Vorab-Entscheidungen

Erstellung einer Kaninchengruppe

Erstellung einer Kaninchengruppe

Da Größe und Zusammenstellung der Kaninchengruppe das Leben der Tiere entscheidend beeinflussen, lohnt es sich, sich im Voraus intensiv Gedanken darüber zu machen.

Abschnitte auf dieser Seite:

Wie viele Kaninchen sollen es sein?

Je nach Größe benötigt jedes Kaninchen 2-3m² Fläche für sich. Für Zwerge und kleinwüchsige Kaninchen sind 2 qm gerade ausreichend; ab maximal 3 kg sollten es jedoch auf alle Fälle 3 qm sein.

Mindestens ein Artgenosse ist für eine tiergerechte Haltung Pflicht, also darf eine Kaninchenunterkunft 4m² unter keinen Umständen unterschreiten - wobei 4m² auch für zwei Kaninchen extrem klein und als dauerhafter Lebensraum - d.h. ohne zusätzlichen Freilauf - kaum geeignet sind.

Neben dem möglichen Platzangebot hängt die optimale Gruppengröße auch von anderen Faktoren ab, wie beispielsweise Haltungsform (Kaninchen in freier Wohnungshaltung sollten reinlich sein - bei solchen im Außengehege spielt das keine große Rolle), Möglichkeiten der Aufteilung bei dauerhafter Unverträglichkeit u.v.m..

Als Rudeltiere genießen Kaninchen die Anwesenheit zahlreicher Artgenossen natürlich ganz besonders.

Andererseits sind Gruppen meist umso friedlicher, je weniger Tiere dazu gehören, da die Rangordnung in kleineren Gruppen stabiler ist. Ein gegengeschlechtliches Pärchen beispielsweise macht bezüglich Verträglichkeit so gut wie nie Probleme.

Paarhaltung

Mindestens einen Artgenossen benötigt jedes Kaninchen, um glücklich zu sein. Doch Duo ist nicht gleich Duo.

Häsin + Rammler: Für eine freie Wohnungs- oder Zimmerhaltung gehen Sie mit einem Rammler-Häsin-Duo das geringste Risiko ein, da Kaninchen sich in dieser Kombination fast immer hervorragend verstehen und kaum markieren - d.h. normalerweise sehr reinlich werden. Die Kastration des Rammlers ist zwingend notwendig, um entweder unerwünschtem Nachwuchs vorzubeugen oder - falls die Häsin bereits kastriert ist - zu verhindern, dass er seine Partnerin tagtäglich "bedrängt". Die Häsinnenkastration ist grundsätzlich anzuraten, um Gebärmuttertumoren sowie einem übersteigerten Sexualtrieb und damit verbundener Unruhe und Aggressivität vorzubeugen.

Häsin + Häsin: Zwei Häsinnen verstehen sich nicht zwangsläufig - auch dann nicht, wenn sie miteinander aufgewachsen sind. In vielen Fällen gehen sie sich lieber aus dem Weg, als zu schmusen. Bei zu wenig Platz - z.B. bei Käfighaltung - sind Aggressionen und ernsthafte Verletzungen keine Seltenheit.

Keinesfalls sollte die Anschaffung zweier Häsinnen erfolgen, um sich "die Kastrationskosten des Rammlers zu sparen". Abgesehen davon, dass es kaum lohnt, zugunsten einer einmaligen Kostenersparnis dauerhafte Unverträglichkeit zu riskieren, sollten auch Häsinnen grundsätzlich kastriert werden, um Gebärmuttertumoren und Problemverhalten vorzubeugen. Häsinnenkastrationen sind deutlich teurer als Rammlerkastrationen.

Rammler + Rammler: Unkastrierte Rammler vertragen sich nur in den ersten Lebenswochen gut miteinander. Mit Einsetzen der Geschlechtsreife sind blutige Rangordnungskämpfe zu erwarten. Selbst, wenn diese monatelang ausbleiben und sich beide gut verstehen, kann es jederzeit passieren, dass sie sich quasi über Nacht doch "in die Wolle bekommen" und gegenseitig schwere Verletzungen zufügen. Dieses Risiko sollten Sie keinesfalls eingehen.

Kastrierte Rammler können sehr harmonisch miteinander leben; teils bilden sie aber auch nur "Zweckgemeinschaften", in denen zwar ab und zu gekuschelt wird, man sich aber lieber aus dem Weg geht.

Dreier-Gespann

Ein Trio bringt verglichen mit einem Duo vor allem einen wesentlichen Vorteil mit sich: Obwohl man anfangs noch nicht daran denken mag, ist es bei der Haltung eines Duos Fakt, dass früher oder später eines der Tiere alleine sein wird.

Zwar kann und sollte dieses Kaninchen wieder vergesellschaftet werden, jedoch ist es für Mensch und Tier von Vorteil, die Anschaffung eines neuen Artgenossen nicht zu “überstürzen” - das verbleibende Tier ist somit fast zwangsläufig eine Zeitlang einsam.

Gerade Kaninchen aus Paarhaltung bauen meist eine sehr intensive Bindung zum Partnertier auf und leiden dementsprechend unter dessen Tod.

Natürlich benötigt ein solches, plötzlich einsames Tier dringend neue Gesellschaft – eine innige Freundschaft entsteht dabei jedoch am ehesten, wenn der neue Artgenosse optimal zum bereits vorhandenen Kaninchen passt. Dafür wiederum ist es notwendig, sich bei der Suche ausreichend Zeit zu lassen und die Wahl nach Möglichkeit “dem Kaninchen zu überlassen”.

Davon abgesehen ist es für den Kaninchenbesitzer in der Regel keine sonderlich angenehme Prozedur, direkt nach dem Tod des geliebten Tieres nach einem neuen zu suchen.

Es kann daher von Vorteil sein, anstatt einer Zweier- eine Dreiergruppe bei sich aufzunehmen. Hier bleibt den Kaninchen nach dem Tod eines Artgenossen noch immer ein zweiter Partner, der Trost und Geborgenheit spendet. Mit der Suche nach einem neuen “Dritten im Bunde” können Sie sich demzufolge ohne schlechtes Gewissen die Zeit lassen, die Sie benötigen.

Ebenso birgt ein Trio auch Risiken: Gelegentlich kommt es vor, dass zwei der drei Tiere ein "Team" bilden, während das dritte Kaninchen “außen vor” bleibt. Oft "wetteifern" dabei zwei Kaninchen miteinander um das dritte. Hier kann es zu Problemen mit der Sauberkeit kommen, was bei Innenhaltung nicht gerade erfreulich ist.

Auch in Trio-Haltung ist die Kastration der Rammler unumgänglich, die der Häsinnen zumindest dringend empfehlenswert.

Vier oder mehr Kaninchen

Die Gruppenhaltung ist die natürlichste Form der Kaninchenhaltung. Sofern sich die Gruppe weitgehend harmonisch verhält, kann man den Kaninchen kaum etwas Besseres tun. Allerdings ist gerade die Harmonie oft nicht vorhanden. Falls ein Kaninchen von einem oder mehreren anderen "gemobbt" wird, muss notfalls immer die Möglichkeit bestehen, die Gruppe dauerhaft zu splitten.

Unverträglichkeiten:

Anfänger in der Kaninchenhaltung sind der Herausforderung einer Gruppe oft nicht gewachsen - denn um sicher sein zu können, dass sich alle Tiere in ihrem "Rudel" wohlfühlen, ist ein hohes Maß an Einfühlsamkeit und Beobachtungsgabe gefordert. Gänzlich ohne Erfahrung ist es oftmals sehr schwierig zu erkennen, inwieweit ein Kaninchen von den anderen "ausgegrenzt" wird und wie stark sein Leidensdruck ist.

So mag es harmlos erscheinen, wenn ein Kaninchen mal vom Futter verjagt wird oder stets davonhoppelt, wenn sich ein bestimmter Artgenosse nähert. Je nach Tier kann es in Wahrheit jedoch Stress pur bedeuten: Hat ein Kaninchen wirklich Angst vor einem Artgenossen, mit dem es Tag und Nacht den Lebensraum teilt, kommt es so gut wie nie zur Ruhe, da es praktisch ständig "auf der Hut ist".

Auch die Furcht, sich dem Fressplatz zu nähern, bedeutet massiven Stress für ein (hungriges) Kaninchen und kann zudem Verdauungsprobleme nach sich ziehen, wenn das Tier regelmäßig stundenlang ausharren muss, bis es eine Gelegenheit hat, ungestört zu fressen.

Kaninchen, die derart unter Dauerstress stehen und vielleicht nicht mal einen einzigen Artgenossen zum Schmusen haben - weil sie entweder von allen "ausgegrenzt" werden oder ein einzelnes Tier sie ständig davonjagt, sobald sie die Nähe der Gruppe suchen - , sind nicht nur einsam und unglücklich, sondern auch anfällig für diverse Erkrankungen (z.B. Kaninchenschnupfen, Enzephalitozoonose, Parasitosen, ...).

Ebenfalls schlimme Folgen kann es haben, wenn ein Kaninchen bei Kälte und Nässe nicht in die Schutzhütte "darf" und im Freien ausharren muss. Erkältungen und anderweitige Erkrankungsausbrüche sind dann vorprogrammiert. Besonders gefährlich sind derartige Situationen für ältere, oft untergewichtige Kaninchen.

Derlei Kaninchen leiden oftmals nicht offensichtlich: Sie halten sich "freiwillig" von der Gruppe, dem Fressplatz, der Schutzhütte usw. fern, um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen.

Dadurch bleibt dem unerfahrenen Besitzer leicht verborgen, was in seinem Tier eigentlich vorgeht. Oft wird ihm erst nach einem Erkrankungsausbruch bewusst, wie massiv das betroffene Kaninchen zuvor unter Stress gestanden haben muss.

Die Haltung einer Gruppe kann für Mensch und Tier wunderschön sein, setzt jedoch voraus, dass im Notfall eine dauerhafte Trennung möglich ist.

In Außenhaltung muss mehr als nur eine Schutzhütte angeboten werden, damit keines der Kaninchen bei Kälte und Nässe im Freien ausharren muss, weil ein ranghöherer Artgenosse es aus dem Unterschlupf jagt.

Gelegentlich gibt es Kaninchen, die so unterwürfig sind, dass sie in Gruppen grundsätzlich nicht zurechtkommen. Solche Kaninchen können meist nur in Paarhaltung (mit einem gegengeschlechtlichen Artgenossen) gehalten werden, wo keine Konkurrenzkämpfe oder anderweitigen Reibereien zu erwarten sind.

Unsauberkeit:

Für die freie Zimmer- oder Wohnungshaltung sind Gruppen meist problematisch, da sie selten über wirklich stabile Rangordnungen verfügen und somit ein Markierverhalten zu erwarten ist.

Auch in Gruppenhaltung ist die Kastration der Rammler unumgänglich, die der Häsinnen zumindest dringend empfehlenswert.