Die Kaninchen ziehen ein

Die erste Zeit im neuen Zuhause

liebevoll eingewoehnen

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Ankunft im neuen Zuhause

Haben Sie Ihre Kaninchen abgeholt haben, bringen Sie sie auf direktem Weg in ihr neues Heim. Dort stellen Sie die geöffnete Transportbox auf den Boden, damit die Kaninchen selbst entscheiden können, wann sie den Schritt nach draußen wagen. Dies kann zwar durchaus einen Moment dauern, ist für die Tiere aber deutlich stressärmer als ein direkter "Wurf ins kalte Wasser”.

Haben sich die Tiere auch nach 10-20 Minuten noch nicht heraus gewagt, bieten Sie Ihnen, falls sie es bereits gewohnt sind, eine Handvoll Grünfutter, anderenfalls frisches Heu an. Diese sollte vor der Boxentür positioniert werden, sodass sie ihren Kopf ein wenig herausstrecken müssen, um sich etwas zu nehmen.

An heißen Sommertagen sollten Sie die Tiere erst gegen Abend abholen, um sie neben dem umgebungswechselbedingten Stress nicht noch zusätzlich der Hitze auszusetzen. In den milden Abendstunden erwachen die Lebensgeister der Tiere und sie können sich voll und ganz der Erkundung ihres neuen Lebensraumes widmen. Nach der ersten Nacht ist die größte Aufregung in der Regel bereits überstanden.

Wichtig ist, dass Sie Ihren Tieren erst einmal Zeit für sich lassen. Erklären Sie auch Ihren Familienmitgliedern, dass die Kaninchen sich wunderbar bei der Entdeckung ihres neuen Zuhauses beobachten lassen – aber nicht gleich gestreichelt und schon gar nicht herumgetragen werden möchten. Sehr scheuen Kaninchen, die sich in Anwesenheit von Menschen nicht aus ihrem Versteck wagen, schauen Sie vorzugsweise aus der Ferne bei ihrer “Entdeckungstour” zu. Bei sehr scheuen Kaninchen kann es notwendig sein, sich ein ganzes Stück weit entfernt geräusch- und bewegungslos auf den Boden zu setzen. Zum Freundschaftenschließen bleibt noch genügend Zeit, wenn sich die Kaninchen erst einmal in ihrem neuen Revier eingelebt haben.

Grundsätzlich sind Kaninchen umso mutiger, je größer ihre Gruppe ist. Bei drei oder mehr Tieren geht es meistens sehr schnell, bis eines von ihnen den ersten Schritt macht und die anderen sich davon ebenfalls anspornen lassen. Auch vermittelt die Gesellschaft von Artgenossen dem Kaninchen generell Sicherheit, sodass Tiere größerer Gruppen allgemein deutlich entspannter und selbstbewusster sind.

Sobald die Kaninchen den ersten Schrecken überwunden haben, werden sie sich ineterssiert in der neuen Umgebung umsehen. Diese Kaninchen fassen, sofern sie ausreichend auf Menschen geprägt wurden, in der Regel auch binnen kürzester Zeit Zutrauen.

Vertrauen aufbauen

Achten Sie während der Eingewöhnungsphase darauf, dass die Kaninchen Ruhe haben und keinerlei negativen Erfahrungen machen. So sollten sich z.B. noch nicht mit größeren "Menschenmengen" (Besucher, Freunde, die ganze Familie gleichzeitig, ...) lauten (Staubsauger-)Geräuschen oder anderen Haustieren (v.a. Hunden und Katzen) konfrontiert werden. Auch Festhalten, "Zwangskuscheln" und Herumtragen sind absolut tabu. Die Kaninchen sollen sich von Anfang an sicher und geborgen fühlen, der erste Eindruck ist viel wert!

Je nach individuellem Charakter kann ein Kaninchen sich schon nach der ersten Nacht "wie zu Hause" fühlen und von Anfang an Vertrauen zu seinem Besitzer haben, oder es braucht einige Tage oder sogar Wochen, um "aufzutauen". Bei sehr schüchternen Kaninchen ist eine besonders sensible Vorgehensweise notwendig, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Wie das schrittweise umgesetzt werden kann, können Sie hier nachlesen:

Nehmen Sie sich während der Eingewöhnungsphase viel Zeit für Ihre neuen Hausgenossen: Setzen Sie sich zu ihnen und beobachten Sie sie, reden Sie immer wieder in leisem, gedrehntem Tonfall mit ihnen. Vermeiden Sie es, die Tiere "anzustarren", dies würde sehr verunsichernd auf sie wirken. Blinzeln und Wegschauen werden hingegen als Beschwichtigungssignale aufgefasst. Sehr skeptische Kaninchen sollten Sie anfangs nur aus den Augenwinkeln beobachten, als würden Sie sie gar nicht zur Kenntnis nehmen.

Absolute Stille wirkt auf Kaninchen einschüchternd - ängstliche Tiere wagen oft kaum eine Bewegung, um jedes Geräusch zu vermeiden, mit dem sie auf sich aufmerksam machen könnten. Gerade bei Innenhaltung kann es daher sehr hilfreich sein, leise, entspannte Musik laufen zu lassen. Auch wirkt Ihre Stimme dadurch weniger markant, wenn Sie mit den Tieren sprechen.

Kommt eines der Kaninchen zu Ihnen gehoppelt, lassen Sie es aus Ihrer Hand fressen. Sprechen Sie dabei weiterhin ruhig und langsam mit den Tieren, damit sie Ihre Stimme mit etwas Positivem assoziieren und da "plötzliches Verstummen" verunsichernd wirkt.

Fressen die Kaninchen Ihnen unbefangen aus der Hand, können Sie allmählich versuchen, sie zu berühren. Zu diesem Zweck füttern Sie ein Kaninchen aus der hohlen Handfläche und streichen ihm dabei zunächst mit dem Daumen über den Nasenrücken zur Stirn; bei einem unerschrockenen Tier berühren Sie nach und nach auch seitlich den Kopf, dann die Ohrwurzeln, den Nacken, Rücken und die Flanken. Bei einem Kaninchen, das zurückschreckt, bleiben Sie zunächst bei der Berührung, die es noch entspannt toleriert.

Fassen Sie grundsätzlich nicht über Kopf und Ohren des Kaninchens hinweg, sondern berühren Sie den Nacken und den Rücken immer von der Seite.

Eine Annäherung "von oben" wird von vielen Tieren als Bedrohung aufgefasst. Nur sehr zahme und vertrauensvolle Tiere schrecken davor nicht zurück.

Achten Sie stets darauf, die Tiere nicht zu überfordern, um ihnen so wenig negative Erlebnisse wie möglich zu bescheren. Anfängliche Geduld und viel Fingerspitzengefühl zahlen sich in Form von entspannten, zutraulichen und vertrauensvollen Tieren aus, die Ihnen viele Jahre Freude bereiten werden.

Fütterungsmanagement

Füttern Sie die Kaninchen mit gutem Heu und den gewohnten Mengen an Grünfutter. Falls sie bisher handelsübliches Trockenfutter oder sonstiges ungesundes / schädliches Futter erhalten haben, sollten Sie dieses weder unverändert weiterfüttern noch "langsam ausschleichen", sondern direkt absetzen. Andererseits kann es sein, dass die schädlichen Inhaltsstoffe (z.B. Gluten, Laktose, sehr feine Partikel, Zucker, ...) unter dem Stress des Umgebungswechsels Verdauungsstörungen provozieren.

Sind die Kaninchen große Mengen schädlichen Trockenfutters gewohnt, bieten Sie ihnen stattdessen ein gut verträgliches Trockenfutter an - d.h. aus naturbelassenen, unschädlichen Futterbestandteilen, die strukturierte Rohfaser enthalten. Aufgrund des unveränderten Wasseranteils sind keine Verdauungsprobleme zu erwarten. Mehr Informationen dazu finden Sie hier:

Die Grünfuttermengen sollten Sie erst steigern, wenn die Kaninchen sich eingelebt haben, da der Darm unter Stress stehender Tiere besonders sensibel auf Veränderungen reagiert. Anschließend sollten Sie direkt damit beginnen, um sie baldmöglichst so gesund und naturnah wie möglich zu ernähren. Auch zur Gewöhnung an ein ständiges Grünfutterangebot finden Sie unter dem o.g. Link viele hilfreiche Informationen.

Der erste Tierarzt-Check

Sofern die Kaninchen einen gesunden Eindruck machen, sollten Sie mit dem ersten Tierarztbesuch warten, bis sich der gröbste Stress gelegt hat. Anschließend sollten Sie auf jeden Fall einen Tierärzt wählen, der auch wirklich "kaninchenkundig" ist, da dies (aufgrund der nur sehr eingeschränkten Studieninhalte zum Thema Kleinsäuger und der Notwendigkeit eigenständiger Weiterbildung) leider bei weitem noch nicht die Regel ist. Listen entsprechend fortgebildeter Tierärzte binden Sie unter dem nachfolgenden Link und auf den Internetseiten verschiedener Kaninchenschutz-Organisationen:

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Folgendes ist beim esten Check-up unbedingt erforderlich:

Weiterhin anzuraten:

Wiegen

Das Wiegen sollte bei jedem Tierarztbesuch selbstverständlich sein - nicht, da die Zahl an sich etwas aussagt (da Kaninchen sehr unterschiedlich groß und "lang" sind und somit auch ein unterschiedliches Idealgewicht haben), sondern um im Laufe der Monate und Jahre potenzielle Tendenzen feststellen zu können; was insbesondere bei einer Gewichtabnahme häufig auf ein gesundheitliches Problem hindeuteen würde. Auch zu Hause sollten Sie Ihre Kaninchen, sobald sie sich eingelebt haben, alle 1-2 Wochen wiegen und sich das Gewicht jedes Mal notieren. Sowohl zu Hause als auch beim Tierarzt sollte möglichst immer die selbe Waage verwendet werden, um Abweichungen aufgrund unterschiedlicher Skalierungen zu vermeiden.

Temperatur messen

Ähnlich verhält es sich bei der Körperinnentemperatur: Ein putzmunteres Kaninchen hat höchstwahrscheinlich weder Fieber noch Untertemperatur, doch die durchschnittliche Temperatur liegt nicht nur artspezifisch zwischen etwa 38,5° und 39,3° C, sondern ist auch zu einem gewissen Teil individuell: Einige Kaninchen - gerade in Winteraußenhaltung - können auch kerngesund sein und eine durchschnittliche Körpertemperatur von nur 38° C haben. Geht es jedoch einem Kaninchen schlecht und der Tierarzt misst 38° C, während er zugleich feststellt, dass es zuvor jedes Mal bei über 39,0° C lag, ist dies ein Hinweis auf eine Kreislaufschwäche! Umgekehrt kann die Temperatur eines Kaninchens, das unter großem Stress steht, kurzzeitig auf bis zu 40,5° C schießen; hat ein immer entspanntes Tier aber eines Tages eine solche Temperatur, muss von Fieber ausgegangen werden.

Geschlechtsbestimmung

Sie schadet nie, auch, wenn der Vorbesitzer glaubwürdig war oder Sie sich selber gut auskennen: Gerade junge Rammler werden immer wieder für Häsinnen gehalten, da sie ihre Hoden in die Bauchhöhle emporziehen und dadurch "verstecken" können.

Abtasten von Körper und Kopf

Die Palpation, das Abtasten, ist bei munteren Kaninchen insbesondere wichtig, um Umfangsvermehrungen (Abszesse, Tumore usw.) frühzeitig zu entdecken. Gerade gutartige Tumore beeinträchtigen das Wohlbefinden eines Kaninchens oft nicht, müssen aber beobachtet werden, da sie Organe verdrängen können, falls sie zu groß werden. Der Kopf und insbesondere die Kiefer müssen von beiden Seiten gleichzeitig abgetastet werden, um eventuelle Auftreibungen und Unregelmäßigkeiten festzustellen, die auf Zahnwurzelprobleme hindeuten würden. Beim gesunden Tier sind die Kieferknochen beidseitig synchron.

Maulhöhle anschauen

Die Maulhöhle sollte bei jedem neuen Kaninchen gut inspiziert werden, da in jeder Altersklasse Zahnprobleme auftreten können, die zu ernsthaften Problemen führen können, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden. Achtung: Ein Kaninchenfachmann schaut beim wachen Tier mit einem Otoskop-Aufsatz oder einem Endoskop in die Maulhöhle - nie mit einem Maulspreizer! Das Maul "aufgehebelt" zu bekommen, ist für fast alle Kaninchen mit extremem Stress und Angst verbunden und kann darüber hinaus die Zähne und das Kiefergelenk beschädigen, wenn das Tier verzweifelt "gegendrückt". Wirkt im Maulbereich etwas verdächtig, kann es immer noch sediert und dann in aller Ruhe genauer nachgeschaut werden.

Augen und Ohren anschauen

Ob die Augen in Ordnung sind, ist meist sehr schnell und einfach zu erkennen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Hornhaut klar und frei von Einlagerungen ist (so können weiße "Fäden" und Flecken auf eine Infektion mit E. cuniculi hindeuten), die Skleren weiß, die Bindehäute rosa, die Nickhaut sollte beim entspannten Tier (außer bei einigen Tieren großer Rassen, die einen physiologischen Nickhautvorfall haben) nicht zu sehen sein und das Fell rund um die Augen trocken und sauber.

Achtung: Einseitig tränende oder vorstehende Augen deuten sehr häufig auf ein Zahnwurzelproblem hin! Die Entzündung bricht dann häufig in den Tränen-Nasen-Kanal durch und beeinträchtigt das Auge!

Die Ohren sollten vor allem bei Widdern sehr sorgfältig inspiziert werden, da ihre Hängeohren zwangsläufig schlecht belüftet sind und es somit häufig zu Ohrenentzündungen kommt.

Fußsohlen anschauen

Die Fußsohlen sollten dahingehend untersucht werden, ob die Haut gesund aussieht, keine Schwellungen vorhanden sind und das Fell sauber und gepflegt ist. Vor allem Kaninchen aus schlechter, unhygienischer Haltung und sehr schwere Tiere leiden häufig unter Pododermatiden (entzündeten Fußsohlen), ausgelöst durch das ständige Sitzen auf feuchter / schmutziger Einstreu bzw. die hohe Gewichtslast.

Fell und Haut anschauen

Fell und Haut sollten auf Schuppen, Krusten, sichtbare Parasiten oder Eier, Rötungen, Wunden und kahle Bereiche untersucht werden. Auch ein stumpfes, glanzloses Fell weist auf eine Erkrankung hin. Ebenfalls krankhaft ist ein kot- oder urinverschmutztes Fell im Anogenitalbereich, Unterbauch und an den Innenseiten der Oberschenkel: Im Falle von Urinverklebungen sind ein Röntgenbild und ggf. ein Ultraschall der Blase angezeigt, da Ursache meistens Kalzinosen (Harngrieß, Harnsteine) oder Blasenentzündungen sind. Ist nichts dergleichen festzustellen, ist eine E.cuniculi-bedingte Inkontinenz oder eine Niereninsuffizienz möglich. Im Falle von Durchfallverklebungen sind fast immer Zahnprobleme, Darmparasiten oder Fütterungsfehler ursächlich. Festklebender Blinddarmkot kann ebenfalls auf Ernährungsfehler hindeuten, aber auch darauf, dass das Kaninchen physisch nicht dazu in der Lage ist, seinen Blinddarmkot vom After wieder aufzunehmen (z.B. wegen Fettleibigkeit, Gleichgewichts- oder Wirbelsäulenproblemen).

Blutprofil

Insbesondere bei Kaninchen ab dem mittleren Alter (ca. 4 Jahre) ist ein halbjährliches Blutprofil anzuraten, um organische Probleme frühzeitig zu erkennen. So treten in dieser, aber auch in höheren Altersklassen nicht selten chronische Niereninsuffizienzen durch E. cuniculi auf. Auch anderweitige Erkrankungen zeigen sich häufig an veränderten Blutwerten.

Bei jedem Kaninchen von äußerstem Interesse ist der E.cuniculi-Antikörperspiegel. Diese durch einen Einzeller verursachte Infektionskrankheit ist bei vielen Kaninchen nachweisbar - auch bei Jungtieren, da bereits eine Ansteckung im Mutterleib möglich ist - , führt aber bei intaktem Immunsystem zu keinerlei Symptomen. Die Krankheit ist nicht heilbar, lediglich die Erregerdichte kann im Körper des Tieres mit Hilfe bestimmter Medikamente (Fenbendazol!) gesenkt werden. Da E. cuniculi diverse, teils schwere organische Schäden auslösen kann, sollten Kaninchen mit negativem Antikörpertiter nur mit ebenfalls gesunden Tieren vergesellschaftet werden, EC-positive Kaninchen nur mit ebenfalls EC-positiven Artgenossen.

Dies ist die einzige Möglichkeit, die Ausbreitung der Erkrankung einzudämmen, leider wird diese Prophylaxemaßnahme selbst in Tierschutzkreisen noch extrem vernachlässigt. Begründet wird dies meist damit, dass einerseits "sowieso fast alle Kaninchen infiziert" seien und andererseits "die Krankheit vielleicht sowieso nie ausbricht". Erstere Behauptung ist schlichtweg falsch - beispielsweise wurde in Bayern bei lediglich 39% der Hauskaninchen ein positiver EC-Titer nachgewiesen (in ganz Deutschland zwischen 42% und 45% - d.h. mehr als die Hälfte aller Hauskaninchen ist nicht mit EC infiziert und sollte auch davor bewahrt werden!). Zweitere kann keine Rechtfertigung dafür sein, gesunde Tiere zu infizieren und damit dem Leid und den erheblichen Gefahren auszusetzen, welche die Erkrankung im Falle eines Ausbruchs mit sich bringt.

Spätestens, wenn mehrere Kaninchen zusammengeführt werden sollen, sollten Sie vorher also in jedem Fall sicherstellen, dass keine EC-positiven mit EC-negativen Tieren vergesellschaftet werden!

Aber auch vorher ist es immer gut zu wissen, ob die eigenen Tiere prinzipiell infiziert sind oder nicht; die Krankheit verursacht sehr unspezifische Symptome, sodass im Falle eines negativen Titers immerhin schnell ausgeschlossen werden kann, dass sie EC-bedingt sind; im Falle eines positiven Titers sollte diese Möglichkeit hingegen in Betracht gezogen und auch dahingehend diagnostiziert bzw. behandelt werden.

Natürlich ist es theoretisch auch möglich, dass anfangs EC-negative Tiere sich im Laufe ihres Lebens infizieren, da der Erreger auch mit Gegenständen, Klamotten etc. eingeschleppt werden kann. Allerdings ist das Risiko relativ gering, solange Sie auch indirekten Kontakt zwischen Ihren und fremden Kaninchen vermeiden; z.B. indem neue Einrichtungsgegenstände, die zuvor von anderen Tieren genutzt wurden, gut infiziert werden, Sie sich nach dem Streicheln fremder Kaninchen gut die Hände waschen und ggf. die Klamotten wechseln, im Falle einer Urlaubsbetreuung eine Pension auswählen, die ein gutes Hygienemanagement betreibt usw.

Grünfutter von draußen ist ebenfalls kein großes Risiko, da E. cuniculi in Wildkaninchenpopulationen nach aktuellem Kenntnisstand keine Rolle spielt.

Kotuntersuchung

Gerade Kaninchen, die aus schlechter, unhygienischer Haltung stammen, fehlerhaft ernährt wurden oder Vorerkrankungen aufweisen, leiden häufig an Darmkokzidien. Insbesondere, wenn die Tiere Durchfall haben, sollten Sie über 3 Tage lang Kot sammeln und diese sogenannte Sammelkotprobe auf Kokzidien untersuchen lassen. Auch eine Überbesiedelung mit Hefen ist möglich, meist ebenfalls durch eine Fehlerernährung ausgelöst.

Ultraschall der Gebärmutter

Unkastrierte Häsinnen bekommen im Laufe ihres Lebens - oft bereits in jungen Jahren - sehr häufig Probleme mit der Gebärmutter. Bösartige Tumore, welche in die Lunge metastasieren, stellen das Todesurteil sehr vieler Kaninchendamen dar. Auch Zysten und Entzündungen sind möglich. Darüber hinaus werden unkastrierte Häsinnen meist regelmäßig scheinträchtig und stehen physisch und psychisch unter enormem Stress. Es spricht daher viel für eine prophylaktische Kastration, wie sie z.B. bei Kätzinnen aus denselben Gründen bereits Routine ist. Wichtig ist die Wahl eines geeigneten Tierarztes, der viel Erfahrung auf dem Gebiet der Häsinnenkastration hat.

Bei neu aufgenommenen Häsinnen sollte grundsätzlich die Gebärmutter untersucht werden. Oft werden Veränderungen vom Tierarzt bereits ertastet, in vielen Fällen sind sie aber nur im Ultraschall (rechtzeitig) erkennbar.

Schutzimpfungen

Gegen drei tödliche Seuchen sollte jedes Kaninchen, egal ob in Innen- oder Außenhaltung und unabhängig vom Fütterungsmanagement, geimpft werden: Myxomatose, RVHD-1 und RVHD-2. Sofern Ihre Kaninchen bisher nicht (vollständig) geimpft sind, sollte dies so bald als möglich nachgeholt werden. Wichtig ist, dass das Tier keine akuten Gesundheitsprobleme (z.B. Schnupfen-Schub, Infekt, Parasitenbefall) aufweist, anderenfalls kann die Impfung ihre volle Wirkung mitunter nicht entfalten.

Achtung: Es gibt keinen Impfstoff, der gegen alle 3 Krankheiten gleichzeitig schützt! Es existieren Kombinationsimpfstoffe gegen RVHD-1 und Myxomatose (von Cunivac, Nobivac und Rikkavac) sowie gegen RVHD-1 und RVHD-2 (Filavac). Weiterhin existieren Einzelimpfstoffe gegen Myxomatose (von Cunivac und Rikkavac), RVHD-1 (von Cunivac und Rikkavac) und RVHD-2 (Eravac). Die Impfstoffe von Cunivac, Rikkavac und Nobivac schützen nicht zuverlässig gegen das RVHD-Typ-2-Virus! Dies ist leider vielen Tierärzten noch immer nicht bewusst und es kommt immer wieder zu traurigen Todesfällen. Nur die Impfstoffe von Eravac und Filavac schützen gegen RVHD-2!

Die meisten Besitzer kombinieren die Filavac- mit der Nobivac-Impfung, um ihre Tiere gegen alle 3 Seuchen zu immunisieren. Beide Impfstoffe sind hervorragend verträglich und bieten auch ohne Grundimmunisierung für 6-12 Monate Schutz.