Pflegemaßnahmen und Gesundheitsprophylaxe

Schutzimpfungen

Geborgenheit durch Gesellschaft

Schutzimpfungen sind eine wichtige prophylaktische Maßnahme, um unsere Kaninchen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen zu schützen. Ganz besonders gilt dies für die Impfungen gegen Myxomatose und RHD, die keinem Tier vorenthalten werden sollten - gleich ob in Innen- oder Außenhaltung. Wichtig vor jeder Impfung ist eine gründliche Allgemeinuntersuchung, da - ganz besonders im Falle der Myxomatose - nur rundum gesunde Kaninchen geimpft werden dürfen!

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Myxomatose und RHD

Diese zwei hochansteckenden Viruserkrankungen der Kaninchen verlaufen bei ungeimpften Individuen in aller Regel tödlich. Da die Krankheiten u.a. durch Stechmücken übertragen werden, können sich Wohnungskaninchen ebenso infizieren wie Tiere in Außenhaltung! Fliegengitter bieten keinen sicheren Schutz – denn abgesehen davon, dass auch derart abgesicherte Haushalte nicht zu 100% frei von Insekten sind, werden die Viren auch mit den Schuhen oder mit durch Wildkaninchen kontaminiertem Grünfutter eingeschleppt. Bei Kaninchen in Außenhaltung kommt es in seltenen Fällen auch zu einer direkten Übertragung durch den Kontakt zu Wildkaninchen.

Die einzige vernünftige Prophylaxe bieten regelmäßige Schutzimpfungen. Zwar ist eine Erkrankung selbst dann nicht ausgeschlossen - im Falle der Myxomatose mit lediglich 70%iger Wahrscheinlichkeit - , jedoch verläuft die Infektion bei geimpften Kaninchen deutlich milder und ist im Falle schneller tierärztlicher Behandlung in aller Regel heilbar.

Es gibt verschiede Kombinationsimpfstoffe für Myxomatose und RHD, mit denen beide Krankheiten für 12 Monate abgedeckt sind. Eine Grundimmunisierung ist nicht erforderlich, d.h. bereits die erste Impfung bietet dem Kaninchen für ein Jahr Schutz.

Zu empfehlen ist der Kombinationsimpfstoff "Nobivac" gegen Myxomatose und RHD. Er darf ab der 5. Lebenswoche injiziert werden, die erste Wiederholungsimpfung ist erst ein Jahr später notwendig. Von anderen Impfstoffen ist abzuraten, da für ihre Herstellung Laborkaninchen infiziert und getötet werden.

Achtung: Keiner der herkömmlichen Impfstoffe bietet einen zuverlässigen Schutz gegen die RHD2-Form! Diese Impfung muss mit einem speziellen Impfstoff separat erfolgen.

Eine umfassende Allgemeinuntersuchung ist bei der Myxomatoseimpfung besonders wichtig, da hier anderenfalls das Risiko besteht, die Erkrankung durch die Impfung erst auszulösen! Die Ursache ist auf die Eigenschaften des Impfstoffes zurückzuführen: Dem Kaninchen werden abgeschwächte Myxomatoseerreger injiziert, die das gesunde Immunsystem zur Antikörperproduktion bewegen, ohne ihm dabei ernsthaft zu schaden (Lebendimpfstoff). Ist das Immunsystem jedoch durch eine bereits vorhandene Erkrankung geschwächt, wird es selbst mit diesen vergleichsweise harmlosen Erregern mitunter nicht fertig – und die Erkrankung bricht aus.

INFO: Myxomatose

INFO: RHD

RHD2

Bei der sogenannten RHD-2-Seuche handelt es sich um eine mutierte Form des gemeinhin bekannten RHD-Virus, die sich von Frankreich nach Deutschland ausgebreitet hat und gegen die herkömmliche Impfstoffe (z.B. von Nobivac, Filavac und Rikkavac, keine (zuverlässige) Wirkung zeigen.

Seither ist es bundesweit zu einem regelrechten Massensterben von Wild- und Hauskaninchen gekommen.

Bei der Betrachtung sogenannter "Seuchenkarten" ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da die meisten Kaninchen, die überraschend versterben, nicht pathologisch untersucht werden und die Todesursache somit unbekannt bleibt.

Infizierte Tiere zeigen in der Regel keine Krankheitssymptome. Sie brechen buchstäblich von einer Minute auf die andere zusammen und ersticken an Lungenblutungen.

Derzeit sind in Deutschland zwei Impfstoffe zugelassen, die speziell zum Schutz vor einer Infektion mit RHD2 entwickelt wurden: Eravac und Filavac. Zum Teil bieten sie zusätzlich Schutz gegen RHD1, die "gewöhnliche" RHD-Form. In diesem Fall muss lediglich die Myxomatose-Impfung separat erfolgen. Es ist jedoch auch kein Problem, Kaninchen "doppelt" gegen RHD1 zu immunisieren, z.B. indem man sie erst mit der Nobivac-Kombi-Impfung gegen RHD1 und Myxomatose und 2-3 Wochen später mit einem Impfstoff gegen RHD1 und 2 impft.

Ansteckender Kaninchenschnupfen

Diese bakteriell teils durch Mykoplasmen, v.a. aber Pasteurellen und Bordetellen verursachte, weit verbreitete Seuchenerkrankung schadet dem Kaninchen mehr, als der Name vermuten lässt, da sie u.a. chronische Entzündungen des Tränen-Nasen-Kanals sowie der Atemwege verursacht. Die Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt zwischen Kaninchen sowie über tote Vektoren (kontaminierte Futterpflanzen, Gegenstände, Streu, Hände, Kleidung usw.). Da eine Vielzahl von Erregern für eine Infektion verantwortlich sein kann, bietet die Impfung keinen 100%igen Schutz, ist bei Kaninchen, die sie vertragen, jedoch eine sinnvolle Möglichkeit, das Erkrankungsrisiko zu senken.

Reagiert Ihr Kaninchen allerdings mit starken Schwellungen auf die Injektion, sollte für die Zukunft eine Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen – denn Schwellungen animieren die Tiere zum Kratzen, wodurch es nicht selten zur Abszessbildung kommt; Abszesse wiederum erfordern möglicherweise eine Operation. Zwar sind moderne Narkosen zumindest bei jungen, gesunden Tieren vergleichsweise ungefährlich, doch die durch die gesamte Prozedur verursachte physische und psychische Belastung für das Tier sind nicht zu unterschätzen. Hinzu kommt, dass gerade im Freien lebende, also keiner trockenen Zimmerluft ausgesetzte, tiergerecht gehaltene und ernährte Kaninchen mit intaktem Immunsystem und ohne starken Infektionsdruck (d.h. ständigen Kontakt mit Wildkaninchen, erkrankten Artgenossen usw.) meist von selbst mit den Schnupfenerregern fertig werden und daher keinerlei Impfung benötigen.

Entscheiden Sie sich zur regelmäßigen Impfung, ist eine halbjährliche Auffrischung notwendig, die nicht gemeinsam mit den Impfungen gegen Enterocolitis oder Myxomatose und RHD erfolgen darf. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen, die im Abstand von 14 Tagen erfolgen.

INFO: Ansteckender Kaninchenschnupfen

Enterocolitis (Darmlähmung)

Die Enterocolitis bezeichnet eine ansteckende, schwere, in den meisten Fällen tödlich verlaufende Darmerkrankung der Kaninchen, die in erster Linie säugende Häsinnen und deren Junge betrifft. Viele Hauskaninchen sind latent (=verborgen) mit mindestens einer Erregerform infiziert und somit Dauerausscheider. Im Falle einer Immunsuppression und/oder eines angeschlagenen Verdauungstraktes, z.B. durch Primärerkrankungen (=Ersterkrankungen) oder Fütterungsfehler, bricht die Erkrankung aus. Eine nach Genesung oder Tod des Tieres erfolgende Desinfektion der Umgebung bringt keinen durchschlagenden Erfolg mit sich, da die Sporen der ursächlichen Clostridien ernorm widerstandsfähig sind und oftmals überleben.

Eine sichere Prophylaxe, um bei latent infizierten Tieren dem Erkrankungsausbruch, bei chronisch infizierten Kaninchen einem Rückfall und bei gesunden Individuen einer Infektion vorzubeugen, bietet lediglich die Schutzimpfung. Das Problem dabei ist, dass bislang kein allgemein wirksamer Impfstoff existiert, da die Erreger sich von Behausung zu Behausung unterscheiden. Es besteht allerdings die Möglichkeit, sich von entsprechenden Instituten einen spezifischen Impfstoff für die eigene Kaninchengruppe herstellen zu lassen. Zu diesem Zweck wird eine Kotprobe eines latent, chronisch oder akut erkrankten Tieres eingesendet - anhand der dort vorhandenen Erreger kann eine individuelle Vakzine angefertigt werden, mit der die eigenen Kaninchen fortan geimpft werden.

Unbedingt erfolgen sollte die Impfung in Kaninchenhaushalten, in denen es bereits zu Erkrankungsausbrüchen kam.

Die Impfung von Jungtieren ist ab der dritten bis vierten Lebenswoche möglich und muss nach drei Wochen wiederholt werden, um das Immunsystem zu einer ausreichenden Antikörperproduktion zu veranlassen (Grundimmunisierung). Anschließend muss jährlich aufgefrischt werden. Die Impfung darf nicht zusammen mit den Impfungen gegen Myxomatose und RHD oder den Ansteckenden Kaninchenschnupfen erfolgen.

INFO: Enterocolitis