Hintergrundwissen

Was die Natur vorgesehen hat

Geborgenheit durch Gesellschaft

Bild von Romana Leber

In der Natur ernähren sich Kaninchen saisonal bedingt hauptsächlich von Kräutern, Blättern, Gräsern, Wurzeln, Zweigen und Rinden, seltener von Früchten. Ihre Nahrungsmittel besitzen in erster Linie drei Eigenschaften: Sie sind rohfaserreich, stark flüssigkeitshaltig und kalorienarm. Daraus folgt, dass die Tiere einerseits ausführlich mahlen müssen, bis sie ihre Nahrung zerkleinert haben, und andererseits große Mengen verzehren müssen, um ihren Energiebedarf zu decken. Einen Großteil des Tages, vorwiegend jedoch die Nacht verbringen die Tiere daher mit der Nahrungsaufnahme.

Von Frühling bis Herbst ernähren sich Wildkaninchen fast ausschließlich von diversen unterschiedlichen Gräsern und Kräutern. Es gibt keine bessere Gesundheitsprophylaxe, als sich daran zu orientieren und auch unseren Heimtieren, wann immer es möglich ist, die Möglichkeit zu geben, sich am Wiesengrün sattzufressen.

Kaninchen, die täglich mit reichlich frischem Wiesengrün ernährt werden, nehmen damit nicht nur alle Nährstoffe auf, die sie zum Leben benötigen, sondern auch intakte Rohfaser, welche Zähne und Verdauungstrakt gesund hält, und letztlich sehr große Mengen an Flüssigkeit - eine unschätzbar wichtige Eigenschaft, um Kalziumablagerungen im Harntrakt vorzubeugen (Kaninchen scheiden Kalzium nicht über den Darm aus, sondern über die Nieren), welche schlimmstenfalls zur Bildung lebensbedrohlicher Steine führen könnten.

Im Winter sieht es allerdings schwieriger aus: Zwar lässt sich dem Frischfutterbedarf hier größtenteils mit Gemüse gerecht werden, allerdings fehlt es diesem an Proteinen und sekundären Pflanzenstoffen.

Während Wildkaninchen in der kalten Monate ihre Zeit damit verbringen, den spärlichen Pflanzenbewuchs unter der Schneedecke nach den nahrhaften Trieben frostresistenter Pflanzen zu durchsuchen, Bäume zu benagen und nach Wurzeln zu graben, ist kaum ein Besitzer in der Lage, seine Kaninchen auf diese mühselige Weise durch den kompletten Winter zu bringen. Ein wertvolles Winter-Futtermittel direkt aus der Natur sind beispielsweise die Zweige der immergrünen Fichte. Generell stellen (auch kahle) Zweige einen sehr wertvollen Nahrungsbestandteil dar, dem v.a. während der kalten Jahreszeit eine hohe Bedeutung zukommt.

Heu und Gemüse mögen die Tiere zwar mit ausreichend Flüssigkeit und Rohfaser sowie den meisten Nährstoffen versorgen - doch bezüglich der Proteine und sekundären Pflanzenstoffe muss unbedingt ein Ergänzungsfuttermittel her. Auch der Vitamin-D-Gehalt ist unzureichend, was bei Wohnungskaninchen, die keiner natürlichen UV-Strahlung ausgesetzt sind, zu Mangelerscheinungen führen kann.

Daher sollte in Zeiten, in denen kein Wiesengrün zur Verfügung steht, mit kleinen Mengen eines gesunden, strukturierten Trockenfutters ergänzt werden. Ein solches Futter besteht z.B. aus getrockneten Pflanzen, Kräutern, Gemüsestückchen und Sämereien. Sie können es selbst zusammenmischen, indem Sie einzelne Zutaten in Online-Shops kaufen, oder eine bereits fertige Mischung (z.B. "Natur-Struktur-Müsli") bestellen.

Bitte beachten Sie, dass ein Teelöffel pro kg Körpergewicht täglich ausreicht, um einem Nährstoffmangel vorzubeugen. Bei Kaninchen, die zu Untergewicht neigen (oftmals ältere oder chronisch kranke Tiere, Kaninchen in Winteraußenhaltung und sehr große Rassen), darf es etwas mehr sein. Gesünder wäre es jedoch, Untergewicht in Form von Wurzel- und Knollengemüse zu begegnen. Daher sollte das "Päppeln" mit Trockenfutter lediglich Plan B darstellen.