Mit Kaninchen unterwegs

Kaninchen ans Autofahren gewöhnen

Diese zwei Kaninchen lassen sich vom Transport längst nicht mehr beeindrucken.

Um v.a. Tierarztbesuche so stressarm wie möglich zu gestalten, was gerade bei kranken Tieren von großer Bedeutung ist, sollten Sie Ihre Kaninchen von vornherein daran gewöhnen, während des Transportes nicht in Panik zu geraten. Wie alles, was man einem Tier beibringen möchte, ist eine behutsame, langsame Vorgehensweise Schritt für Schritt die Grundvoraussetzung, um ans Ziel zu kommen. Wie lange es bis dahin dauert, hängt von Ihrer Einfühlsamkeit, dem individuellen Charakter Ihrer Tiere und deren Lernfähigkeit ab.

Jeder der folgenden Schritten ist so oft zu wiederholen, bis die Kaninchen keinerlei Anzeichen von Angst mehr zeigen, sondern deutlich entspannt wirken.

Schreitet man zu schnell voran, können die Tiere das Erlebnis so negativ in Erinnerung behalten, dass sie beim nächsten Mal nur noch ängstlicher sind.

Angst äußert sich beim Transport u.a. durch Angststarre, Aufreißen der Augen und Hecheln; hat man die Tiere überfordert, halten diese Symptome mitunter auch zu Hause noch eine ganze Weile an.

Entspannung drücken Kaninchen unterwegs z.B. durch Putzen, Fressen, Blinzeln, Dösen und neugieriges Schnuppern durchs Gitter aus. Außerdem bleiben die oben genannten Angstsymptome aus.

Schritt 1: Gewöhnung an Fahrzeuggeräusche

Automotoren und die laute Geräuschkulisse in öffentlichen Verkehrsmitteln wirken auf Kaninchen einschüchternd. Zur Gewöhnung an letztere können Sie den Kaninchen z.B. mehrmals täglich für einige Minuten eine entsprechende Tonaufnahme abspielen oder Fernsehsendung laufen lassen. Die Lautstärke passen Sie dabei den Reaktionen der Tiere an. Der Erfolg dieser Übung stellt sich besonders schnell ein, wenn sie während der Fütterungen durchgeführt wird, da die Kaninchen dann eine positive Verknüpfung mit den akustischen Reizen herstellen.

Schritt 2: Positive Verknüpfungen mit der Box herstellen

Häufig wird empfohlen, die Transportbox zur allmählichen Gewöhnung als ständigen Rückzugsort anzubieten. Dies könnte allerdings dazu führen, dass die Kaninchen einen Bogen darum machen, nachdem sie das erste Mal darin eingesperrt wurden; denn dann hat sich der vemeintlich sichere Unterschlupf als "Falle" entpuppt.

Machen Sie die Box zu etwas Besonderem - aber auf positive Weise und durch Aspekte, die auch beim Eingesperrtwerden darin nicht verloren gehen: Durch Futter. Beginnen Sie damit, die mit Futter gefüllte Box zu jeder Mahlzeit mitzubringen, sodass die Kaninchen hineinhoppeln müssen, um ans Objekt ihres Begehrens zu gelangen. Nach kürzester Zeit assoziieren sie das Herbeitragen der Transportbox mit Futter. Optimalerweise führen Sie gleichzeitig weiterhin Schritt 1 durch. Wiederholen Sie das Ganze der Einprägung halber noch einige Tage lang, ehe Sie mit der nächsten Übung fortfahren.

Schritt 3: Gleichgültige Reaktionen aufs Eingesperrtwerden erzielen

Hocken Sie sich neben der frisch mit Futter gefüllten Transportbox auf den Boden und warten Sie, bis eines oder mehrere der Kaninchen hineingehoppelt sind. Anschließend schließen Sie mit einer langsamen Bewegung die Boxentür. Warten Sie ruhig ab, bis die Tiere bemerkt haben, was geschehen ist, und beobachten Sie ihre Reaktionen: Verhalten die Tiere sich bereits relativ gleichgültig und fressen unbeirrt weiter? Dann dürfen Sie direkt mit Schritt 3 fortfahren. Wirken sie verunsichert und versuchen nervös, die Tür aufzustoßen? In diesem Fall lenken Sie sie mit einem ganz besonderen Leckerbissen ab, den Sie durchs Gitter stecken. Nehmen die Kaninchen ihn nicht an, öffnen Sie die Tür wieder und füttern ihn anschließend.

Die Übung darf bei jeder Fütterung wiederholt werden, sofern die Tiere spätestens "den Leckerli danach" annehmen und nicht zunehmend argwöhnisch gegenüber der Box werden. Ist dies doch der Fall, schließen Sie die Tür nur noch bei jeder zweiten bis dritten Fütterung. Auf diese Weise gewinnen die Kaninchen nicht den grundsätzlichen Eindruck, "in eine Falle zu hoppeln". Sobald die Nervosität auch bei geschlossener Tür abnimmt, dürfen Sie häufiger zusperren.

Schritt 4: Die Angst vor dem Getragenwerden nehmen

Viele Kaninchen fürchten sich davor, durch äußere Einwirkungen bewegt zu werden - wie es in einer Box der Fall ist, die gerade getragen wird. Der vierte Schritt besteht also darin, ihnen die Harmlosigkeit dieser Prozedur klarzumachen.

Fressen die Tiere bei verschlossener Tür, heben Sie die Box an und stellen sie wenige Meter weiter wieder auf den Boden oder auf einen erhöhten Punkt. Beobachten Sie das Verhalten der Kaninchen: Fressen sie unbeeindruckt weiter oder kauen sie munter weiter, während sie neugierig herauslugen, dürfen Sie die Box noch ein wenig weiter herumtragen. Sobald Sie den Eindruck haben, dass die Tiere nervös werden, beenden Sie die Übung für dieses Mal. Dazu stellen Sie die Box sofort vorsichtig auf den Boden und warten nach Möglichkeit noch solange, bis die Kaninchen wieder zu fressen beginnen, ehe sie zur Belohnung für ihre Entspannung nach draußen dürfen.

Auch hier gilt: Grundsätzlich darf bei jeder Fütterung trainiert werden - jedoch nur, solange die Kaninchen nicht misstrauisch gegenüber der Box werden. Anderenfalls üben Sie nur bei jeder zweiten bis dritten Fütterung, bis die Nervosität vorm Getragenwerden sich vollständig gelegt hat.

Tragen Sie die Box während jeder Trainingseinheit solange, wie die Tiere entspannt bleiben. Erhöhen Sie den Schwierigkeitsgrad, indem Sie ein wenig schneller gehen, die Box häufiger erhöht abstellen und wieder aufnehmen usw..

Schritt 5: Bekanntschaft mit Verkehrsmitteln machen

Öffentliche Verkehrsmittel machen Sie den Kaninchen vertraut, indem Sie die Box nun regelmäßig, d.h. jeden zweiten bis vierten Tag, an einen Straßenrand tragen, wo Sie - je nach Reaktionen der Kaninchen - kurz verweilen, ein wenig auf- und ablaufen oder sich etwas mehr Zeit lassen. Auf diese Weise lässt sich die Übung auch allmählich steigern. Haben sich Ihre Kaninchen in den vorangegangenen Übungen bereits zurückhaltend gegeben, beginnen Sie vorzugsweise mit einer kleineren Straße. Sind Ihre Tiere hingegen grundsätzlich eher "unerschrocken", können Sie gleich eine Hauptverkehrsstraße aufsuchen.

Autos verlieren an Bedrohlichkeit, indem die Box mit den fressenden Kaninchen zunächst bei bereits gestartetem Motor auf die Rückbank gestellt wird; die Steigerung besteht darin, den Motor erst zu starten, wenn die Box bereits im Auto steht. Bei Anzeichen von Angst oder Nervosität stellen Sie den Motor wieder ab, warten, bis die Kaninchen sich beruhigt haben, und beenden die Trainingseinheit. Bei unerwartet starken Angstreaktionen sollten Sie das Training vorerst auf die Kombination aus Schritt 1 und Schritt 4 beschränken. Sie können dazu auch selbst eine Tonaufnahme Ihres Motorgeräusches erstellen, um die Kaninchen optimal auf den nächsten Schritt-5-Versuch vorzubereiten.

Schritt 6: Gewöhnung ans Fahren

Nun ist es soweit: Die Kaninchen erleben ihre erste Fahrt. In Bussen, Straßen-, S- und U-Bahnen sollten Sie sich je nach Verhalten der Tiere evtl. zunächst auf eine einzige Station beschränken. Die Anzahl wird erst gesteigert, wenn sie auch während der Fahrt noch ausreichend entspannt sind, um zu fressen.

Fernzüge fahren meist so gleichmäßig und verfügen über eine so entspannte Atmosphäre, dass die Kaninchen nicht einmal bemerken, dass sich der Zug bewegt. Letzteres trifft auch auf moderne Regionalzüge zu. Daher ist hierfür keine Übung erforderlich.

An Autofahrten gewöhnen Sie die Kaninchen, indem Sie zunächst nur langsam und nur solange fahren, wie die Tiere keinerlei Anzeichen von Nervosität zeigen. Geschwindigkeit und Dauer der Fahrt werden mit jeder Trainingseinheit entsprechend gesteigert. Auch mehrmaliges Anfahren und sanftes Abbremsen sollte allmählich mit eingebaut werden.

Zwei- bis dreimaliges Training pro Wochen ist bei dieser Übung völlig ausreichend.