu keine stationäre Aufnahme notwendig ist und das Kaninchen somit rasch in seine gewohnte Umgebung zurückkehren kann.

Behebung der Ursache

Neben der symptomatischen ist eine ursächliche Therapie notwendig - Infektionen und organische Beschwerden müssen mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden; bei Kieferabszessen, Tumoren etc. hilft i.d.R. nur eine OP. Zahnproblematiken, die eine mangelnde Nahrungszerkleinerung und eine dementsprechend gestörte Verdauung zur Folge haben, müssen durch das Abschleifen bzw. die Entfernung ursächlicher Zähne beseitigt werden; Kaninchen, die (z.B. aufgrund einer chronischen Erkrankung) überempfindlich auf blähende und/oder vorbelastete Futtermittel reagieren, müssen ausgesprochen hochwertig ernährt werden, d.h. z.B. mit Bio-Gemüse, damit die Verdauungsstörungen ausbleiben.

Wurde der Durchfall durch eine zu abrupte Umstellung von Trocken- auf Frischfutter ausgelöst, reichen Sie - neben reichlich Heu - zunächst nur die Menge Grünfutter, die zuvor problemlos vertragen wurde. Hat das Kaninchen zuvor gar kein Grünfutter bekommen, streichen Sie es zunächst wieder vom Speiseplan und beginnen Sie erst mit einer neuerlichen Umstellung, wenn die Darmsymptome abgeklungen sind. Alle notwendigen Informationen für eine erfolgsversprechende Futterumstellung finden Sie hier:

 

Prognose

Da Durchfall lediglich das Symptom einer Erkrankung darstellt, ist die Prognose abhängig von der Ursache, Zeitpunkt und Art der Therapie.

Prophylaxe

Wer seine Kaninchen tiergerecht unterbringt und ernährt sowie allgemeine Vorsorgemaßnahmen zur Gesunderhaltung trifft, wird nur selten mit Durchfall - gleich welcher Ursache - konfrontiert.