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Narkosen & Operationen

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Tierarztwahl

Leider existieren auf dem Gebiet Kleinsäuger himmelweite Unterschiede zwischen den verschiedenen Tierärzten.

Da Kleinsäuger im Tiermedizinstudium nur sehr eingeschränkt besprochen werden, aber anschließend von jedem Tierarzt behandelt werden können, völlig gleich, ob er überhaupt über eine entsprechende Spezialisierung oder ausreichende Kenntnisse verfügt, sind schwere, oft tödliche Behandlungsfehler an der Tagesordnung.

Nur Tierärzte, die sich abseits vom Studium selbstständig fortbilden und spezialisieren, verfügen über ausreichende Kenntnisse im Bereich Kleinsäuger!

Die Wahl des richtigen Tierarztes für eine geplante Narkose ist das A und O, um das Kaninchen nicht zu gefährden. Das Narkosemanagement bei Hunden und Katzen kann nicht einfach auf Kaninchen und Nagetiere übertragen werden. Der Tierarzt sollte unbedingt fortgebildet und erfahren auf dem Gebiet der Kaninchennarkosen sein, anderenfalls besteht ein erhebliches Narkoserisiko!

Sie sollten den Tierarzt daher zuvor nach seinen Erfahrungen in diesem Bereich fragen. Ein Tierarzt, der generell pessimistisch oder gar desinteressiert und belächelnd gegenüber Kleinsäuger-Narkosen eingestellt ist, da er das Risiko für extrem hoch und Todesfälle für die Regel hält oder Kleinsäuger als Haustiere zweiter Klasse betrachtet, ist höchstwahrscheinlich weder auf dem neuesten medizinischen Stand noch zu einer adäquaten Patientenversorgung motiviert!

Weiterhin meiden sollten Sie Tierärzte, an deren Äußerungen Sie erkennen, dass sie eine möglichst billige Narkose für erstrebenswert halten. Leider kommt es nicht selten vor, dass Tierärzte allgemein davon ausgehen, der Besitzer werde "ohnehin nicht so viel bezahlen" . Insbesondere bei Besitzern von Kaninchen und Nagern sind Unterstellungen dieser Art leider weit verbreitet. Einen Tierarzt, der mehr darauf bedacht zu sein scheint, den Besitzer durch geringe Kosten zu erfreuen, als den Patienten optimal zu versorgen, sollten Sie Ihr Tier keinesfalls operieren lassen - denn vermutlich wird er auf wichtige Sicherheitsmaßnahmen vor, während und nach der OP, die mit einem finanziellen Mehraufwand verbunden wären, eher verzichten. Auch ist die sorgfältige Überwachung des Patienten während und nach dem Eingriff zweifelhaft, wenn der Tierarzt ihn offensichtlich nicht ernst nimmt.

Wählen Sie unbedingt einen Tierarzt, der positiv von seinen Erfahrungen berichtet, für den Kaninchen-OPs sowie höchste Sicherheitsstandards selbstverständlich sind und für den das Wohl seines Patienten an erster Stelle steht - und nicht ein "Sparmodus" für den Besitzer.

Ein guter Tierarzt erklärt Ihnen genau, wie die Narkose und der Eingriff ablaufen, was er zur Sicherheit des Patienten tut, was vorher und nachher zu beachten ist und er erläutert die voraussichtlichen Kosten objektiv, ohne davon auszugehen, dass sie Ihnen Ihr Tier nicht wert wären. Im nachfolgenden Abschnitt erfahren Sie, was für eine sichere Narkose von Bedeutung ist, was Sie also unbedingt im Voraus beim Tierarzt erfragen und mit ihm abklären sollten.

Zögern Sie nicht, sich im Zweifelsfall eine zweite Meinung einzuholen. Nicht die Zusage an den erstbesten Tierarzt steht im Vordergrund, sondern das Leben und die optimale Versorgung Ihres Tieres.

Sichere Narkosen

Art der Narkose

Eine vor einer Operation verabreichte Narkose beinhaltet prinzipiell 3 Arten von Medikamenten: Ein Hypnotikum, welches zur Bewusstlosigkeit des Patienten führt, ein Muskelrelaxans, welches die Muskulatur erschlaffen lässt und somit Zuckungen, Krämpfen und Reflexen vorbeugt, und ein starkes Analgetikum (Schmerzmittel).

Immer wieder hört oder liest man, Injektionsnarkosen seien "schlecht steuerbar", daher solle der Besitzer "darauf achten, dass eine Gasnarkose angewandt wird", damit die Narkose sicher sei. Dies lässt sich so aber bei weitem nicht pauschalisieren.

Richtig ist, dass eine "klassische" intramuskulär (also in den Muskel) injizierte Narkose nicht steuerbar ist, da das einmal verabreichte Medikament auch im Körper des Tieres verbleibt und je nach Dosis kürzer oder länger wirkt.

Allerdings gibt es neben den klassischen Narkosemitteln inzwischen eine weitaus sicherere Methode, nämlich die sogenannte vollantagonisierbare Triple-Narkose.

Sie wird vor allem für Operationen im Maulbereich angewendet, da eine Maske und meistens auch ein Tubus hier "im Weg" wäre und eine Inhalationsnarkose daher nicht möglich ist.

"Triple"-Narkose bedeutet, dass sich das verabreichte Narkosemittel aus 3 verschiedenen Medikamenten zusammensetzt.

Dadurch wird das Phänomen ausgenutzt, dass sich bestimmte Wirkstoffe gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken und dadurch insgesamt eine geringere Dosis verwendet werden kann, wodurch auch eventuelle Nebenwirkungen geringer ausfallen. In der Regel verwendet werden das Hypnotikum Medetomidin (zum Bewusstseinsverlust), das Opiat Fentanyl (als Schmerzmittel und zur Wirkungsverstärkung des Hypnotikums) sowie das Benzodiazepin Midazolam (als Muskelrelaxans).

"Vollantagonisierbar" bedeutet, dass es Gegenmittel zu den verwendeten Wirkstoffen gibt.

Werden diese intravenös verabreicht, wird die Wirkung der Narkosemittel binnen weniger Minuten aufgehoben und der Patient wacht auf. Dadurch kann erstens die Narkose sofort beendet werden, falls sich der Zustand des Patienten verschlechtern sollte; zweitens kann das Kaninchen nach Beendigung des Eingriffs direkt "geweckt" werden, wodurch es nahezu sofort wieder fit ist, selbstständig stehen, laufen und fressen kann und sein Kreislauf stabil ist. Somit entfallen gefährlich lange Nachschlaf- und Benommenheitsphasen, die mit einem instabilen Kreislauf und (infolge des Nichtfressens) womöglich Magen-Darm-Problemen verbunden wären.

Als Gegenmittel verwendet werden z.B. Atipamezol für das angewandte Hypnotikum, Naloxonhydrochlorid für das Opiat und Flumazenil für das Benzodiazepin. Alle drei sind sogenannte "kompetitive Antagonisten", d.h. sie konkurrieren mit den zuvor angewandten Wirkstoffen um bestimmte Rezeptor-Bindungsstellen im Körper und verdrängen sie somit in ausreichend hoher Dosis.

Um einen ständigen Zugang zum Blutkreislauf zu haben und die Medikamente dadurch mit sofortiger Wirkung verabreichen zu können, benötigt das Kaninchen einen Venenkatheter.

Inhalationsnarkosen sind zwar theoretisch gut steuerbar, liefern aber bei weitem keine Garantie für eine sichere Narkose. Hierfür spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle.

Die gute Steuerbarkeit basiert darauf, dass dem Patienten keine einmalige (hohe) Dosis eines Narkotikums verabreicht wird, sondern das gasförmige Narkotikum permanent in einer gerade ausreichenden Dosis zugeführt wird. Somit kann die Narkose auch schnell abgebrochen werden, indem der Patient einfach vom Gas entfernt wird. Doch die Steuerbarkeit ist eben nicht das Einzige, was die Narkosesicherheit ausmacht.

So sollte eine Narkose grundsätzlich nicht mit Gas eingeleitet werden, sondern mittels einer (intravenösen) Injektion. Dafür wird entweder ein sogenanntes Kurznarkotikum (z.B. Propofol) oder eine gering dosierte vollantagonisierbare Triple-Narkose verwendet, um den Zeitraum zu überbrücken, bis der Patient ans Narkosegas angeschlossen ist.

Dies hat den Hintergrund, dass viele Tiere mit Stress oder sogar Todesangst auf den Geruch von Isofluran (also dem Narkosegas) reagieren. Dies belastet das Tier nicht nur psychisch, sondern kann auch zu lebensgefährlichen Herz-Rhythmus-Störungen führen und beeinträchtigt vor allem die Narkose negativ, da die ausgeschütteten Stresshormone Gegenspieler der Narkose-Wirkstoffe sind. Es werden bei hohem Stresspegel also erheblich höhere Dosen des Narkotikums benötigt, damit das Tier einschläft! Die Folge sind eine entsprechend stärkere Kreislaufbelastung und ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Letztlich eignen sich reine Isofluran-Narkosen aufgrund der fehlenden Schmerzausschaltung nicht für Operationen.

Auch eine Inhalationsnarkose ist nur dann prinzipiell sicher, wenn der Patient ein unauffälliges Blutprofil hat, stressfrei einschläft, einen Venenkatheter und einen Trachealtubus / eine Larynxmaske erhält sowie während der gesamten Narkose intravenös infundiert und technisch optimal überwacht wird. Bei Operationen benötigt das Tier außerdem schon während der Narkose ein starkes Schmerzmittel.

Zwar ist ein narkotisiertes Tier bewusstlos und empfindet somit bewusst auch keine Schmerzen. Der Körper allerdings reagiert auf schmerzhafte Eingriffe ebenso, wie er es bei einem wachen Tier tun würde - nämlich u.a. mit der Ausschüttung von Stresshormonen, welche im Übermaß nicht nur zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen können, sondern auch Gegenspieler der Narkosemittel darstellen. Für ein Tier, das während des Eingriffs unzureichend mit Schmerzmitteln abgedeckt ist, sind daher erheblich höhere Dosen des Narkosemittels notwendig, damit es nicht aufwacht - was den Organismus erheblich belastet! Zudem ist es wahrscheinlich, dass der Körper ein sogenanntes "Schmerzgedächtnis" ausbildet - das Tier empfindet dann nach dem Erwachen viel stärkere Schmerzen und benötigt entsprechend höher dosierte Schmerzmittel, was wiederum die Leber und die Nieren schädigen kann.

Erhalt der Vitalfunktionen

Um ein narkotisiertes Kaninchen stabil zu halten, sind folgende Maßnahmen von großer Bedeutung:

Eine der wichtigsten Maßnahmen für eine sichere Narkose ist das Legen eines Venenkatheters, um den Kreislauf des Patienten durch eine intravenöse Dauertropfinfusion zu stabilisieren und im Notfall umgehend Medikamente direkt in die Blutbahn verabreichen zu können. Ohne venösen Zugang besteht im Notfall - etwa bei einem Herzstillstand - keine Chance, schnell und adäquat mit Medikamenten einzugreifen, um den Patienten zu retten. Auch ersetzt eine subkutan (= unter die Haut) verabreichte Infusion unter keinen Umständen die Dauertropfinfusion direkt in die Vene, die Kreislaufstabilisierung ist erheblich weniger effizient und im Fälle eines Schocks sogar völlig unwirksam.

Weiterhin von großer Bedeutung ist das Schieben eines Endotrachealtubus (also eines Tubus in die Luftröhre) oder zumindest einer Larynxmaske (wird bis kurz vor die Luftröhre geschoben), durch den der Patient sicher und effektiv beatmet werden kann. Ein Trachealtubus besitzt gegenüber der Larynxmaske den Vorteil, dass er die Atemwege offen hält. Der Vorteil der Larynxmaske ist, dass sie besonders einfach anzuwenden ist und somit auch bei schwer intubierbaren Tiere oder weniger geübten Tierärzten eine zügige und zuverlässige Beatmung des Patienten ermöglicht.

Sowohl der Tubus als auch die Larynxmaske verfügen über einen "Ballon", der in der Luftröhre bzw. dem Rachen des Patienten aufgeblasen wird und die Atemwege somit effektiv abdichtet, sodass sämtliches verabreichte Gas auch definitiv vom Tier aufgenommen wird.

Da nicht jeder Tierarzt über Larynxmasken verfügt und das Legen eines Trachealtubus beim Kaninchen anatomisch bedingt etwas aufwändiger ist als bei Hund und Katze, wird leider häufig darauf verzichtet und das Tier stattdessen über eine Gesichtsmaske beatmet. Da diese weder bis in oder an die Luftröhre reicht noch effektiv gegenüber der Umgebung abgedichtet werden kann, ist bei dieser Form der Beatmung völlig unklar, wie viel Sauerstoff und Narkosegas letztendlich in das Tier gelangen. Weiterhin kann das Tier im Falle eines Atemstillstandes nicht effizient beatmet werden. Eine "Mund-zu-Mund-Beatmung" oder das Schwenken des Tieres sind längst nicht so zuverlässig und wirkungsvoll wie die Larynx- oder Tubusbeatmung.

Weiterhin wichtig, um den Kreislauf stabil zu halten, ist eine ausreichende Wärmezufuhr während der gesamten Narkose. Dies kann z.B. erfolgen, indem der Patient auf einem Wärmekissen gebettet oder an mit warmem Wasser gefüllte Handschuhe gelehnt wird. Um die physiologische Körpertemperatur (38,5°-39,3° C) weder zu unter- noch zu überschreiten, muss die Temperatur überwacht werden (s.u.).

Diese vier Punkte - Venenkatheter, intravenöse Infusion, Trachealtubus / Larynxmaske und Wärmezufuhr - können Sie im Vorfeld problemlos erfragen und besprechen.

Überwachung der Vitalfunktionen

Um den Zustand des Patienten während der Narkose gut im Auge zu behalten, sind folgende Maßnahmen von Bedeutung:

Ein gutes "Monitoring" ist wichtig, um den Zustand des Patienten während der Narkose im Auge zu behalten und Notfälle rechtzeitig zu erkennen. Dazu gehört die Anwendung eines Pulsoximeters, welches permanent die Herzfrequenz und den Sauerstoffgehalt des Blutes misst und auf einem Display anzeigt. Weiterhin empfehlenswert sind ein Kapnograph zur Messung des CO2-Gehaltes sowie eine Rektalsonde zur Ermittlung der Körperinnentemperatur.

Auch die (technischen) Überwachungsmöglichkeiten während der Narkose lassen sich im Vorfeld gut erfragen.

Vorsorge

Durch folgende Maßnahmen bereiten Sie Ihr Kaninchen optimal auf die Narkose vor:

Blutuntersuchung

Vor jeder Narkose empfiehlt sich ein kurzer Blutcheck, um die Leber- und Nierenfunktion sowie das Blutbild zu überprüfen.

Dies gilt vor allem für Kaninchen im mittleren (ab ca. 4 Jahren) bis hohen Alter, mit bekannten Vorerkrankungen sowie positivem EC-Titer. Insbesondere chronische Nierenerkrankungen sind beim Kaninchen weit verbreitet und bleiben oft lange Zeit unerkannt. In diesem Fall ist es potentiell lebensrettend, sie vor der Narkotisierung zu erkennen, da die im Rahmen einer Narkose sowie OP verabreichten Medikamente häufig über die Leber verstoffwechselt und dann über die Nieren ausgeschieden werden, was sich im Falle einer Funktionsstörung verzögert. Außerdem sind Leber- sowie Niereninsuffizienzen oft mit einem Proteinmangel im Blut verbunden, welche u.a. für den Medikamententransport zuständig sind. In beiden Fällen ist es notwendig, die Dosis der verabreichten Medikamente zu reduzieren.

Erhöhte Nierenblutwerte (Kreatinin und Harnstoff) sollten außerdem, sofern die OP kurzzeitig aufgeschoben werden kann, zunächst mittels Infusionen in den Normbereich gesenkt werden. Auch müssen das Infusionsmanagement während und nach der Narkose sowie postoperative Medikamente entsprechend angepasst werden. Das selbe gilt für eine Leberfunktionsstörung.

Bei sehr jungen Tieren ist die Leber- und Nierenfunktion noch nicht voll ausgereift und bei älteren Tieren lässt sie oftmals nach. Auch dann wirken die Medikamente entsprechend stärker und müssen in niedrigerer Dosierung verabreicht werden.

Durch eine Überprüfung des Blutbildes kann u.a. erkannt werden, ob das Tier momentan eine latente (= symptomlose) Infektion durchmacht - auch in diesem Fall sollte der Eingriff, wenn möglich, verschoben werden.

Besprechen Sie diese Maßnahmen bereits im Voraus mit dem Tierarzt, um sie zeitlich miteinplanen zu können. Falls die Praxis über kein eigenes Labor verfügt, ist ein separater Termin notwendig, um die Blutergebnisse rechtzeitig im Voraus zu erhalten.

Fütterungsmanagement

Im Gegensatz zu Hund und Katze dürfen Kaninchen (wie auch andere Tiere mit einem Stopfmagen) vor Operationen keinesfalls fasten!

Nicht nur ist der Grund des Nüchternbleibens vor einer Narkose - nämlich die Vermeidung eines Erbrechens - beim Kaninchen hinfällig, da die Tiere ohnehin aufgrund ihrer Magen-Darm-Anatomie nicht erbrechen können; ein Futterentzug über mehrere Stunden wäre für sie sogar lebensgefährlich.

Die Verdauungsstörungen, mit welchen Kaninchen auf Futterentzug reagieren, sind nicht nur an sich lebensbedrohlich, sondern würden auch das Narkoserisiko erheblich steigern. Aus dem selben Grund dürfen und sollten Kaninchen nach der Narkose auch gleich wieder fressen, sobald sie wach genug sind, dass keine Aspirationsgefahr (= Einatmen des Futters) mehr besteht.

Da der Verdauungstrakt während der Narkose still liegt und daher ein erhöhtes Risiko von Fehlgärungen besteht, reichen Sie ab dem Vortag ausschließlich Schonkost. Hierzu gehören alle Futtermittel, die reich an strukturierter Rohfaser sind - d.h. Blätter, Gräser, Kräuter, Zweige und Heu.

Auf Leckerlis, Obst und Kohl sollte hingegen verzichtet werden.

Stresspegel vor der OP

Kaninchen sollten niemals in Narkose gelegt werden, während sie stark gestresst sind.

Das freigesetzte Adrenalin wirkt den Narkosemedikamenten entgegen, sodass mitunter eine erheblich höhere Dosis notwendig ist, damit der Patient einschläft. Dies wiederum kann eine gefährliche Mehrbelastung für den Kreislauf, das Herz und die Nieren darstellen.

Es empfiehlt sich daher, das Kaninchen zusammen mit einem Artgenossen bereits einige Stunden vor der geplanten Narkose oder am Vorabend beim Tierarzt abzugeben, sodass es zunächst stationär untergebracht werden und aklimatisieren kann. Die Stationsbox sollte über einen "Höhlenbereich" verfügen, z.B. einen seitlich offenen Karton oder indem ein Handtuch über eine Hälfte der frontalen Gittertür gelegt wird. Keinesfalls sollten sich natürliche Feinde wie Katzen oder Hunde in der Nähe befinden, da ihr Geruch einen massiven Stressfaktor darstellen würde.

Erst, wenn das Tier zur Ruhe gekommen ist, sollte es bei sanftem, ruhigem Handling in Narkose gelegt werden.

Nachsorge

Folgende Punkte spielen bei der Nachsorge eine Rolle:

Körpertemperatur

Frisch operierte Kaninchen müssen ständig auf ihre Temperatur überprüft und warmgehalten werden: Eine Narkose bedeutet immer eine Kreislaufbelastung und beeinträchtigt die Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur zu regulieren. Dies führt häufig dazu, dass die Tiere erst auskühlen, bei Wärmezufuhr jedoch schnell überhitzen und mit einer Entfernung der Wärmequelle binnen kurzer Zeit erneut unterkühlen.

Eine sorgfältige Überwachung ist daher von großer Bedeutung. Ein verantwortungsbewusster Tierarzt entlässt seinen Patienten daher erst, wenn seine Temperatur wieder stabil ist. Im Falle einer vollantagonisierbaren Triple-Narkose (s.o.) sind die Tiere in der Regel sehr schnell nach Verabreichung der Gegenmittel wieder wach und stabil.

Ein Kaninchen sollte immer in einer ruhigen, komfortablen Umgebung aus der Narkose erwachen. Während der Aufwachphase reagieren die Tiere hochsensibel auf äußere Reize wie beispielsweise Geräusche. Angst und Stress während des Erwachens oder in den Stunden danach sind für den bereits geschwächten Organismus eine erhebliche Mehrbelastung und mitunter gefährlich. Der Aufwachraum sollte daher sehr ruhig sein, die Aufwachbox warm und gut gepolstert und sich nicht im selben Raum wie Hunde, Katzen oder andere natürliche Fressfeinde befinden. Neben ihrem Partnertier wachen Kaninchen übrigens deutlich entspannter auf.

Kreislauf

Grundsätzlich dürfen aus der Narkose erwachte Tiere erst dann den Heimweg antreten, wenn sie wieder von alleine aufstehen, sitzen und sich fortbewegen können und ihr Kreislauf sowie die Körpertemperatur stabil sind.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist eine strenge tierärztliche Überwachung der Aufwachphase unbedingt notwendig, um beim Auftreten von Komplikationen sofort eingreifen zu können; dazu gehört neben der Unterkühlung auch ein generelles Kreislaufversagen.

Kaninchen, denen die Narkose oder der Eingriff stark zugesetzt hat, müssen auch über Nacht noch gut beobachtet werden und sollten intravenös infundiert, d.h. an den Tropf gehängt werden. Ist dies in der Praxis Ihrer Wahl nicht möglich, bleibt Ihnen lediglich, Temperatur und Futteraufnahme bei sich zu Hause mindestens alle zwei Stunden zu kontrollieren und subkutane Infusionen zu verabreichen (d.h. Infusionen unter die Haut zu spritzen - der Tierarzt macht es Ihnen vor). Diese ersetzen aber keinesfalls die intravenösen Infusionen, da sie im Falle einer bereits vorhandenen Kreislaufschwäche gar nicht vom Tier resorbiert werden können.

Bodys

Um zu vermeiden, dass die Tiere an ihrer Wunde lecken, knabbern oder versuchen, die Fäden herauszuzupfen, sollte sie einen Body erhalten. Einen solchen erhalten Sie beim Tierarzt oder basteln ihn selber, indem Sie z.B. eine große Socke unten mit vier kleinen Löchern für die Beine und hinten mit einem großen fünften Loch für den Hinterleib versehen. Der Po des Kaninchens sollte dabei so weit heraus schauen, dass es problemlos Kot und Urin absetzen kann. Hier hilft es auch, die Socke im entsprechenden Bereich von hinten rund einzuschneiden.

Der Body sollte eng anliegen. Er muss so fest sitzen, dass das Kaninchen sich nicht daraus befreien kann. Selbstverständlich darf es jedoch nicht eingeschnürt werden. Sie sollten problemlos einen Finger zwischen Tier und Body schieben können.

Halskrausen?

Halskrausen werden von Kaninchen sehr schlecht akzeptiert und sollten nur im äußersten Notfall, d.h. wenn der Body zum Schutz nicht ausreichen sollte, Anwendung finden. Leider bieten die meisten Tierarztpraxen bisher nur die üblichen starren Plastik-Halskrausen an, die für das Kaninchen mit erheblichem Stress verbunden sind. Meist stoßen die Tiere damit hoffnungslos an Wände und Gegenstände und kommen kaum zur Ruhe. Weit besser geeignet sind biegsame Halskrausen aus Stoff. Stößt das Kaninchen damit gegen ein Hindernis, biegen sie sich sacht zur Seite.

Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Kaninchen mit seiner Halskrause problemlos fressen und trinken kann. Plastik-Halskrausen können hier entsprechend eingeschnitten werden.

Wundpflege

Während der ersten zehn Tage muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Wunde trocken bleibt; sollte sie mit Feuchtigkeit oder gar Nässe in Kontakt kommen, würde das Pflaster durchweichen und es bestände die Gefahr einer Wundinfektion. Es kann demzufolge notwendig sein, im Freien lebende Tiere vorübergehend “umzusiedeln”. Auch sind besondere Hygienemaßnahmen unerlässlich, um zu verhindern, dass das Kaninchen sich z.B. auf urindurchtränkte Streu legt.

Schmerztherapie

Falls der Tierarzt nicht von sich aus ein Schmerzmittel sowie ein Antibiotikum verordnet, bitten Sie ihn explizit darum: Schmerzen belasten das Kaninchen nicht nur psychisch, sondern führen mitunter zur Futterverweigerung, was zusätzliche Komplikationen zur Folge hätte und den Heilungsverlauf verzögern würde. Falls Ihr Tier anfangs nicht von selbst fressen möchte, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als es vorübergehend zwangszufüttern.

Antibiose

Ein Antibiotikum ist unerlässlich, um Wundinfektionen vorzubeugen. Begleitend muss immer auch ein Probiotikum gegeben werden, um einer antibiotikabedingte Entgleisung der Darmflora vorzubeugen.

Komplikationen

Jede Operation kann mit Komplikationen einhergehen. Haben Sie den Eindruck, dass es Ihrem Kaninchen binnen ein bis zwei Tagen nicht besser oder gar schlechter geht, zögern Sie nicht, Ihren Tierarzt zu Rate zu ziehen.

Werfen Sie zweimal täglich einen vorsichtigen Blick auf den OP-Bereich, um Blutungen und Schwellungen rechtzeitig zu erkennen.

Es empfiehlt sich, während der ersten Tage auch die Temperatur des Tieres ein- bis zweimal täglich zu messen: Fieber ist ein Hinweis darauf, dass sich die Wunde entzündet hat, Untertemperatur deutet auf eine Kreislaufschwäche hin.

Auch starke Blutungen oder Wundschwellungen, die Sie durch den Body deutlich erkennen, sind als Alarmzeichen zu betrachten! Hier sind in aller Regel eine umgehende Wundversorgung und evtl. eine erweiterte antibiotische Therapie notwendig.

Kontrolltermin

Verläuft alles wie beabsichtigt, ist spätestens zehn Tage nach der Operation ein Kontrolltermin angesagt, um die Wundheilung sicherzustellen und die Fäden zu ziehen. Wird letzteres versäumt, wachsen die Fäden in die Haut ein und führen dort zu Entzündungen. Je nach Eingriff wird der Tierarzt seinen Patienten aber mitunter schon nach 1-2 Tagen und evtl. auch mehrmals nachkontrollieren wollen.