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Gesundheitskontrolle

Die Gesundheitskontrolle besteht vorrangig in einem wachsamen Auge vonseiten des Besitzers: Wer sein Kaninchen gut kennt, bemerkt körperliche und Wesensveränderungen sowie ungewöhnliche Verhaltensweisen sehr schnell.

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Täglich wachsam

Mindestens einmal täglich sollten Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen, Ihre Kaninchen gut zu beobachten, um etwaige Veränderungen zu erkennen. Zu den Dingen, auf die dabei zu achten ist, gehören in erster Linie:

Kommen alle Kaninchen zum Fressen?

Gesunde Kaninchen kommen freudig herbei gehoppelt, sobald man ihnen frisches Futter mitbringt. Natürlich kann es immer einmal vorkommen, dass eines der Tiere gerade ruht und daher nicht sofort oder nur zögerlich zu Ihnen kommt. Dies ist also nicht grundsätzlich als Krankheitssymptom aufzufassen; da diese Möglichkeit aber immer besteht, sollten Sie in den nächsten Stunden gut darauf achten, ob sich das Kaninchen ansonsten normal verhält und frisst. Haben Sie dazu keine Zeit, bleibt Ihnen der Sicherheit halber nichts anderes übrig, als das Tier ein wenig “aufzuwecken”: Bewegen Sie sich auf es zu, halten Sie ihm einen ganz besonderen Leckerbissen vor die Nase und streicheln Sie es. Verhält es sich weiterhin unüblich, sollten Sie den wöchentlichen Rundum-Check durchführen.

Fressen die Tiere wirklich?

Beobachten Sie während der Fütterung, ob alle herbei gekommenen Kaninchen auch wirklich fressen. Ein Kaninchen mit überlangen Zähnen hat z.B. durchaus Appetit, wird aber infolge der Zahnfehlstellung bei der Nahrungsaufnahme erheblich behindert. Achten Sie daher darauf, dass das Futter tatsächlich in der Maulhöhle verschwindet – und auch dort bleibt, d.h. nicht seitlich wieder ausgespeichelt wird.

Bewegen sich die Kaninchen normal?

Ob eines Ihrer Tiere humpelt, ein Bein hinterherzieht oder auf andere Weise schont, erkennen Sie sofort; ebenso, ob es “krabbelt”, anstatt sich mit den Hinterbeinen abzustoßen, Gleichgewichtsprobleme hat oder nicht geradeaus laufen kann. Gerade Ataxien (=Koordinationsstörungen) sind immer als Alarmzeichen aufzufassen (INFO: Enzephalitozoonose)! Auch Kaninchen, die ein Bein nicht belasten möchten, sind Notfälle (Verdacht auf Fraktur!) und gehören somit in sofortige tierärztliche Behandlung.

Sitzen und liegen die Kaninchen normal?

Aus einer unnormalen Sitz- oder Liegeposition lässt sich evtl. vieles ableiten: So können eine gekrümmte Haltung und das Pressen des Hinterleibes auf den Boden auf Bauch- oder Unterleibschmerzen hindeuten; ein nach oben gestreckter Kopf, in schweren Fällen gepaart mit Maulatmung, deutet auf Atemnot hin.

Wirken die Tiere charakterlich unverändert?

Plötzlich überängstliche Kaninchen können sich vor etwas nicht mehr Nachvollziehbarem sehr erschreckt haben. Beobachten Sie sorgfältig, ob sich die Schreckhaftigkeit binnen der nächsten Tage legt. Ist dies nicht der Fall oder sind weitere Veränderungen zu beobachten, sollten Sie das Kaninchen auf mögliche Erkrankungen untersuchen lassen.

Plötzlich aggressive Tiere haben mitunter Schmerzen und reagieren daher enorm empfindlich auf Berührungen. Beobachten Sie, ob sich das Kaninchen nur Ihnen, nur seinen Artgenossen gegenüber oder grundsätzlich aggressiv verhält. Ist letzteres der Fall, gehört es tierärztlich untersucht. Beachten Sie: Gerade unkastrierte Häsinnen sind häufig von Natur aus sehr “launisch” und verhalten sich besonders während der Brunst “zickig”. Im Zweifelfall ziehen Sie immer einen Fachmann zurate.

Kaninchen, die mit einem Mal nervös und ruhelos wirken, sollten Sie sich ebenfalls genauer ansehen. Vor allem ständiges Kratzen oder Putzen können auf Juckreiz hindeuten, dessen Ursache es abzuklären gilt. Oftmals sind bereits Veränderungen im Fell oder an der Haut zu erkennen. Auch hier sollten Sie sich bei Bedenken immer an einen Tierarzt wenden.

Zusammenfassend kann infolgedessen gesagt werden: Sämtliche Veränderungen an Ihren Tieren sollten Ihre Aufmerksamkeit erregen.

Einmal pro Woche: Kaninchen-TÜV

Etwa einmal in der Woche sollten Sie Ihre Tiere auf körperliche Veränderungen untersuchen. Häufiger ist diese Prozedur ohne besonderen Anlass nicht anzuraten, da Sie den Kaninchen anderenfalls schnell “auf die Nerven gehen”.

Fell

Gesundes Fell ist glänzend, dicht, sauber und glatt.

Krankheitssymptome sind ein “Fettfilm”, struppiger Zustand, kahle Bereiche, Schuppen, schwarze Punkte (Flohkot!), sichtbarer Parasitenbefall und ständiger, starker Haarausfall.

Haut

Streicht man sanft gegen die Haarwuchsrichtung durchs Kaninchenfell, lässt sich ein Blick auf die Haut erhaschen. Viele Veränderungen sind auch spürbar.

Gesunde Haut ist blass, glatt und intakt. Zieht man sich zwischen zwei Fingern vorsichtig eine Hautfalte und lässt sie gleich danach wieder los, verstreicht sie sofort.

Krankheitssymptome sind Rötungen, Beläge, Schuppen oder offensichtlicher Parasitenbefall. Bleibt eine hochgezogene Hautfalte stehen und verstreicht sie erst nach mehreren Sekunden, ist das Tier dehydriert (=ausgetrocknet).

Gewicht & Ernährungszustand

Beim normalgewichtigen Kaninchen lassen sich Rippen, Schulterblätter und Wirbelsäule ertasten, wenn man leicht über den Körper streicht.

Bei kachektischen (=untergewichtigen) Kaninchen stehen die Knochen spitz hervor, in schweren Fällen zeichnen sie sich sogar sichtbar unterm Fell ab.

Beim adipösen (=fettleibigen) Kaninchen sind besonders die Rippen nur noch schwer oder gar nicht mehr ertastbar.

Wiegen Sie Ihr Kaninchen bei jedem TÜV und notieren Sie sich das Gewicht. Permanenter Gewichtsverlust deutet in der Regel auf Stress und/oder eine Erkrankung hin, Gewichtszunahme kann Folge einer Kastration sein und setzt künftig eine kalorienärmere Fütterung voraus. Hat dies keinen Erfolg, sollten Sie einen Tierarzt zurate ziehen.

Wiegen Sie Ihr Kaninchen nach Möglichkeit immer unter denselben Voraussetzungen, d.h. zur gleichen Tageszeit und immer vor der Fütterung, ansonsten sind irrführende Gewichtsunterschiede vorprogrammiert. Zum Wiegen setzen Sie ihr Kaninchen am besten in eine kleine Schüssel oder Box, deren Eigengewicht Sie ebenfalls ermitteln. Die Differenz beider Werte ergibt das Gewicht Ihres Kaninchens. Verwenden Sie eine Küchenwaage; Personenwaagen sind für solch geringe Gewichte zu ungenau.

Gewichtsveränderungen bis zu 5% sind normal, sofern sie nicht andauern. Verliert Ihr Kaninchen hingegen über einen längeren Zeitraum hinweg immer mehr an Gewicht, ist fast immer ein gesundheitliches Problem der Auslöser.

Augen

Gesunde Augen sind klar und glänzend-feucht. Ziehen Sie behutsam am Unterlied, kommt die beim gesunden Kaninchen rosafarbene Schleimhaut zum Vorschein.

Krankheitssymptome: Eingetrübte, glanzlose, tränende, gerötete, tief in den Höhlen liegende oder weit hervorstehende Augen sind ebenso Krankheitsanzeichen wie gelbliche (Lebererkrankung), blasse (Kreislaufschwäche), leuchtend rote (Entzündung) oder bläuliche (Sauerstoffmangel) Schleimhäute, ein Vorfall des dritten Augenlides, Verkrustungen oder feuchtes Fell in der Augenumgebung.

Ohren

Gesunde Ohren sind im Innern sauber und von durchgehend heller Farbe. Sie können unabhängig voneinander bewegt werden und drehen sich beim gesunden, stehohrigen Kaninchen immer in Richtung Geräuschquelle.

Krankheitsanzeichen können Verkrustungen, Beläge sowie Rötungen sein. Achten Sie auch auf kleine Wunden, wie sie oftmals durch Bissverletzungen verursacht werden, und Schmutz; besonders bei Widdern kann es hin und wieder nötig sein, die Ohren hin und wieder mit einem feuchten Tuch auszuwischen. Achtung: Säubern Sie die Ohren immer nur so weit, wie Sie mit dem Finger hineingelangen. Verwenden Sie niemals selbstständig ein Wattestäbchen, um tiefer in den Gehörgang zu gelangen – die Verletzungsgefahr ist zu groß!

Reagiert Ihr Kaninchen weder durch Aufmerksamkeit noch durch entsprechende Bewegungen der Ohrmuscheln auf Geräusche, obwohl es sich ansonsten völlig normal verhält, ist es möglicherweise taub. Mit Taubheit kommen Kaninchen um Normalfall sehr gut zurecht – solange Sie einige Regeln beachten. So ist zu bedenken, dass das Tier durch Ansprechen nicht mehr auf sich aufmerksam gemacht werden kann, und besonders darauf achten, es nicht z.B. durch unvermitteltes Anfassen von hinten zu erschrecken. Sicherheitshalber sollten Sie das Kaninchen bei Verdacht auf Taubheit dem Tierarzt vorstellen, um eine evtl. zugrunde liegende Erkrankung auszuschließen.

Nase

Das gesunde Kaninchen besitzt eine trockene, saubere Nase, die ununterbrochen in Bewegung ist.

Krankheitsanzeichen sind Verklebungen, der Austritt von Sekret, feuchtes Fell in der Nasenumgebung sowie ein Ausbleiben der Nasenbewegung.

Krallen

Intakte Krallen sind gerade, gut abgenutzt und sauber.

Gepeflegt werden müssen horizontal oder – bedingt durch unzureichenden Abschliff – vertikal verbogene sowie stark verschmutzte Krallen.

Pfoten

Gesunde Fußsohlen sind sauber und vollständig behaart. Die Haut ist glatt und intakt.

Krankheitssymptome sind Schwellungen, Haarverlust, eine rötliche, gereizte Haut sowie Schmutzverkrustungen. Ursache können Übergewicht sowie ein ungeeigneter oder unsauberer Untergrund sein.

Zähne

Gesunde Zähne sind weiß, ausreichend und gleichmäßig abgeschliffen, stehen senkrecht aufeinander und ermöglichen dem Kaninchen dadurch ein ungehindertes Fressen. Das Mäulchen ist trocken und sauber. Durch ein vorsichtiges Auseinanderziehen der gespaltenen Oberlippe sowie leichten Zug der Unterlippe gen Boden können Sie die Schneidezähne sehen. Zur Betrachtung der Backenzähne sind Kiefer- und Backenspreizer notwendig, was einen Tierarztbesuch erfordert.

Krankheitssymptome sind abgebrochene oder überlange, schiefstehende, verbogene Schneidezähne und das ausbleibende Herunterschlucken der zerkauten Nahrung trotz Heißhungers – nachträglich erkennbar an einem futterbreiverklebten oder durch Speichel angefeuchteten Fell in der Mäulchenumgebung, z.B. am Kinn oder an den Wangen. Zahnproblematiken können sich außerdem äußern in Fressunlust, Schwellungen am Kopf, hervortretenden Augen oder Verdauungsproblemen.

After und Kotabsatz

Im Normalfall ist die Afterregion sauber und gepflegt, die umgebene Haut intakt und von gewöhnlicher Farbe. Der Kot besteht aus einzelnen dunkelbraunen, trockenen, festen, etwa erbsengroßen Kügelchen. Selten aufzufinden ist der kleinere, mit einer glänzend feuchten Schicht überzogene, weiche, oft inform andereinandergereihter unförmiger Kügelchen ausgeschiedene Blinddarmkot.

Krankheitssymptome sind eine kotverschmierte oder -verkrustete, nässende, haarlose, gereizte und/oder wunde Afterregion, breiiger bis wässriger Durchfall oder bröckelige kleine Kotstückchen (Verstopfung). Je nach Schweregrad und Jahreszeit (im Sommer besteht bei einer angegriffenen Afterregion die Gefahr eines Fliegenmagenbefalls!!) ist ein mehr oder weniger dringender Tierarztbesuch vonnöten.

Gewöhnliche Kotkügelchen, die perlschnurartig aneinanderhängen, deuten auf Haaransammlungen im Magen hin, die sich z.B. durch die Aufnahme frisch gepressten Ananassaftes über mehrere Tage bis Wochen (je nach klinischem Bild) ausscheiden lassen. Sehr hellbraune Kotkügelchen sind die Folge einer zu frischfutterarmen Fütterung.

Genitalbereich und Urinabsatz

Im Normalfall sind die Genitalien sauber, trocken und von blassrosafarbener, intakter Haut überzogen. Der Urin ist von stechendem Ammoniakgeruch, bei frischfutterreicher Fütterung orange- bis dunkelrot, anderenfalls gelb.

Krankheitssymptome sind eine rötlich-gereizte oder bereits wunde, verschmutzte und/oder nasse Genitalregion, blutiger oder ausbleibender Urinabsatz.