Krankenpflege

Operationen: Das müssen Sie beachten

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Vorsorge

Im Gegensatz zu Hund und Katze dürfen Kaninchen (wie auch andere Tiere mit einem Stopfmagen) vor Operationen keinesfalls fasten!

Nicht nur ist der Grund des Nüchternbleibens vor einer Narkose - nämlich die Vermeidung eines Erbrechens - beim Kaninchen hinfällig, da die Tiere ohnehin von Natur aus nicht erbrechen können; ein Futterentzug über mehrere Stunden wäre für sie sogar lebensgefährlich.

Die Verdauungsstörungen, mit welchen Kaninchen auf Futterentzug reagieren, sind nicht nur an sich lebensbedrohlich, sondern würden auch das Narkoserisiko erheblich steigern. Aus dem selben Grund dürfen und sollten Kaninchen nach der Narkose auch gleich wieder fressen, sobald sie wach genug sind, dass keine Aspirationsgefahr (= Einatmen des Futters) mehr besteht.

Da der Verdauungstrakt während der Narkose still liegt und daher ein erhöhtes Risiko von Fehlgärungen besteht, reichen Sie ab dem Vortag ausschließlich Schonkost. Hierzu gehören alle Futtermittel, die reich an strukturierter Rohfaser sind - d.h. Blätter, Gräser, Kräuter, Zweige und Heu.

Auf Leckerlis, Obst und Kohl sollte hingegen verzichtet werden.

Nachsorge

Körpertemperatur

Frisch operierte Kaninchen müssen ständig auf ihre Temperatur überprüft und warmgehalten werden: Eine Narkose bedeutet immer eine Kreislaufbelastung und beeinträchtigt die Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur zu regulieren. Dies führt häufig dazu, dass die Tiere erst auskühlen, bei Wärmezufuhr jedoch schnell überhitzen und mit einer Entfernung der Wärmequelle binnen kurzer Zeit erneut unterkühlen.

Eine sorgfältige Überwachung ist daher von großer Bedeutung. Ein verantwortungsbewusster Tierarzt entlässt seinen Patienten daher erst, wenn seine Temperatur wieder stabil ist.

Kreislauf

Grundsätzlich dürfen aus der Narkose erwachte Tiere erst dann den Heimweg antreten, wenn sie wieder von alleine aufstehen, sitzen und sich fortbewegen können und ihr Kreislauf sowie die Körpertemperatur stabil sind.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist eine strenge tierärztliche Überwachung der Aufwachphase unbedingt notwendig, um beim Auftreten von Komplikationen sofort eingreifen zu können; dazu gehört neben der Unterkühlung auch ein generelles Kreislaufversagen.

Kaninchen, denen die Narkose stark zugesetzt hat, müssen auch über Nacht noch gut beobachtet werden und sollten intravenös infundiert, d.h. an den Tropf gehängt werden. Ist dies in der Praxis Ihrer Wahl nicht möglich, bleibt Ihnen lediglich, Temperatur und Futteraufnahme bei sich zu Hause mindestens alle zwei Stunden zu kontrollieren und subkutane Infusionen zu verabreichen (d.h. Infusionen unter die Haut zu spritzen - der Tierarzt macht es Ihnen vor).

Bodys

Um zu vermeiden, dass die Tiere an ihrer Wunde lecken, knabbern oder versuchen, die Fäden herauszuzupfen, sollte sie einen Body erhalten. Einen solchen erhalten Sie beim Tierarzt oder basteln ihn selber, indem Sie z.B. eine große Socke unten mit vier kleinen Löchern für die Beine und hinten mit einem großen fünften Loch für den Hinterleib versehen. Der Po des Kaninchens sollte dabei so weit heraus schauen, dass es problemlos Kot und Urin absetzen kann. Hier hilft es auch, die Socke im entsprechenden Bereich von hinten rund einzuschneiden.

Der Body sollte eng anliegen. Er muss so fest sitzen, dass das Kaninchen sich nicht daraus befreien kann. Selbstverständlich darf es jedoch nicht eingeschnürt werden. Sie sollten problemlos einen Finger zwischen Tier und Body schieben können.

Halskrausen?

Halskrausen werden von Kaninchen sehr schlecht akzeptiert und sollten nur im äußersten Notfall, d.h. wenn der Body zum Schutz nicht ausreichen sollte, Anwendung finden. Leider bieten die meisten Tierarztpraxen bisher nur die üblichen starren Plastik-Halskrausen an, die für das Kaninchen mit erheblichem Stress verbunden sind. Meist stoßen die Tiere damit hoffnungslos an Wände und Gegenstände und kommen kaum zur Ruhe. Weit besser geeignet sind biegsame Halskrausen aus Stoff. Stößt das Kaninchen damit gegen ein Hindernis, biegen sie sich sacht zur Seite.

Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Kaninchen mit seiner Halskrause problemlos fressen und trinken kann. Plastik-Halskrausen können hier entsprechend eingeschnitten werden.

Wundpflege

Während der ersten zehn Tage muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Wunde trocken bleibt; sollte sie mit Feuchtigkeit oder gar Nässe in Kontakt kommen, würde das Pflaster durchweichen und es bestände die Gefahr einer Wundinfektion. Es kann demzufolge notwendig sein, im Freien lebende Tiere vorübergehend “umzusiedeln”. Auch sind besondere Hygienemaßnahmen unerlässlich, um zu verhindern, dass das Kaninchen sich z.B. auf urindurchtränkte Streu legt.

Schmerztherapie

Falls der Tierarzt nicht von sich aus ein Schmerzmittel sowie ein Antibiotikum verordnet, bitten Sie ihn explizit darum: Schmerzen belasten das Kaninchen nicht nur psychisch, sondern führen mitunter zur Futterverweigerung, was zusätzliche Komplikationen zur Folge hätte und den Heilungsverlauf verzögern würde. Falls Ihr Tier anfangs nicht von selbst fressen möchte, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als es vorübergehend zwangszufüttern.

Medikamente

Ein Antibiotikum ist unerlässlich, um Wundinfektionen vorzubeugen. Begleitend muss immer auch ein Probiotikum gegeben werden, um einer antibiotikabedingte Entgleisung der Darmflora vorzubeugen.

Komplikationen

Jede Operation kann mit Komplikationen einhergehen. Haben Sie den Eindruck, dass es Ihrem Kaninchen binnen ein bis zwei Tagen nicht besser oder gar schlechter geht, zögern Sie nicht, Ihren Tierarzt zu Rate zu ziehen.

Werfen Sie zweimal täglich einen vorsichtigen Blick auf den OP-Bereich, um Blutungen und Schwellungen rechtzeitig zu erkennen.

Es empfiehlt sich, während der ersten Tage auch die Temperatur des Tieres ein- bis zweimal täglich zu messen: Fieber ist ein Hinweis darauf, dass sich die Wunde entzündet hat, Untertemperatur deutet auf eine Kreislaufschwäche hin.

Auch starke Blutungen oder Wundschwellungen, die Sie durch den Body deutlich erkennen, sind als Alarmzeichen zu betrachten! Hier sind in aller Regel eine umgehende Wundversorgung und evtl. eine erweiterte antibiotische Therapie notwendig.

Kontrolltermin

Verläuft alles wie beabsichtigt, ist zehn Tage nach der Operation ein Kontrolltermin angesagt, um die Wundheilung sicherzustellen und die Fäden zu ziehen. Wird letzteres versäumt, wachsen die Fäden in die Haut ein und führen dort zu Entzündungen.