Richtig füttern

Diese Seite gehört mehreren Themenbereichen an.

Sie erreichen diese Seite auch unter:

Frischfutter: Das unersetzliche Grundnahrungsmittel

Geborgenheit durch Gesellschaft

Bild von Fellnasenbetreuung Wegener

Die natürlichste und gesündeste Nahrung für Kaninchen ist das Frischfutter. Einmal daran gewöhnt, dürfen und sollten die Tiere es in unbegrenzten Mengen erhalten.

Frischfutter enthält unter anderem einen hohen Anteil an Flüssigkeit, was eine bedeutsame Prophylaxe gegen Blasen- und Nierenkalzinosen bietet.

Es kann bei reichlicher Frischfuttergabe durchaus der Fall sein, dass die Tiere – besonders solche in Außenhaltung, wo die Luftfeuchtigkeit vergleichsweise hoch ist – sehr wenig trinken. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung, allerdings gilt auch hier, dass natürlich für den Notfall immer frisches Wasser bereit stehen muss.

Abschnitte auf dieser Seite:

Wiesengrün

Grünfutter macht von Frühjahr bis Herbst den mit Abstand größten Teil der Nahrung eines Wildkaninchens aus. Ergänzt wird es lediglich durch Äste inklusive Knospen und Blättern, Rinden sowie Wurzeln. Getreide gehört, wenn überhaupt, lediglich während der Herbstmonate zum Futterspektrum der Wildkaninchen, sofern ihnen ein (von Menschenhand angelegtes) Feld zur Verfügung steht.

Frisches Wiesengrün enthält als einzige Futtersorte alles, was ein Kaninchen zum Leben braucht, und sollte wann immer möglich das Grundfutter der Tiere darstellen. Wichtig ist, neu aufgenommene Kaninchen behutsam daran zu gewöhnen, da jede plötzliche Futterumstellung gefährliche Verdauungsstörungen verursachen kann.

Zudem sollte Wiesengrün möglichst immer im Gemisch gefüttert werden. Dies sichert die Nährstoffzufuhr und verhindert, dass die Kaninchen Sorten im Übermaß fressen, die in größeren Mengen schlecht verträglich sind (z.B. Hahnenfuß, Vergissmeinnicht und Scharbockskraut).

 

Vorzüge des Wiesengrüns

Die Vorzüge einer überwiegenden Grünfuttergabe sind vielfältig:

Wiese füttern - aber richtig

Da geerntetes Grünfutter v.a. unter extremen Temperaturbedingungen relativ schnell verdirbt (z.B. welkt oder gefriert), sollte den Kaninchen als Notfallnahrung ständig hochwertiges Heu zur Verfügung stehen, um ihnen keinerlei Anreiz zu bieten, auf ungenießbare Nahrung "zurückzugreifen".

Dies empfiehlt sich selbst bei einer Haltung im begrünten Außengehege, da das doch begrenzte Stück Wiese vergleichsweise schnell durch Ausscheidungen verunreinigt wird sowie die bevorzugten, nährstoffreichen Spitzen der Gräser rasch abgefressen sind.

Grünfutter sollte mindestens zweimal täglich frisch und in großen Mengen gereicht werden, damit die Kaninchen weder in die Versuchung geraten, Verdorbenes aufzunehmen, noch sich zu heißhungrig auf ihre Mahlzeit stürzen, dass sie mit Verdauungsstörungen wie z.B. einer Tympanie darauf reagieren (Info: Tympanie infolge von Luftschlucken, Magenüberladung infolge unzureichender Nahrungszerkleinerung).

Reichen Sie bei jeder Mahlzeit so viele verschiedene Pflanzen wie möglich, um die Kaninchen mit allen benötigten Nährstoffen zu versorgen. Bereits unterschiedliche Gräser tragen einen Teil hierzu bei. Zudem sind einige Sorten wie Hahnenfuß, Vergissmeinnicht und Scharbockskraut im Übermaß giftig, während sie im Gemisch mit anderen Sorten problemlos vertragen werden.

Geeignete Futterpflanzen

Gut verträgliche Pflanzenarten sind (soweit nicht anders vermerkt, inklusive Blüten und Wurzeln) u.a.:

* im Übermaß giftig - daher nur im Gemisch mit anderem Grün füttern!

Giftpflanzen

Die meisten Kaninchen sind dazu in der Lage, Giftpflanzen instinktiv zu erkennen und zu meiden oder nur in geringen, noch gut verträglichen Mengen zu fressen. Diese Fähigkeit ist offenbar besonders ausgeprägt bei Tieren, die Zugang zu einer Wiese mit einer großen Auswahl an Pflanzen besitzen, während Kaninchen, denen nur ein sehr begrenztes oder einseitiges Frischfutterangebot zur Verfügung steht, anscheinend "aus der Not heraus" eher auf Unverträgliches zurückgreifen.

Stark giftige Pflanzen, die überhaupt nicht gefressen werden dürfen, sind auf verwilderten Wiesen kaum zu finden. Schwach giftige Sorten (Scharbockskraut, Hahnenfuß, Vergissmeinnicht u.a.) werden im Gemisch mit anderem Grün problemlos vertragen, müssen also nicht aussortiert werden.

Am sichersten fahren Sie, indem Sie den Kaninchen stets eine bunte Mischung mit reichlich unterschiedlichen Gras- und Kräutersorten anbieten, sodass der übermäßige Verzehr einer einzelnen Sorte vermieden wird.

Bedenklich sind lediglich exotische Pflanzen im Zimmer oder Garten, welche die Kaninchen von Natur aus nicht "kennen" können. Hier besteht tatsächlich die Gefahr einer Vergiftung. Daher sollten derlei Pflanzen stets außer Reichweite der Tiere gebracht werden.

Gemüse

"Stadtkaninchen", die nur eingeschränkt mit frischem Wiesengrün ernährt werden können, sind auf eine überwiegende Fütterung mit Gemüse angewiesen. Zwar stellt käufliches Gemüse aus mehreren Gründen nur einen suboptimalen Wiesenersatz dar, eine bessere Alternative gibt es jedoch auch nicht.

 

Vorzüge des Gemüses unter Berücksichtigung einiger Grundregeln
Gemüse füttern - aber richtig

Da Gemüse v.a. unter extremen Temperaturbedingungen relativ schnell verdirbt (z.B. welkt oder gefriert), sollte den Kaninchen als Notfallnahrung ständig hochwertiges Heu zur Verfügung stehen, um ihnen keinerlei Anreiz zu bieten, auf ungenießbare Nahrung zurückzugreifen.

Frischfutter aller Art sollte mindestens zweimal täglich frisch gereicht werden, damit die Kaninchen weder in die Versuchung geraten, Verdorbenes aufzunehmen, noch sich so heißhungrig auf ihre Mahlzeit stürzen, dass sie mit Verdauungsstörungen darauf reagieren (z.B. Tympanie infolge von Luftschlucken, Magenüberladung infolge unzureichender Nahrungszerkleinerung).

Reichen Sie bei jeder Mahlzeit mindestens fünf, grundsätzlich so viele verschiedene Sorten wie möglich, um den Kaninchen die Möglichkeit der bedarfsgerechten Selektion zu ermöglichen.

Bio-Gemüse wird von Kaninchen bevorzugt. Möchten Sie nicht darauf zurückgreifen, sollten Sie das Gemüse vor dem Verfüttern waschen, um Dünge- und andere Schadstoffrückstände bestmöglich zu entfernen. Chronisch kranke Kaninchen reagieren mitunter selbst auf gewaschenes Gemüse hochsensibel. Um den Verdauungsstörungen entgegenzuwirken, hilft in diesem Fall meist tatsächlich nur ein Einkauf im Bio-Laden.

Um Proteinmangelerscheinungen vorzubeugen, benötigen ohne Wiesengrün und Zweige ernährte Kaninchen unbedingt ein Nahrungsergänzungsmittel. Hierzu eignen sich verschiedenste Saaten sowie Trockenkräuter und -blätter.

Gut und eingeschränkt geeignete Sorten

Grundsätzlich dürfen Kaninchen nahezu alle Gemüsesorten fressen, die auch für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Allerdings dürfen nicht alle Sorten gleichberechtigt und in unbegrenzter Menge gereicht werden.

Die folgende Liste gibt Ihnen einen Überblick, was Sie bei welchen Sorten beachten sollten.

**Nahrhaft!

Trockengemüse

Zunehmend in Mode gerät Trockengemüse, wie es z.B. in diversen Internetshops angeboten wird - oftmals als "artgerechtes Trockenfutter" angepriesen. Wer den vorangegangenen Absatz über die Vorzüge des Gemüses aufmerksam gelesen hat, wird jedoch schnell feststellen, dass nahezu all diese Vorzüge mit einer Trocknung verloren gehen. Trockengemüse ist keineswegs artgerecht, sondern im Gegenteil mit größter Vorsicht zu genießen! Der Wasserentzug reduziert nicht nur die Flüssigkeitsaufnahme der Tiere, sondern sorgt durch den entsprechend höheren Sättigungsgrad für einen stark verminderten Verzehr gesunder Futtermittel, was Zähnen, Harn- und Verdauungstrakt schadet.

Getrocknetes Gemüse ist nicht nur als regelrechte Kalziumbombe zu betrachten, was in Kombination mit der geringen Flüssigkeitszufuhr die Entstehung von Steinen im Harntrakt enorm begünstigt, sondern führt bei übermäßigem Verzehr auch zu Übergewicht.

Trockengemüse sollte immer ein selten und auch dann in nur sehr geringen Mengen gereichtes Leckerli bleiben!

Zweige und andere Baumbestandteile

Entgegen der landläufigen Meinungen schleifen Äste NICHT die (Schneide-)Zähne eines Kaninchens ab.

Dennoch stellen Baumbestandteile wie Zweige, Rindenstücke, Wurzeln und auch dicke Äste einen sehr wertvollen Bestandteil der Kaninchenernährung dar.

Sind Zweige wichtig für den Zahnabrieb?

Zahnschmelz ist um ein Vielfaches härter als jedes Nahrungsmittel (also auch Körner, Brot, Knabberstangen usw.) und kann somit logischerweise auch nicht "an einem Futtermittel" abgeschliffen werden.

Der Zahnabrieb bei Kaninchen und Nagetieren erfolgt dadurch, dass die Zähne aus Ober- und Unterkiefer während des mahlenden Kauvorgangs aneinander reiben und sich somit gegenseitig abschleifen.

Somit ergibt auch die weit verbreitete Ansicht keinen Sinn, dass der Nagetrieb von Kaninchen und co. in einem Zusammenhang mit dem nötigen Zahnabrieb stehen würde.

Vielmehr nagen Kaninchen instinktiv, da sie sich in der Natur während der kalten Jahreszeit überwiegend von Baumbestandteilen ernähren - also Baumstämme benagen.

Von Bedeutung für den Zahnabrieb ist vor allem, dass das Futter rohfaserreich und kalorienarm ist. Dadurch müssen die Kaninchen erstens sehr lange darauf mahlen, bis es zerkleinert ist, und zweitens viel davon verzehren, um ihren Energiebedarf zu decken. Beides hat einen sehr langen, ausführlichen Kauvorgang und somit einen ausgiebigen Zahnabrieb zur Folge. Wiesengrün enthält zusätzlich die sogenannte Kieselsäure, welche wie Schmirgelpapier auf die Zähne wirkt - ihre Struktur allerdings während des Trocknungsvorgangs zu Heu verliert. Dies ist der Grund, weshalb frische Wiese den Zahnabrieb intensiver fördert als Heu.

Auch Zweige enthalten Rohfaser und sind kalorienarm, unterstützen also effektiv den Zahnabrieb (und auch die Verdauung). Sie sind dazu jedoch aus den genannten Gründen keineswegs "besser geeignet" als anderweitiges Frischfutter.

Warum sollte auf Zweige nicht verzichtet werden?

Obwohl Zweige keineswegs "wichtig für den Zahnabrieb" sind, stellen sie einen wertvollen Bestandteil der Nahrung dar und dürfen zusätzlich zu anderweitigem Frischfutter gerne rund um die Uhr angeboten werden:

Welche Sorten sind geeignet?

Geeignete Sorten sind z.B.:

Wie werden Zweige gefüttert?

Obst?

Aufgrund der fehlenden Rohfaser und des hohen Fruchtzuckergehalts sollte Obst nur einen geringen Bestandteil der Ernährung ausmachen. Vergleichsweise gut verträglich und verdauungsregulierend wirkt Apfel. Banane wirkt stopfend und ist somit eine geeignete Erste-Hilfe-Maßnahme bei Durchfall.

Grundsätzlich sollte Obst nur als Leckerli gereicht werden.

Getrocknetes Obst ist eine regelrechte Zuckerbombe und sollte am besten gar nicht, ansonsten nur gelegentlich und in Kleinstmengen als besonderer Leckerbissen gefüttert werden.