Pflegemaßnahmen und Gesundheitsprophylaxe

Fellpflege

Kaninchen sind sehr reinliche Tiere, die der Informhaltung ihres Fells enorm viel Zeit widmen; sie putzen sich sogar häufiger als Katzen. Kurzhaarige Kaninchen brauchen daher grundsätzlich weder gebürstet noch gekämmt zu werden; die meisten mögen eine solche Prozedur ohnehin nicht.

Empfehlenswert ist das Bürsten nur während des Fellwechsels, um Bezoaren (=Haarballen) im Magen vorzubeugen. Bezoare entstehen bei Kaninchen, die infolge des Putzens zu viele abgestorbene Haare verschlucken, und können zu lebensgefährlichen Verstopfungen des Magenausgangs führen (INFO: Magenüberladung). Je nachdem, wie stark Ihre Kaninchen haaren, sollten sie mitunter sogar täglich gebürstet werden. Manchmal finden sich regelrechte “Flocken” aus toten Haaren im Fell, die mit der Hand einfach herausgezogen werden können. Sind Sie sich bei der Beurteilung des Haarausfalls unsicher, werfen Sie einen Blick auf den Kot der Tiere: Normale, trockene Kotkügelchen, die von einem Haar oder einer Haarsträne perlschnurartig zusammengehalten werden, sind ein deutliches Anzeichen für zu viel Fell im Verdauungstrakt!

Erfolgreich entgegenwirken können Sie Bezoaren auch durch die tägliche Verabreichung von Ananassaft während des Fellwechsels. Ananas enthält das Enzym Bromelin, welches für eine erhöhte Gleitfähigkeit der im Magen enthaltenen Haare sorgt und damit die Passage des Verdauungstraktes erleichtert. Wichtig ist, dabei frisch gepressten oder sogenannten “Direktsaft” zu verwenden, da das Bromelin sich anderenfalls bereits aufgelöst hat. Bieten Sie den Saft zusätzlich zum Trinkwasser in einem Napf an – viele Kaninchen schlabbern ihn freiwillig heraus. Bei guter Akzeptanz kann eine Verdünnung mit Wasser erfolgen. Ansonsten benutzen Sie eine nadellose Einwegspritze zum behutsamen Einflößen.

Selbstverständlich dürfen auch ganze Ananasstücke, alternativ Kiwis, die das gleiche Enzym beinhalten, angeboten werden; einigen Kaninchen ist die feste Konsistenz lieber. Wegen des vergleichsweise hohen Fruchtzuckergehaltes sollte Saft jedoch grundsätzlich das Mittel der Wahl sein.

Langhaarige Kaninchen müssen regelmäßig gekämmt und gebürstet werden, um Verfilzungen vorzubeugen und hängen gebliebenen Schmutz zu entfernen. Anderenfalls verliert das Fell mitunter seine wasserabweisenden Eigenschaften, und “Filzklumpen” reizen auf Dauer die empfindliche Haut. Findet sich doch einmal eine Filzstelle, schneiden Sie diese vorsichtig heraus. Verwenden Sie dazu unbedingt eine stumpfe Schere, um das Kaninchen nicht zu verletzen, falls es sich unvermittelt bewegen sollte.

Im Sommer sollten im freien lebende Langhaarkaninchen unbedingt eine Kurzhaarfrisur erhalten. Dies mag vielleicht keinem klassischen Schönheitsideal entsprechen, doch lange Haare sind für die ohnehin hitzeempfindlichen Kaninchen während der heißen Sommertage eine Qual. Optische Vorlieben vonseiten des Besitzers können dieses Leid und die damit verbundene Gefahr eines Hitzschlages unter keinen Umständen rechtfertigen!

Kaninchen, denen ständig lange Haare im Gesicht hängen, sind nicht nur massiv in ihrer Sicht eingeschränkt, sondern bekommen auf die Dauer evtl. auch Augenprobleme, da ihnen immer wieder Fremdkörper – die Haarspitzen – hineingeraten. Tierliebhaber fassen sich auch hier ein Herz und kürzen entsprechende Haare regelmäßig.