So möchten Kaninchen wohnen



So lassen sich natürliche Verhaltensweisen ausleben

körperliche Entfaltung

Bild freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Eine Vielzahl von Verhaltensweisen liegt unseren Hauskaninchen “im Blut”; die Tiere verspüren instinktiv den Drang, diese Verhaltensweisen auszuleben. Eine artgerechte Haltung setzt daher voraus, den Kaninchen die Möglichkeit dazu zu geben.

Verstecken

In der Natur suchen Kaninchen in ihren selbst angelegten Bauten Zuflucht vor Feinden. Enge Eingänge, Dunkelheit und ein “Dach überm Kopf” assoziieren auch unsere Hauskaninchen grundsätzlich mit Sicherheit. Kaninchen, die keinen derartigen Rückzugsort zur Verfügung haben, stehen nicht nur unter Dauerstress, sind schwieriger zu zähmen und werden in vielen Fällen sogar bissig, wenn man sie in die Enge treibt; sie können auch regelrecht in Panik geraten, wenn sie sich vor etwas erschrecken und kein “Versteck” finden können. Im schlimmsten Fall - dieser tritt oftmals ein, wenn ein Raubtier eindringt und hinter dem Kaninchen her jagt - versterben sie infolgedessen an einem akuten Herz-Kreislauf-Versagen.

Je stärker der Rückzugsort einen “Bau” imitiert, desto stärker ist das Sicherheitsgefühl, welches er den Kaninchen vermittelt.

Höhlen aller Art leisten hier bereits einen guten Dienst. Besonders empfehlenswert sind allerdings Tunnel, z.B. in Form von Kanalrohren oder aneinandergereihten Pflanzsteinen. Beobachtungen haben gezeigt, dass selbst Kaninchen, die im Alltag geräumige Höhlen den Tunneln bei weitem vorziehen, instinktiv letztere aufsuchen, wenn sie Gefahr wittern.

Am beliebtesten sind Tunnelsysteme mit mehreren Abzweigungen - am besten enden sie z.T. in einer Höhle, gleich der "Wohnkessel", die sich in den Bauten der Wildkaninchen finden.

Achten Sie darauf, dass Sie im Notfall die Möglichkeit haben, das Tunnelsystem zügig auseinander zu bauen! Unterirdisch verlegte Rohre sind für Kaninchen zwar ein Highlight, doch hier haben Sie keinerlei Zugriff auf die Tiere.

Vorsicht ist auch in unruhigen Gruppen geboten: Begegnen sich zwei Tiere in einem Rohr und kommt es dabei zu Anfeindungen, kann das unterlegene Kaninchen mitunter nicht schnell genug flüchten. Achten Sie daher darauf, Rohre mit einem nicht zu engen Durchmesser zu wählen; dann können sich die meisten Kaninchen sogar darin umwenden. Da die Tiere z.T. jedoch auch rückwärts die Flucht antreten, sollten es keine längeren Rohrstrecken ohne Ausgang oder Abzweigung geben - hier kann das Kaninchen flüchten bzw. hat bessere Möglichkeiten, sich umzuwenden.

Was Höhlen betrifft, besteht der erklärte Favorit der meisten Kaninchen und noch dazu ein dekorativer Hingucker fürs menschliche Auge in “Baumhöhlen” - d.h. Höhlen, die man aus dicken Ästen, Wurzel- und Rindenstücken konstruiert hat. Äußerst beliebt sind auch die bereits erwähnten Pflanzsteine, die es in den Gartenabteilungen der Baumärkte in allen erdenklichen Formen und Größen zu kaufen gibt. Auch handelsübliche Häuschen, Ställe, Transportboxen, überdachte Katzentoiletten und Hundehütten leisten oftmals gute Dienste.

Natürlich lassen sich auch diverse Gegenstände zur Höhle zweckentfremden: Holzkisten, Pappkartons mit Einschlupfloch, Tische mit möglichst bodenlangen Tischdecken, die Nische unterm Bett oder Sofa bieten unseren Lieblingen hervorragende Versteckmöglichkeiten.

Ausschau halten

Das Aufsuchen zweiter Ebenen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen vieler Kaninchen. Dafür werden mitunter beeindruckende Sprünge hingelegt. Erhöhte Punkte sind eine ideale Möglichkeit, dominanten Artgenossen auszuweichen; zudem lässt sich die Umgebung von hier wunderbar überblicken. Ist kein Feind in Sicht, wird auf einem Flachdach auch gerne einmal ein Nickerchen gemacht. Niedrige, oben aufklappbare Freigehege, die für Meerschweinchen gute Dienste leisten mögen, sind für unsere spring- und "kletterfreudigen" Kaninchen nicht geeignet.

Durch Flachdachhöhlen entstehen zweite Ebenen ganz von selbst – sind diese zu hoch, um mit einem Sprung erreicht zu werden, kann eine danebenstehende, niedrigere Höhle als Stufe dienen. Gut geeignet sind hierfür z.B. Pflanzsteine und Holzkisten. Zweite Ebenen sollten möglichst rutschfest sein, damit ein hinauf- oder herunterspringendes Kaninchen sich nicht verletzen kann. Selbstverständlich darf auch keinerlei Einsturz- oder Kippgefahr bestehen. Darauf sollten Sie ganz besonders achten, wenn Sie Einrichtungsgegenstände aufeinander stapeln.

Es ist sinnvoll, die Ränder des Geheges, Zimmers oder Balkones nicht mit Gegenständen zu verstellen, da die Kaninchen sie gerne als “Laufbahnen” nutzen, um "Runden zu drehen". Alternativ können Sie z.B. Sitzbretter am Gitter anbringen.

Bieten Sie Kartons als Höhlen an, wählen Sie vorzugsweise solche aus fester Pappe; denn wenn die Kaninchen beim Hinaufspringen “einknicken”, werden sie diese Ebenen fortan meiden.

Achten Sie bei der Strukturierung der Kaninchenunterkunft immer darauf, dass sämtliche Gegenstände, auf die die Kaninchen springen könnten, keine Gefahrenquelle darstellen (s.o.), denn oftmals sind sie für die Tiere nicht als solche erkenntlich: so kann das Springen auf ein gespanntes Tuch, das eigentlich nur als Höhlendach dienen sollte, schnell zum Einsturz der gesamten Konstruktion und somit der Verletzung des Kaninchens führen!

Toben & Haken schlagen

Besonders junge Kaninchen bauen ihre überschüssige Energie gerne ab, indem sie freudig umher tollen, gigantische Haken schlagen und beeindruckende Sprints hinlegen. Aber auch ältere Tiere lassen sich bei einem entsprechenden Platzangebot gerne zur spontanen sportlichen Aktivität hinreißen.

Das Ausleben ihres großen Bewegungsdrangs ist für Kaninchen von immenser Wichtigkeit, um Skellet und Muskeln zu stärken, das Immunsystem anzuregen und die Verdauung in Schwung zu halten. Unausgelastete Kaninchen verkümmern nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und entwickeln oftmals Verhaltensstörungen.

Von großer Bedeutung ist einerseits die Fläche, auf der die Tiere sich “austoben” können, andererseits aber auch die Höhe des Geheges. In Gehegen mit zu niedrigem Dach, wie es sie im Zooladen regelmäßig mit Klapp-, Schiebe- oder Netzdach zu kaufen gibt, ist den Kaninchen kein vernünftiges Hakenschlagen möglich.

Achten Sie bei der Strukturierung des Kaninchenheimes darauf, immer ausreichend freie Fläche zu lassen, um den Tieren ein ungehindertes Rennen zu ermöglichen. Dies lässt sich meistens gut umsetzen, indem sämtliche Gegenstände mit einem Abstand von mindestens 30-60 cm – abhängig von der Größe der Kaninchen - zur äußeren Begrenzung platziert werden. Eine zusätzliche Freifläche, die das Hakenschlagen ermöglicht, sollte ebenfalls miteingeplant werden. Mindestens die Hälfte der Fläche sollte jedoch mit diversen Einrichtungsgegenständen gut strukturiert werden, um ausreichend Beschäftigung zu bieten.

Graben

Einen beträchtlichen Teil ihres Lebens verbringt das Wildkaninchen mit der Anlage und Erweiterung von Höhlen. Beim Aufkratzen der Erde und dem anschließenden Wegscharren werden die Krallen stetig abgenutzt. Diesem Abschliff wird entgegengewirkt, indem die Krallen ein Leben lang wachsen.

Während einige Hauskaninchen für ihr Leben gerne graben, scheint dieses Instinktverhalten bei anderen verloren gegangen zu sein; bei manchen Kaninchen “erwacht” die Lust am Graben aber auch irgendwann im Laufe ihres Lebens. Kastrierte Tiere graben allgemein deutlich weniger als unkastrierte.

Bei der Haltung im Außengehege sollten wir den großen Vorteil nutzen, unseren Kaninchen die Möglichkeit zum ausgiebigen Graben gewähren zu können. Dies ist durch ein unterirdisches Gitter oder alternativ einen senkrecht tief (mindestens 60 cm) in den Boden eingelassenen Rundum-Schutz möglich; auch ein großer Erdhaufen, am besten zusätzlich, sorgt bei vielen Kaninchen für Begeisterung. Letzterer ist auch für Balkone empfehlenswert. Wem dies nicht zusagt, der sollte seinen Tieren ersatzweise einen gefüllten Kindersandkasten o.ä.zur Verfügung stellen.

Bei Wohnungshaltung empfiehlt sich eine große, mit Sand oder Erde gefüllte Plastikwanne. Für Abwechslung sorgen Katzentoiletten oder andere kleinere Plastikschalen, die man mit Toiletten- oder Küchenpapier, Stofftüchern oder -fetzen, Papier- oder Zeitungsschnipseln füllt; zumindest lassen sich damit der Scharr- und Wühltrieb der Kaninchen ein wenig befriedigen. Um ein Hinausscharren des Inhaltes zu vermeiden, können die Ausgänge von Buddelkisten mit Katzenklappen oder "Vorhängen" aus biegsamem Material (z.B. Fußmatten- oder Teppichstücke) versehen werden.

Nagen

Das Benagen von Ästen und Zweigen ist für Wildkaninchen im Winter überlebenswichtig, da ihnen zu dieser Jahreszeit nur wenig anderweitige Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Zum Zweiten dient es der enzymatischen Reinigung von Zähnen und Zahnfleisch

Der Abschliff der ständig nachwachsenden Zähne wird hingegen lediglich durch die Reibung des Zahnes an seinem jeweiligen Gegenspieler erwirkt.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass für einen geregelten Zahnabrieb lediglich die Art – nämlich eine Mahltätigkeit – sowie die Dauer der Nahrungszerkleinerung eine Rolle spielt und nicht, wie irrtümlicherweise oft behauptet, die „Härte“ des Futters.

Eine ausreichende Kaudauer wiederum wird durch rohfaserreiche, kalorienarme Futtersorten erzielt – also an oberster Stelle Gräser und Kräuter, da diese aufgrund des hohen Flüssigkeitsgehaltes sehr wenig nahrhaft sind und außerdem in großen Mengen intakte,unverarbeitete (im Gegensatz z.B. zu Pellets) Pflanzenfasern enthält.

Auch gut gesättigte Kaninchen, denen ständig ausreichend Futter zur Verfügung steht, besitzen einen ausgeprägten Nagetrieb – der bei einem ungeeigneten "Angebot" Mensch und Tier schaden kann.

Nur allzu schnell ist ein kostbarer Einrichtungsgegenstand den Nagezähnen zum Opfer gefallen, oder das Kaninchen hat probehalber an einem attraktiven Plastikgegenstand geknabbert und ein Stückchen verschluckt... Aus diesem Grunde dürfen sich Gegenstände, die dem Kaninchen beim Benagen schaden könnten, nie unbeobachtet in dessen Reichweite befinden – und wertvolle Möbel sollten von vornherein entsprechend gesichert werden.

Besondere Gefahr besteht in jedem Fall, wenn den Kaninchen nicht ausreichend Nagematerial zur Verfügung gestellt wird.

Die zugleich preiswerteste, gesündeste und bei den Tieren beliebteste Möglichkeit hierzu bieten Äste und Zweige – idealerweise mit Blättern und Knospen. Geeignet sind u.a. Obstbäume, Haselnuss, Kastanie, Buche, Weide und Birke; letztere findet sich auch in den meisten Stadtgebieten.

Wurzel- und Knollengemüse wie Möhren, Sellerie und Kohlrabi erfordern ebenfalls einen ausgiebigen Einsatz der Nagezähne. Um die Tiere zur ausführlichen eigenen “Erarbeitung” ihres Futters zu veranlassen, sollten Sie das Gemüse nur grob zerteilen und nicht etwa in "mundgerechte" Stücke oder Scheiben zu schneiden.

Kaninchen, die sehr friedlich miteinander umgehen, erhalten das Gemüse optimalerweise im Ganzen - z.B. eine unzerteilte Sellerieknolle. In Gruppen hingegen, in denen es auch einmal zu Reibereien kommt, sollte darauf geachtet werden, dass pro Kaninchen mindestens ein Gemüsestückchen vorhanden ist, um Futterneid vorzubeugen.

Auch sollte stets darauf geachtet werden, dass die Kaninchen sich nicht hauptsächlich von Wurzelgemüse ernähren, sondern in erster Linie von Kräutern, Gräsern und / oder Blättern. Ansonsten kann es auf Dauer zu Zahn-, Verdauungs- sowie Gewichtsproblemen kommen. Sind diese bereits vorhanden, muss das Wurzelgemüse (vorübergehend) maßvoller gereicht oder sogar ganz gestrichen werden.

Zur Not helfen unbehandelte Holzgegenstände, dem Nagebedürfnis gerecht zu werden; dies zeigt sich spätestens dann, wenn die Kaninchen beginnen, ihre Häuschen oder die Schutzhütte zu benagen.

Handelsübliche Knabberstangen, -ecken, -herzen usw. sowie hartes Brot sind für Kaninchen völlig ungeeignet und können auf Dauer schwere gesundheitliche Schäden verursachen! Diese Nahrungsmittel mögen helfen, den Nagetrieb zu befriedigen; dies rechtfertigt jedoch in keiner Weise die schweren Folgeschäden, die sie mitunter nach sich ziehen.