Krankenpflege



Zwangsfütterung

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Wichtige Hinweise

Da der Verdauungstrakt des Kaninchens auf längerfristige Nahrungskarenz (12-24 Stunden) mit schweren Aufgasungen reagiert, erscheint eine Zwangsfütterung unerlässlich, wenn das Tier nicht von selber frisst.

Allerdings erfolgt die Zwangfütterung in vielen Fällen vorschnell, was zu einem qualvollen Tod des Tieres führen kann. Bevor ein Kaninchen zwangsernährt wird, muss immer per Röntgendiagnostik ausgeschlossen werden, dass eine Magenüberladung oder ein Ileus (Verschluss des Magen-Darm-Traktes) vorliegt.

Diese Krankheitsbilder gehören zu den häufigsten Ursachen von Futterverweigerung. Wird ein Kaninchen in einem solchen Fall zwangsgefüttert, wird sein Magen (noch mehr) überladen, was mit massiven Schmerzen und ab einem gewissen Ausmaß auch mit Atemnot verbunden ist. Ein qualvoller Tod durch Ersticken oder Herzversagen (durch den Druck des übergroßen Magens auf Lunge und Herz) kann die Folge sein.

Durch Abtasten allein ist dem Tierarzt keine sichere Diagnose möglich!

Leider hört man immer wieder von Fällen, in denen Tierärzte im Falle einer Magenüberladung zur Zwangsfütterung raten. Die Begründung: Es müsse Nahrungsbrei "nachrücken", damit der Magen wieder leer werde, da dies aufgrund der schwachen Bemuskelung nicht von selber geschehe. Diese Annahme ist ein gefährlicher Trugschluss: Ein überfüllter Magen ist überdehnt und steht demzufolge unter Druck. Er entleert sich demzufolge sehr wohl von selber. Tut er es nicht, bedeutet dies, dass eine Blockade vorliegt, z.B. durch eine Anschoppung von Futterbrei (z.B. durch zu trockene Fütterung), einen Bezoar (=Haarballen, z.B. bei starken Fellwechsel) oder einen Fremdkörper. Eine solche Blockade löst sich auch nicht "durch Gewalt", indem weiterer Futterbrei in den Magen geschoben wird - im Gegenteil verschlimmert diese Maßnahme den Zustand lediglich, zudem ist sie für das Tier sehr qualvoll (wie es auch bei einem Menschen der Fall wäre, der zu viel gegessen hat und dem trotz Bauchschmerzen und Übelkeit weiteres Essen hineingezwungen wird).

Im Falle eines Bezoars oder einer Futteranschoppung sollte mittels der Eingabe von Öl und sehr vorsichtigen kreisförmigen Bauchmassagen versucht werden, die Verstopfung zu lösen. Zudem sollte der Patient ein Antitympatikum erhalten, um zu verhindern, dass sich infolge der stillstehenden Verdauungstrakt Aufgasungen entwickeln. Ob sich die Verstopfung löst, muss mittels (Kontrast-)Röntgen streng kontrolliert werden. Ist dies nicht der Fall oder liegt ein Fremdkörper vor, ist eine Operation notwendig. Nach der Eröffnung der Bauchdecke sollte zunächst versucht werden, die Blockade durch vorsichtiges Massieren des Magens bzw. Darms zu lösen. Nur, wenn dies nicht möglich ist, sollte der Magen bzw. Darm chirurgisch eröffnet werden, da die Prognose bei einem solchen Eingriff aufgrund der Gefahr von Wundheilungsstörungen deutlich schlechter ist.

Auch, wenn eine Magenüberladung und ein Ileus ausgeschlossen sind, ersetzt die Zwangsfütterung keinesfalls eine weitere Diagnostik!

Es ist unerlässlich, der Ursache der Futterverweigerung schnellstmöglich auf den Grund zu gehen. Die Zwangsfütterung dient lediglich der Überbrückung überschaubarer Zeiträume, bis die Ursache der Inappatenz (z.B. Schmerzen, Übelkeit, Infektionserkrankung) beseitigt ist, z.B.:

Hintergrund

Anders als Fleischfresser sind Kaninchen von Natur aus darauf eingestellt, über den Tag (und die Nacht) verteilt viele kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, und können auf längerfristiges Fasten mit lebensbedrohlichen Verdauungsstörungen reagieren:

Der sogenannte "Stopfdarm" des Kaninchens ist kaum bemuskelt. Die Verdauungstätigkeit wird hauptsächlich durch nachfolgenden Futterbrei sowie durch Bewegung aufrecht erhalten. Futterverweigerung sowie Bewegungsmangel provozieren somit eine Darmträgheit. Im stillliegenden Verdauungstrakt beginnt der Futterbrei zu gären und setzt Gase frei, welche zunächst Magen und Darm aufblähen und dadurch schließlich Druck auf andere Organe, i.B. Herz und Lunge, ausüben.

Kaninchen, die das Futter verweigern, müssen deshalb - sofern eine Magenüberladung und ein Ileus ausgeschlossen sind! - mehrmals täglich zwangsgefüttert werden und sollten ein Antitympatikum (z.B. Dimeticon oder Sab Simplex), d.h. ein Medikament gegen Aufgasungen, erhalten. Ein solches bekommen Sie in jeder Tierarztpraxis sowie in der Apotheke.

Desweiteren empfiehlt sich die Verabreichung eines Probiotikums (z.B. BeneBac oder ProPreBac), welches Sie ebenfalls vom Tierarzt erhalten. Probiotika enthalten gutartige Darmbakterien, fördern also eine geregelte Verdauung und wirken dadurch sowohl vorbeugend als auch therapeutisch gegen verschiedene Arten von Verdauungsproblemen.

Was eignet sich als Futterbrei?

Die beim Tierarzt erhältlichen Pulver zur Zwangsernährung sind kritisch zu betrachten. Sie enthalten meist Weizen, der für Kaninchen jedoch aufgrund ihrer Glutenunverträglichkeit nicht geeignet ist. Gerade ein krankes und geschwächtes Tier sollte möglichst kein Futtermittel erhalten, das seinen Körper noch zusätzlich belastet. Insbesondere Kaninchen, die gesund ernährt werden und somit keinerlei Weizen gewohnt sind, reagieren häufig mit Durchfall auf glutenhaltigen Päppelbrei und werden dadurch zusätzlich geschwächt, was den Heilungsprozess beeinträchtigt.

Greifen Sie daher auf besser auf selbst hergestellten Futterbrei zurück. Dieser sollte hauptsächlich aus frischen Kräutern bestehen (von der Wiese oder aus der Küche), um die notwendige Rohfaser zuzuführen. Als Energielieferant eignet sich Wurzelgemüse (z.B. Karotten, Sellerie, ...), welches ca. 1/3 des Breis ausmachen sollte.

Eine Prise Saaten rundet die Mischung ab: Sie wirkt einem Gewichtsverlust entgegen und liefert dem Kaninchen wertvolle Fettsäuren.

Hafer- oder Erbsenflocken machen den Brei schmackhaft und sind ein guter zusätzlicher Energielieferant. Auch hier verwenden Sie aber bitte nur eine Prise, damit der Brei weiterhin hauptsächlich aus rohfaserhaltigem Grünfutter besteht.

Zur Unterstützung der Darmflora empfiehlt es sich, ein beim Tierarzt erhältliches Probiotikum (z.B. BeneBac oder ProPreBac) unterzumischen. Hierdurch führen Sie dem Kaninchen zahlreiche gutartige, überlebenswichtige Bakterien zu, welche für eine geregelte Darmtätigkeit unerlässlich sind. Zur Not können Sie - obwohl es etwas befremdlich klingen mag - ersatzweise einige Köttel gesunder Artgenossen untermischen, da auch diese gutartige Darmbakterien enthalten.

Ist der Brei zu dickflüssig, eignet sich Karottensaft zum Verdünnen. Er erhöht die Akzeptanz und liefert zusätzliche Energie.

Futterbrei-Möglichkeiten im Überblick:

Darf mit dazugemischt werden:

Wie wird ein Kaninchen zwangsgefüttert?

Zum Füttern setzen Sie das Kaninchen mit dem Po in Ihre Richtung auf einen Tisch oder auf den Schoß, um ein Ausweichen nach hinten zu vermeiden. Ziehen Sie den Brei mithilfe einer nadellosen Spritze auf, umfassen Sie mit der zweiten Hand den Kopf des Tieres, sodass Daumen und Zeigefinger an seinen Wangen zu liegen kommen, und schieben Sie ihm die Spritze hinter den Schneidezähnen seitlich ins Maul.

Wehrhafte Kaninchen wickeln Sie vorzugsweise in ein Handtuch, sodass nur das Köpfchen herausschaut. Auf diese Weise schränken Sie nicht nur Abwehrbewegungen ein, sondern die Tiere sind dabei in aller Regel auch weniger gestresst, als wenn sie unmittelbar mit den Händen festgehalten werden.

1ml-Spritzen können zügig verabreicht werden, bei solchen mit einem größeren Fassungsvermögen dürfen Sie den Kolben nicht zu schnell hinunterdrücken, da sich die Tiere anderenfalls verschlucken könnten. Lassen Sie dem Kaninchen nach jedem Mililiter Zeit zu schlucken.

Lässt das Kaninchen den Brei wieder aus dem Maul laufen, muss die Spritze weiter hinter den Zähnen ins Mäulchen geschoben werden. Auch hier gilt:

Schieben Sie die Spritze immer seitlich ins Maul - niemals in Richtung des Rachens! Anderenfalls kann eine Abwehrbewegung des Kaninchens dazu führen, dass es sich die Spritze in den Rachen rammt und ernsthaft verletzt. Solange Sie die Spritze waagrecht halten, dient die Wange des Tieres hingegen als sichere Barriere.

Individuelle Anpassung

Füttern Sie in Rücksichtnahme auf das geringe Fassungsvermögen des Kaninchenmagens nicht mehr als 10 ml pro Kilogramm Körpergewicht und Mahlzeit. Je nach Kosistenz der Breis wird alle ein bis fünf Stunden gefüttert.

Wie flüssig Sie den Brei anrühren und wie häufig gefüttert werden muss, hängt von Erkrankung und Symptomatik Ihres Kaninchens ab: